Sparfüchse - was taugen Billig-Smartphones?

11 Minuten
Günstige Smartphones im Vergleich
Bildquelle: inside-handy.de
Ein Smartphone mit einer brauchbaren Ausstattung muss nicht mehr teuer sein. Nicht nur Geräte etablierter Marken sind erheblich günstiger geworden, immer mehr neue Hersteller versuchen, mit günstigen Geräten zu punkten. Aber lohnt sich der Griff zum Schnäppchen-Handy, oder spart man an der falschen Ecke? inside-handy.de hat den Test gemacht und vermeintliche Billigheimer mit Modellen etablierter Hersteller verglichen.

Im Vergleich treffen das Simvalley SP–100 und das LG L5II, das Wiko Cink Peax 2 und das LG Google Nexus 4 sowie das Alcatel Scribe HD und das Huawei Ascend Mate aufeinander.

Simvalley SP-100

Der Versandhandel Pearl hat neben allerhand technischen Spielereien auch Smartphones der Firma Simvalley im Angebot. Diese zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass kein einziges Modell zum angeblichen empfohlenen Verkaufspreis angeboten wird, sondern in der Regel etwa die Hälfte kostet. Ein Schelm, der hier Methode vermutet. Ob es eine Mogelpackung ist, musste im Vergleich das Simvalley SP-100 zeigen, das für 129 Euro bei Pearl angeboten wird.

Ausstattung:

  • 3,5-Zoll-Display, 320 x 480 Pixel
  • Single-Core-Prozessor, 1GHz, 512 MB RAM
  • 122 MB interner Speicher, davon 14 MB frei
  • 5-Megapixel-Kamera
  • Android 4.0.4

Simvalley SP-100 & LG L5II: Hands-On-Fotos

LG Optimus L5 II

LG konnte schon im letzten Jahr mit seiner günstigen L-Serie einige Käufer für sich gewinnen. In diesem Jahr versucht man die gleiche Strategie und bietet günstige Einsteiger- bis Mittelklasse-Smartphones mit zumeist brauchbarer Technik an. Mit einem Preis von derzeit etwa 150 Euro ist das L5 II da keine Ausnahme.

Ausstattung:

  • 4-Zoll-Display, 480 x 800 Pixel
  • Single-Core-Prozessor, 1 GHz, 512 MB RAM
  • 4 GB interner Speicher, davon 1,5 GB frei
  • 5-Megapixel-Kamera
  • Android 4.1.2

Vergleich:

Gerade einmal 20 Euro trennen das Simvalley SP-100 vom LG L5 II – 20 Euro, die allerdings sehr gut investiert sind. Das LG bietet nicht nur ein größeres und ungleich schärferes Display, es überzeugt auch durch eine schnellere und insgesamt angenehme Arbeitsgeschwindigkeit. Die bessere Performance wird auch im AnTuTu-Benchmark bestätigt, in dem das LG 6122 Punkte und das Simvalley gerade einmal 3670 Punkte erreichte.

Simvalley SP-100 und LG Optimus L5 IILG Optimus L5 II (oben) und Simvalley SP-100

Hinzu kommt beim SP-100 ein nicht mehr zeitgemäßes Display, auf dem einzelne Pixel klar zu erkennen sind und das selbst bei Bewölkung im Freien kaum ablesbar ist. Das größte Manko des Simvalley ist jedoch der interne Speicher. Dieser fällt so knapp aus, dass ohne eine zusätzliche Micro-SD-Karte nicht einmal Fotoaufnahmen gemacht werden können. Das wäre nicht so schlimm, Micro-SD-Karten können mittlerweile recht günstig nachgekauft werden, allerdings braucht man den Speicher der Micro-SD-Karte auch um Apps zu installieren.

Kameravergleich Simvalley SP-100 und LG Optimus L5II

Bilder des Simvalley SP-100 (links) und des LG Optimus L5 II im Vergleich 

Und hier liegt der große Knackpunkt: Viele Apps können nicht auf externen Micro-SD-Karten installiert werden und sind somit mit dem SP-100 nicht nutzbar – Ärger und Frust sind da vorprogrammiert. Und so wird der praktisch nicht vorhandene interne Speicher des SP-100 zum Ausschlusskriterium.

