Shop-Betreiber von O2 formieren sich zum Widerstand

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Yourfone Shop
Bildquelle: Telecom Handel
Die Fusion mit E-Plus wird für Telefónica mit Blick auf die eigenen Shop-Betreiber mehr und mehr zu einem Tanz auf dem Drahtseil. Nachdem bis zuletzt nicht feststand, welche Base- und O2-Shops zu Yourfone-Shops werden, scheint nun Bewegung in die Sache zu kommen. O2 ist sogar bereit, eine Abfindung zu zahlen - deren Höhe bei den Shop-Betreibern aber für blankes Entsetzen und zum Teil sogar eine Menge Wut sorgt. 

Das geht aus einem aktuellen Bericht der „Telecom Handel“ hervor und wurde gegenüber inside-handy.de aus Händlerkreisen bestätigt. Die Faktenlage sieht folgendermaßen aus: Telefónica muss nicht nur einen Teil seiner Netzkapazitäten an Drillisch abgeben, sondern hat auch 301 Shop-Standorte an seinen Konkurrenten verkauft. Damit willigte Telefónica in einen Kompromiss gegenüber der EU-Kommission ein, die die Fusion mit E-Plus sonst nicht freigegeben hätte.

Bis zuletzt hielten sich Telefónica und Drillisch aber mit Informationen zurück, welche Shops in Zukunft vom blauen O2- beziehungsweise grünen Base-Branding zum lilafarbenen Yourfone-Branding wechseln sollen. Verwunderlich war das insbesondere vor dem Hintergrund, dass intern schon lange eine Liste ausgearbeitet wurde, die Auskunft darüber gibt, welche Shops zu Yourfone wechseln sollen und welche weiter im O2-Konzept eine Rolle spielen werden.

Shop-Liste ist ein großes Geheimnis

Mehrfach hakte inside-handy.de bei Telefónica und Drillisch nach, um Licht in das Dunkel der künftigen Shop-Strategie zu bringen. Eine passende Liste wurde der Redaktion aber nicht zur Verfügung gestellt. Auch am Dienstag wollte Drillisch sich auf Anfrage nicht offiziell zu den künftigen Shop-Standorten bekennen. Die Gespräche mit den passenden Partnern laufen, man will sich aber offenbar nicht in die Karten schauen lassen, um Absprachen unter den Shop-Betreibern zu verhindern.

Die „Telecom Handel“ berichtet unterdessen, dass schon in den nächsten Tagen die ersten 199 Noch-O2- beziehungsweise Noch-Base-Shops ihre Unterschrift unter einen von Telefónica ausgearbeiteten Aufhebungsvertrag setzen sollen. Damit würden sie verbindlich zu Yourfone wechseln. Das Problem dabei: Die Abfindung, die Telefónica für den Wechsel bereit ist zu zahlen, soll bei gerade einmal rund 20 Prozent des Shop-Jahresumsatzes zuzüglich einer Speed-Prämie für Schnellentschlossene liegen. Dieser Wert deckt sich mit Informationen, die auch der Redaktion von inside-handy.de aus dem Shopbetreiber-Umfeld vorliegen.

„Eine Frechheit!“

„Das Angebot ist eine Frechheit“, sagte ein Shop-Betreiber gegenüber der Handelszeitung. Viele Shop-Unternehmer seien dennoch bereit, zu Yourfone zu wechseln. Schon allein aus Angst um die eigene Zukunft. Trotzdem formiert sich unter den Shop-Betreibern Widerstand. Man müsse untereinander zusammenhalten, dürfe keine Abfindungsverträge mehr unterschreiben, um Telefónica zu einem besseren Angebot zu zwingen, heißt es in einem Shopbetreiber-Schreiben, das inside-handy.de vorliegt.

Mit Sorge blickt man unter den aktuellen Shop-Betreibern auch in die Zukunft. Wer den Abfindungsvertrag unterschreibt, willigt gleichzeitig auch ein, aktuelle Kunden 18 Monate lang nicht mit neuen Yourfone-Angeboten von Telefónica abzuwerben. Es gilt eine strikte Kontaktsperre. Eine Katastrope für den Fachhandel: „Ohne Bestandskunden ist ein Shop wirtschaftlich nicht tragbar“, klagte ein Shop-Betreiber gegenüber der „Telecom Handel“. Ein anderer sagte: „Das, was derzeit passiert, entbehrt jeglicher Strategie und sozialer Kompetenz.“ Telefónica müsse einfach ein vernünftiges Angebot nachlegen, das eine echte Zukunftsplanung ermögliche.

Telefónica droht mit Kündigungen

Telefónica selbst wird unterdessen nicht müde, die Muskeln als Mobilfunk-Marktführer in Deutschland spielen zu lassen. „Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Partnershops die Perspektiven erkennt, die im Drillisch-Konzept liegen“, sagte Telefónicas Retail-Chef Marcus Epple gegenüber der „Telecom Handel“ und führte weiter aus: „Sollten sich Partner nicht dafür entscheiden, dann werden wir wohl nicht darum herumkommen, auch Kündigungen aussprechen zu müssen.“ Juristische Auseinandersetzungen will man bei Telefónica aber vermeiden. „Es ist keinem gedient, hier Gerichte und Anwälte zu beschäftigen, das kostet alles nur Geld. (…) Ein Bruch in der Vermarktung, wenn man etwa ein halbes Jahr raus ist, kann für beide Seiten nicht gut sein“, so Epple weiter.

Man wolle auch in Zukunft neue Shops eröffnen, erklärte der Telefónica-Manager. Langfristig will der Konzern 400 eigene Filialen betreiben und rund 900 Partner-Shops betreuen. In der Shop-Strategie soll neben O2 und Base auch Blau eine wichtige Rolle einnehmen. Ebenso sollen die Marken Ay Yildiz und Ortel bei der Vermarktung im Shop berücksichtigt werden.

Quelle: Telecom Handel (1) (2)

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