Samsung Galaxy F: Faltbares Handy kommt ohne Display-Schutz

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Samsung Galaxy Konzept faltbares Smartphone Galaxy F
Bildquelle: nieuwemobiel
Die Geschichten um das faltbare Galaxy-Smartphone mit dem Arbeitstitel "Project-Valley" von Samsung sind schon fast mysteriös. Langsam lichtet sich der Nebel jedoch. Nachdem vor einigen Monaten ein biegbares Panel zertifiziert wurde, könnten demnächst umfangreiche offizielle Informationen enthüllt werden.

Nach jahrelangen Spekulationen hat sich Samsung vor Kurzem offiziell zu dem faltbaren Smartphone aka Galaxy F oder Galaxy X geäußert. Das Gerät befindet sich in Arbeit, wobei die ersten genauen Details bereits im November veröffentlicht werden könnten. Diese Information bestätigte der Hersteller nun erneut, wie The Korea Herald berichtet: „Wir werden zu diesem Zeitpunkt (November 2018) mehr über das zu entwickelnde Handy sagen können, vielleicht einige Angaben zu den Spezifikationen.“

Bevor es soweit ist, bleiben jedoch viele Fragen offen – und zwar nicht nur die üblichen nach dem Prozessor oder der Akkukapazität. Da es sich bei dem mutmaßlichen Samsung Galaxy F um ein faltbares Gerät handelt, entstehen hier bei der Technologie größere Abweichungen von bereits seit Jahren etablierten Standards. So sprechen aktuelle Berichte davon, dass das Handy aufgrund des biegsamen Bildschirms nicht über einen Display-Schutz wie Gorilla Glass verfügen wird. Dies liegt verständlicherweise daran, dass man den Bildschirm sonst nicht falten beziehungsweise zusammenklappen könnte. Als Ersatz scheint Samsung auf das japanische Chemieunternehmen Sumitomo Chemical sowie besondere Kunststoffe (Polyimide) setzen zu wollen. Damit könnte man das Handy zwar biegen, der Display-Schutz jedoch wäre vergleichsweise gering. Folglich könnten hier Kratzer abhängig vom Nutzungsverhalten an der Tagesordnung sein.

Ein weiterer negativer Aspekt betrifft die Reparaturkosten. Angesichts der heutigen Preise für High-End-Smartphones, dürfte das faltbare Samsung Galaxy F ein kleines Vermögen kosten, wobei das Display zu den teuersten Komponenten zählen dürfte. Entsprechend hoch dürften folglich auch die Reparaturkosten ausfallen. Ein Minuspunkt, den potentielle Käufer in die Kaufentscheidung einfließen lassen sollten.

Interne Bezeichnung „Winner“

Unterm Strich scheint sich das Smartphone in der letzten Entwicklungsphase zu befinden. Zwar ist eine Vorstellung vor dem nächsten Jahr eher unwahrscheinlich, Anfang 2019, auf der CES oder dem MWC, könnte es allerdings soweit sein. Einigen Berichten zufolge wird das Handy Samsung-intern als „Winner“ bezeichnet und besitzt ein 7,3-Zoll-großes OLED-Display. Falls dies zutrifft, wird es sich bei dem faltbaren Gerät eher weniger um ein Smartphone handeln, dass sich zu einem Tablet aufklappen lässt. Stattdessen soll Winner wohl ein großes Handy werden, dass sich auf die halbe Größe zusammenklappen und bequem in der Hosentasche verstauen lässt. Dabei soll Samsung auf der anderen Seite ein zweites, 4,6-Zoll-Display platzieren, damit man das Mobiltelefon auch im geschlossenen Zustand bedienen kann.

Obwohl die aktuellen Gerüchte und Samsungs Hinweise recht vielversprechend klingen, wird es wohl noch mindestens zwei Monate dauern, bis etwas Konkretes zu dem Gerät veröffentlicht wird. Bis dahin handelt es sich bei den meisten genannten Details lediglich um Spekulationen. So kursieren bereits seit 2014 die Gerüchte, dass das faltbare Smartphone „schon im nächsten Jahr“ veröffentlicht wird. Diese waren allerdings noch nie so konkret und „offiziell“ wie dieses Mal.

