Smart Home: Intelligente Sicherheitssysteme zum Schutz vor Einbrechern

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Smarte Alarmanlagen im Smart Home.
Bildquelle: Pixabay
Früher war es der beste Freund des Menschen, der Hund, der für die Sicherheit im eigenen Zuhause sorgte. Später kamen mechanische Schlösser hinzu und das Sicherheitsniveau wurde leicht angehoben. Heute existiert die Möglichkeit, das Haus oder die Wohnung mit smarter Technik zu schützen. Doch sind solche Systeme tatsächlich so gut, wie es zunächst scheint?

In Deutschland gab es im Jahr 2017 durchschnittlich rund 141 Wohnungseinbruchdiebstähle pro 100.000 Einwohner. Wer sein Zuhause besser schützen möchte, hat mehrere Möglichkeiten dies zu tun. So können beispielsweise die Türschlösser schlicht gegen stabilere Modelle ausgetauscht und Riegel vor die Fenster geschoben werden. Eine andere, weiterhin erschwingliche Variante, stellen komplette Alarmanlagen zum Selbsteinbau dar. Diese schützen Häuser und Wohnungen schon seit vielen Jahren. Im digitalen Zeitalter wird Käufern nun eine weitere Möglichkeit geboten – smarte Sicherheitssysteme.

Im Gegensatz zu altbekannten Alarmanlagen sind die einzelnen Elemente hier über das Internet miteinander vernetzt. Falls etwas passiert, kann der Nutzer – dank dazugehörigen Apps – sofort per Smartphone benachrichtigt werden. So zumindest die Theorie. Doch zahlt sich die Investition in den intelligenten Einbruchschutz auch tatsächlich aus?

Smarte Alarmanlage: Das steckt dahinter

Der Aufbau einer intelligenten Alarmanlage ist auch bei unterschiedlichen Herstellern in der Regel stets derselbe. So gibt es ein zentrales Steuerelement, mit dem sich alle weiteren Sicherheitsgeräte des Smart Home verbinden. Diese variieren je nach Anbieter und gewähltem Produkt, können jedoch meist nach Belieben einzeln dazugekauft werden. Dadurch lässt sich das Sicherheitssystem individuell an das Zuhause – beispielsweise an die Anzahl der Zimmer – anpassen. Die Zentrale lässt sich indes über ein Smartphone, ein Tablet oder gar per Sprachbefehl über smarte Lautsprecher wie Amazons Echo-Geräte einrichten und steuern. So können Nutzer mittels einer App auf eine am oder im Haus montierte Kamera zugreifen. Ist ein Einbrecher im Haus, kann das System zudem eigenständig Alarm schlagen.

Smart-Home-System: Sicherheitspakete und einzelne Komponenten

Viele Hersteller bieten ein komplettes Sicherheitspaket zum Kauf an. Dieses besteht aus unterschiedlichen smarten Elementen, die die Grundbedürfnisse des Nutzers abdecken sollen. Bei Bosch Smart Home enthält das Paket beispielsweise einen Smart-Home-Controller, einen Tür-/Fenstersensor, einen Bewegungsmelder und einen Rauchmelder. Zusätzlich können die einzelnen Geräte sowie weitere Elemente, wie eine Kamera, nach Belieben dazugekauft werden.

Sicherheitspaket von BoschQuelle: Bosch

Einbruchschutz: Innen- und Außenkameras

Selbst im digitalen Zeitalter gehören Sicherheitskameras zweifelsfrei zu den wichtigsten Elementen einer Alarmanlage. Im Gegensatz zu traditionellen Modellen können die neuen Kameras – abhängig vom Gerät – selbst von unterwegs über das Internet angesteuert werden. Das Live-Bild wird dann auf dem Smartphone angezeigt. Gleichzeitig werden die aufgezeichneten Daten oftmals in einer Cloud gespeichert. Somit kann der Nutzer sie auch nachträglich über eine App abrufen. Beim Kauf sollte man darauf achten, dass das ausgewählte Modell den eigenen Anforderungen entspricht. So bieten Hersteller sowohl Kameras für den Innen- als auch für den Außenbereich an. Letztere sind Wetterfest und oftmals teurer als ihre Stubenhocker-Pendants.

Einbruchschutz: Bewegungsmelder und Sensoren

Während die Außenkameras die erste Hürde für Einbrecher darstellen, stellen Tür- und Fenstersensoren den zweiten Schutzwall dar. So könnte ein Bewegungsmelder in Kombination mit einer Lampe bereits ausreichen, um Alarm zu schlagen und einen Einbruchsversuch zu unterbinden. Falls es dem Licht  nicht gelingt den Einbrecher in die Flucht zu schlagen und er öffnet eine Tür oder ein Fenster, reagieren die entsprechenden Sensoren und schlagen ebenfalls Alarm. Bei eingeschlagenen Fenstern können indes Glasbruchmelder weiterhelfen. Diese lösen das Alarmsystem dann ihrerseits aus – genauso wie alle anderen Komponenten.

Einbruchschutz: Alarmsirenen und digitale Warnhinweise

Der Alarm kann in einem smarten Sicherheitssystem auf zwei Arten ausgelöst werden. Zunächst wird der Haus-/ Wohnungsbesitzer sofort von dem System über einen Einbruch informiert. Dies geschieht beispielsweise in Form einer Benachrichtigung, die auf dem Smartphone angezeigt wird. Dadurch kann der Besitzer schnell reagieren und die Polizei verständigen. Sollte sich dieser allerdings beispielsweise in einem Funkloch befinden, würden einige Smart-Home-Systeme lediglich bei der nachträglichen Aufklärung des Verbrechens helfen können – mit online gespeicherten Videoaufzeichnungen. Darum ist es wichtig, eine Alarmsirene (mit Warnlicht) in die digitale Alarmanlage einzubinden. Diese können außerhalb oder innerhalb des Hauses platziert werden und die Nachbarn über die Anwesenheit eines Einbrechers in Kenntnis setzen.

