Telekom zerrt Google vor die EU-Kommission

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Telekom gegen Google
Bildquelle: inside-handy.de
Google könnte einem fast leid tun: Momentan steht der Software-Riese von allen Seiten unter Beschuss. Neuster Widersacher ist Europas größtes Telekommunikationsunternehmen – die Deutsche Telekom. Diese möchte nun eine Kartellbeschwerde bei der EU-Kommission einreichen. Grund ist das mobile Betriebssystem Android.

Dass man das Treiben in Mountain View in Bonn mit Argwohn betrachtet ist nicht neu – schon oft haben sich Telekom und Google den einen oder anderen Schlagabtausch geliefert. Doch dieser Showdown dürfte vor der EU-Kommission ausgefochten werden: Der Telekom schmeckt nicht, dass es den für das Android-Ökosystem so wichtigen Google Play Store nur im Paket mit prominent platzierten Google-Apps gibt, so ein Insider gegenüber der „New York Times“. Verknüpfungen zu Gmail, Google Maps, YouTube und Co. müssen prominent auf dem Homescreen eines jeden Android-Handys platziert werden, auf dem der Google Play Store zum Einsatz kommt.

Auch von anderer Seite formiert sich scharfe Kritik. Branchengrößen wie Microsoft, Nokia und Oracle haben sich in der Fairsearch-Initiative zusammengeschlossen und sind ebenfalls nicht einverstanden, wie Google seine Vormachtstellung auf dem Markt mobiler Betriebssysteme ausnutzt, um seine anderen Dienste zu pushen. „Google nutzt sein Betriebssystem als Trojanisches Pferd“, kritisierte Fairsearch-Anwalt Thomas Vinje gegenüber dem „Handelsblatt“, „um Partner zu täuschen, den mobilen Internetmarktplatz zu monopolisieren und Konsumentendaten zu kontrollieren“. Auch Fairsearch hatte bereits Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht.

In Brüssel weiß man schon lange um die angeblich nicht immer ganz fairen Geschäftspraktiken des Suchkonzerns. Bereits seit 2010 muss sich Google hier verantworten. Die Wettbewerbskommissarin der Europäischen Union, Margrethe Vestager, leitete in April ein förmliches Verfahren gegen die Kalifornier ein.

Ein besonderer Dorn im Auge ist ihr außerdem auch der Preisvergleichsdienst „Google Shopping“, der bezahlte Anzeigen den organischen Listings in der Darstellung vorzieht. Auch die „Google Flight Search“ und die „Google Hotel Search“ betrachtet Vestager kritisch und droht mit einem üppigen Bußgeld von 6,6 Milliarden Euro und einem Eingriff in das Geschäftsmodell Googles. Die Suchmaschine hingegen wies die Vorwürfe aus Brüssel in einem Blogbeitrag als „sachlich, juristisch und ökonomisch falsch“ zurück und monierte weiter, die EU stelle „problematische Forderungen“, die Google unmöglich erfüllen könne.

Auch zum Thema Android bestreitet Google jegliches Fehlverhalten. Man habe dieses als kostenloses und offenes Betriebssystem konzipiert, das Innovationen ermöglicht. Es sei zudem ein Schlüssel dafür, dass es „so viel Wettbewerb und Auswahl“ auf dem Smartphone-Markt gebe und helfe Herstellern, im Wettbewerb gegen Apple und Microsoft zu bestehen, die im Übrigen auch einige Basis-Anwendungen auf ihren Betriebssystemen iOS und Windows vorinstallieren. Alternativen zu den vorinstallierten Apps seien zudem leicht zu finden und oft nur einen Klick von den Google-Angeboten entfernt.

Quelle: Handelsblatt

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