Elegante Technikmonster im Vergleich

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LG G4 vs. Samsung Galaxy S6
Bildquelle: inside-handy.de
Maybach, Bentley, Rolls-Royce: Die Luxusmarken der Autoindustrie haben viel mit der Spitzenklasse im Smartphone-Bereich gemeinsam. Die Frage, ob es ein bisschen mehr sein darf, wird hier bis zum Exzess betrieben und am Ende ist es egal in welchen Schlitten man sich setzt; jedes Auto respektive Smartphone bietet Perfektion. Ob das in diesem Vergleich auch so ist und wo die kleinen Unterschiede liegen, klärt inside-handy.de.

Design und Verarbeitung

Samsung hat auf dem MWC ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Neben einigen anderen Produkten, stellte man sein Gegenkonzept zum Erzrivalen Apple vor. Das Galaxy S6 nähert sich dem Konkurrenten aus Cupertino allerdings in vielerlei Hinsicht an. So baut Samsung das erste Mal ein Flaggschiff mit einem Unibody aus Metall und verzichtet damit auf eine Speichererweiterung und einen wechselbaren Akku. LG hält mit dem G4 an Bewährtem fest und gestaltet sein Spitzenmodell nicht komplett um. Dafür macht LG aus diesem Umstand eine Tugend und verpasst dem 5,5 Zoll großen G4 einen ledernen und abnehmbaren Rückdeckel inklusive Wechselakku und erweiterbarem Speicher. Mit diesen Möglichkeiten steht es allerdings alleine auf weiter Flur und stellt sich aus der Reihe der anderen Spitzenmodelle heraus.

Glänzend kommt das Samsung Galaxy S6 daher. Es schimmert und zeigt aus jeder Perspektive ein kleines Highlight. Das LG G4 hingegen ist schon fast eine graue Maus dagegen, kleidet sich jedoch in Leder und kommt deshalb mordselegant daher. Das Aussehen soll in diesem Vergleich hinten anstehen, da sich jeder Nutzer selbst sein Urteil bilden und nach seinem persönlichen Geschmack urteilen sollte.

Neben den schon genannten Vor- und Nachteilen des Unibodys wirkt sich er vor allem auf die Maße aus – zumindest auf die Dicke. Das Samsung Galaxy S6 ist mit knapp 7,5 mm bei weitem dünner als das lederne Flaggschiff der Landsleute. Auch ist das LG G4 um einen halben Zentimeter länger und breiter. Das allerdings kommt vom bedeutend größeren Display, das mit 5,5 Zoll eine um 0,4 Zoll längere Diagonale besitzt. Für ein so großes Display nimmt sich das LG G4 sehr in der Größe zurück und liegt auch wegen des gekrümmten Displays und des gebogenen Rückdeckels sehr gut in der Hand.

LG G4 vs. Samsung Galaxy S6

Über die Verarbeitung muss man sich bei den beiden Flaggschiffen nicht unterhalten. Beide sind hervorragend verarbeitet und bleiben bei der mechanischen Belastbarkeit, wie auch von den Materialien her, fast ohne Kritik.

Die Verarbeitung ist bei beiden Geräten top, beim Design sollte man sich auf den eigenen Geschmack verlassen. Ein kleiner Vorteil sind wohl das auswechselbare Cover des LG G4 und der Wechselakku. Wer darauf verzichten kann, kann sich voll auf das Äußere konzentrieren und einfach nach dem greifen, was ihm besser gefällt.

Display

HD? Full-HD? Alles unscharfes Zeug! Die beiden Smartphones aus Korea zeigen, was Displays in Smartphones in der Lage sind zu leisten. Beide lösen in QHD auf und stemmen so Pixeldichte-Werte auf die Achse, von denen die meisten Handys nur träumen können. Das LG G4 geht mit 534 ppi ins Rennen, das Galaxy S6 sogar mit 567 ppi. Beide Displays sind nicht nur scharf bis in einen nicht mehr zu erkennenden Bereich. Sie spielen auch bei der Helligkeit und dem Farbraum eine hervorragende Rolle.

