O2 und E-Plus unter einem Dach: Was sich für den Kunden ändert

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Kunde vor E-Plus-Shop
Bildquelle: E-Plus
Wenn Aktionäre und Kontrollbehörden grünes Licht geben, sind E-Plus und O2 ab Mitte 2014 keine Konkurrenten mehr, sondern firmieren beide unter dem Dach von Telefónica Deutschland - als neue Nummer 1 auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Was sich dann für die Kunden der beiden Konzerne - und für die Kunden der anderen Anbieter in den beiden Netzen - ändert, ist noch völlig offen. inside-handy.de versucht, einige Fragen zu beantworten.

Wann ändert sich etwas für den Kunden?

Das kann noch lange dauern. Zunächst müssen in einigen Wochen die Aktionäre beider Mutterkonzerne über den Deal abstimmen. Anschließend wird sich voraussichtlich die EU-Kommission dem Vorhaben annehmen und den Fall bei Bedarf an das deutsche Bundeskartellamt weiterreichen. Da der Marktanteil des neuen gemeinsamen Unternehmens ein Drittel übersteigt, ist es möglich, dass O2/E-Plus einen Teil der Frequenzen an die Bundesnetzagentur zurückgeben muss.

Erst wenn die Übernahme in einem Jahr in trockenen Tüchern ist, werden die beiden Anbieter dazu übergehen, ihre Netze, Shops etc. zu koordinieren und eventuell zusammenzulegen. Dies kann Monate, aber auch mehrere Jahre dauern. Dies ist auch der Grund, warum wahrscheinlich nicht alles so heiß gegessen werden wird, wie es zurzeit gekocht wird.

Was passiert mit den laufenden Verträgen?

Nichts. Weder Anbieter noch Kunde haben das Recht, ohne Konsequenzen einseitig etwas an einem bestehenden Vertrag zu ändern. Verändert der Anbieter dennoch Vertragsbestandteile, hat der Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Das gilt auch für Zweitanbieter in den beiden Netzen.

Auch die Telefonnummern werden sich nicht zwingend ändern müssen, da die Nummern ja auch jetzt schon mehr oder weniger netzunabhängig sind und beim Vertragswechsel mitgenommen werden können.

Wie wirkt sich der Deal auf die Preise aus?

Hier sind Bewegungen in beide Richtungen denkbar. Allerdings ist eher unwahrscheinlich, dass die Mobilfunktarife deutlich teurer werden. Erstens würde dies dem Trend der letzten Jahre entgegenlaufen und vom Kunden abgelehnt werden. Zweitens freut sich Telefónica auf Einsparungsmöglichkeiten durch Synergieeffekte von über fünf Millarden Euro und könnte daher Preiserhöhungen kaum rechtfertigen.

Drittens sind die Terminierungsentgelte für Gespräche in die deutschen Mobilfunknetze durch die Bundesnetzagentur gedeckelt – Zweitanbieter wie die zahlreichen Discounter in den Netzen bleiben also weiterhin als günstige Alternative und somit als Konkurrenz zu E-Plus und O2. Und viertens wird sich die Deutsche Telekom nicht damit abfinden wollen, plötzlich die Nummer 2 am Markt zu sein, worauf sie mit einem Preiskampf antworten könnte. Das gleiche gilt für Vodafone, den künftig kleinsten Netzbetreiber.

Dass der zunehmende Preisverfall bei den Tarifen weiterhin so schnell abläuft, kann aber auch nicht unbedingt erwartet werden, schließlich fällt einer von drei Konkurrenten weg. Es ist aber wahrscheinlich, dass über netzinterne Gespräche, die ja meist kostenlos angeboten werden, zukünftig deutlich mehr Kontakte kostenlos angerufen werden können, da O2- und E-Plus-Kunden dann alle beim gleichen Betreiber, sprich: in einem Netz telefonieren.

