Das Ende von Siemens Mobile vor 10 Jahren

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R.I.P. Siemens Mobile 1995 - 2005
Bildquelle: Flickr, Bert Kaufmann, CC-BY-SA 2.0 de / inside-handy.de
Heute vor exakt zehn Jahren ist eine Ära zu Ende gegangen: Der gerade bei deutschen Kunden beliebte Handyhersteller Siemens entschloss sich nach langem Rumoren, die Produktion von Mobiltelefonen an das taiwanische Unternehmen Benq abzugeben. Seinerzeit ging man noch davon aus, dass die Übernahme dazu führen werde, dass die Handyentwicklung und –produktion "Made in Germany" unbeirrt weitergehen könne. Doch auch unter Benq-Flagge ging es weiter bergab.

Von 1994 bis 2005 hat Siemens mit seinen Handy-Modellen den deutschen Markt geprägt wie kein anderes Unternehmen. Seine besten Zeiten hatte Siemens in einer Zeit als sich das Mobilfunk-Verhalten der Deutschen stark wandelte: Während Mobiltelefone in den Achtziger und frühen Neunziger Jahren nur für Geschäftsleute interessant waren, sorgten auch die Siemens-Modelle dafür, dass Handys in den Alltag vieler Menschen einsickerten, die sich zunächst vielleicht noch fragten, was sie eigentlich mit einem Mobiltelefon sollten. Schließlich stand zuhause noch ein roter oder grüner Festnetz-Apparat der Post, vielleicht darüber hinaus noch ein Fax und in jedem Fall ein Briefkasten am Hauseingang – mehr Kommunikationsbedarf herrschte seinerzeit noch nicht.

SMS, MMS und vor allem das mobile Internet sorgten Zug um Zug dafür, dass sich die Ansprüche der Deutschen an die Mobiltelefone stark veränderten. Der boomende Markt führte zu mehr Konkurrenz durch europäische Unternehmen wie Sagem, Alcatel und vor allem Nokia, die zu Siemens‘ härtestem Widersacher werden sollten. Aber auch aus Fernost drängte immer mehr Wettbewerb auf den deutschen Markt. Die Handys von Samsung und LG hatten zwar noch – zu Recht – einen Ruf als wenig robuste Billig-Mobiltelefone, die sich qualitativ nicht mit den Siemens-Geräten „made in Germany“ messen konnten. Doch der Preiskampf gegen Asien machte Siemens ebenso wie anderen deutschen Technik-Herstellern zu schaffen und sorgte neben der Konkurrenz durch Nokia dafür, dass sich das Siemens-Management 2005 zu einem Verkauf der Handysparte an Benq entschloss. Die Hoffnungen auf eine Fortsetzung der Siemens-Story unter dem Dach von Benq zerschlugen sich aber schnell: Nach einigen wenigen neuen Modellen meldete Benq 2006 in Deutschland Insolvenz an und schloss die letzten Produktionsstätten im Jahr 2007. Das Ende von Siemens‘ Mobilfunksparte wurde somit nur unwesentlich verzögert. Die bedeutendsten Modelle sollen in diesem Artikel aber nochmal aufleben.

Die 10 wichtigsten Modelle

Eine Aufzählung der zehn wichtigsten Siemens-Handys kann natürlich nur subjektiv sein, denn jeder setzt andere Schwerpunkte. Die Redaktion hat sich für die folgenden Modelle entschieden, die aus ganz unterschiedlichen Gründen einen Meilenstein in der 11-jährigen Historie darstellen:

Siemens Mobile: Die erfolgreichsten Meilensteine des deutschen Handyherstellers

So war das Siemens S1 im Jahr 1994 das erste Handy aus dem Hause Siemens. Außer einem Telefonat im GSM-Netz gab es damals keine Funktionen. Die Akkulaufzeit war dafür gegenüber heutigen Modellen noch phänomenale zwei Wochen lang. Mit dem S3 brachte Siemens ein Jahr später sein erstes Modell mit SMS-Funktion – damals noch kaum beachtet.

Im Jahr 1997 hatte Siemens mit dem S10 das weltweit erste Handy mit Farbdisplay im Angebot. Immerhin vier verschiedene Farben waren darstellbar. Nur wenige Monate später kam mit dem SL10 das erste Slider-Handy auf den Markt: Dieser heute fast vergessene Formfaktor sorgte für kompakte Maße in der Tasche und gleichzeitig gutes Telefonieverhalten im ausgefahrenen Zustand. Mit dem S25 aus dem Jahre 1999 setzte Siemens kurz vor der Jahrtausendwende erneut Meilensteine: Ein grafisches Display statt der bisher üblichen Textzeilen und ein integriertes Modem für Faxe und Daten waren Ende der Neunziger Jahre der letzte Schrei.

Mit dem Erfolgsmodell C35 dürfte Siemens im Jahr 2000 seinen größten kommerziellen Erfolg gefeiert haben. Dieses kompakte Einsteigerhandy fand sehr viele Nutzer und wurde vor allem mit den beliebten Prepaid-Einsteigerpaketen zusammen zu einem echten Kassenschlager. Im Jahr 2001 kamen mit dem S45/ME45 die Business- und Outdoor-Varianten des C35 in die Ladenregale.

Zwischen C35 und Symbian ist der Wendepunkt

Ein damals noch neues Betriebssystem stellte Siemens 2003 mit dem SX1 vor. Das Symbian-Modell war technisch an der Spitze des Marktes und dennoch musste Siemens in dieser Zeit mit seinem Handygeschäft bereits rote Zahlen vermelden, denn Symbian sorgte auch mit für den Aufstieg von Nokia. Siemens‘ Flaggschiff-Modell des Jahres 2004, das S65, kam wie üblich auch in der Outdoor-Variante M65 und der Slider-Variante SL65. Die Verkaufszahlen waren gut, aber offenbar nicht gut genug, um den Absturz noch zu verhindern.

Als 2005 mit dem S75 und der UMTS-Variante SXG75 das letzte eigenständige Siemens-Gerät auf den Markt kam, war der Verkauf an Benq schon beschlossene Sache. Die UMTS-Variante deutet an, dass technisches Know-how bei Siemens nicht das Problem gewesen ist. Die Mobilfunk-Sparte von Siemens dürfte vielmehr daran gescheitert sein, dass man den gnadenlosen Preiskampf der 2000er-Jahre trotz eines guten Images und herausragender Technik nicht bestehen konnte. Nokia und Co. haben es in dieser Zeit deutlich besser verstanden, die Bedürfnisse der Kunden zu befriedigen.

Einen ähnlichen Umbruch markierte erst wieder Apple im Jahr 2007 mit dem ersten iPhone. Mit den bekannten Folgen für Nokia, die sich nach dem Ende von Siemens auf dem deutschen Markt noch für viele Jahre als unverwundbar betrachteten.

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