LG G4 vs. Samsung Galaxy S6

Die Charakteristik ist dabei etwas unterschiedlich: Das Galaxy S6 wirkt etwas kälter, jedoch mit den kräftigeren Farben und einem etwas besseren Weiß. Das LG G4 hingegen entspannt mit natürlicherer Wiedergabe und einem angenehm warmen Farbton die Augen.

Vor den beiden Displays duckt sich die versammelte Konkurrenz und beide sind in ihrer Charakteristik hervorragende Vertreter ihrer Gattung. Diese Runde geht also ebenfalls ohne eindeutigen Sieger zu Ende.

Ausstattung und Leistung

War es noch bis vor kurzem so, dass man sich in der Spitzenklasse immer für das Topmodell von Qualcomm entschied, so hat sich das mit der Einführung der Flaggschiff-Generation 2015 drastisch geändert. Nur noch das HTC One M9 baut auf den aktuellen Topprozessor aus San Diego, der Rest der Hersteller hat sich Alternativen gesucht.

Samsung hat daraus eine Tugend gemacht und seine hauseigene Exynos-Serie verbaut. Der Prozessor rennt wie der Teufel und liegt im Moment beim Antutu Benchmarktest uneinholbar vorne. Mit 65.000 Punkten hängt es die gesamte Konkurrenz ab und setzt sich mit knapp 10.000 Punkten auf den Geschwindigkeitsthron.

LG hat ebenfalls auf die Probleme des Snapdragon 810 reagiert und greift ein Regal tiefer. Mit dem Snapdragon 808 greift das G4 jedoch auch auf einen potenten Prozessor zurück. Beim direkten Geschwindigkeitsvergleich der beiden Smartphones kann sich keines durchsetzen, jedoch scheint das Galaxy S6 einen Hauch schneller zu sein. Im Alltag ist der Unterschied nicht spürbar und sollte wenig Ausschlag für eine Kaufentscheidung geben.

Samsung Galaxy S6 gegen LG G4

Der Unterschied sieht größer aus, als er ist: Die Werte im Benchmarktest von Galaxy S6 (links) und LG G4 sind deutlich

Bei der Ausstattung liefern sich die beiden Kontrahenten ebenfalls ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine kleine Schwäche leisten sich beide: Das LG G4 kommt ohne kabelloses Laden und das Samsung Galaxy S6 ohne MHL an Bord. Damit wäre auch hier ein sehr ausgeglichenes Verhältnis geschaffen.

Doch bei diesem Punkt stellt sich Samsung doch noch selbst ein Bein und verzichtet auf eine Speichererweiterung, die schon im Test bei inside-handy.de die volle Punktzahl gekostet hat. Damit zieht das LG G4 um Haaresbreite am Galaxy S6 vorbei und sichert sich in dieser Kategorie den Sieg.

Kamera

Kurz und knapp: Beide Smartphones beherbergen Kameras, die zum Besten gehören, was man auf dem Handy-Markt bekommt. Dabei lösen beide Hauptkameras mit 16 Megapixeln auf und können von Beginn an überzeugen. Beim LG G4 kommt eine etwas lichtstärkere Optik zum Einsatz, die etwas mehr Reserven bei dunkler Umgebung bietet. Dazu kommt, dass sich gerade das im Test auch auf die Schärfe der Aufnahmen auswirkt. Durch verkürzte Verschlusszeiten kann das LG G4 ein wenig detailliertere Ergebnisse liefern.

Die Steuerung beider Kameras, inklusive erweiterter Einstellungen und bis hin zur manueller Steuerung, geht recht flott von der Hand. Das Kameramenü des G4 wirkt dabei etwas aufgeräumter und erinnert mehr an das einer Kompakt- oder Systemkamera. Ein Pluspunkt, der für viele Nutzer sicherlich nicht entscheidend ist, jedoch für ambitionierte Fotografen mit Blick auf eine immer-dabei-Kamera wichtig.

