Tablet für Deutschland mit Display für die 90er

8 Minuten
Samsung Galaxy Tab A mit Testcenter-Stempel
Bildquelle: inside-handy.de

Verarbeitung und Design

Bei gerade einmal 7,9 Millimetern in der Höhe liefert Samsung mit dem Galaxy Tab A ein sehr schlankes Tablet ab, das sich mit seinen 9,7 Zoll Bildschirmdiagonale in die Größenklasse des iPad Air einreiht. Der Rahmen, der das Display umgibt, ist links und rechts mit 6,7 Millimetern angenehm schmal gehalten, oben und unten ist mit 19,7 Millimetern ein bisschen mehr Raum, auf dem Buttons, Kameras, Sensoren und das Samsung-Logo Platz finden. Durch die Symmetrie ist die Gestaltung der Vorderseite sehr gefällig.

Wie bei Samsung üblich sind alle Kanten des 456 Gramm schweren Tablets abgerundet. Das Gehäuse besteht zum überwiegenden Teil aus Kunststoff, das Display wird von Glas bedeckt. Der Home-Button ist wie bei Samsung-Geräten üblich als mechanische Taste ausgeführt, Zurück und Multitasking hingegen sind kapazitive Touch-Tasten. Auf der Unterseite des Gehäuses befinden sich die Lautsprecher, der 3,5-Millimeter-Headset-Anschluss und der Micro-USB-Anschluss zum Laden des Geräts. Die rechte Seite nimmt die Micro-SD-Karte und die SIM-Karte auf. Außerdem sind dort der Ein-/Ausschalter und die Lautstärkewippe angebracht. Die Oberseite und die linke Seite des Geräts kommen dafür ohne Knöpfe und Einschübe aus. Auf der Rückseite befinden sich die Kamera, die ganz leicht aus dem Gehäuse hervorlugt, und Verankerungsvorrichtungen für das „Book Cover“, das Samsung als separat erhältliches Zubehör vertreibt.

Die Wahl des Gehäuse-Materials und das dünne Format des Tablets gehen allerdings zulasten der Stabilität. Die Gehäuserückseite lässt sich stark eindrücken und verbiegen. So stark, dass spuren davon bereits auf dem Display zu sehen sind und man Angst haben muss, das Gerät zu beschädigen. Sicher entsprechen solche Stresstests nicht dem üblichen Nutzungsszenario eines Tablet-Computers, doch in den Händen von Kindern beispielsweise kann es zu der einen oder anderen Stresssituation für das Gerät kommen.

Display und Kamera

Dass Samsung mit dem Galaxy Tab A nicht die Absicht hatte, ein High-End-Gerät auf den Markt zu bringen wird am ehesten deutlich, wenn man einen Blick auf das Display des Tablets wirft. Genau wie beim iPad ist auch der Bildschirm des Samsung-Tablets im 4:3-Format gehalten, was sich besonders positiv auf den Lesekomfort auswirken soll.

Was sich nicht positiv auf den Lesekomfort auswirkt ist die viel zu geringe Auflösung von 768 x 1.024 Pixeln. Dies war – im umgekehrten Seitenverhältnis – Ende der 90er Jahre die Standardauflösung von Desktop-Röhrenmonitoren. Das Display des Galaxy Tab A schickt einen auf diese unfreiwillige Zeitreise, als Pixel noch gemeinhin sichtbar waren, die Jagd auf Moorhühner noch nicht eröffnet war und mobile Spiele häufig von einer gefräßigen Schlange handelten.

Screenshot Samsung Galaxy Tab A Snake
Bildquelle: inside-handy.de

Snake Rewind macht auf dem Galaxy Tab A eine richtig gute Figur

Die Kamera des Galaxy Tab A reicht für den gelegentlichen Schnappschuss aus, Wunder sollte man von dem 5-Megapixel-Sensor allerdings keine erwarten. Dafür hat Samsung der Kamera einen besonders fix arbeitenden Autofokus spendiert, mit dem das Knipsen Spaß macht. Auch die Selfie-Kamera liefert bei guten Lichtverhältnissen recht gute Bilder in einer Auflösung von knapp 2 Megapixeln. Wer nur gelegentlich ein Bild machen will kann also beruhigt zugreifen, wer begeistert ist von Foto-Apps wie Instagram und bei seinen Bildern auf Qualität achtet, greift lieber zu einem teureren Smartphone oder Tablet.

