Einfachheit, die ihren Preis hat

8 Minuten
Hands on: Doro Liberto 825/8031
Bildquelle: inside-handy.de
Smartphones sind kompliziert und ihre Bedienung ist schwierig zu erlernen. Der schwedische Hersteller Doro möchte diese These widerlegen, und bietet leicht zu bedienende Smartphones, die sich vornehmlich an eine immer größer werdende Zielgruppe richten: Senioren. Doch was ist bei aller Einfachheit für den erfahrenen Smartphone-Nutzer noch drin? Dies soll das ausführliche Hands-On des Doro Liberto 825 sowie des Doro 8031 von inside-handy.de klären.

Design und Verarbeitung

Bereits beim Auspacken zeigt sich, worauf Doro bei der Gestaltung der Geräte Wert gelegt hat und erregt damit zugleich die Aufmerksamkeit des versierten Smartphone-Nutzers. Das Liberto 825 erweckt mit seiner rutschfesten Oberfläche und seinen großen mechanischen Tasten auf der Vorderseite spontan den Eindruck eines Spielzeughandys. Doch da die Hersteller von Smartphones zunehmend sogar auf kapazitive Tasten verzichten und die Android-Funktionstasten auf dem Touchscreen darstellen lassen, sind die mechanischen Tasten eine willkommene Abwechslung, nachdem man die ersten Berührungsängste überwunden hat.

Das Äußere des Liberto 825 hat Doro komplett aus Kunststoff gefertigt. Der rutschfeste Gehäusedeckel ist abnehmbar und offenbart den austauschbaren Akku sowie die Schubfächer für SIM- und Speicherkarten. Ebenso findet man auf der Rückseite eine Notruftaste sowie einen Lautsprecher, der beim Liberto 825 silbern verkleidet ist. Die Seiten des Gehäuses ziert ein Rahmen in silberner Metallic-Optik, an dem Knöpfe und Kontakte angebracht sind. Neben der obligatorischen Lautstärkewippe und dem Power-Button verfügt das Doro-Flaggschiff über einen dedizierten Kamera-Button. Der schwedische Hersteller beweist hier ein Gespür für Details. So sind alle Knöpfe und Anschlüsse entsprechend selbsterklärend beschriftet. An der Gehäuseunterseite hat Doro überdies den kompletten Modellnamen aufgedruckt, sodass sich die Frage nach dem Handymodell auch für nicht technisch versierte Nutzer leicht beantworten lässt.

Die Vorderseite beherbergt neben dem 5-Zoll-Display, welches der Hersteller hinter Plexiglas schützt, die großen mechanischen Buttons für Multitasking, Home und Zurück und zwar in dieser Anordnung, wie sie auch von Samsung benutzt wird. Das Display wurde leicht versenkt um es zusätzlich vor Verkratzen zu schützen.

Das Doro 8031 ist preisgünstiger und etwas kleiner als das Liberto 825, doch bis auf einige anders gelagerte Buttons ist das kleine Doro-Smartphone seinem großen Bruder grundsätzlich recht ähnlich. Auffällig sind hier der breitere Display-Rahmen sowie das Fehlen von Kontakten für die Docking-Station. Diese wird beim 8031 mit über den Micro-USB-Anschluss angeschlossen, weshalb das Gerät in diese „hineingesteckt“ wird, während sich das Liberto 825 dort einfach hineinlegen lässt.

Die Docking-Stations liefert Doro übrigens gleich mit, genau wie ein Headset sowie ein Netzteil, das aus USB-Kabel und Steckdosensockel besteht, sich also auch verwenden lässt, um das Smartphone mit dem PC zu verbinden. Hier hebt sich der schwedische Hersteller angenehm von anderen Herstellern ab, die gerade in dieser Preisklasse zunehmend auf mitgeliefertes Zubehör verzichten.

Ausstattung und Leistung

Die Zielgruppe der Doro-Smartphones kann mit den Begriffen Snapdragon und Gigahertz in der Regel recht wenig anfangen, und dies zeigt sich auch in der technischen Ausstattung der Smartphones. So kommt in beiden Modellen der Snapdragon 210 aus dem Hause Qualcomm zum Einsatz, mit dem der Chiphersteller aus San Diego das günstige Einstiegssegment abdeckt. Diesen paart der schwedische Hersteller mit 1 GB Arbeitsspeicher sowie 8 GB internem Speicher und bietet in beiden Smartphones so eine ähnliche Leistung auf denen das Android-Betriebssystem nebst Doros eigener Oberfläche recht zügig läuft.

Die Unterschiede zeigen sich in der übrigen Ausstattung recht deutlich und rechtfertigen die Preisdifferenz von 100 Euro. Während das Liberto 825 mit einem 5 Zoll großen Bildschirm in einfacher HD-Auflösung (720 x 1.280 Pixel; 294 ppi) daherkommt, ist der Bildschirm des Doro 8031 nur 4,5 Zoll groß und verfügt mit einer Auflösung von 480 x 854 Pixel über eine deutlich geringere Pixeldichte von nur 218 ppi.