Smart Home: Nachteile der intelligenten Alarmanlagen

Obwohl das Smart Home und dessen Sicherheitssysteme zunächst sehr vielversprechend klingen, haben diese gravierende Schwächen, die angesichts der hohen Anschaffungskosten von mindestens einigen hundert Euro besonders deutlich hervorstechen. Das ergab auch die Prüfung der Stiftung Warentest, bei der vier Smart-Home-Systeme mit Sicherheitsfunktionen im Wert von 380 bis 650 Euro getestet wurden. Dabei konnte nur ein System die Note „Befriedigend“ erreichen, die anderen Anlagen erhielten lediglich ein „Ausreichend“.

Im Mitte 2018 durchgeführten Test wurde die komplizierte Bedienung der Systeme bemängelt – erhebliche Schwächen fanden sich allerdings vor allem im wichtigsten Bereich, dem der Sicherheit. So reichte es bei fast allen Systemen aus, die Zentrale von der Steckdose zu trennen, um die Benachrichtigungsfunktion zu deaktivieren und die App verstummen zu lassen. Dasselbe galt auch für die angeschlossenen Geräte, die ohne Kontakt mit der Zentrale nicht viel ausrichten konnten. Lediglich bei einem getesteten Smart-Home-System blieben die Sensoren in einem solchen Fall weiterhin im Kontakt mit der Innensirene.

Ähnlich sah es auch bei Sabotage-Aktionen aus. Nur beim Testsieger schlug das System Alarm, als die Bewegungs-, Fenster- und Türöffnungsmelder manipuliert wurden. Als an der Sirene herumgewerkelt wurde, reagierten immerhin zwei  Anlagen mit einem entsprechenden Heulen. Eine Garantie auf Sicherheitsupdates der Apps und der Software bot hingegen keiner der involvierten Anbieter.

Weitere Nachteile: Dieselben wie bei anderen digitalen Systemen

Andere Nachteile der Technologie sind dieselben, die man auch bei nahezu allen digitalen Lösungen findet – Datenschutz und Cyberkriminalität. So berichten Medien in nahezu regelmäßigen Abständen von Datenpannen, die auch Internet-Größen wie Facebook und Amazon nicht verschonen. Bei einem Smart-Home-System mit unterschiedlichen Sensoren und Kameras wäre eine solche Panne jedoch besonders kritisch. Auch vor Hackern ist die digitale Alarmanlage, genauso wie jedes andere an das Internet angeschlossene Gerät, nicht gänzlich geschützt. Lediglich Offline-Lösungen bieten einen absoluten Schutz in diesem Bereich dar. Zu guter Letzt müssen Käufer auch auf die gängigen Gesetze achten. So darf man eine Außenkamera beispielsweise nicht nach Belieben ausrichten und programmieren. Zudem sollten Nutzer stets mit einem Schild auf die Videoüberwachung hinweisen.

Unterschiedliche Smart-Home-Systeme

Das Thema Smart Home ist schon seit einigen Jahren in aller Munde. Darum existieren bereits zahlreiche Anbieter von smarten Alarmanlagen wie Innogy, Bosch, Abus, Devolo und eQ-3. Die einzelnen Geräte, die das Rückgrat des Smart-Home-Systems darstellen, sind in ihrer Funktion dabei größtenteils identisch. Bei Feinheiten, wie denen, die im Test von Stiftung Warentest überprüft wurden, existieren hingegen größere Unterschiede – genauso wie bei der Software-Umsetzung. Auf ebendiese Unterschiede sollten potenzielle Käufer genauer achten. Auch die Kosten der einzelnen Geräte dürfen beim Kauf nicht außer Acht gelassen werden – schließlich bietet das anfängliche Sicherheitspaket nur das Nötigste. Es könnte sich also lohnen, mehr Geld in die Einbruchschutz-Zentrale zu investieren und stattdessen bei den einzelnen Komponenten zu sparen. Weiterhin sollten Käufer auf eine mögliche Kompatibilität mit bereits vorhandenen Smart-Home-Geräten achten. Die Sicherheitslösung von Abus kann beispielsweise mit Amazon-Echo-Produkten verbunden und per Sprachbefehl gesteuert werden.

Fazit: Nützlich, aber nicht alternativlos

Es dürfte außer Frage stehen, dass smarte Alarmanlagen die Sicherheit des Zuhauses erhöhen – unabhängig davon, ob diese im gegenseitigen Vergleich gut oder schlecht abschneiden. Dennoch stellt sich hier unter Anbetracht der genannten Mängel die oftmals alles entscheidende Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis. So kann man beispielsweise bereits mit einer günstigen Zeitschaltuhr-Steckdose sowie einer Lampe und einem Radio die Anwesenheit im Haus simulieren und Einbrecher abschrecken. Nachts können weiterhin zusätzliche, Tür- und Fenstersicherungen helfen, die nur von Innen geöffnet werden können.

Auch kostenfreie präventive Maßnahmen können den Einbrechern das Leben schwer machen. So sollte man – so banal das auch klingen mag – stets darauf achten, dass keine Fenster offen bleiben, wenn niemand in der Wohnung ist. Im Urlaub könnte der Nachbar zudem die eigene Post einsammeln und so die Abwesenheit des Besitzers verschleiern. Wenn das Geld allerdings keine große Rolle spielt, können smarte Alarmanlagen eine wertvolle Bereicherung zum Schutz des Hauses oder der Wohnung darstellen. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Smart-Home-System um zusätzliche Sicherheitselemente wie einen Rauchmelder ergänzt wird.

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