Samsung äußert sich zu dem faltbaren Smartphone

Dass Samsung 2018 mit mehr Enthusiasmus an das ewige Projekt des faltbaren Smartphones herangeht, zeichnete sich bereits im Juli ab. Damals wurde ein entsprechendes Smartphone-Panel des Herstellers zertifiziert. Nun hat DJ Koh, Leiter der Smartphone-Sparte von Samsung, gegenüber dem Fernsehsender CNBC Schrödingers Katze endgültig aus dem Sack gelassen – und sie lebt. Konkret sagte Koh, dass man Informationen zum faltbaren Smartphone noch in diesem Jahr präsentieren werde; möglicherweise bereits auf der Entwickler-Konferenz im November. Wann Samsung das Gerät aber offiziell vorstellen wird, bleibt weiterhin unbekannt. Die Entwicklung sei laut Koh allerdings nahezu abgeschlossen.

Faltbar ist das neue randlos

Seit rund einem Jahr hat sich bei Smartphones das randlose Design in Kombination mit einem 18:9-Format oder höher und einem Steg durchgesetzt. Grund hierfür war, dass Käufer zwar größere Bildschirme wollen, jedoch nur mit einem weiterhin vergleichsweise handlichen Gehäuse. Als Folge verbesserten die Hersteller das Display-Gehäuse-Verhältnis bis zu einem Punkt, an dem eine Steigerung fast nicht mehr möglich ist. Und genau hier kommt die faltbare Technologie ins Spiel. Diese stellt den nächsten logischen Schritt dar, was auch einer Samsung-Umfrage entnommen werden kann. Diese wies das Vorhandensein eines Markts für faltbare Handys nach, ein großes Problem bleibt allerdings dennoch. So ist es laut Koh wichtig, einen Mehrwert gegenüber den Tablets zu schaffen: „Jedes Gerät, jede Funktion, jede Innovation sollte eine bedeutsame Botschaft für unsere Kunden haben. Damit der Nutzer, wenn er das Gerät benutzt, denkt: ‚Das ist der Grund, weshalb Samsung das Gerät geschaffen hat.'“

Das Samsung Galaxy X

Samsung meldete bereits im Juli 2015 ein erstes Patent für ein faltbares Tablet an. Auf der Display Week 2016 präsentierte das Unternehmen ein Display, dass beinahe wie Papier ausgerollt und gefaltet werden kann. Dabei handelte es sich wohl um ein 5,7 Zoll großes AMOLED-Panel mit einer Auflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln. Die Technologie ist also bereits vorhanden und muss „nur noch“ markttauglich gemacht werden. Mittlerweile heißt es hingegen, dass das Galaxy X im ausgeklappten Zustand auf insgesamt 7,3 Zoll kommen soll, wie Android Authority berichtet.

Obgleich das faltbare Handy zweifelsfrei eine technische Innovation darstellt, heißt es nicht zwangsläufig auch, dass die neue Smartphone-Gattung zu einem Erfolg werden wird. So ist der hauptsächliche Existenzgrund des biegsamen Geräts der, dass aktuelle, randlose Smartphones schlichtweg die maximale Display-Diagonale erreicht haben in der diese noch bequem bedient beziehungsweise sich in der Hosentasche herumgetragen lassen. Größere Bildschirmdiagonalen hingegen kann man lediglich mit faltbaren Geräten erreichen. Hier sollte der Größenunterschied jedoch auch erkennbar sein, denn schließlich sind Standard-Handys nicht nur handlicher, sondern auch kostengünstiger. Beim kommenden Samsung Galaxy X ist dies allerdings nicht der Fall, denn einige noch vergleichsweise kleine Smartphones bieten bereits heute ansatzweise gleichgroße Bildschirmdiagonalen – wie beispielsweise das neue Vivo Nex mit Gehäusemaßen von 162 x 77 x 7,98 Millimetern und einem 6,59-Zoll großen Display.

