Microsoft gegen Apple: Können fast alles, außer Android

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Lumia 950 vs. iPhone 6s
Bildquelle: Microsoft, Apple
Microsoft hat mit dem Lumia 950 und dem Lumia 950 XL seine ersten Flaggschiffe im Smartphone-Markt vorgestellt und fordert damit die etablierten Hersteller auch auf dem höchsten Niveau des Handy-Baus heraus. In diesem Vergleich wird das neue Microsoft-Spitzenmodell dem Apple iPhone 6s gegenübergestellt. Zusammen könnten sie die Übermacht der Androiden brechen, wenn beide die Power auf die Straße bringen, die ihnen bisher bescheinigt wurde.

Anmerkung: Die nachfolgend aufgeführten Kategorien sollen eine reine Gegenüberstellung der technischen Daten der beiden Smartphones iPhone 6s und Microsoft Lumia 950 liefern. Wie sich beide in der Realität schlagen, wird erst ein direkter Vergleichs-Test zeigen können. Dieser folgt, sobald das neue Microsoft-Flaggschiff in der Redaktion von inside-handy.de eingetroffen ist.

Design

Das Aussehen der beiden Smartphones aus Cupertino und Redmond in seiner Ästhetik zu bewerten wird durch die beiden völlig unterschiedlichen Konzepte im Design zum echten Problem. Der Unibody des iPhones, oft kopiert und selten mit der Detailverliebtheit erreicht, wirkt wie aus einem Guss und besitzt außer bei der Kameraeinfassung keine Kanten oder andere harte Übergänge. Dazu kommt die Materialwahl, die außer Glas und Aluminium keine Alternativen kennt. Mag man von der Farbe Rosé-Gold und dem rundgelutschten Gehäuse meinen was man will, ein hässliches Handy sieht definitiv anders aus.

Das Lumia 950 ist in seiner Art auch schön. Allerdings kann das Design eher als praktisch, als als designorientiert bezeichnet werden. Trotzdem zeigt es mit dem aufgesetzten Display ein gewisses Maß an Eigenständigkeit und das Cover lässt es trotzdem auf den ersten Blick als Lumia erkennen. Die Kameraeinfassung ist, wie die in Deutschland verminderte Farbauswahl, die aus den Farben Schwarz und Weiß besteht, wieder Geschmackssache. Gerade die Farben haben die bisherigen Lumias von der zum Teil eintönigen Konkurrenz abheben lassen, was nun anscheinend nicht mehr möglich ist.

Display

Das Display der beiden Flaggschiff-Smartphones könnte wie schon das Design unterschiedlicher nicht sein. Apple ist zusammen mit Sony der letzte Hersteller mit einem Spitzenmodell unter 5 Zoll Bildschirmdiagonale. Das Xperia Z5 Compact und auch das iPhone 6s sind mit ihren 4,6 beziehungsweise 4,7 Zoll kleinen Displays die Zwerge unter den Hochleistungshandys. Trotzdem schafft es das iPhone 6s mit seinem Bildschirm zu begeistern. Durch die recht kleine Display-Diagonale erarbeitet es sich, trotz einer recht geringen Auflösung von 750 x 1.334 Pixeln eine Pixeldichte von 326 ppi. Auch im Hands-On des iPhone 6s konnte es in der Praxis überzeugen. Es bildet scharf ab und kommt mit natürlichen und kräftigen Farben daher. Die Ablesbarkeit bei schräger Draufsicht oder starker Sonneneinstrahlung, so zeigt es sich beim Hands-On des iPhone 6s von inside-handy.de, ist ebenfalls über jeden Zweifel erhaben.

Die Ablesbarkeit und die Farben können beim Lumia 950 noch nicht eingeschätzt werden, jedoch sollte es bei den von Microsoft angegebenen Werten mit einer scharfen Darstellung keine Probleme haben. Trotz des massiv größeren Displays mit einer Diagonale von 5,2 Zoll, kommt es mit der QHD-Auflösung von 1.440 x 2.560 Pixeln auf eine Pixeldichte von satten 565 ppi. Damit sollte es zu den besten Displays am Markt gehören und direkt mit Konkurrenten wie dem LG G4 oder dem Samsung Galaxy S6 edge rivalisieren.

Prozessor und Leistung

Nur aufgrund der Zahlen, die die beiden Hersteller angeben, kann über die Leistungsfähigkeit wenig berichtet werden. Im Vergleich zu den Konkurrenten mit dem Google-Betriebssytem Android, sollten allerdings beide mithalten können, gelten doch iOS und auch Windows 10 als ressourcenschonende Software-Grundlage.Trotzdem fahren beide einen recht unterschiedlichen Kurs bei der Bestückung ihrer Geräte mit Hardware: Während Apple sich für das iPhone 6s einen Prozessor auf den Leib schneidern lässt, greift Microsoft für das Lumia 950 zu Stangenware aus San Diego: Der Snapdragon 808 von Qualcomm sollte jedoch auch potent genug sein, das Lumia 950 mit genügend Leitung zu versorgen. Immerhin schiebt er auch in anderen Flaggschiffen, wie dem LG G4 erfolgreich Dienst.