Wenn in einigen Jahren die Roaminggebühren wegfallen, könnten O2/E-Plus-Kunden zudem davon profitieren, dass die spanische Konzernmutter Telefónica europaweit vertreten ist und grenzübergreifende Tarife anbieten kann.

Wie könnte die zukünftige Tarifstruktur aussehen?

Neben der Erweiterung der kostenlosen netzinternen Gespräche dürften vor allem E-Plus-Kunden davon profitieren, dass ihnen nun LTE-Tarife angeboten werden. O2 ist mit dem LTE-Ausbau schon recht weit, während E-Plus gerade erst damit beginnt. Außerdem könnte Telefónica nun auch für E-Plus-Kunden Pakete aus Mobilfunk und Festnetz schnüren, da O2 das ehemalige Festnetz von Hansenet/Alice besitzt. In Dimensionen wie die Telekom mit ihrem großen Festnetz inklusive IPTV – oder auch Vodafone nach einer Übernahme von Kabel Deutschland mit Kabelinternet – bewegt sich Telefónica aber keineswegs.

Noch reine Spekulation ist, ob O2 künftig eher die Marke für Premiumtarife und die E-Plus-Marken eher für den Niedrigpreissektor stehen – oder ob alle Tarife dann unter dem Namen O2 laufen.

Wird das Netz nun besser?

Die Netzabdeckung wird sich theoretisch erhöhen, da ja nun doppelt so viele Mobilfunkmasten zur Verfügung stehen. Wie genau die Netzzusammenlegung technisch realisiert wird, dazu konnten weder E-Plus noch O2 zum jetzigen Zeitpunkt Auskunft geben. Hier könnte es technische Hürden geben. Gerade die Qualität der Netze war aber bei beiden Anbietern einer der größten Kritikpunkte in der Vergangenheit.

Telefónica verfügt im Gegensatz zu E-Plus über 800-MHz-Frequenzen für LTE-Funk, die E-Plus-Kunden künftig nutzen können. Außerdem gilt das E2-Netz von O2 generell als besser als das E1-Netz von E-Plus. Vielleicht wird es für O2-Kunden aber auch Einbußen bei der Datengeschwindigkeit geben, da sie sich dann eine Funkzelle mit E-Plus-Nutzern teilen müssen.

Eventuell müssen auch Frequenzen abgegeben (dann vermutlich E1) oder für Mitbewerber freigegeben werden. Der weitere Ausbau der Netze kann dafür künftig kostengünstiger durchgeführt werden.

Was passiert mit den Shops?

Für eine Aussage über das gemeinsame Vertriebsnetz war es beiden Betreibern noch zu früh. Dass es – wie zurzeit oft zu sehen – in direkter Nachbarschaft weiter einen E-Plus- und einen O2-Shop nebeneinander geben wird, ist eher unwahrscheinlich. Das wäre höchstens denkbar, wenn Telefónica die beiden Marken streng getrennt voneinander weiterführen will.

Ein Stellenabbau, auch im Vertrieb, ist vermutlich unumgänglich, wollen die geplanten Einsparungen in Milliardenhöhe realisiert werden. Zu diesem Thema wollten sich die Betreiber naturgemäß noch nicht äußern.

Wie soll das neue Unternehmen eigentlich heißen?

Auch hier kann nur gemutmaßt werden. Einerseits betonten beide Unternehmen unisono, dass sowohl E-Plus als auch O2 „starke Marken“ am Markt seien, was wohl heißen sollte, dass man den Namen E-Plus nicht ohne Not einstampfen muss. Andererseits hat sich E-Plus in den letzten Jahren bereits selbst mehr und mehr aus dem Bewusstsein der Endkunden verabschiedet und neue Marken wie Base, Blau.de oder Simyo in den Vordergrund geschoben. Außerdem zeigt das Beispiel Hansenet-Übernahme, dass O2 durchaus auch eine bekannte Marke wie seinerzeit Alice irgendwann zugunsten des eigenen Namens aufgibt.

Bildquellen:

  • Kunde vor E-Plus-Shop: E-Plus
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