Wiko Cink Peax 2

In ihrer Heimat Frankreich konnte sich die Marke Wiko schon auf dem Smartphones-Markt etablieren. Im Zuge der IFA dieses Jahr hat der Hersteller auch in Deutschland den Vertrieb der Modelle Darkside, Cink Peax 2 und Sublime aufgenommen. Im Vergleich tritt das Cink Peax 2 an, das im Handel für etwa 170 Euro angeboten wird.

Ausstattung:

  • 4,5-Zoll-Display, 540 x 960 Pixel
  • Quad-Core-Prozessor, 1,2 GHz, 1GB RAM
  • 4 GB interner Speicher, davon etwa 900 MB frei – erweiterbar
  • 8-Megapixel-Kamera
  • Android 4.1.2

Wiko Cink Peax 2 & LG Google Nexus 4: Hands-On-Fotos

LG Google Nexus 4

Mit dem von LG produzierten Nexus 4 hatte Google im vergangenen Jahr einen echten Preisbrecher ins Rennen geschickt. Die Ausstattung konnte mit der damals aktuellen Oberklasse mithalten, die Preise von 350 Euro für die 16-GB-Version und 300 Euro für die 32-GB-Version lagen jedoch etwa 200 Euro unter den Preisen vergleichbarer Geräte. Mittlerweile hat Google den Preis sogar noch gesenkt, so dass das Nexus 4 mit 16 GB schon für 250 Euro im Play Store erworben werden kann.

Ausstattung:

  • 4,7-Zoll-Display, 720 x 1.280 Pixel
  • Quad-Core-Prozessor, 1,5 GHz, 2GB RAM
  • 16 GB interner Speicher, nicht erweiterbar
  • 8-Megapixel-Kamera
  • Android 4.3

Vergleich:

In Sachen Verarbeitung macht das Cink Peax 2 eine ordentliche Figur, kommt jedoch nicht an die hochwertige Haptik des Nexus 4 heran. So geht es dem Wiko-Smartphone auch in einigen anderen Punkten. Beim Display ist das Wiko dem Nexus 4 sowohl in Auflösung als auch Helligkeit und Ablesbarkeit im Freien unterlegen. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Anzeige besonders schlecht wäre; wer keine Oberklasse-Ansprüche hat, dürfte hiermit durchaus zufrieden sein.

Wiko Cink Peax 2 und LG Google Nexus 4LG Google Nexus 4 (oben) und Wiko Cink Peax 2

Das Navigieren durch die von Wiko leicht angepasste Android-Bedienoberfläche wirkt im Vergleich zum reinen Android an manchen Stellen weniger intuitiv und etwas hakelig.

Was die Performance angeht braucht sich das Wiko nicht zu verstecken: Obwohl der Prozessor nicht wie beim Nexus 4 auf 1,5 GHz, sondern nur auf 1,2 GHz getaktet ist, bleibt es dem Nexus 4 im AnTuTu-Benchmarkt mit 13.370 zu 16.793 Punkten recht dicht auf den Fersen. Die Bedienung läuft flüssig und auch 3D-Spiele laufen ohne größere Probleme.

Ein großer Nachteil des Wiko-Modells ist allerdings der interne Speicher, von dem dem Nutzer nicht einmal mehr ein ganzes Gigabyte zur Verfügung steht. Zwar kann der interne Speicher per Micro-SD-Karte erweitert werden, auf diesen lassen sich allerdings nicht alle Apps auslagern. In der Praxis bedeutet das: Zwei größere Games, die sich nicht auslagern lassen und der Speicher ist voll. Das Nexus bietet hingegen zwar keine Möglichkeit zur Speichererweiterung, die etwa 13 GB an internem Speicher, die dem Nutzer zur Verfügung stehen, reichen allerdings für eine moderate Zahl von Spielen, Apps, Videos und Musik.