Das faltbare Smartphone soll in zwei Varianten auf den Markt kommen. Die Technik-Website The Android Soul beruft sich dabei auf einen Post im chinesischen Netzwerk Weibo. Demnach soll es ein kleineres Modell Galaxy X1 (Codename SM-X9000) und ein ein größeres Galaxy X1 Plus (Codename SM-X9050) geben.

Die Hardware

Neben den Kosten hat die Gerüchteküche bereits auch einige konkrete Angaben zur Hardware des Samsung Galaxy X genannt. So soll das faltbare Smartphone über drei Displays verfügen, von denen sich zwei auf der Innenseite und eines auf der Außenseite befinden. Aufgeklappt ergibt sich so eine Display-Größe von 7,3 Zoll, während der kleine Bildschirm eine Diagonale von 4,5 Zoll vorweisen wird. Das faltbare Smartphone soll in zwei Varianten auf den Markt kommen.

Patent: Samsung Galaxy X
Bildquelle: MSPoweruser

Durchbruch bei faltbarem Display

Der koreanische Hersteller sagte am Mittwoch, den 25. Juli, dass sein kürzlich entwickeltes Smartphone-Panel von Underwriters Laboratories zertifiziert wurde. Damit hat es dieses nun zu Marktreife gebracht. Samsung erwartet, dass Unternehmen das neue Panel nicht nur in Smartphones verbauen, sondern unter anderem auch in Autos, mobilen Militärgeräten und tragbaren Spielkonsolen.

Flexible Displays neigen dazu, zu zersplittern, wenn sie starken Stößen ausgesetzt sind. Samsungs flexibles OLED-Panel besteht daher aus einem laut Samsung unzerbrechlichen Substrat mit einem verstärkten Kunststoff-Overlay. „Das verstärkte Kunststofffenster eignet sich besonders für tragbare elektronische Geräte, nicht nur aufgrund seiner unzerbrechlichen Eigenschaften, sondern auch wegen seines geringen Gewichts, seiner Durchlässigkeit und seiner Härte, die Glas sehr ähnlich sind“, erklärte Hojung Kim, Sprecherin der Samsung Display Company. Das Display musste sich dem koreanischen Unternehmen zufolge strengen Tests unterziehen und wurde 26 Mal in Folge aus einer Höhe von fast 4 Fuß (etwa 1,2 Meter) fallengelassen. Anschließend hat es weiterhin funktioniert, ohne Schäden an der Vorderseite, Seiten oder Kanten.

Biegbares Samung-Display
Bildquelle: Samsung

Verfügbarkeit und Preis

Derzeit geht die Gerüchteküche davon aus, dass das faltbare Handy schon Anfang 2019 verfügbar sein wird. Schließlich wird „nächstes Jahr“ bereits seit mindestens vier Jahren als Veröffentlichungstermin in diversen Gerüchten genannt. Hoffnungen auf ein Erscheinen des Gerätes noch in diesem Jahr scheinen hingegen endgültig zunichte gemacht. Wie DJ Koh, Samsung-Electronics-CEO mitteilte, will der Hersteller das Galaxy X aller Voraussicht nach erst 2019 vorgestellt. Im November soll dafür die Produktion der Bildschirm-Panels beginnen. Ob Samsung den Termin einhalten wird und ob auch Apple demnächst auf den Zug der Faltbaren-Bildschirme aufspringt, bleibt abzuwarten. Zunächst soll die Produktion allerdings auf 500.000 bis 2 Millionen Stück limitiert sein. Im Januar dieses Jahres sprachen Gerüchte von einem Einführungspreis von 1.850 US-Dollar. Weiterhin kosten technische Geräte auf dem Europäischen Markt traditionell mehr als in den USA. Somit dürfte die hiesige unverbindliche Preisempfehlung wohl nicht unter 2.000 Euro liegen.

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