Warum sich der Motorola-Deal für Google und Lenovo lohnen könnte

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Google verkauft Motorola an Lenovo
Bildquelle: Lenovo / Motorola
Google verscherbelt Motorola an Lenovo - diese Sichtweise drängt sich auf angesichts der Tatsache, dass der Internetriese den US-Hersteller vor nicht einmal zwei Jahren für 12,5 Milliarden Dollar gekauft hatte und ihn nun für nur 2,9 Milliarden wieder an den chinesischen PC-Giganten abgibt. Dennoch könnte sich für die drei Unternehmen eine Win-Win-Win-Situation ergeben.

Details des Deals gaben die Konzerne am Mittwochabend bekannt: So zahlt Lenovo zunächst 660 Millionen Dollar in bar und legt noch eigene Aktien im Wert von 750 Millionen dazu. In den kommenden drei Jahren sollen dann die restlichen 1,5 Milliarden Dollar fließen – vorausgesetzt, die amerikanischen und chinesischen Kontrollbehörden geben grünes Licht für die Übernahme.

Patente bleiben bei Google

Google macht allerdings nur auf den ersten Blick ein riesiges Verlustgeschäft. Der damalige Kaufpreis von 12,5 Milliarden Dollar wurde reduziert durch gut 3 Milliarden, die Motorola noch in der Kasse hatte. Die Set-Top-Boxen-Sparte von Motorola wurde einige Monate später für knapp 2,4 Milliarden Dollar abgestoßen. Lenovo übernimmt nun lediglich die Hardware-Abteilung von Motorola Mobility sowie rund 2.000 Patente; der überwiegende Teil der Motorola-Patente – die Google 2012 offiziell 5,5 Milliarden Dollar wert gewesen waren – bleiben in Mountain View und werden lizenziert; Lenovo muss also für ihre Nutzung zahlen. „Die Motorola-Patente werden wir weiterhin dazu nutzen, unser Android-Betriebssystem zu verteidigen“, kommentierte Google-CEO Larry Page im offiziellen Unternehmensblog.

Google wurde mit dem Handypionier nicht wirklich glücklich: Trotz einer vernünftigen Beschränkung auf wenige, dafür überzeugende Smartphones wie das Moto G und zuletzt das Moto X blieben die Marktanteile enttäuschend. Auch Massenentlassungen – von den ehemals über 20.000 Motorola-Angestellten soll inzwischen nur noch ein Fünftel übrig sein – führten nicht zum Turnaround, stattdessen trübte Motorola Mobility immer wieder Googles Geschäftsbilanz. 

Blaues Auge

Dennoch könnte Google durch den Verkauf an Lenovo noch mit einem blauen Auge aus der Geschichte hervorgehen, denn mit dem chinesischen Schwergewicht als Partner ließe sich das hauseigene mobile Betriebssystem Android, ehemals für läppische 50 Millionen Dollar erworben, noch weiter verbreiten. Lenovo ist inzwischen zum weltweit größten PC-Hersteller aufgestiegen und belegt bei den globalen Smartphoneverkäufen Marktforschern zufolge mittlerweile bereits den fünften Platz, dank des riesigen heimischen Marktes.

Mit Motorola hätte Lenovo im Gegenzug bald auch einen Fuß in der Tür zu den westlichen Märkten. „Mit der Übernahme einer solch bekannten Marke, den innovativen Produkten und dem unglaublich talentierten Team wird Lenovo unmittelbar zu einem starken globalen Wettbewerber bei Smartphones“, kommentierte denn auch Lenovo-CEO Yang Yuanqing.

Win-Win-Win?

Und Motorola? „Wir glauben, dass Motorola mit Lenovo besser bedient ist“, begründete Google-Gründer Page den Deal. Das könnte durchaus zutreffen, war das Smartphonegeschäft für Google doch Neuland, während Lenovo ein Hardware-orientiertes Unternehmen ist und nun einen ähnlichen Erfolg anpeilt wie seinerzeit bei der Übernahme von IBMs ThinkPad-Geschäft.

Für Motorola ergeben sich also bald völlig neue Vetriebswege in Asien, während Lenovo sich seinerseits auf amerikanischen und europäischen Märkten ausbreiten kann. Google kann sich derweil auf die weitere Ausbreitung von Android (natürlich auch auf Lenovo-Geräten) sowie neue Interessensgebiete wie Wearables (Google Glass) konzentrieren und kassiert nebenbei Lizenzgebühren von Lenovo. Der Deal könnte sich also auf lange Sicht als Win-Win-Win-Geschäft herausstellen.

Quellen: Google / Motorola / Lenovo

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