Welche Apps die Hersteller ungefragt auf Smartphones installieren

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Deinstallationsdialog
Bildquelle: inside-handy.de
Fast jeder Nutzer eines Android-Smartphones erlebt beim ersten Aktivieren seines Geräts eine Überraschung: Nicht nur Android und eine Nutzeroberfläche sind auf dem nagelneuen Gerät installiert. Viele Hersteller packen darüber hinaus noch diverse Apps auf das Handy, die sogenannte „Bloatware“. inside-handy.de hat bei verschiedenen Herstellern angefragt, welche Software sie ihren Kunden ungefragt schon vor dem Kauf auf das Smartphone spielen.

Der deutsche Marktführer Samsung bleibt relativ unkonkret und erklärt, man habe Smartphones wie das Galaxy S5 mit „verschiedenen Apps ausgestattet, die das Nutzererlebnis unserer Kunden verbessern. Dazu zählt beispielsweise die Sicherheitslösung Samsung Knox, der Kindermodus, der jungen Nutzern vielfältige Spiel-und Lerninhalte bietet, die Kalendersoftware S Planner, die Fitness-App S Health oder der App Store Samsung Galaxy Apps.“ Darüber hinaus seien je nach Verkaufsland noch unterschiedliche lokale Apps vorinstalliert.

Eine Deinstallation soll bei den meisten Apps kein Problem sein: „Viele der vorinstallierten Apps auf unseren Produkten lassen sich vom Nutzer in wenigen Schritten entfernen. Lediglich Apps, welche zum integralen Bestandteil der Samsung Firmware gehören, sind vom Kunden nicht zu deinstallieren. Dazu gehören beispielsweise Samsung Galaxy Apps oder der Musik-Player“, so Samsung. Ob es Kundenbeschwerden zur installierten Bloatware gibt, will Samsung nicht kommentieren.

HTC hat den Rekord

Screenshot des HTC Blinkfeed

Der Blinkfeed von HTC ist eine Mischung aus App und Oberfläche
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Unabhängig von Systemfunktionen und Google-Apps bricht HTC den Rekord bei den aktuellen Spitzenklasse-Modellen: Mit dem One M8 liefert der Hersteller 20 HTC-eigene und sieben fremde Programme mit. Deinstallieren lassen sich nur Taschenlampe, Rechner und die Musik-App 7digital. HTC-Produktdirektor Fabian Nappenbach gibt jedoch den Tipp, dass sich „ein Großteil der vorinstallierten Apps deaktivieren und ausblenden“ lasse, „womit sie aus dem App-Drawer verschwinden und keinerlei Auswirkung auf die Performance des Smartphones haben können.“

Beschwerden zur Bloatware sind bei HTC nach Aussage von Nappenbach nicht bekannt, im Gegenteil: „Die Auswahl der vorinstallierten Anwendungen soll für Nutzer, die das HTC One (M8) das erste Mal in Betrieb nehmen, gleich von Anfang an die bestmögliche Nutzererfahrung gewährleisten. Die Kombination aus Office-, Social-Media-, Produktivitäts- und Multimedia-Anwendungen deckt die gewöhnlichen Anfangs-Bedürfnisse eines Smartphone-Nutzers unserer Ansicht nach ab.“ Raum für eigene Apps gebe es ja dennoch: „Dass im zweiten Schritt die individuelle Gestaltung über weitere Dritt-Anwendungen und persönliche Einstellungen für die jeweiligen Nutzervorlieben dazukommt, versteht sich von selbst.“

Huawei will leichten Einstieg bieten

Ein paar Apps weniger installiert Huawei auf seine Smartphones, das Paket ist jedoch ähnlich umfangreich wie bei HTC. Nach Angaben der Huawei-Pressestelle verfolgt das Unternehmen auch strategisch einen ähnlichen Ansatz wie HTC. Man wolle den Nutzern getreu der „Emotion UI Philosophie“ einen „leichten Einstieg“ bieten. Deshalb sei beispielsweise Polaris Office oder eine Uhr mit mehr Funktionen installiert worden. Kundenbeschwerden zu den vorinstallierten Programmen seien nicht bekannt. Zudem könne man alle Apps, die keine Systemsoftware sind, deinstallieren.