Microsoft Lumia 950 und Lumia 950 XL: Pressebilder

Die große Unbekannte in diesem Bereich ist Windows 10. Apple hat mit dem iPhone 6s schon bewiesen, wie man mit einer engen Verzahnung von Hard- und Software auch ohne Octa-Core-Prozessor und 4 GB Arbeitsspeicher ein sehr schnelles Smartphone auf die Beine stellt. Falls Microsoft Windows 10 so hinbekommen hat, dass es vergleichbar viel aus der eingebauten Rechenleistung herauskitzeln kann, wie es iOS tut, wird kaum ein Android-Smartphone mithalten können.

Im direkten Vergleich wird man sich wohl kaum auf die bekannten Benchmark-Tests verlassen können, da die beiden Betriebssysteme recht unterschiedlich sind und auch unterschiedliche Ansprüche erfüllen müssen. Während sich beispielsweise iOS auf eine fluide und performante Smartphone-Nutzung konzentrieren kann, will Windows 10 weit mehr sein und beispielsweise den Desktop-PC durch das Handy ersetzen. Beim ersten Vergleichs-Test ist also Spannung vorprogrammiert.

Speicher

Microsoft geht den Trend des nicht erweiterbaren festen Speichers, den Apple angestoßen hat und auch konsequent weitergeht, nicht mit. Vielmehr baut man in Redmond auf einen festen Speicher mit 32 GB Kapazität und eine Speichererweiterung von bis zu 200 GB mittels Micro-SD-Karte. Nutzer denen der Speicher schnell zu klein wird, sollten also entweder auf eine der großen Speicher-Varianten des iPhones zurückgreifen oder das Spitzenmodell von Microsoft in Zusammenspiel mit einer Speicherkarte in Betracht ziehen.

Welches Konzept hier bevorzugt wird, liegt dabei am Nutzer selbst. Mehr Variabilität und im Endeffekt günstiger kommt man mit dem Modell der Speichererweiterung weg, einen schnelleren Zugriff auf die Daten und eine im Umgang einfachere Lösung stellt das Modell von Apple dar.

Kamera

Im Bereich Kamera treffen zwei Spezialisten aufeinander. Auf Microsoft-Seite steht die Expertise der ehemaligen Nokia-Ingenieure, die mit der Lumia-Kamera-App eine der besten Software-Lösungen im Bereich der Handy-Fotografie auf die Beine gestellt haben. Dem gegenüber steht die Apple-Kamera, die schon traditionell aus vergleichsweise bescheidenen Auflösungszahlen ein Maximum an Bildqualität zaubert. Dazu kommt hier, dass Apple beim iPhone 6s einen neuen Sensor mit 12 Megapixeln nutzt, der gegenüber seinem Vorgänger aus dem iPhone 6 somit 50 Prozent mehr Bildpunkte liefert und damit die Qualität wohl nochmal steigern sollte.

Die 20-Megapixel-Kamera des Lumia 950 kommt dabei mit einem äußerst lichtstarken Objektiv, das mit einer maximalen Blende von 1:1,9 auf dem Niveau des Samsung Galaxy S6 liegt. An den Großmeister des Objektiv-Einbaus LG kommt es derweil nicht ganz heran. Das LG G4 besitzt eine maximale Blende von 1:1,8 und lässt so noch einmal mehr Licht auf den Sensor fallen.

Mit beiden Kameras wird es wohl möglich sein, hervorragende Fotos und Videos aufzunehmen. Dabei stehen dem extrem guten Zeitlupen-Modus des iPhone 6s die manuellen Einstellungen des Microsoft Lumia 950 entgegen. Nutzer die sich also eher keine Gedanken um die richtige Belichtungszeit machen wollen, werden wohl mit der iPhone-Kamera bestens bedient, wird jedoch auch auf manuelle Einstellungen wert gelegt, sollte die Kamera des Microsoft Lumia 950 ins Auge gefasst werden.

Akku

Akku-Vergleiche zwischen iPhones und den meisten anderen Smartphones hinken meistens, sobald man nur die Kapazitätswerte in Betracht zieht. Der Akku des Apple iPhone 6s soll laut ifixit nämlich nur 1.715 mAh groß sein. Ein mickriger Wert, stellt man ihm den 3.000 mAh großen Akku des Lumia 950 entgegen.

Aus dem Test des iPhone 6 bei inside-handy.de kann jedoch abgelesen werden, das nicht nur der kleiner dimensionierte Prozessor des iPhones, sondern auch das kleinere Display und die geringere Auflösung dafür sorgen, dass Apples Smartphone auch bei der Akku-Laufzeit mit seinen Konkurrenten locker mithalten kann.

Ein großer Unterschied der beiden Smartphones in diesem Bereich ist jedoch, dass der iPhone-Akku nicht wechselbar, der Lumia-950-Akku jedoch sehr wohl austauschbar ist. Für viele Nutzer ist dieser Unterschied von entscheidender Bedeutung. Die Argumente für und wider der Wechselmöglichkeit sind dabei viel diskutiert und sollten von jedem Nutzer selbst abgewogen werden.

