So gefährlich ist die zunehmende Handynutzung im Alltag

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Die zunehmende Handynutzung im Alltag wird zu einem Problem für die Gesundheit
Bildquelle: Vodafone
Dass das Smartphone zu einer Art Alltagsbegleiter geworden ist, ist nichts Neues. Auch die Tatsache, dass das Handy immer häufiger genutzt wird, solle niemanden überraschen. Neue Zahlen, die nun von der "Apotheken Umschau" veröffentlicht wurden, machen dann aber doch deutlich: Ein bisschen weniger Handy-Nutzung täte einigen Anwendern sicherlich nicht schlecht.

Laut einer repräsentativen Umfrage des Gesundheitsmagazins, die von der GfK Marktforschung in Nürnberg bei knapp 2.150 Frauen und Männern ab 14 Jahren durchgeführt wurde, belegt: Sechs von zehn Frauen und Männern in Deutschland (60,9 Prozent) sind über ihr Smartphone eigentlich immer erreichbar. Von den 14- bis 29-jährigen Bundesbürgern haben 86,9 Prozent das Handy nahezu immer griffbereit, von den 30- bis 39-Jährigen immerhin 79,5 Prozent.

Darüber hinaus geben fast vier von zehn Frauen und Männern (38,3 Prozent) an, dass sie ständig ihre E-Mails oder Mitteilungen auf WhatsApp, Facebook und anderen Portalen checken. Auch das räumen vor allem Jugendliche und junge Erwachsene ein: Von den 14- bis 19-Jährigen 79,2 Prozent, von den 20- bis 29-Jährigen 67,9 Prozent.

Bei manchen Nutzern sollte ein Umdenken einsetzen

IT-Experte Alexander Markowetz fordert in der „Apotheken Umschau“ ein Umdenken: „Das Smartphone der Zukunft könnte einen zum Beispiel nach fünf Minuten Daddeln daran erinnern, dass schon wieder fünf Minuten rum sind. Oder vom Anklicken bis zum Öffnen von Facebook 90 Sekunden vergehen lassen. Wenn es wichtig ist, wartet man das ab, die anderen 999 Mal pro Woche lässt man es.“

Schuld am ständigen Klicken auf dem Handy-Display seien unbewusste Automatismen. „Es reicht nicht, rational festzustellen, dass etwas ungesund ist“, meint der Experte. Bei den genannten Automatismen laufen sogenannte dopaminerge Prozesse an: „Auf eine Handlung folgt ein Überraschungsmoment, was eine Ausschüttung des Glückshormons Dopamin im Gehirn auslöst. Und von diesem Gefühl wollen wir mehr, also wiederholen wir die Handlung immer wieder“, so Markowetz weiter.

Das Handy ist ein moderner Glücksspielautomat

Das Handy sei heutzutage sozusagen ein getarnter Spielautomat, bei der die Belohnung die soziale Aufmerksamkeit, interessante Nachrichten oder eine neue Herausforderung sei – etwa ein höheres Level bei einem Online-Spiel. Im Schnitt werde ein Handy nur sieben Minuten pro Tag für Telefonate genutzt. „Dem gegenüber stehen zweieinhalb Stunden Klicken: 88 Mal am Tag tippen wir den Bildschirm an. Manchmal nur, um die Uhrzeit abzulesen. Aber auch 53 Mal, um mit dem Telefon zu interagieren. Das sind 53 substanzielle Unterbrechungen pro Tag. Bezogen auf einen 16-Stunden-Tag schalten wir alle 18 Minuten unser Handy an“, warnt der Experte.

Besonders Facebook, WhatsApp, Instagram, Snapchat, Spiele und Online-Nachrichten seien bei Smartphone-Nutzern beliebt. „Wir kommen nicht mehr in den sogenannten Flow – also in den Zustand, in dem man seine ungeteilte Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit konzentriert und Glück empfindet“, so Markowetz weiter. „Diesen Zustand erreicht man eigentlich nach etwa 15 Minuten. Wir aber nicht, weil wir uns viel zu oft unterbrechen. Das macht unproduktiv und vor allem unglücklich. Am Ende des Tages hat man das Gefühl, nicht wirklich alles geschafft zu haben.“

Digitale Pausen sind wichtig

Der Juniorprofessor der Uni Bonn findet deutliche Worte: Das Smartphone entziehe dem täglichen Leben wichtige Pausen, die an sich aber sehr wichtig seien. Früher sei das Verhalten grundsätzlich anders gewesen. „Wenn der Bus nicht kam oder wenn sich die Verabredung verspätete, dann wurde man gezwungen, innezuhalten und nachzudenken. Diese Pausen haben wir durch sinnloses Klicken eliminiert.“ Die Gefahr, einen digitalen Burn-out zu erleiden, sei deswegen sehr hoch. „Wenn man es nicht mehr schafft, bewusste Pausen in den Alltag einzubauen, kommt es zu einer Art Mangelerscheinung – sie zeigt sich durch Stress und Depressionen.“

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