Wie Smartphone-Hersteller aus Menschen Cyborgs machen wollen

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Terminator T-800, Zukunft, Wearable, Smart
Bildquelle: www.flickr.com/photos/31029865@N06/ (CC BY 2.0)
Smartwatch hier, Fitness-Armband da. Anscheinend haben Handyhersteller bereits Angst vor der Zukunft, in der der Smartphone-Markt gesättigt ist. Schlag auf Schlag bringen Sony, Samsung, LG und der Rest der Android-Hersteller sogenannte Wearables auf den Markt und versuchen aus ihren Nutzern Cyborgs zu machen.

Dabei scheint es den milliardenschweren Herstellern von Unterhaltungselektronik egal zu sein, ob Menschen sich selbst bis zur Maschinentauglichkeit optimieren und dabei ihre wertvolle Lebenszeit mit undurchdachter Technik verbringen. Mit aller Macht versuchen sie, ihre Lifestyle-Gadgets in den Markt zu drücken.

Samsung bietet sie schon etwas länger an, LG seit neuestem für Schnellentschlossene in einem Bundle mit dem neusten Super-Smartphone, das so gut läuft wie 100-Meter-Sprinter einen Marathon. Die Rede ist von der Smartwatch, einer Armbanduhr, die teilweise nach 24 Stunden im Einsatz an die Steckdose muss. Wenn es nach Samsung, LG und Co. geht, sind die Zeiten vorbei, in denen man auf sein Handgelenk guckte, um die Zeit zu erfahren und die Uhr diese anstandslos über Jahre hinweg anzeigte, bis die Knopfbatterie für ein paar Euro ausgetauscht werden musste.

In Zukunft soll das Smartphone, das sich meist in der Hosen- oder Handtasche befindet, mit der Uhr am Handgelenk kommunizieren und den Träger mit Vibrationen darauf aufmerksam machen, dass einer seiner Freunde ihm gerade eine Einladung über Facebook zum Spielen von Candy Crush geschickt hat. Hat man aber doch eine wichtige Nachricht erhalten und die smarte Uhr zeigt einem diese an, holt man sein Smartphone aus der Tasche und antwortet. Die Uhr wird damit praktisch obsolet.

Nun fragen sich bestimmt viele Leser, wofür man denn eine 200 Euro teure Smartwatch braucht. Nun, man kann damit telefonieren, wie es einst David Hasselhoff alias Michael Knight in der Serie Knight Rider konnte – allerdings nur, wenn sich das Smartphone in Reichweite befindet und eine Bluetooth-Verbindung besteht.

Jedenfalls hat Samsung anscheinend selbst erkannt, dass die eigene Smartwatch ein Flop ist, weshalb man das auch gleich auf der Produktseite in den „Rezensionen“ aufzeigt.

Aber nicht nur neuartige Uhren ohne Mehrwert wollen an die Handgelenke der Menschen, auch Fitnessarmbänder sollen das Leben besser machen. Sie sollen den Schlaf überwachen, die Schritte zählen und einem am Ende eines Tages dem Träger über sein Smartphone und die dazugehörige App Vorwürfe machen, wenn dieser sich zu wenig bewegt hat und nicht die entsprechende Kalorienzahl verbrannt hat. Aber auch diese funktionieren nicht wirklich autonom und müssen alle paar Tage aufgeladen werden. Zudem setzen Hersteller natürlich darauf, dass ihre Wearables bloß nicht mit Smartphones anderer Anbieter kompatibel sind.

Des Weiteren befinden sich noch ganz andere, von den Herstellern hochgelobte Gadgets auf dem Weg an und in die Körper der noch ahnungslosen Menschen. Die Google Glass beispielsweise, eine Daten-Brille, die Echtzeit-Informationen aufs Auge strahlt und dank integrierter Kamera auf Kommando Fotos von noch ahnungsloseren Menschen schießt. Bestimmt bleiben die Bilder auch im eigenen Besitz und werden nicht von Google auf den eigenen Servern gespeichert. Sollte man nicht froh sein, wenn die eigenen Augen so gut sind, dass man keine Brille benötigt? Geht es nach Google, trägt bald jeder eine Brille und versorgt den Weltkonzern mit den Daten, die dieser braucht.

Ach ja, alles andere, was man am Körper trägt, wird übrigens auch smart. Schuhe zum Beispiel, die einem per Vibration am rechten oder linken Fuß mitteilen, wo man lang gehen soll. Kopfhörer, die anhand von Sensoren erkennen, in welcher Stimmung man sich befindet und die entsprechende Musik abspielen. Eiswürfel im Cocktail, die kontrollieren wie viel man trinkt. Smarte Windeln für Kinder und Erwachsene, die per App mitteilen, wie der Gesundheitszustand ist. Oder auch dieses verrückte Ding mit dem Namen Skea, das einerseits die Beckenbodenmuskulatur der Frau stärken und zum anderen Spaß garantieren soll.

Wenn die Wörter „schlau“ und „klug“ ein Synonym für „smart“ sind und diese smarten Uhren, Armbänder, Schuhe und sonstigen Gadgets, die einen Menschen in einen Cyborg verwandeln, erst jetzt erfunden werden, hieße das im Umkehrschluss, dass die Menschen bislang ein völlig unsmartes und zugleich dummes und planloses Leben gelebt haben? Manchmal sind Kunden vielleicht einfach smarter als die Gadgets, die man ihnen verkaufen will.

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  • Terminator T-800, Zukunft, Wearable, Smart: www.flickr.com/photos/31029865@N06/ (CC BY 2.0)
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Blasius liebt Technik, Musik und Fotografie. Während er sich bei technischen Themen für Innovationen begeistert, greift er beim Musizieren auf die Old-School-Akustikgitarre und für großartige Fotos auf die klassische Spiegelreflexkamera zurück. Er ist nicht nur im Privatleben ein Familienmensch, sondern als stellvertretender Chefredakteur auch eins der Oberhäupter der Redaktion. Blasius rechnet Handypreise zwar immer noch in D-Mark um, doch seine ruhige, ausgeglichene, kreative Art und sein Einsatz von immer treffenden und humorvollen GIFs, lassen darüber hinwegsehen.

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