Telekom Netzausbau: Das plant die Telekom bei LTE, Glasfaser, VDSL und 5G

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Bauarbeiter errichten einen Kabelverzweiger für VDSL
Bildquelle: Telekom
Die Telekom ist unbestritten der Anbieter, der als einzelnes Unternehmen am meisten in die Netz-Infrastruktur investiert. Laufend gibt es Meldungen zu neuen Orten, die neuerdings VDSL bekommen oder zu neuen LTE-Sendemasten. Doch wie ist die allgemeine Strategie der Telekom? Wann kommt der Glasfaser-Anschluss für alle? Wann gibt es flächendeckendes LTE und wann startet 5G?

Wer über den Telekom-Netzausbau spricht, spricht entweder über das Festnetz oder das Mobilfunknetz. Doch letztlich gehören beide Netze zusammen – das ist einer der großen Vorteile der Telekom. Sie kann ihre Glasfaserleitungen gleichermaßen dafür verwenden, ihre VDSL-Verteiler ans Netz zu bringen aber auch die Mobilfunk-Sendemasten anzubinden.

Der Festnetzausbau der Telekom

VDSL und Super Vectoring

Über einen klassischen Festnetzanschluss lässt sich über die Telekom schnell im Internet surfen. Jedes Jahr investiert das Bonner Unternehmen mehrere Milliarden Euro, um das eigene Glasfaser-Netz auszubauen. Im Jahr 2017 seien es 5,4 Milliarden Euro gewesen. Europaweit ist das Telekom-Glasfasernetz mehr als 455.000 Kilometer lang. Wurden in den Jahren 2015 und 2016 pro Jahr rund 30.000 km Glasfaser verlegt, so waren es der Telekom zufolge 2017 erstmals über 40.000 km. Damit hat das Bonner Unternehmen in einem Jahr mehr Glasfaserkilometer verlegt als das Gesamtnetz der Bundesstraßen in Deutschland an Kilometern hat.

„Wir bauen nicht nur Datenautobahnen zwischen den großen Metropolen und Ballungsräumen, sondern unser Netz geht in die Fläche. Nur wir sind beim Breitbandausbau flächendeckend unterwegs“, sagt Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom.

VDSL-Ausbau im Fokus: Der Nahbereich wird schneller

Die Telekom konzentriert sich aktuell auf den Ausbau ihres VDSL-Netzes, das es in drei Abstufungen gibt: VDSL mit 50 Mbit/s im Downstream, VDSL Vectoring mit 100 Mbit/s im Downstream und VDSL Super Vectoring mit 250 Mbit/s im Downstream. Den Unterschied zwischen den drei Technologien hat inside handy in einem ausführlichen Hintergrundtext dargelegt.

Bis Ende 2019 will die Telekom etwa 70 Prozent der deutschen Haushalte mit bis zu 100 Mbit/s versorgen. Zusammen mit den Mitbewerbern sollen weiterhin mindestens 95 Prozent der deutschen Haushalte eine Mindestdatenrate von 50 Mbit/s bekommen.

Aktuell baut die Deutsche Telekom auch VDSL Vectoring in zahlreichen Städten aus. Hier waren bislang oftmals nur 50 Mbit/s möglich, während es in anderen Gebieten der Stadt schon 100 Mbit/s gab. Der Grund dafür ist ein technischer: Der Nahbereich der Vermittlungsstellen. Nach einem jahrelangen regulatorischen Hin und her werden diese Bereiche, in denen etwa 6 Millionen Haushalte sind, nun ausgebaut. Bis Anfang 2020 sollen alle der insgesamt 7.600 Nahbereiche in Deutschland modernisiert werden. Rund 7.200 Nahbereiche wird die Telekom ausbauen und dabei knapp 6.000 Kilometer Glasfaser verlegen und mehr als 30.000 neue Multi-Service Access Nodes (MSAN) verbauen.

Super Vectoring ist der Turbo für Vectoring. Hier muss keine Leitung mehr neu vergraben werden. Allerdings muss die Telekom Technik im Kabelverzweiger austauschen. Der Start für die 250-Mbit/s-Anschlüsse erfolgte im August 2018, schon einen Monat später meldete die Telekom die Verfügbarkeit in 8,9 Millionen Haushalten. Hier war vieles schon technisch vorbereitet worden. Bis Ende 2019 soll die Reichweite für Super Vectoring bei 15 Millionen Anschlüssen liegen.

Echter Glasfaseranschluss ist noch die Ausnahme

Die schnellste Anschlussart ist die echte Glasfaserleitung. Doch die Telekom verlegt diese noch vergleichsweise selten. Nach Branchenschätzungen gibt es bundesweit nur etwas mehr als 700.000 Anschlüsse, die technisch schaltbar wären.