Sony liefert zwei Dutzend Apps

Screenshot der Sony Whats New app

Sony Whats New ? App ist ebenfalls vorinstalliert
Bildquelle: inside-handy.de

Umfangreich ist auch die Liste der Programme, die Sony-Kunden mit ihrem neuen Smartphone erhalten. Neben klassischen Apps wie Walkman, Kamera, Taschenlampe oder Album erkennt man bei der Sony-Auswahl vor allem, dass der Konzern mehr macht als Smartphones herstellen. Eine Playstation-App, ein eigener E-Book-Reader oder ein Video-Portal gehören zum Sortiment. Darüber hinaus sind soziale Netzwerke wie Facebook, Vine oder Path installiert. Außerdem gibt es neben Google Maps zwei Navigationssysteme als Testversion. Viele Apps von fremden Anbietern lassen sich immerhin deinstallieren, vor allem die Sony-eigenen Programme wie die App-Empfehlungen von „Sony Select“ sind jedoch fest mit dem Smartphone oder Tablet verbunden. Lediglich 12 der 25 installierten Apps lassen sich deinstallieren.

Sony-Pressesprecherin Susanne Burgdorf stellt jedoch heraus, dass die Nutzer größtenteils zufrieden seien: „Wir erfahren hauptsächlich positive Rückmeldungen zu den vorinstallierten Apps, da sie einen klaren Kundennutzen darstellen.“ An der Formulierung ablesen kann man natürlich, dass es auch Kritik, vor allem an den nicht deinstallierbaren Programmen, geben wird. Nicht alle Kunden werden allerdings so energisch sein wie ein Käufer, der von Sony verlangte, jegliche Software inklusive Betriebssystem von seinem Gerät zu entfernen – Google-Programme wie Android kämen ihm nicht ins Haus. Ob der Kauf eines Android-Smartphones in so einem Fall die richtige Wahl ist, sei einmal dahingestellt.

Bei LG lässt sich (fast) alles deinstallieren

Sehr nutzerfreundlich präsentiert sich LG in Sachen Bloatware. Alexander Perederi, Produktmanager bei LG, zählt zwar eine ganze Reihe von Programmen auf, die auf aktuellen Smartphones mit installiert sind. Dazu zählen eigene LG-Apps wie zum Beispiel QuickMemo+, der LG-eigene AppStore oder eine LG-Service-App. „Wegen hoher Popularität“ habe man Apps von Drittanbietern wie den Dateimanager oder QuickRemote zudem bereits vorinstalliert. Außerdem spendiert man den Nutzern kostenlos bis 2019 das Programm MC Affee Security sowie 50GB Cloud-Speicher von Box.com. „Alle der genannten Apps, bis auf MC Affee Security, lassen sich einfach deinstallieren“, so Perederi.

Der Homescreen des LG G Flex

Bei LG können fast alle Apps deinstalliert werden
Bildquelle: inside-handy.de

Von den Programmen profitieren nach Ansicht von Perederi sowohl Kunden als auch Hersteller: „Die Kunden erhalten zum einen praktische Komfort-Apps, die die Nutzung des Handys im Alltag erleichtert und bekommen bereits ab Werk populäre Apps wie den Dateimanager spendiert, ohne sie zuerst runterladen zu müssen.“ Für den Hersteller sei die Installation der Apps ein Instrument zur Kundenbindung. Exemplarisch dafür sieht Perederi „unsere beliebte QuickMemo Funktion. Viele Kunden bleiben LG allein wegen dieser einzelnen App treu, weil sie diese in dieser Form nicht beim Wettbewerb finden.“

