Explosive Stimmung bei Yourfone-Shopbetreibern

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Yourfone Shop in Münster
Bildquelle: inside-handy.de
Bei der Drillisch AG, Muttergesellschaft bekannter Mobilfunk-Marken wie Yourfone, Smartmobil.de und Simply, läuft das Online-Geschäft besser als erwartet. Wie das Unternehmen bekanntgab, wird die Prognose für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) für das laufende Jahr noch einmal angehoben. Doch es gibt auch Bereiche, in denen es alles andere als rund läuft - unter den Shop-Betreibern von Yourfone rumort es gewaltig.

Insgesamt habe sich die Entwicklung im operativen Geschäft im Oktober und November besser entwickelt als dies im Vorfeld zu erwarten war. Dadurch werde nun für 2015 mit einem EBITDA in Höhe von 105 Millionen Euro kalkuliert. Man liege damit nicht nur am oberen Ende der ursprünglichen Prognose für 2015 in Höhe von 95 bis 100 Millionen Euro, sondern sogar um 5 Prozent darüber. Für das Geschäftsjahr 2016 geht Drillisch weiter von einem EBITDA-Anstieg auf 115 bis 120 Millionen Euro aus.

Im Offline-Geschäft hat Drillisch nach eigenen Angaben inzwischen 216 Shops eröffnet, die unter dem Logo der zugekauften Marke Yourfone agieren. „Wir halten an unserem Ziel von mindestens 300 Standorten fest, ohne dabei die Profitabilität aus den Augen zu verlieren“, heißt es seitens Drillisch weiter. Der Fokus liege weiter auf der Vermarktung von LTE-Tarifen. Weil die Bekanntheit der eigenen Marken weiter zugenommen habe, werde die eingeschlagene Marketing-Strategie auch in 2016 fortgesetzt.

Yourfone-Shopbetreiber bangen um die Existenz

Doch es gibt nicht nur positive Stimmen aus dem Drillisch-Umfeld. Während das Unternehmen selbst davon spricht, der Aufbau des Offline-Kanals laufe entsprechend der eigenen Erwartungen, ist die Stimmung unter den Yourfone-Shopbetreibern oftmals alles andere als gut. Manch einer sieht sich laut eines Berichts der „Telecom Handel“ sogar in seiner Existenz bedroht und verkauft in seiner Not unter der Hand auch Verträge anderer Anbieter, um sich mit den daraus ergebenden Provisionen über Wasser zu halten.

Bei Yourfone werde „viel gesprochen, aber wenig gehalten“, zitiert das Branchen-Blatt einen Shop-Betreiber. Von enormen Verlusten ist die Rede. Man sehe „viele Kollegen kaputt gehen“ und einige Shopbetreiber wollen schnellstmöglich ihre „Kündigung rausschicken“ – nach gerade einmal drei Monaten Shopbetrieb. Die Zahl der tatsächlichen Vertragsabschlüsse hinke den prognostizierten Planzielen massiv hinterher. Statt 100 neu geschalteter SIM-Karten pro Monat bei einem anderen Netzbetreiber in der Vergangenheit komme man bei Yourfone nur noch auf 20 bis 25 Karten im Monat oder sogar weniger.

Die Folge: Manche Yourfone-Shops haben die Öffnungszeiten aufgrund der zum Teil massiv rückläufigen Umsätze angepasst oder Personal abgebaut. Ein Shopbetreiber fand gegenüber der „Telecom Handel“ deutliche Worte: „Entweder es passiert jetzt etwas ganz Großes oder es geht zu Ende.“ Ein anderer meint: „Der Laden brennt!“

Der neue Yourfone-Chef Heiko Hambückers gibt zu, dass sicher nicht alle Erwartungen der Partner erfüllt wurden. „Was wir an echten Neukunden generieren können, reicht nicht aus, um die Profitabilität unserer Partnershops zu gewährleisten.“ Es fehle unter anderem noch das Geschäft mit Vertragsverlängerern. Darüber hinaus müsse man als neuer Anbieter im Shop-Umfeld preisaggressiv auftreten, gleichzeitig aber für Handelspartner auf der Provisionsseite attraktiv sein.

Bei diesem Drahtseilakt ist Drillisch offenbar noch dabei, den richtigen Mittelweg zu finden – und der Chef von Yourfone verspricht Besserung. „Wir haben uns die Ladenmiete und Öffnungszeiten – und damit dir Personalkosten – für jeden Laden angesehen und bieten nun einen in der Branche einzigartigen Absicherungsbetrag über einen Zeitstrahl von zwölf Monaten an.“ Schritt für Schritt soll dieser Zuschuss, der zu Beginn im höheren vierstelligen Bereich liegen kann, parallel zur Weiterentwicklung der einzelnen Shops zurückgefahren werden und bis Ende 2016 gegen null tendieren.

Ob das ausreicht? Die Skepsis im Shopbetreiber-Umfeld ist groß. Gleichwohl sieht man das Angebot als positives Signal für die Zukunft. Klar ist aber schon jetzt eines: Langweilig dürfte dem Mobilfunkmarkt mit Drillisch und Yourfone auch im Jahr 2016 nicht werden.

Quelle: Drillisch / Telecom Handel

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Hayo liebt Technik seit vielen Jahren. Bereits 2002, in der Pre-Smartphone-Ära, startete er seinen Werdegang im Technik-Journalismus. Heute ist Hayo Chefredakteur bei inside handy. Getreu dem Sprichwort "der frühe Vogel fängt den Wurm" kann er bereits um 6 Uhr dabei erwischt werden, wie er mit einer Tippfrequenz von gefühlt 3 GHz einen Artikel zum kommenden 5G-Netz produziert – als Aufwärmübung im ICE-Pendelverkehr zwischen seiner Heimat Münster und dem Sitz von inside handy in Brühl bei Köln. Und seitdem es einfache Vorlagen für gute HTML-Tabellen gibt, kann den glühenden Fan von Preußen Münster nichts mehr aufhalten.

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