Smartphone versichern gegen Diebstahl und Schäden

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Handyversicherung
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Handyversicherungen versprechen den Rundumschutz fürs geliebte Smartphone. Doch lohnt sich eine Versicherung für ein Telefon überhaupt? Dagegen sprechen der vergleichsweise hohe Wertverlust und zum Teil recht hohe Kosten. Dabei können die Versicherungen mit schnellem Ersatz und teilweise umfassenden Schutz punkten. inside-handy.de erklärt, wann sich eine Versicherung für Smartphones lohnen kann.

Handyversicherungen sind auf den ersten Blick eine feine Sache. Das Smartphone fällt aus der Tasche und schon ist die bekannte „Spider-App“ installiert, das Display also mit mehreren Rissen überzogen. Mit dem Sprung im Display schnell zum Versicherer, Austauschgerät mitnehmen und das reparierte Smartphone ist nach wenigen Tagen wieder einsatzbereit. Alles schnell, unkompliziert und kostenlos. Soweit der Idealfall. 

Wer jedoch schon einmal versucht hat, sich durch die umfangreichen AGBs mancher Versicherer zu arbeiten oder sich einen Marktüberblick verschaffen wollte, wird schnell aus der blumigen Werbewelt in die Realität zurück geholt. Wann sich eine Versicherung lohnt und auf was beim Abschluss eines solchen Vertrags geachtet werden sollte, kommt immer auf den Nutzer an. Auf ein paar grundlegende Dinge sollte aber jeder achten.

Anbieter

Anbieter für Handyversicherungen gibt es wie Sand am Meer und die Bandbreite ersteckt sich von recht kleinen reinen Online-Anbietern über Mobilfunkanbieter wie die Telekom bis hin zu großen Versicherern wie der R&V, der ARAG oder der ERGODirekt. Mit diesen Dreien arbeitet beispielsweise Schutzklick zusammen, die auch Fahrräder, Brillen oder Kameras versichern. Ähnlich gestaltet sich der Hintergrund von Friendsurance. Das Berliner Unternehmen arbeitet mit zahlreichen großen Versicherern zusammen. Sofortschutz hingegen ist Teil der European Warranty Partners (EWP). Einen kleinen Überblick über alle Handyversicherer bietet die Internetseite Handyversichern. Tarifrechner wollen die besten Handyversicherungen automatisch herausfinden, bieten jedoch selten einen Vergleich aller möglichen Anbieter.

Lohnt es sich? Ein Blick in den Gebrauchtmarkt

Je nach Smartphone-Klasse schwanken die Gebrauchtpreise heftig. Für ein iPhone 4 werden im gebrauchten Zustand noch bis zu 180 Euro gezahlt, während für ein Huawei Acsend G525 nur noch 60 Euro zu erwarten sind. Allerdings spielt auch die Ausstattung eine wichtige Rolle. Ein Mittelklassehandy wie das Nokia Lumia 625 kann in der kleinsten Aussattungsvariante nur noch 90 in der besten Ausstattungsvariante bis zu 150 Euro bringen. Somit kann es bei einem vermeintlichen Spitzenprodukt weniger Sinn ergeben eine Versicherung abzuschließen als bei einem gut ausgestatteten Mittelklasseprodukt.

Meist bekommt der Geschädigte nur ein dem Zeitwert entsprechendes Ersatzgerät. Dies kann auch ein gebrauchtes Smartphone sein. Wenn dann noch die oft verlangte Eigenbeteiligung in die Rechnung einschlägt, lohnt sich eine Versicherung meist nur bei hochpreisigen und gut ausgestatteten Geräten, da diese einen gewissen Werterhalt garantieren. Dies kann auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bestätigen und Resümiert: „Geht das Gerät […] nach einem Jahr oder später kaputt oder verloren, rechnet sich der Versicherungsschutz immer weniger.“ 

Eine Beispielrechnung für drei Preisklassen: 

Handy Neupreis

Gebraucht-

preis

Tarif Beitrag / Jahr

Selbst-

beteiligung

Schaden nach 9 / 20

Monaten

Apple iPhone 5 32 GB 789 € 320 € L, Klasse III 89,95 € 60 € 180 € / 80 €
Nokia Lumia 625 299 € 77 € L, Klasse II 59,95 € 40 € -16 € / -82 €
Sony Xperia E 179 € 32 € L, Klasse I 39,95 € 20 € – 24 € / – 67 €

