Pro und Contra zur Apple Keynote 2015

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Apple iPhone 6s 3
Bildquelle: Apple
Neuer Wein in alten Schläuchen oder mal wieder die Revolution im Smartphonemarkt? Nirgends gehen die Meinungen über einen Hersteller so weit auseinander wie bei Apple. Nicht nur die Smartphones iPhone 6s und iPhone 6s Plus polarisieren, sondern auch zum iPad Pro gibt es geteilte Meinungen. Der Riss zieht sich auch quer durch die Redaktion von inside-handy.de, so dass hier beide Seiten mit ihrer Einschätzung zur Apple-Keynote 2015 zu Wort kommen.

Pro: Apple gibt den Takt vor – Innovation hat ihren Preis

Wie in jedem Jahr stimmt nach der Apple-Keynote der Chor der Kritiker sein altbekanntes Lied an: zu teuer, keine Revolution, alles kopiert. Einige der Apple-Hass-Kommentare wirken so als seien sie schon vor der Keynote verfasst worden. Wenn die Kritiker die gleichen überzogenen Maßstäbe an andere Hersteller anlegen würden, müssten sie den ganzen Smartphone-Markt in Grund und Boden schreiben. Wenn man sich die neuen Apple-Produkte im Herbst 2015 mal genauer ansieht, wird deutlich, dass der Hersteller aus Cupertino wieder mal den Takt vorgibt.

Apple iPhone 6s

Würde man Mercedes vorwerfen, dass ihre Autos wie ein Mercedes aussehen? Wer das erste iPhone und das iPhone 6s nebeneinander hält, wird erkennen, dass Apple das Design seines Smartphones behutsam weiterentwickelt hat ohne die generelle Linie zu verlieren. Das ist nicht langweilig, sondern konsequent. Und auch die in den Geräten verbaute Technik ist im perfekt abgestimmten Zusammenspiel mit iOS weiterhin ausreichend für alle denkbaren Szenarien. Manch ein Android-Smartphone mag auf dem Papier bessere Kameras, mehr Arbeitsspeicher oder stärkere Prozessoren haben. Apple braucht all das aber nicht, um ein iPhone herzustellen, das sich im Alltag auch unter hoher Beanspruchung bewährt. Und genau darum geht es doch, oder? Datenblatt-Fanatiker wird das enttäuschen, aber in der Realität ist Apple weiterhin technisch auf der Höhe der Zeit. Wer ein iPhone 5s oder älter besitzt, sollte einen Kauf der neuen Modelle ernsthaft in Erwägung ziehen.

Mit Force Touch beziehungsweise 3D Touch macht Apple außerdem eine neue Funktion marktreif, die Huawei bisher zumindest für Europa nur angedeutet hat. 3D Touch wirkt im Gegensatz zu vorherigen Versuchen wie dem Blackberry Storm durchdacht und könnte eine nützliche Erweiterung der Eingabe über den Touchscreen werden. Bei der intuitiven Eingabe gibt Apple erneut den Takt vor. Dass solche Entwicklungen ihren Preis haben, kann dabei nicht überraschen. Apples iPhones waren noch nie die günstigsten Modelle auf dem Markt und werden es auch nie sein. Innovationen, perfekt abgestimmte Hard- und Software sowie den für viele überzeugende Kundenservice gibt es nicht zum Nulltarif. Bedenken muss man auch, dass die wenigsten Kunden ihr iPhone direkt zum vollen Preis kaufen, sondern viele sich das Gerät im Paket mit einem Mobilfunk-Vertrag bündeln lassen.

Apple iPad Pro

Mit dem iPad Pro rundet Apple seine Produktpalette sinnvoll ab und schafft eine intelligente Lösung zwischen iPad und Macbook. Dass Microsoft mit dem Surface ein ganz ähnliches Produkt auf dem Markt hat, spricht nicht wirklich gegen eine Apple-Lösung für diejenigen, die sich mit dem Apple-Ökosystem angefreundet haben. Und auch die Häme wegen der Eingabe über einen Stylus ist unberechtigt. Steve Jobs hat sich bei seiner Stylus-Kritik des Jahres 2007 auf die damals sehr verbreiteten PDAs bezogen, deren Mini-Bildschirme per Stift wirklich nicht schön zu bedienen waren. Bei einem 13-Zoll-Gerät sieht das schon ganz anders aus. Das iPad Pro wird nicht für jeden Apple-Kunden interessant sein, aber sicher eine Alternative für all diejenigen darstellen, die ein solches Produkt in den Apple-Regalen bisher vermisst haben.

