Erstklassige Dual-SIM-Smartphones sind in Deutschland Mangelware

6 Minuten
Das in Deutschland leider nicht verfügbare HTC One Dual-SIM
Bildquelle: inside-handy.de mit HTC
Bei Dual-SIM-Handys hat sich einiges getan in den letzten Jahren: Nach dem Pionier-Modell Benefon Twin von 1999 - das man noch aus- und einschalten musste, wenn man die zweite Karte nutzen wollte - kamen Handys mit paralleler Nutzungsmöglichkeit auf den Markt, und dank Android gibt es mittlerweile auch Dual-SIM-Smartphones. inside-handy.de gibt einen Überblick über die Funktionsweise sowie die interessantesten, in Deutschland erhältlichen Modelle.

Wofür man zwei SIM-Karten gebrauchen könnte

Zwei verschiedene SIM-Karten ergeben nur mit verschiedenen Nutzungsszenarien wirklich Sinn. Klassisches Beispiel: Ein Dual-SIM-Handy kann man parallel privat und beruflich mit verschiedenen Rufnummern betreiben, wobei beispielsweise die Haupt-SIM privat für WhatsApp, Facebook und den Browser und die zweite geschäftlich hauptsächlich zum Telefonieren genutzt wird und man auch getrennte Rechnungen bekommt.

Wer öfter im Ausland unterwegs ist, wird die Möglichkeit schätzen, vor Ort die SIM-Karte eines lokalen Anbieters mit einem günstigen Prepaid-Tarif nutzen zu können. Und wenn man sich generell ärgert, dass es keinen perfekten Tarif für Telefonie, SMS und mobiles Internet gibt, könnte man per Dual-SIM zwei getrennte Tarife nutzen: einen mit der günstigsten Datenflatrate fürs Surfen, einen mit der preiswertesten Telefon- und SMS-Flat.

Auch die Nutzung verschiedener Netze ist mit einem Dual-SIM-Gerät denkbar, wenn man auf dem Land wohnt (bessere D-Netz-Qualität) und in der Stadt arbeitet (günstigere E-Netze).

DSDS und DSFA

Dual-SIM-Smartphones besitzen zwei getrennte SIM-Karten-Slots, in denen zwei verschiedene Karten mit getrennten Rufnummern – auch in unterschiedlichen Netzen – genutzt werden können. Dabei gibt es zwei verschiedene Technologien: DSDS und DSFA.

Die allermeisten in Deutschland verfügbaren Modelle nutzen die DSDS-Technik (Dual SIM Dual Standby). Sie besitzen nur eine Sende/Empfangseinheit: So ist man zwar auf beiden Telefonnummern erreichbar, aber nur, wenn man nicht gerade auf einer der Nummern telefoniert. Ansonsten ist die zweite Nummer besetzt. Man kann zwar eine Rufumleitung einrichten auf die erste Nummer, dies ist jedoch möglicherweise mit Kosten des Netzbetreibers verbunden.

Smartphones mit DSFA-Technik (Dual SIM Full Active) verfügen über zwei separate Sende/Empfangseinheiten, sodass man zwei Telefonate gleichzeitig führen kann, inklusive Anklopfen und Makeln:

DSFA-Modelle sind allerdings hierzulande meist nur über US/Asien-Importeure erhältlich wie das Samsung Star I9502 oder das HTC Desire 606w. Bei den vielzitierten „China-Importen“ besteht zudem generell die Gefahr, dass die Menüführung nicht in deutscher Sprache verfügbar ist. Übrigens benötigen zwei Empfangsmodule auch deutlich mehr Strom, sodass man auf einen ausreichend großen Akku achten sollte.

Marktüberblick: Dual-SIM-Smartphones in Deutschland

Vernünftige Dual-SIM-Smartphones sind in Deutschland nicht gerade in großer Zahl verfügbar; außerdem ist man auf Geräte mit Android beschränkt. Bei seinem Netzbetreiber oder Anbieter wird man eher kein Dual-SIM-Modell mit Vertrag angeboten bekommen – er möchte schließlich, dass man sich nur an ihn bindet. Aber man muss nicht auf exotische Fernost-Importe ausweichen, eine kleine Auswahl ist auch hierzulande verfügbar.

