Drei von vier Deutschen sehen digital fern

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Erneut haben der Satellitenbetreiber Astra und der Kabelverband Anga unterschiedliche - und sich im Fazit widersprechende - Zahlen zu den TV-Empfangswegen in deutschen Haushalten vorgelegt. Beiden Berichten gemein ist jedoch die Tendenz, dass immer mehr Zuschauer digitales Fernsehen empfangen. Das Kabel ist inzwischen der einzig verbliebene Übertragungsweg für analogen TV-Empfang.

Die deutschen Kabelnetzbetreiber konnten laut Anga den Trend der vergangenen Jahre fortsetzen und weitere digitale TV-Haushalte dazugewinnen. Dies geht aus dem  hervor, der auf 8.000 Telefon-Interviews des Marktforschungsinstituts TNS Infratest beruht: Knapp die Hälfte (48,2 Prozent) der deutschen Kabel-TV-Haushalte – rund 8,8 Millionen – sieht inzwischen Fernsehen in digitaler Qualität. Dies entspricht einem Wachstum von sechs Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.

Insgesamt empfingen am Stichtag 30. Juni etwa 18,2 Millionen Haushalte ihre TV-Programme über einen Kabelanschluss. Den Satellitenempfang nutzten laut Digitalisierungsbericht 17,3 Millionen Haushalte. Was der Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber nicht erwähnt: Gegenüber 2011 verlor das Kabel rund 700.000 Kunden.

Mehrdeutige Methodik

Ebenfalls auf den Bericht der Medienanstalten beruft sich der „Astra TV-Monitor“. Der Satellitenbetreiber kommt jedoch auf 17,6 Millionen Sat-Haushalte. Die Differenz gegenüber den vom Anga angeführten 17,3 Millionen Sat-Haushalten ergibt sich daraus, dass die Landesmedienanstalten rund 300.000 Haushalte mit Gemeinschafts-Sat-Anlagen als Kabelhaushalt definieren, bei denen das Satellitensignal in ein Kabelsignal umgewandelt wird und die demzufolge keinen Sat-Receiver besitzen. In die Berechnung kommt also der Weg, auf dem das TV-Signal empfangen wird – und nicht, wie es gesendet wird.

Hier zählt Astra nachvollziehbarerweise anders, wie Astra-Pressesprecher Stefan Vollmer auf Nachfrage von inside-digital.de bestätigte. „Außerdem führen wir eine Marktbetrachtung auf 100-Prozent-Basis durch“, so Vollmer weiter. „Für uns zählt nur ein Empfangsweg pro Haushalt, nämlich der Erstempfang. Die Landesmedienanstalten zählen jedoch sämtliche Empfangsarten innerhalb eines Haushalts einzeln, weshalb es zu unterschiedlichen Gesamtzahlen kommt.“ So erklärt sich auch, dass sich bei der prozentualen Verteilung der Verbreitungswege Gesamtwerte von über 100 Prozent ergeben (Kabel 47,9%, Satellit 45,6%, Antenne 12,5%, Internet 4,3%).

Verbuchte der Satellit also laut Astra-Rechnung ein Plus von 100.000 , so gibt der Betreiber „die Reichweite des Kabelfernsehens im Erstempfang“ mit nur noch 17 Millionen an – und sieht Sat-TV demzufolge  in Deutschland. Dem hatte der Anga .

Analog nur noch im Kabel

Wie dem auch sei: Unstrittig ist der erneut gestiegene Digitalisierungsgrad in den knapp 38 Millionen deutschen TV-Haushalten – was zum Großteil an der  zum 30. April lag. „Die Analogabschaltung ist für uns in jeder Hinsicht einwandfrei über die Bühne gegangen“, sagte Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland. „Anfang 2012 gab es noch 1,8 Millionen analoge Satellitenhaushalte, die sich bis zur Abschaltung Ende April für eine digitale Umrüstung oder einen anderen Empfangsweg entscheiden mussten. Ein Rückgang unserer Reichweite wäre also durchaus im Bereich des Möglichen gelegen. In diesem schwierigen Umfeld ist es uns gelungen, die Zuschauer von den Vorteilen des digitalen Satellitenempfangs zu überzeugen – und somit unsere Reichweite sogar auszubauen.“

Auch das digitale terrestrische Fernsehen DVB-T konnte im Zuge der Analogabschaltung Haushalte dazugewinnen und lag zum 30. Juni bei einer Reichweite von zwei Millionen. Die Reichweite des Fernsehens über das Internet (IPTV) stieg ebenfalls auf 1,4 Millionen Haushalte. Der Digitalisierungsgrad aller TV-Haushalte erhöhte sich so auf knapp 78 Prozent. Analogen Fernsehempfang gibt es seit dem 1. Mai nur noch im Kabel. Zum Stichtag sahen 8,7 Millionen Kabelhaushalte analog fern, was einer knappen Mehrheit von 51 Prozent entspricht.

HD weiter auf dem Vormarsch

TV-Trend Nummer eins bleibt laut Astra HDTV. Zum 30. Juni schauten bereits 7,2 Millionen Satellitenhaushalte in Deutschland Programme in HD-Qualität, das entspricht einem Anteil von 41 Prozent (Ende 2011: 34%). Im Zuge der Analogabschaltung seien viele Verbraucher „gleich auf HDTV umgestiegen“, so der Satellitenbetreiber.

Laut GfK Retail & Technology wurden im ersten Halbjahr 2012 fast 1,6 Millionen HD-Receiver verkauft, das entspricht einer Steigerung von gut 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurde im ersten Halbjahr in Deutschland die Rekordzahl von über drei Millionen digitalen Satellitenreceivern verkauft – doppelt so viel wie in den ersten sechs Monaten 2011.

Fazit

Die Analogabschaltung hat der Industrie einen schönen Boom beim  und Fernsehern mit digitalem Tuner beschert. Der Logik folgend müsste nach der Antenne und dem Satelliten jetzt auch das Kabel dem Trend folgen und komplett auf digitalen Empfang umstellen. Hier ist jedoch neben der immer noch hohen Anzahl an analogen Kabelhaushalten – etwa 8,7 Millionen – auch die Zahl der Zweitgeräte zu berücksichtigen. Laut Digitalisierungsbericht ist hier der Digitalisierungsgrad noch geringer. Insgesamt rund 15 Millionen Geräte sind in Deutschland an das analoge Kabel angeschlossen und müssten ergo ersetzt werden.

Hier ergibt sich ein weiteres potenzielles Problem: Den Landesmedienanstalten zufolge verfügen die analogen Kabelnutzer über ein eher geringes Einkommen verglichen mit digitalen Kabel- und Sat-Zuschauern. Hier wäre ein Umstieg eine verhältnismäßig höhere finanzielle Belastung als bei der analogen Sat-Abschaltung. Bis der Fernsehempfang in Deutschland also komplett digitalisiert ist, dürfte es noch eine Weile dauern.

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