Der Neupreis ist jeweils die UVP des Herstellers zur Einführung des Gerätes, der Gebrauchtpreis basiert auf dem Angebot von Wirkaufens (Die Versicherer haben allerdings eigene Schlüssel) und der Tarif ist beispielhaft der der Telekom im Tarif L. Die Beispielrechnung zeigt, wer wieviel bei einem Schadensfall draufzahlt. Deutlich zu erkennen ist, dass der Versicherer nur beim hochpreisigen Gerät mehr ausgibt als er vom Endverbraucher eingezahlt bekommen hat. In allen anderen Fällen legt der Kunde drauf. 

Leistungsumfang: Bigger is better?

Der Leistungsumfang ist auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. Allerdings sollte hier genau nachvollzogen werden, welche Leistung wirklich inbegriffen sind und welche nicht. Das größere Problem ist, welche Leistung Sinn macht und welche eventuell auch von einer Hausrat- oder KFZ-Versicherung abgedeckt ist. Beispielsweise bieten einige Anbieter einen Schutz gegenüber Überschwemmung an. Sollte der Handybesitzer allerdings in einem überschwemmungsgefährdeten Gebiet wohnen, wird er eine solche Versicherung sowieso besitzen.

Handyversicherung
Bildquelle: Sofortschutz

Auch die Außendarstellungen der Leistungen sind sehr unterschiedlich.

Handyversicherung
Bildquelle: Telekom

Die Wahrheit liegt dabei meist in den AGBs versteckt.

Die Hausratversicherung kann laut Verbraucherzentrale NRW ebenfalls in einigen Fällen einspringen. So sind Zusatzleistungen wie der Schutz gegen Einbruchdiebstahl oder bei einem Überfall von dieser abgedeckt. Wenn allerdings der Schaden von einer anderen Versicherung abgedeckt wird, weigern sich viele der Handyversicherungen, selbst ins Portemonnaie oder zu den gebrauchten Ersatzgeräten zu greifen. 

Hintertüren und ärgerliches Kleingedrucktes

Wie schon beim Ausschluss durch die Übernahme des Schadens von anderen Versicherungen sind einige der Versicherungen sehr trickreich bei der Formulierung ihrer AGBs. Beispielweise kann beim Versicherungsanbieter Schutzbrief24 der Besitzer eines iPhone 5 sein Smartphone mit einem aktuellen Neupreis von zirka 530 Euro nur im Tarif Platinum Plus versichern. Dieser deckt Schäden bis 900 Euro ab. Hier würde ein Versicherungsschutz im Tarif Premium Plus, der 3 Euro monatlich günstiger wäre und Schäden bis 600 Euro abdeckt, völlig ausreichen.

Die Verbraucherzentrale zählt als weiteres Ärgernis eine Nachtklausel auf. Sie verhindere einen Versicherungsschutz bei Diebstählen zwischen 22 und 6 Uhr. Auch der Ausschluss des Schadensersatzes bei einem Aufenthalt im Ausland ist keine Seltenheit. So versichert Vodafone Smartphones nur für 30 Tage im Jahr im Ausland. Unmittelbare oder mittelbare Witterungseinflüsse können den Versicherungsschutz ebenfalls erlöschen lassen. 

Fazit

Eine Handyversicherung kann sich in seltenen Fällen lohnen. Beispielsweise bei hochpreisigen Geräten, die gut ausgestattet sind. Allerdings zeigt sich, dass schon bei Smartphones der Mittelklasse der Wertverlust leicht größer wird als die Investition in die Versicherung. In dieser Situation wird draufgelegt. Wer bei der Auswahl der Versicherung auf Nummer Sicher gehen will, wird sich einige ABGs durchlesen und viel vergleichen müssen. Im Endeffekt ist es meist lohnender, gut auf sein Handy acht zu geben und sich für den Fall des Verlusts oder einer Beschädigung selbst etwas beiseite zu legen.

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