Ausstattung und Leistung

In Samsungs Einsteiger-Tablet verrichtet ein 1,2 GHz schneller Quad-Code-Chip aus dem Hause Qualcomm sein Tagwerk, wobei dem Snapdragon 410 in der WLAN-Version 1,5 GB Arbeitsspeicher zur Seite stehen; der LTE-Version, die von der inside-handy.de-Redaktion getestet wurde, haben die Koreaner 2 GB spendiert. Für Grafikpower sorgt eine Adreno-306-Grafikeinheit.

Beiden Versionen stehen neben WLAN auch Bluetooth 4.1 für die drahtlose und USB 2.0 für die kabelgebundene Verbindung zur Verfügung. Zum Speichern von Fotos, Musik und Lesestoff stehen 16 GB interner Speicher zur Verfügung, auf dem jedoch auch das Betriebssystem untergebracht ist. Erweitert werden um bis zu 128 GB kann der Speicher mit einer Micro-SD-Karte.

Bei den meisten Anwendungen macht das Samsung-Tablet eine gute Figur: die Oberfläche ist flüssig und hakt nicht, Apps starten zügig und lassen sich auch problemlos ohne längeres Warten mittels Multitasking-Ansicht reaktivieren.

Android hat Samsung in der Version 5.0.2 auf das Galaxy Tab A installiert, die Samsung selbstverständlich angepasst hat. So gibt es – allerdings wohl nur in der WLAN-Version – eine Multi-User-Funktion. Auch der Kindermodus wurde von Samsung im Pressematerial besonders hervorgehoben, musste auf dem Testgerät allerdings manuell über Galaxy Apps bezogen werden. Wischt man auf dem Homescreen nach links erhält man die von Flipboard gelieferte News-Seite „Briefing“, die wichtige Artikel in Zeitungsoptik präsentiert und zum Lesen einlädt.

Auch macht sich Samsungs neuerlicher Deal mit Microsoft bereits in der Software-Auswahl bemerkbar: Neben Word, Excel, PowerPoint und OneNote sind Skype und OneDrive vorinstalliert. Allerdings mutet es etwas merkwürdig an, dass man bei einem ersten Start einer Office-App erstmal von einer Fehlermeldung begrüßt wird:

Screenshot Samsung Galaxy Tab A Fehlermeldung
Bildquelle: inside-handy.de

Microsoft Office läuft optimal auf KitKat, das Galaxy Tab A hat aber bereits Lollipop an Bord. Das Testgerät ist die LTE-Fassung mit 2 GB Arbeitsspeicher.

Multimedia und Spiele

Die Multimedialeistung des Galaxy Tab A kann nicht beanstandet werden: die Lautsprecher liefern einen für das flache Tablet unerwartet guten, lauten und klaren Sound. Auch die Musik-Player-App macht Spaß: einfach und übersichtlich in der Bedienung, trotzdem finden sich interessante Audio-Features wie SoundAlive, über das unter anderem der Equalizer gesteuert werden kann. Für die leichte Bedienung sieht Samsung hier zwei Drehregler vor, auf Wunsch kann aber auch in einen komplexeren Modus gewechselt werden, verschiedene Voreinstellungen für diverse Musikrichtungen gibt es ebenfalls. Einziger Wermutstropfen: Die Regler sind nicht stufenlos einstellbar.

Screenshot Samsung Galaxy Tab A Equalizer
Bildquelle: inside-handy.de

Drehregler machen das Finden des optimalen Sounds einfach.

