Vergesslichkeit durch Smartphones

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HTC One im Hands-On
Bildquelle: inside-handy.de
Es ist klein, schlau und immer griffbereit: Das Smartphone ist immer mehr auch eine digitale Gedächtnisstütze. Wichtige und unwichtige Dinge merkt man sich nicht mehr, sondern weiß nur noch, wo sie stehen beziehungsweise wie man sie findet. Doch eine Studie zeigt jetzt, wie stark dies die Leistung des Gedächtnis wirklich beeinflusst.

Die Telefonnummer des Partners, die 16 deutschen Bundesländer oder die Geburtstage der Freunde – die Hälfte der Europäer kann sich solche Daten nicht mehr merken, sie leiden unter digitaler Amnesie. Dies zeigt eine Umfrage im Auftrag des Software-Herstellers Kaspersky unter 6.000 Europäern. 60 Prozent der Befragten konnten sich der Umfrage zufolge zwar an ihre Telefonnummer aus der Kindheit erinnern, doch rund die Häfte der Befragten konnte weder die Nummer ihrer Kinder auswendig, noch die ihres Arbeitgebers. Ein Drittel der Umfrageteilnehmer wusste noch nicht einmal die Telefonnummer ihres Partners.

Dies schieben rund 90 Prozent der Befragten auf die zunehmend vernetzte Welt. Man habe einfach zu viele Kontakte, Nummern und Adressen, die man sich merken müsse. 36 Prozent gaben zudem an, keinen unnötigen Wissensballast mit sich herumtragen zu wollen.

Manfred Spitzer, Hirnforscher und Autor des Buchs „Digitale Demenz“, zeigt sich gegenüber dem „Handelsblatt“ besorgt und warnt vor einem zu nachläsigen geistigen Training: „Unser Gehirn funktioniert wie ein Muskel: Wird er gebraucht, wächst er; wird er nicht benutzt, verkümmert er.“ Unerheblich dabei ist laut Spitzer der Altersunterschied: Die Nervenzellen wüchsen – entsprechende Stimulation vorausgesetzt – immer wieder nach.

Laut Maria Wimber von der School of Psychology in Birmingham ist das Vergessen jedoch keinesfalls etwas grundsätzlich Schlechtes: „Oft ist Vergessen eine wichtige Art der Anpassung, um unserem Gedächtnis zu helfen, nur die Dinge zu behalten, die wirklich relevant sind“, so Wimber gegenüber dem „Handelsblatt“. Diese Anpassung helfe dem Gehirn, sich besser konzentrieren zu können und Ablenkungen zu reduzieren.

Ab und zu sei ein bisschen Training demnach genau das Richtige für das Gehirn, damit die mentalen Fähigkeiten nicht verkümmern und der Geist wichtiges von unwichtigem zu trennen lernt. Wichtige Telefonnummern und Geburtstage sollte man also zum Beispiel auswendig lernen, bei den Bundesländern darf man dann im Gegenzug guten Gewissens spicken.

Quelle: Handelsblatt

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