Überraschen konnte das Wiko Cink Peax 2 im Kurztest mit seiner Kamera, die recht ansehnliche Schnappschüsse macht und auch über einen HDR-Modus verfügt. Die Bilder stehen denen des Nexus 4 in nichts nach und bei der Innenaufnahme mit Kunstlicht lieferte das Wiko eindeutig den natürlicheren Weißwert.

Kameravergleich Wiko Cink Peax 2 und LG Google Nexus 4

Bilder des Wiko Cink Peax 2 und des LG Google Nexus 4 im Vergleich

Eigentlich spricht kaum etwas gegen den Kauf des Wiko-Smartphones. 170 Euro sind ein sehr guter Preis für die Ausstattung und die Nachteile gegenüber dem Nexus 4 halten sich in Grenzen. Allerdings wiegt ein Nachteil sehr schwer, und das ist der sehr begrenzte interne Speicher, der in Sachen Apps für viele Nutzer schnell eine unangenehme Einschränkung darstellen könnte.

Alcatel One Touch Scribe HD

Alcatel hat in diesem Jahr eine ganze Reihe relativ günstiger Smartphone-Modelle unterschiedlichster Ausstattung auf den Markt gebracht. Im Test tritt das mit einem 5-Zoll-Display ausgestattete Scribe HD an. Zu den Riesen unter den Smartphones gehört es damit noch nicht, es ist jedoch das größte Smartphone, das Alcatel derzeit im Angebot hat. Es ist im Handel ab etwa 260 Euro erhältlich.

Ausstattung:

  • 5-Zoll-Display, 720 x1.280 Pixel
  • Quad-Core-Prozessor, 1,2 GHz, 1 GB RAM
  • 4 GB interner Speicher, davon etwa 2 GB frei, Speichererweiterung möglich
  • 8-Megapixel-Kamera
  • Android 4.2.1

Huawei Ascend Mate

Vor nicht allzu langer Zeit gehörte Huawei selbst noch zu den Außenseitern auf dem Smartphone-Markt und fiel vor allem mit besonders billigen Smartphones auf. Spätesten mit der P-Serie konnten die Chinesen allerdings beweisen, dass sie auch Qualität zu günstigen Preisen liefern können. Hinzu kommt die ansprechende Nutzeroberfläche Emotion UI.

Das Ascend Mate ist mit seinem 6,1-Zoll-Display derzeit das größte Modell von Huawei und kratzt bereits an der Grenze zum Tablet. Trotz sehr guter Verarbeitung und potenter Hardware ist es bereits für 300 Euro zu haben.

Ausstattung:

  • 6,1-Zoll-Display, 720 x 1.280 Pixel
  • Quad-Core-Prozessor, 1,5 GHz, 2GB RAM
  • 8 GB interner Speicher, davon 4,5 GB frei, Speichererweiterung möglich
  • 8-Megapixel-Kamera
  • Android 4.1.2

Vergleich:

In diesem Vergleich stehen sich zwei recht unterschiedliche Kontrahenten gegenüber. Huaweis Ascend Mate zeichnet sich vor allem durch seine enorme Größe aus und spricht damit auch eine ganz bestimmte Klientel an. Das Alcatel Scribe HD hingegen liegt mit seinen 5 Zoll eher im aktuellen Trend der Smartphone-Flaggschiffe von Samsung, LG und HTC und fällt daher in Sachen Größe kaum auf. Was die Verarbeitung angeht nehmen sich die beiden Geräte nicht viel – was durchaus positiv zu werten ist. Sowohl Alcatel als auch Huawei liegen hier auf sehr gutem Niveau. Was den Materialmix anbelangt wirkt der Kunststoffrahmen um das Display des One Touch Scribe HD nicht ganz so gelungen, dafür fühlt sich die Soft-Touch-Rückseite umso angenehmer an. Ein kleines Manko in Sachen Verarbeitung zeigt sich noch bei der Abdeckung des Micr-SD-Steckplatzes, die mit bloßen Fingern fast unmöglich zu öffnen ist.

