Samsungs Spiel im Schatten

6 Minuten
Samsung Galaxy K Zoom
Bildquelle: inside-handy.de
Wer mehrere hundert Euro für ein Smartphone ausgibt, informiert sich in der Regel vor dem Kauf sorgfältig, ob das Gerät auch wirklich etwas taugt. Neben Testberichten, die zum Beispiel inside-handy.de  zu aktuellen Smartphones erstellt, orientieren sich viele Käufer auch an der Meinung anderer Kunden. Dass diese Meinungen indirekt vom Hersteller gesteuert sein können, zeigt inside-handy.de anhand eines aktuellen Falls auf der eigenen Seite.

Onlinehändler wie Amazon, spezielle Portale wie Ciao oder Dooyoo und Fachmagazine wie inside-handy.de machen es möglich, die Meinung von anderen Kunden zu lesen, wenn der Kauf eines neuen Smartphones ansteht. Ungeschminkte Bewertungen, ehrliches Feedback von echten Kunden: Der Gedanke hinter diesen Erfahrungsberichten ist vernünftig und auch inside-handy.de ermöglicht es daher seinen Lesern, eine eigene Bewertung zu ihrem Gerät abzugeben. Im Idealfall ergibt sich aus dem Testbericht der Redaktion und den Erfahrungsberichten der Käufer ein stimmiges Bild.

In den vergangenen Wochen wurde die Redaktion allerdings stutzig, als auf einmal ungewöhnlich viele Bewertungen zum Samsung Galaxy K Zoom eintrudelten. Die Berichte zu diesem Gerät waren ausnahmslos positiv und kamen in einer Häufigkeit, die den Verdacht nahelegten, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugehen könnte. Warum sollten auf einmal merkwürdig viele Leser ein Produkt bewerten, das als Mischung aus Smartphone und Kamera daherkommt und damit eine eher kleine Zielgruppe anspricht?

Screenshot Erfahrungsberichte Samsung Galaxy K Zoom
Bildquelle: inside-handy.de

Freiwillige Helfer beim „Mitmach-Marketing“

Dass es sich nicht um einen Zufall handelte und auch kein geheimer Fanclub des Galaxy K Zoom existiert, wurde deutlich, als inside-handy.de Kontakt mit den Autoren der Berichte aufnahm. Nicht alle waren gesprächsbereit, aber viele haben bestätigt, dass ihr Interesse an dem Produkt nicht von ungefähr kam. Sie alle sind Teil einer Tester-Gruppe der Trnd AG. Die Firma Trnd ist eine der führenden Agenturen für das sogenannte „Mitmach-Marketing“. Ein ganzes Heer von freiwilligen Testern steht bereit, um im Auftrag von verschiedenen Herstellern und vermittelt durch Trnd Produkte zu testen. Kleidung, Kosmetik, Elektronik und vieles mehr: Die Hersteller erhoffen sich von den Test-Kunden ehrliches Feedback für die Weiterentwicklung ihrer Produkte. Manch ein Hersteller scheint darüber hinaus aber auch interessiert daran, dass die Tester ihre Eindrücke in die Welt hinaus tragen und somit kostenlose und authentische Werbung machen.

Trnd wirbt ganz offensiv damit, dass man auf diese Art und Weise die öffentliche Meinung zu einem Produkt beeinflussen kann. Die Tester erhalten für einige Wochen zum Beispiel ein Smartphone und senden ihren Erfahrungsbericht nicht nur an den Hersteller, sondern sollen ihn auch im Internet verbreiten. Neben einer festen Liste mit Portalen, die der Tester abgrasen muss, kann er sich offenbar „Fleißpunkte“ verdienen, indem er den Bericht an so vielen Stellen wie möglich platziert. Als Belohnung findet eine Verlosung einiger Testgeräte statt. Darüber hinaus soll es keine Entlohnung der Tester geben. Offiziell lautet auch die Ansage, dass die Berichte nicht unbedingt positiv ausfallen müssen. Fraglich ist jedoch, ob ein Tester, der regelmäßig negative Berichte abliefert, weiter von Trnd berücksichtigt wird.