Contra: Kaum Verbesserungen trotz gepfefferter Preise

Apples Keynote mit den Neuvorstellungen iPhone 6s und iPhone 6s Plus sowie dem neuen iPad Pro war wie in jedem Jahr eine IT-Show, die ihresgleichen sucht. Doch welche Produkte wurden eigentlich vorgestellt? Spötter werden sagen: Ein leicht verbessertes Vorjahresmodell. Und genau diese Kritik trifft es auf den Punkt.

Apple iPhone 6s

Klar ist mit dem A9-Chip ein neuer und schnellerer Prozessor verbaut worden und ja, der Arbeitsspeicher wurde wohl auf 2 GB vergrößert. Doch darüber hinaus? Die Kamera bekommt ein paar Pixel mehr Auflösung und ein paar Software-Spielereien aus dem Jahr 2012 wie Live-Photo. Ach ja, das neue Gimmick Force Touch – Verzeihung, 3D Touch – ist nun auch mit an Bord.

Damit endet allerdings auch schon die Liste der echten Verbesserungen. Bei Smartphone-Herstellern wie LG, Samsung, Huawei, HTC oder Sony würden diese Verbesserungen bei Kunden und Journalisten höchstens ein müdes Lächeln auslösen. Doch Apple lässt sich für die vermeintlichen Innovationen weiterhin kräftig feiern.

An interessanteren Baustellen hat Apple leider nicht Hand angelegt. Das Display ist weiterhin für ein Spitzenklassemodell recht klein, wobei die Länge des iPhone 6s mit 138,3 mm wiederum recht groß ist. Wer also ein Spitzenmodell mit kleinem Bildschirm sucht, findet im Sony Z3 Compact ein nur 0,1 Zoll kleineres Display allerdings in einem 11 mm kürzeren und 2 mm schmaleren Gehäuse.

Das iPhone 6s und 6s Plus auf der Keynote 2015

Dass Apple das Gehäuse des iPhone 6s etwas angepasst hat, ist nach der hochnotpeinlichen Bendgate-Geschichte wohl selbstverständlich, jedoch wurden hier dem Kunden ein paar Millimeter Dicke unterschlagen und keiner legte bei der Präsentation Wert auf das im vergangenen Jahr noch im Mittelpunkt stehende superdünne Design. Dass sich darin immer noch keine Dual-SIM-Funktion, ein Wechselakku oder ein Micro-SD-Karten-Slot versteckt, hat bei Apple schon Tradition. Ebenfalls konnte man bei den neuen iPhones wieder nicht über seinen Schatten springen und mit der Tradition brechen, NFC in praktikabler Form einzubauen.

Die Preise für das Facelift-iPhone 6 hat Apple noch einmal angezogen. So kostet das iPhone 6s 60 Euro mehr als noch das iPhone 6 und das Phablet-Modell iPhone 6s Plus wird um 70 Euro teurer als sein Vorgänger.

Apple iPad Pro

Das iPad Pro stellt wohl das Gegenteil der Unflexibilität Apples dar. Man hat ein Riesen-Tablet gebaut, das man nie bauen wollte und stopft es mit Fremdsoftware voll, die man ebenfalls am liebsten niemals auf einem Apple-Produkt gesehen hätte. Dazu wird ein Stift, der Apple Pencil, angeboten, bei dessen Vorstellung sich Steve Jobs wohl in den Allerwertesten gebissen hätte, hätte er es noch erlebt. Der Stift, der immerhin 12 Stunden lang schreiben kann, kostet dabei fast schon unmoralische 100 Dollar. Dafür bekommt man ein Einsteiger-Tablet oder ein Achtel des iPad Pro in seiner günstigsten Variante.

Die teuerste Variante mit 128 GB internem Speicher kostet dabei 1.079 Dollar. Wer die Komplett-Ausstattung wählt und bei der Anbautastatur im Surface-Design ein Häkchen macht, wird nochmal mit 170 Euro auf der Rechnung belohnt und kommt dann auf 1.377 Dollar. Dass eine solche Preisgestaltung bei Tablets nicht funktioniert, hat Microsoft mit seinem Surface schon schmerzhaft gelernt; ob es Apple dabei genauso gehen wird, werden die nächsten Monate zeigen.

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