Samsung

High-End-Modelle muss man zwar mit der Lupe suchen. Wer aber zumindest auf einen bekannten Hersteller zurückgreifen will, findet bei Samsung einige Dual-SIM-Smartphones. Sie tragen den Namenszusatz „Duos“, wie beispielweise das Galaxy Grand Duos. Mit seinem 5-Zoll-Display, 480 x 800 Pixeln, Dual-Core-Prozessor und 1 GB RAM rangiert es am unteren Ende der Mittelklasse, kostet dafür immer noch rund 250 Euro.

Weitere Dual-SIM-Modelle von Samsung sind Galaxy S Duos (4 Zoll / 135 Euro), Ace Duos (3,5“ / 115 €), Young Duos (3,3“ / 100 €) und Y Duos (3,1“ / 95 €). Samsung hat für seine Dual-SIM-Geräte eine spezielle Menüfunktion namens „Dual SIM Always On“ eingerichtet: Hier wird die gleichzeitige Erreichbarkeit beim Telefonieren über eine automatische Rufumleitung realisiert. Man kann zudem jederzeit mit einer SIM surfen, während man auf der anderen SIM Anrufe entgegennimmt.

Sony, HTC, Huawei

Bei Sony tragen die Dual-SIM-Smartphones den Beinamen „Dual“, so wie das Xperia M Dual. Mit 4-Zoll-Display, 480 x 854 Pixeln, Dual-Core und 1 GB RAM ist es aber für rund 180 Euro ebenso mittelmäßig ausgestattet wie die Kollegen Xperia Tipo Dual (3,2 Zoll / 150 Euro) oder Xperia E Dual (3,5“ / 100 €).

Etwas leistungsfähiger sind das HTC Desire 500 mit 4,3 Zoll, 400 x 800 Pixeln und Quad-Core-CPU für 210 Euro oder das Huawei Ascend G700 mit 5 Zoll, 720 x 1.280 Pixeln, Quad-Core und 2 GB RAM für 195 Euro.

Acer, LG, Alcatel

Das Acer Liquid S1 Duo gehört mit seinem 5,7-Zoll-Bildschirm, der immerhin über eine HD-Auflösung mit 720 x 1.280 Pixeln verfügt, schon zu den Phablets. Mit Quad-Core-Prozessor ist das S1 für rund 290 Euro zu haben. Groß und vor allem brandneu ist das LG G Pro Lite Dual. Sein 5,5 Zoll großes Display muss allerdings mit einer Auflösung von nur 540 x 960 Pixeln auskommen. Seit Anfang Februar ist das G Pro Lite Dual für etwa 310 Euro verfügbar.

LG Electronics G Pro Lite Dual: Pressebilder

Sehr gut ausgestattet ist das Alcatel One Touch Idol X. Für rund 340 Euro bekommt man ein 5 Zoll großes Full-HD-Display (1.080 x 1.920 Pixel), einen Quad-Core-Prozessor, 2 GB RAM und eine 13-Megapixel-Kamera.

Wiko & Co

High-End im Dual-SIM-Bereich kommt dagegen nur tröpfelnd auf den deutschen Markt. In dieser Woche hat zumindest der französische Hersteller Wiko sein Dual-SIM-Smartphone Highway für Deutschland angekündigt, das mit einem Octa-Core-Prozessor und Full-HD-Auflösung auftrumpfen will. 

Wikos derzeitiges Dual-SIM-Topmodell heißt Stairway und ist mit 5-Zoll-HD-Display (720 x 1.280), Quad-Core, 13-MP-Kamera und 16 GB Speicher für etwa 230 Euro erhältlich. Im inside-handy.de-Test erhielt es im Januar immerhin 4 von 5 Sternen. Noch etwas günstiger, dafür aber auch etwas schwächer ausgestattet ist das Wiko Darknight (5 Zoll, 200 Euro).

Dual-SIM-Smartphones für Deutschland sind auch von Herstellern wie Simvalley, Archos, Mobistel oder Phicomm erhältlich. Auf Dual-SIM-Versionen der beliebtesten Topmodelle wie Samsung Galaxy S4, Sony Xperia Z1, LG G2 oder HTC One wird man hierzulande aber noch lange warten müssen. Da die Netzbetreiber dem Einsatz von SIM-Karten aus verschiedenen Netzen ablehnend gegenüber stehen – was auch der Grund dafür ist, dass hier kein Modell LTE unterstützt – scheinen die Hersteller gar nicht erst daran interessiert, ihre Flaggschiffe in Dual-SIM-Ausführung nach Deutschland zu schicken. 

Quellen: Hersteller / Händler

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

VERWANDTE NEWS