LG G4

Eine Nuance besser: Das LG G4 (rechts) löst etwas besser auf, als das Samsung Galaxy S6

Die Zahlen der beiden Frontkameras sprechen eher für die des LG G4, jedoch sind beide Kameras nicht weit auseinander. Beide übertreiben etwas die Weichzeichnung auf der Haut und versuchen mit allen Mitteln, den Hautton anzupassen. Das gelingt beiden nicht immer. Auch hier kann die LG-Kamera etwas besser performen, als die des Galaxy S6. Die Bilder sind höher auflösend und im Allgemeinen etwas knackiger. Die Farben bekommt das Galaxy S6 meistens besser hin als das G4, jedoch bleibt LG hier insgesamt der Sieger.

Mit einer Nasenspitze Vorsprung schafft es das LG G4, sich gegen das Galaxy S6 durchzusetzen und damit die wohl beste Kameraausstattung im Smartphonemarkt zu stellen.

Software und Multimedia

Beide Flaggschiffe bauen bei der Software auf Googles Android in der Version Lollipop. Das LG G4 besitzt zur Zeit die neuere Version und kann schon auf Android 5.1 zurückgreifen, während Samsung sich noch mit Android 5.0.1 begnügt – kein Wunder, ist doch das Galaxy S6 auch etwas älter.

Galt Samsung noch vor einem Jahr als der Hersteller mit dem umfangreichsten aber auch unübersichtlichsten Menü, so heimst nun LG diesen wenig schmeichelhaften Titel ein. Zwar ist die Konfusion bei der Einstellungs- und Funktionssuche nicht so arg, wie bei beispielsweise dem Galaxy Note 4, jedoch kann das mittlerweile Samsung besser und bringt ähnlich viele Funktionen in ein übersichtliches Softwarepaket verschnürt.

Was beide Hersteller inzwischen als Ärgernis erkannt haben, ist die Überflutung mit vorinstallierten Drittanbieter-Apps, die der Kunde manchmal nicht einmal mehr löschen konnte. Beide Modelle sind hier sparsam und Samsung erlaubt mittlerweile auch die Deinstallation solcher Software.

Durch das Betriebssytem, das sich beide teilen, sind bei der Software wenige Unterschiede auszumachen. LG bietet etwas mehr Spielereien, Samsung einiges mehr an Übersicht. Man ertappt sich, wie schon öfter bei diesem Vergleich, „Geschmackssache“ zu rufen.

Die Multimedia-Abteilung beider Smartphones lässt nicht viele Wünsche offen. Die Soundqualität der Lautsprecher beider Modelle ist gut, jedoch noch um einiges schwächer als HTC mit seinen Boom-Sound-Referenz-Lautsprechern. Die Headsets lassen jedoch keinen Raum für Kritik: Beide spielen auf hohem Niveau, sind aber keine Trommelfell-Zerstörer – muss auch nicht sein.

Multimedial fallen noch zwei kleine Vorteile für das LG G4 auf: Die Soundeinstellungen sind variabler und etwas gefälliger gestaltet und es besitzt ein UKW-Radio.

Bei den Software- und Multimedia-Leistungen wird, wie schon aus den anderen Segmenten gewohnt, mit harten Bandagen gekämpft. Beide Kontrahenten schenken sich nichts. Wem eine übersichtliche Software wichtiger ist, als ein UKW-Radio und eine etwas gefälligere Soundeinstellung, der wird mit dem Samsung Galaxy S6 glücklich. Wer ebendies anders sieht, der sollte eher zum LG G4 greifen. LG erarbeitet sich in dieser Kategorie einen winzigen Vorsprung und damit geht die Wertung der Software und Multimedia-Funktionen zu LG.