Ausstattung und Besonderheiten

Microsoft hat auf einige Apple-eigene Funktionen Antworten parat, ohne Apple zu kopieren. Während man bei Apple bei der biometrischen Sicherheit auf einen Fingerabdruck-Sensor setzt, verbaut Microsoft beim Lumia 950 eine Gesichtserkennung. Sie identifiziert den Nutzer und entsperrt mit Hilfe des Gesichts das Smartphone.

Apples eigener Bezahldienst Apple Pay steht den deutschen Nutzern immer noch nicht zur Verfügung und sollte deshalb nicht in die Wertung einfließen. Microsoft bietet bisher auch keinen solchen Dienst an und damit geht hier keiner der beiden Kontrahenten als Sieger vom Platz.

Apple iPhone 6s vs. Microsoft Lumia 950 

  iPhone 6s Lumia 950
Display 4,7 Zoll, Retina-Display,
1.334 x 750 Pixel, 326 ppi
5,2 Zoll, QHD-Display,
1.440 x 2.560 Pixel, 565 ppi
Prozessor

A9 mit 64-Bit-Architektur, Dual Core, 1,4 Ghz, M9 Motion Coprocessor

Qualcomm Snapdragon 808, Hexa-Core, 2 GHz, Adreno 430, 650 MHz

RAM  2 GB 3 GB
Interner Speicher 16 / 64 / 128 GB  32 GB, erweiterbar um bis zu 200 GB
OS iOS 9  Windows 10
Kamera 12 MP / 5 MP  20,7 MP / 5 MP
Video-Qualität 4K 4K
Fingerabdruck-Sensor Ja (2.Gen.) nein
3D-Touch Ja Nein
LTE  Ja Ja
NFC  Ja Ja
Dock-Anschluss  Lightning-Connector USB Typ-C
Besonderheit  Apple Pay, Kamera mit Zeitlupenfunktion, Retina-Display dient als Blitz,  Continuum, Face-Unlock, Triple-LED-Blitz
Akku 1.715 mAh 3.000 mAh 
Größe/  Gewicht 138,3 mm x 67,1 x 7,1 mm, 143 g  145 x 73,2 x 8,2 mm, 150 g 
Design Aluminium (7000er), Glas Aluminium, Polycarbonat
Farben Grau, Gold, Silber, Rosa Schwarz, Weiß
Erscheinungsjahr  2015  2015
Preis 739 / 849 / 959 Euro (je nach Speichergröße) 599 Euro

Apple bietet mit dem 3D-Touch-Display ein Feature, das so noch nie in einem Smartphoen verbaut wurde und einige neue Möglichkeiten eröffnet, sein Handy zu bedienen und neue Funktionen einzubinden. Doch auch in der Rubrik „einzigartige Features“ kontert Microsoft.

Eine Besonderheit, die in der Smartphone-Welt bisher einzigartig ist, bietet auch Microsoft. Mit Windows 10 und Continuum ist es ab sofort möglich, sein Lumia-Smartphone mit der Peripherie eines Desktop-PCs zu verbinden und den heimischen Rechner zu ersetzen. Dabei bleiben die Funktionen des Telefons während der Nutzung als PC laut Microsoft gänzlich erhalten. Welches Leistungsniveau das Lumia 950 bei der Nutzung als PC-Ersatz erreicht, muss noch getestet werden, jedoch ist die schiere Möglichkeit ein echter Schritt nach vorne in der Entwicklung einer All-in-One-Lösung. In Anbetracht der Leistung moderner Smartphones ist der Schritt logisch und schlussendlich auch konsequent. Mit Continuum bietet Microsoft somit eine gänzlich neue Funktion, die andere Hersteller nicht bieten. Einzige Ausnahme ist hierbei Canonical, die mit ihrem Betriebssystem Ubuntu ebenfalls auf diesem Weg wandeln und wohl bald eine ähnliche Lösung anbieten werden.

Preis

Microsoft verlangt für sein neues Spitzenmodell Lumia 950 in Deutschland knapp 600 Euro und liegt damit unterhalb der kleinsten Ausstattungs-Variante des iPhone 6s, dessen 16-GB-Modell bei knapp 740 Euro liegt. Darüber hinaus staffelt sich das Apple-Angebot in 110-Euro-Schritten bis hin zur 128-GB-Variante, die knapp 960 Euro kostet.

Auch beim Preis hängt viel von der Leistungsfähigkeit und der Stabilität von Windows 10 ab. Falls es Microsoft schafft die Leistung seines Smartphones auch in Geschwindigkeit umzusetzen, ohne dabei an der Stabilität zu knausern, könnte es sehr spannend werden unter den Android-Konkurrenten.

Alle technischen Daten des Microsoft Lumia 950 und des Apple iPhone 6s können auch in der Datenbank von inside-handy.de eingesehen und verglichen werden. 

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