Alcatel One Touch Scribe HDHuawei Ascend Mate (oben) und Alcatel One Touch Scribe HD

Auch was die Ausstattung und Leistung angeht, liegen die beiden Geräte, von der Größe einmal abgesehen, nah beieinander. Im AnTuTu-Benchmark fällt das Scribe HD mit 13.144 Punkten etwas zurück; das Ascend Mate erreicht hier 16.320 Punkte. Bei der Bedienung fällt dies jedoch kaum auf. beide Geräte laufen flüssig un beherrschen 3D-Spiele ohne Probleme.

Eine angenehme Funktion, die bei aktuellen Smartphones nur selten zum Einsatz kommt stellt die mögliche waagerechte Anzeige der Homescreens beim Scribe HD dar. Wie auch bei den anderen günstigeren Modellen ist auch das Scribe HD mit einem recht knapp bemessenen internen Speicher ausgestattet. Immerhin: Von den 4 GB stehen dem Nutzer noch 2 GB zur Verfügung, beim Wiko-Modell waren es hingegen nicht mal 1 GB.

Kameravergleich Alcatel One Touch Scribe HD und Huawei Ascend Mate

Bilder des Alcatel One Touch Scribe HD und des Huawei Ascend Mate im Vergleich

Etwas irreführend ist der dem Scribe HD beiliegende Bedienstift. Anders als beispielsweise beim Galaxy Note von Samsung, funktioniert dieser bei fast allen kapazitiven Displays, bietet jedoch nicht die Präzision der Samsung-Variante. Der Stift kann für viele Smartphones als Zubehör für ein paar Euro gekauft werden, eine Besonderheit ist er also nicht. Immerhin spendiert Alcatel dem Scribe HD ein paar auf den Stift zugeschnittene Apps, deren praktischer Nutzen allerdings unter dem unpräzisen Stift leidet. Positiv fällt hingegen die praktische Frontabdeckung auf, die per Magnet an der Rückseite befestigt wird.

Für 260 beziehungsweise 300 Euro bekommt man sowohl mit dem Alcatel One Touch Scribe HD als auch mit dem Huawei Ascend Mate Geräte mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Ob man zu dem einen oder dem anderen Gerät greifen sollte, hängt vor allem davon ab, wie groß man sein Smartphone gerne hätte und ob man sich mit dem kleinen internen Speicher des Scribe HD zufrieden gibt.

Fazit

Gut muss nicht gleich teuer sein – so viel steht nach dem Vergleich fest. Allerdings mangelt es den günstigeren Geräten in diesem Fall allen an einem entscheidenden Kriterium, nämlich internem Speicher. Das gilt auch für die günstigeren Geräte der etablierten Hersteller wie dem LG L5II. Eigentlich ist es unverständlich, dass die Produzenten hier nicht auf Speicher von mindestens 8 GB zurückgreifen und die Nutzungsmöglichkeiten hinsichtlich Apps immens erweitern.

Was die restliche Ausstattung und Funktionen anbelangt können das Wiko Cink Peax 2 und das Alcatel One Touch Scribe HD voll überzeugen. Weder die Verarbeitung, noch die Performance stehen der großer Hersteller nach. Enttäuscht hat lediglich das SP-100 von Simvalley. Nicht nur das Display ist nicht mehr zeitgemäß, es lieferte auch die schlechteste Performance und die umständlichste Bedienung ab. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen und beispielsweise in das LG L5 II oder das Huawei Ascend Y300 zu investieren, das mittlerweile sogar deutlich günstiger zu haben ist als das SP-100, dafür jedoch eine ungleich bessere Ausstattung und wirkliches Smartphone-Feeling bietet.

Anmerkung

Nicht im Vergleich beachtet wurde die Tatsache, dass die Modelle der günstigeren Hersteller alle mit einem zweiten SIM-Karten-Schacht ausgestattet sind. Diese Geräte können also zwei SIM-Karten nutzen, wodurch der Nutzer beispielsweise auf zwei Nummern erreichbar sein kann, oder unterschiedliche Tarife für Daten und Sprache nutzen kann. Das LG L5 II ist ebenfalls in einer Dual-SIM-Version erhältlich, diese wird allerdings zurzeit noch nicht Deutschland vertrieben.

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