Steve Ballmer verlässt den Vorstand von Microsoft

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Steve Ballmer
Bildquelle: Microsoft
"Niemals geht man so ganz", heißt es in einem alten Schlager von Trude Herr. Frei nach diesem Motto scheint auch Steve Ballmer zu verfahren, der nach seinem Rücktritt als Konzernchef von Microsoft am späten Dienstagabend überraschend auch seinen Vorstandsposten räumte. Allerdings bleibt er dem Konzern zumindest ein wenig erhalten, indem er als Aktionär bei wichtigen Entscheidungen ein Mitspracherecht besitzt.

In einem Rücktrittschreiben an den neuen Microsoft-Chef Satya Nadella begründete Ballmer seinen Entschluss damit, mehr Zeit für sich selbst und seine neuen Aufgaben finden zu wollen. Sein Ziel sei außerdem, einen Lehrauftrag anzunehmen und – ähnlich wie Microsoft-Gründer Bill Gates – mehr für die Gemeinschaft zu tun. Sein Vermögen wird auf knapp 15 Milliarden US-Dollar geschätzt. Nadella antwortete mit blumigen Worten. Er dankte Ballmer nicht nur für seine Arbeit während der vergangenen 34 Jahre, sondern fand auch lobende Worte. Es sei eine besondere Ehre gewesen, unter Ballmer gearbeitet und von ihm gelernt zu haben. „Deine Fachkenntnisse und Führungsqualitäten wird man im Management von Microsoft sehr vermissen, aber ich verstehe und unterstütze deine Entscheidung.“

Konflikte werden vermieden

Für Microsoft ist Ballmers Rückzug aus dem Vorstand unter Umständen sogar ein Glücksfall. In der Branche hatte es zuletzt Gerüchte gegeben, er könne mit seinem Nachfolger anecken, da dieser in der Konzernführung und -ausrichtung einen neuen Kurs eingeschlagen hat – mit Fokus auf Cloud-Dienste und mobile Anwendungen. Über den Tellerrand hinausblicken und neue Software-Lösungen entwickeln lautet das Motto von Nadella. Microsoft ist in seinen Augen mehr als eine Windows-Schmiede.

Auch vor tiefen und schmerzhaften Eingriffen schreckt der neue Chef nicht zurück. Zahlreiche ehemalige Mitarbeiter von Nokia können ein Lied vom harten Kurs des Managers singen. 18.000 Mitarbeiter müssen Microsoft in den nächsten Monaten verlassen, weil der Personalbestand nach der rund 7 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Nokia auf weit über 100.000 angewachsen war und viele Positionen doppelt besetzt waren.

Volle Konzentration auf Basketball mit den LA Clippers

Ballmer wird sich künftig an anderer Stelle austoben und regelmäßig in der Öffentlichkeit zeigen: In der amerikanischen Profi-Basketball-Liga NBA. Vor einigen Wochen hatte er für 2 Milliarden Dollar die LA Clippers gekauft und will den Club zu bisher nicht gekannten Erfolgen führen. Bei einem Fanfest im Staples Center, einer Multifunktionsarena im Herzen von Los Angeles, die auch gleichzeitig die Heimstätte seines neuen Vereins ist, lieferte Ballmer eine Show ab, wie man sie noch von seinen besten Microsoft-Zeiten kennt.

Lautstark und emotional stürmte der 58-Jährige vom einen Ende der Bühne zum anderen. Immer wieder wandte er sich mit wahren Schlachtrufen an die Zuschauer. „Sind hier Clippers-Fans anwesend? Ich kann euch nicht hören!” Die Menge antwortete euphorisch. Auf ein „Wir lieben dich Steve“, reagierte Ballmer mit „Ich liebe euch auch“ und schob später ein „Ich liebe Los Angeles“ und „Ich liebe dieses Team“ nach. Stehende Ovationen waren ihm in der Folge sicher. Selbst den auf der Bühne ebenfalls anwesenden Spielern trieb der Auftritt ihres neuen Chefs das eine oder andere Mal ein Lachen ins Gesicht. Scheint fast so, als habe Ballmer eine neue Herzensaufgabe gefunden und die Herzen der Basketball-Fans in Los Angeles schon jetzt für sich gewonnen. 

Quelle: Microsoft

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