Auch die Kameramodule der beiden Doro-Smartphones unterscheiden sich. Während das größere Doro Liberto 825 über eine 8-Megapixel-Kamera verfügt, gibt sich der Sensor im Doro 8031 mit rund 5 Megapixeln zufrieden. Beide Sensoren zeichnen Videos in Full-HD-Qualität auf, also mit 1.920 x 1.080 Pixeln. Auch mit einer Frontkamera können beide Smartphones aufwarten, allerdings sollten hier keine Wunder erwartet werden: Während das teurere Liberto 825 immerin mit einer 1,2 Megapixel starken Selfie-Knipse aufwarten kann, löst die vordere Kamera des 8031 gerade einmal mit VGA-Auflösung, also 640 x 480 Pixeln auf, was 0,3 Megapixeln entspricht.

Beide Smartphones kommen mit dem gleichen austauschbaren Akku, der 2.000 mAh an Strom fasst. Als Betriebssystem kommt Android 5.1 zum Einsatz, das Doro mit seiner einer eigenen Oberfläche überzogen hat, um die Bedienung zu Vereinfachen.

Die Gesprächsqualität der Doro-Smartphones ist sehr gut. Sowohl im Normal- wie auch im Freisprechmodus haben Angerufener und Anrufer einander sehr gut verstanden.

Software und Multimedia

Das Steckenpferd von Doro ist die leichte Bedienung. Dies ist Doro mit der eigenen Android-Oberfläche gut gelungen. So sieht man auf dem Homescreen des Geräts neben frei wählbaren App-Verknüpfungen auch die Verben „Anrufen“, „Anzeigen“ und „Senden“. Durch Scrollen erreicht man weitere Verben wie „Aufnehmen“, „Hören“ und „Suchen“. Wählt man eines dieser Verben, führt das Telefon den Nutzer durch den Vorgang, wobei er sich keinerlei Gedanken machen muss, mit welcher App welcher Vorgang abgeschlossen wird. So offeriert „Senden“ die Möglichkeiten des Versendens einer Nachricht oder einer E-Mail, ein Bild oder Video und ein Kontakt können aber ebenso versendet werden wie der eigene Standort.

Auch die Aufnahme eines Selfies gelingt mit der cleveren Abfrage durch die Doro-Software sehr zielsicher, das Finden des Knopfes für den Wechsel der Kameraseite entfällt auf diesem Weg. Über die Apps findet man die Kamera hingegen nicht, hier ist also tatsächlich Umdenken angesagt, doch ein langer Druck auf den Kamerabutton startet die Kamera-App ebenfalls. Installiert man einen anderen Launcher sind sowohl Kamera als auch die Verben über das Apps-Menü weiterhin erreichbar.

Screenshot vom Doro Liberto 825
Bildquelle: inside-handy.de

Der Lautsprecher auf der Rückseite der Doro-Smartphones liefert einen lauten und klaren Klang, der Musikplayer jedoch ist auf das Wesentliche reduziert. Dies gilt für die meisten der mitgelieferten Apps der Doro-Smartphones Liberto 825 und 8031: Im Vordergrund steht nicht Funktionsvielfalt, sondern Einfachheit.

Komplexe Apps mit vielen Funktionen kann man sich im Google Play Store herunterladen, der auf beiden Smartphones zur Verfügung steht. Damit muss man sich um die Funktionsvielfalt den Senioren-Smartphones auch als geübter Android-Nutzer keine Sorgen machen.

Fazit, Preis und Alternativen

In puncto Leistung handelt es sich bei den beiden Doro-Smartphones ganz klar um Einsteigermodelle. Dies merkt man teilweise an Ladezeiten und bei der Bedienung. Zwar ist diese recht flüssig und auch 3D-Spiele wie Asphalt 8 lassen sich hier spielen, doch Höchstleistungen kann man natürlich nicht erwarten und auch die Navigation durch die Menüs beherrschen andere Smartphones flotter.

Doch mit diesen sollte man die Smartphones von Doro gar nicht vergleichen, denn deren Hauptargument ist nicht die hohe Leistung, sondern die einfache Bedienung. Diese ist im ersten Moment etwas gewöhnungsbedürftig, doch man findet sich schnell in die Logik hinter der Benutzeroberfläche hinein. Das Gefühl, dass ein Doro-Smartphone weniger kann, als ein vergleichbares Android-Smartphone eines anderen Herstellers kommt derweil nicht auf.

Gemessen an den Spezifikationen sind die Preise, die Doro für seine Smartphones verlangt. etwas hoch angesetzt: Für das Liberto 825 setzt der schwedische Hersteller einen Preis von 279 Euro an, das erst im März erschienene 8031 soll 100 Euro weniger kosten, also 179 Euro. Auch auf dem freien Markt werden diese Preise nicht stark unterboten, wie die Preisentwicklung der beiden Doro-Modelle zeigt.

Eine Alternative wäre zum Beispiel das Huawei Y6. Auch dieses kommt mit einem Snapdragon 210, 1 GB RAM und einem 5-Zoll-HD-Bildschirm daher. Zu haben ist es allerdings bereits ab 109 Euro, die unverbindliche Preisempfehlung hat Huawei auf 149 Euro festgesetzt – das Vergleichsgerät ist hier wohlgemerkt das teurere Doro Liberto 825.

Wer die speziellen seniorenfreundlichen Funktionen der Doros nicht benötigt, fährt daher mit einem anderen Gerät oft besser. Für Smartphone-Einsteiger, gerade im höheren Alter, kann man die Doro-Geräte mit ihrer einfachen Menüführung, die ihres Gleichen sucht, jedoch bedenkenlos empfehlen. Denn wenn sie ihre Stärken voll ausspielen können, sind die Geräte ihr Geld wert.

Datenblatt-Vergleich: Doro Liberto 825 vs. Doro 8031

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