Doch auch bei allem VDSL-Ausbau hat auch die Telekom beim Blick auf die Zukunft erkannt, dass wohl kein Weg an der Glasfaser bis zum Kunden vorbeiführt. Auf der IFA 2018 hat sie angeboten, Berlin mit FTTH zu versorgen – allerdings nur, wenn ein Mitbewerber mitmacht und die Hälfte der Ausbaukosten zahlt.

Gleichzeitig baut die Telekom aber auch weiter an kleinen und großen Glasfaser-Projekten etwa in Bautzen, Vorpommern-Rügen und Naumburg/Saale mit zusammen 142.000 Haushalten. Ab 2021 plant die Telekom, jedes Jahr zwei Millionen Haushalte direkt mit Glasfaserleitungen anzuschließen.

Der Mobilfunk-Netzausbau der Telekom

LTE-Versorgung steigt weiter

Auch beim Mobilfunkausbau gilt die Telekom als das Vorzeigenetz in Deutschland. 1.300 neue Sendemasten sollen dennoch allein 2018 dazu kommen, bis 2021 gar insgesamt 9.000 Sender.

95 Prozent der Bevölkerung bekommen heute bereits LTE. Das ist etwa 80 Prozent der Fläche. Doch dabei will man nicht stehenbleiben. Ende 2019 will die Telekom 95 Prozent der Fläche und somit 98 Prozent der Bevölkerung erreichen, bis 2020 sollen es 99 Prozent der Bevölkerung sein. Das seien etwa 90 Prozent der Fläche. Zum LTE-Netzausbau beitragen soll übrigens auch LTE 900, also LTE auf den bisherigen GSM-Frequenzen.

Zu den insgesamt 36.000 Sendemasten im Jahr 2021 sollen noch weitere Small Cells kommen, die nur einen kleinen Bereich in Städten mit zusätzlicher Kapazität versorgen.

Warum der Netzausbau manchmal länger dauert, hat Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner gegenüber inside handy erklärt.

5G soll 2020 marktreif sein

5G wird Festnetz und Mobilfunk vereinigen und auf eine neue Netzarchitektur setzen. Dabei werden bestehende Infrastrukturen wie LTE und Glasfaser integriert und reale Netzkapazitäten zu virtuellen Netzen zusammengeschaltet. 5G schafft die Grundlage für Zukunftstechnologien wie virtuelle Realität, autonomes Fahren und das Internet der Dinge. Vier Funkzellen im Netz der Telekom zeigen schon heute die Zukunft der Kommunikation. Die Antennen in Berlin sind die ersten in Europa, die seit Oktober 2017 live und in realer Umgebung über 5G funken. Mit einem Vorstandard von 5G New Radio (5G NR), der zukünftigen Mobilfunkkomponente von 5G, schafft das Netz Rekord-Übertragungsraten von zwei Gigabit pro Sekunde. Mit der Marktreife von 5G rechnet die Telekom ab 2020. Dann will die Telekom ihren Kunden auch erste kommerzielle Angebote machen.

Der Netzausbau soll dann sehr schnell gehen. Bis 2025 hat die Telekom das Ziel, ihr 5G-Netz auf das Niveau des LTE-Netzes zu bringen. Dann soll 90 Prozent der Fläche Deutschlands und 99 Prozent der Haushalte mit 5G versorgt sein.

Telekom Ausbau von Gewerbegebieten mit Glasfaser

Die Versorgung von Gewerbegebieten mit FTTH soll an Geschwindigkeit zulegen, wenn ein entsprechendes Interesse der Gewerbetreibenden vorliege. In einer Reihe von Pilotstädten werde das Unternehmen neue Ausbau- und Vermarktungsmethoden testen. Zudem baut die Telekom FTTH auf Kundenwunsch. Beispielsweise im Landkreis Vorpommern-Rügen. Hier werden bis Ende 2019 rund 40.000 Haushalte in 63 Kommunen mit Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde ausgebaut.

Im September 2018 gab die Telekom bekannt, massiv in den Glasfaser-Ausbau für Gewerbegebiete zu investieren. „Wir schieben den Breitbandausbau weiter massiv an und bauen in diesem Jahr 100 Gewerbegebiete aus. In einer vierten Welle gehen wir jetzt mit weiteren 103 Gewerbegebieten in die Vorvermarktung“, sagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland. „Unser Ziel für 2022 ist bundesweit 3.000 Gewerbegebiete in Deutschland mit FTTH an unser Glasfasernetz anzuschließen“, so Rickmann.

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