Auch in Sachen Video gibt sich das Galaxy Tab A solide: Internetvideos von YouTube und Netflix laufen flüssig und so gut es das grob auflösende Pixelraster eben zulässt über den Bildschirm, doch müssen hier aufgrund der Bauweise Abstriche in Kauf genommen werden: Die meisten Videos sind heute im 16:9-Bildformat aufgenommen und werden auf dem Display des Galaxy Tab A mit schwarzen Balken oben und unten dargestellt, was die für den Videogenuss zur Verfügung stehende Pixelanzahl ein weiteres Mal beschränkt.

Auch spielerisch kann das Gerät mit den meisten Android-Tablets mithalten. 3D-Spiele laufen flüssig und ruckelfrei – kein Wunder, ist doch das zu berechnende Bild nicht allzu groß. In Spielen, wo es um Übersicht geht, kann der große Bildschirm seine Stärke voll ausspielen. Snake Reverse zum Beispiel macht richtig Spaß und der coole Retro-Look wird auch durch das schlechte Display nicht getrübt.

Samsung preist das Gerät als besonders lesefreundlich an. Im Test mit Amazons Kindle-App hat sich dies nicht bestätigt. Die Buchstaben des E-Books sehen grobschlächtig und ausgefranst aus, vom Lesen auf Papier ist das, was das Galaxy Tab A bietet, mehrere Lichtjahre entfernt. Die Augen werden stark angestrengt, gerade wenn man das Tablet näher am Gesicht hält. Ein akzeptabler Ersatz für einen E-Reader ist das Tablet sicher nicht.

Akku

Der Akku des Galaxy Tab A macht eine gute Figur: Nach zwei Serienfolgen von „Modern Family“ über Netflix waren nur 10 Prozent des Stromspeichers leer gefegt. Auch 3D-Spiele und deren Installation inklusive langwieriger Downloads steckte die fest verbaute Batterie des Tablets locker weg, so dass nach einem anspruchsvollen Arbeitstag noch 67% Akku verbleiben. Hier macht sich abermals das grobpixelige Display bemerkmar – dieses Mal allerdings zum Vorteil des Geräts. Auch Standby-Zeiten steckt das Gerät trotz aktiver SIM-Karte und WLAN locker weg.

Fazit

Samsung hat mit dem Galaxy Tab A vor allem die Kunden im Blick, die beim Tabletkauf auf den Preis schauen und ihr Tablet nicht für anspruchsvolle Anwendungen, sondern zum gelegentlichen Browsen, E-Mails-Checken und Lesen verwenden wollen. Auch für den gelegentlichen Videokonsum wird das Tablet ausreichen – zumindest all denjenigen, die bisher auch gut ohne HD-Fernsehen über die Runden gekommen sind.
Mit unverbindlichen Preisempfehlungen von 299 Euro für die WLAN-Version und 349 Euro für die LTE-Version ist Samsung nicht wirklich unter die Billigheimer gegangen. Vergleichbare Produkte (mit angemessener Display-Auflösung) sind zum Beispiel von Lenovo oder HP in dieser Preisklasse verfügbar, doch unterbietet man das vergleichbare iPad Air 2 (609 Euro) mit doppelt so vielen Pixeln (1.536 x 2.048 Pixeln) um fast die Hälfte.

Pro:

  • Lange Akkulebensdauer
  • Aktuelle Android-Version

Contra:

  • Grobpixeliges Display
  • Gehäuse instabil

Bildquellen:

  • Samsung Galaxy Tab A mit Testcenter-Stempel: inside-handy.de
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Stefan liebt Technik. Vor allem liebt Stefan Technik, die funktioniert. So profan, so einfach, so richtig. Technik, die funktioniert, sorgt dafür, dass auch Stefan funktioniert. Wenn Stefan eine Kaffee-Spezialität „Größe 20“ seiner Lieblings-Kaffehaus-Kette spazieren trägt und alles „funktioniert“, zeigt sich die rheinische Frohnatur von seiner schönsten Seite. Apropos schön: Das Design, in dem inside handy seit 2018 erscheint, ist nicht nur zu einem kleinen Teil Stefans Ideenschmiede entsprungen.

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