Erfahrungsberichte bei inside-handy.de gerne gesehen

Im konkreten Fall zum Galaxy K Zoom sah das Vorgehen wie folgt aus: In einer sogenannten „Ideenphase“ konnten sich potenzielle Tester bei Trnd zwei Wochen lang über das Produkt informieren, anschließend gab es einen „Wissenstest“ zum Galaxy K Zoom und eine Auswahl von 100 Testern. Einen knappen Monat lang konnten die Testpersonen den Smartphone-Kamera-Hybriden dann zu Hause unter die Lupe nehmen. Das Feedback zum Gerät sollte nicht nur an Samsung gehen, sondern auch auf verschiedenen Bewertungsportalen geteilt werden. Dieses Mal waren Amazon, Idealo, Ciao, Mediamarkt und Saturn im Pflicht-Programm. Das Verbreiten der Berichte auf anderen Seiten wie inside-handy.de ist bei Trnd allerdings auch gerne gesehen. Pro Bericht erhält man in einem Trnd-internen System fünf Punkte gutgeschrieben. Das Sammeln von Punkten bringt derzeit jedoch nur Prestige und keine direkte Belohnung in Form von Geld oder Sachpreisen.

Samsung hält Vorgehen für „marktüblich“

inside-handy.de hat nicht nur die Tester, sondern auch Samsung mit dem Vorgang konfrontiert. Andreas Wahlich, Chef des Kamera-Produktmarketings bei Samsung, hat sich der Fragen angenommen und sieht keine Probleme mit der Verbreitung von Erfahrungsberichten über Trnd. Man führe „regelmäßig Produkttests mit Endkunden durch“, das Vorgehen sei „marktüblich“. Tatsächlich holen sich auch andere Hersteller Feedback von Endkunden über Agenturen wie Trnd. Eine kurze Umfrage von inside-handy.de bei verschiedenen Herstellern deutet jedoch darauf hin, dass das gezielte Verbreiten der Meinung über Erfahrungsberichte eine Ausnahme darstellt.

Wahlich räumt ein, dass Trnd im Auftrag von Samsung „registrierte User dazu angeregt, das Galaxy K Zoom zu testen und ihre Erfahrungen auf verschiedenen Online-Plattformen zu veröffentlichen.“ Andere Hersteller begnügen sich damit, die Ergebnisse für ihre interne Marktforschung zu nutzen. Samsung reicht das offenbar nicht aus, die Meinung soll auch in die Welt hinaus getragen werden. Zwar werden auch kritische Meinungen von Samsung toleriert: „Die Teilnehmer eines Trnd-Projekts sollen offen und ehrlich ihre Meinung online teilen“, betont Wahlich. Ob ein zu kritischer Tester auch in Zukunft für ein neues Projekt ausgewählt wird, ist jedoch zu bezweifeln. Auch durch die Vorauswahl der Testpersonen, von Wahlich „produktbezogenen Selektion“ genannt, beeinflusst Trnd bereits im Vorfeld der Testphase die konkret gebildete Tester-Gruppe nach den Vorgaben von Samsung.

Ein fader Beigeschmack

Formal begeht Samsung mit dieser Form der Produkttests keinen offensichtlichen Fehler. Die Teilnahme als Tester ist freiwillig, unentgeltlich und ohne inhaltliche Vorgaben. Man kann Samsung also nicht vorwerfen, dass plumpe Fake-Berichte verbreitet werden. Bei den Testern handelt es sich um echte Menschen, die das Produkt wirklich in den Fingern hatten und vermeintlich ausführlich getestet haben. Würde Samsung diese Tests nur für interne Zwecke nutzen, wäre alles in Ordnung. Merkwürdig ist allerdings die Vorgabe, die Berichte auch im Netz zu teilen. Samsung betreibt damit ein Spiel im Schatten, denn man greift zumindest indirekt in die Anzahl der Bewertungen ein. Man suggeriert also ein höheres Interesse an einem Produkt, das ohne den Samsung-Test wahrscheinlich weniger Anklang gefunden hätte. Diese Praxis ist zwar nicht illegal oder offensichtlich anrüchig. Es bleibt aber ein fader Beigeschmack und der Gedanke, dass Samsung ein solches Vorgehen als Marktführer doch wohl kaum nötig haben dürfte.

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