Kundenbeschwerden wegen Bloatware gibt es bei LG nach Auskunft von Perederi nicht: „LG war auch in der Vergangenheit nicht dafür bekannt viel Bloatware auf seinen Geräten zu installieren. Bereits beim G2 hatten wir die meisten Apps „outgesourced“. Diese waren standardmäßig nicht vorinstalliert, sondern konnten bei Interesse über den LG Downloadmanager heruntergeladen werden. So wurde wertvoller Speicher geschont. Nach der Installation ließen sie sich problemlos wieder entfernen.“ Auch beim G3 sei man dieser Linie treu geblieben: „Beim G3 wurde die Anzahl der vorinstallierten Apps sogar gegenüber dem G2 um rund 50% reduziert. Wir verfolgen die Politik, dass es an dem Kunden liegt, wie er seinen Speicherplatz nutzt. Daher ist es beim G3 möglich, praktisch jede App zu löschen, auch wenn es eine Kern-Funktion des Smartphones ausmacht wie QuickMemo+. Einige wenige Apps lassen sich nicht deinstallieren, das liegt aber in erster Linie an Vorgaben von Google, an die wir uns halten müssen.“

Wiko berücksichtigt Kundenwünsche

Der in Deutschland eher weniger bekannte Hersteller Wiko verfährt offenbar nach dem Motto „weniger ist mehr“. Auf aktuellen Wiko-Telefonen sind nach Aussage des Pressesprechers Ole Grosstück neben Android „relativ wenige weitere Anwendungen installiert“. Es handele sich um einen Dateimanager, eine Notiz-App und eine Aufgaben-App. Dem Nutzer biete man somit einen „praktischen Mehrwert“ für die tägliche Nutzung des Smartphones. Bei manchen Geräten sei außerdem eine Security-App installiert, wenn technisch realisierbar biete man auch eine Radio-App. All diese Apps lassen sich nicht deinstallieren, aber immerhin deaktivieren. Ein paar MB Bloatware bleiben somit auf dem Smartphone gespeichert.

Grosstück berichtet außerdem, dass Wiko bei diesem Thema vor allem auf das Feedback der Kunden gehört und die Anzahl der vorinstallierten Apps daher reduziert habe: „Früher hatten wir einige Spiele als Installer-Shortcut den Telefonen beigelegt.“ Bei den Kunden sind die Shortcuts offenbar nicht auf Gegenliebe gestoßen. „Da die Nutzer unser ansonsten sehr sauber gehaltenes Android gelobt haben, habe wir auf diese verzichtet.“

Dem Hersteller ein Schnippchen schlagen

Nicht alle Hersteller lassen dem Kunden ähnlich viele Freiheiten wie Wiko oder LG. Daher sollte man vor dem Kauf gut überlegen, wie viel einem ein „aufgeräumtes“ System wert ist. Alternativ kann man natürlich auch ein alternatives System wie Cyanogenmod installieren und sein Smartphone somit von jeglicher Software des Herstellers befreien. Als Laie sollte man sich jedoch gut überlegen, ob man das Risiko eingehen möchte, am Ende ein komplett zerschossenes System vor sich zu haben. Die Hersteller befürworten einen solchen Schritt selbstverständlich nicht, so dass man immer wissen sollte, was man tut, bevor man sich von vermeintlich überflüssigem Ballast befreit.

Bildquellen:

  • Deinstallationsdialog: inside-handy.de

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Wenn Telekom-Techniker Sebastian Pauls morgens in seinen Opel steigt, wird er viele Menschen glücklich machen. Ihr Telefonanschluss wird im Laufe des Tages wieder funktionieren oder ihr DSL-Anschluss endlich geschaltet. Egal ob Telekom-Anschluss oder ein Anschluss von 1&1, Vodafone oder O2: Pauls schaltet alle Anschlüsse. Nur die Abläufe sind etwas anders. inside handy durfte den Techniker einige Stunden begleiten.
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Christian liebt Technik nicht nur in der Mobilfunk-Welt, sondern auch überall dort, wo Feuerwehr-Fahrzeuge und Flugzeuge zum Einsatz kommen. Als Geschäftsführer von inside handy hat der "Chefkoch" nicht nur stets das große Ganze im Blick, sondern ist auch Herr der Finanzen und spendabler Gönner, wenn es um Grillgut für das nächste Team-Event geht. Das Geschehen rund um das Geißbockheim verliert er dabei nie aus den Augen. Aber wenn man gleich zwei Dauerkarten des 1. FC Köln sein Eigen nennen kann, darf man diesbezüglich wohl auch nichts verpassen.

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