Akku

Harte Fakten auf den Tisch. Reines Zahlenvergleichen. So könnte ein Akkuvergleich aussehen – in einer idealen Welt für Tester. Die beiden Smartphones machen es dem Nutzer allerdings nicht leicht. Beide Akkus halten hervorragend durch und bekommen in den Einzeltests bei inside-handy.de trotzdem nicht dieselbe Wertung.

Samsung Galaxy S6 gegen LG G4

Das Galaxy S6 behält sich ein paar Prozente mehr – Der Akku des LG G4 ist dafür wechselbar

Das Galaxy S6 kann mit sich nach den acht Stunden Intensivtest, wie auch nach den 16 Stunden im Standby, ein bisschen mehr Energie behalten. Trotzdem schneidet es etwas schlechter ab, als das LG G4. Grund dafür: LG verbaut einen austauschbaren Akku. Der bringt das G4 mit der Nasenspitze vor das Galaxy S6. Wem ein fest verbauter Akku egal ist und sowieso nie den Akku austauscht, kann hier getrost zum Samsung Galaxy S6 greifen. Wer sich nach zwei Jahren lieber einen frischen Akku zulegen will und ihn ohne Werkstatt ins Handy bugsieren will, kommt am LG G4 nicht vorbei.

Fazit

Was ist nun besser? Ein Maybach oder ein Bentley? Die Frage lässt sich eigentlich gar nicht beantworten. Aber, ein paar Punkte sprechen für einen kleinen Vorsprung des LG G4. Trotzdem ist die Entscheidung, welches der Handys über den Verkaufstresen wandert, bei den gebotenen Leistungen der Kontrahenten eher Geschmackssache.

Das Galaxy S6 ist ein elegantes Unibody-Smartphone und damit im Trend des nicht-erweiterbaren Speichers und fest verbauten Akkus. Das Display, die überragende Geschwindigkeit, die mittlerweile aufgeräumte Software, die Kamera und das gefällige Design sprechen für das Samsung Galaxy S6.

Das LG G4 kann in ebendiesen Punkten ebenfalls überzeugen. Das Display, die Kamera die Bedienung, das dicke Softwarepaket und der lederne Rückdeckel sind toll und überwiegen die kleinen Schwächen bei der Materialwahl am Rahmen und bei der Übersichtlichkeit.

Somit bleibt es dem Nutzer vorbehalten, seine Wahl nach eigenem Geschmack zu treffen. Mit den gebotenen Leistungen kann man sich beim Kauf auf die Äußerlichkeiten, die Displaygröße und die konzeptionellen Unterschiede zwischen Unibody und Wechselakku konzentrieren und muss sich eigentlich nicht mit den inneren Werten beschäftigen, denn die sind bei beiden Smartphones fast perfekt.

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  • LG G4 vs. Samsung Galaxy S6: inside-handy.de
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Michael Büttner
Michael liebt Technik und ist stellvertretender Chefredakteur bei inside handy. Anderen auch bekannt als der Franke in Bonn, der Macher oder der Handwerker für sämtliche Reparaturen der Redaktion. Nach Praktika bei der Neuen Presse in Kronach, den Nürnberger Nachrichten und dem Systemkamera-Blog, startete Michael bei inside handy und verdient sich seine Sporen vor allem im Hardware-Bereich. Balanciert er mal nicht zwischen Tagesgeschäft, Testgeräten und Co, betätigt er sich ab und an als Jäger im Pokémon-Dschungel. Ein ungewöhnlicher Anblick wäre es dabei nicht, ihm dank seiner Boulder-Fähigkeiten kletternd an einer Felswand zu begegnen. Abseits dessen begeistert er sich für Fotografie, Wanderungen, kulinarische Feste und Blasius Kawalkowski.

Handy-Highlights

LG G4
Samsung Galaxy S6 Front

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