5G-Smartphones: Huawei, Samsung, Apple und Co. in Position

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Handynutzung im virtuellen Netz.
Smartphone-Hersteller wappnen sich für 5G. Der nächste Mobilfunkstandard wird in Deutschland in den 2020er-Jahren an den Start gehen. Die Telekom will Vorreiter sein und entsprechende "Endkundenprodukte" bereits im Jahr 2020 auf den Markt bringen. Etwas schneller sind hier einige Smartphone-Fabrikanten. Nur: Ohne Netz ist die Ausrüstung nur ein Versprechen an die Zukunft.

Samsung, Huawei, Apple und Co. – um nur die drei größten zu nennen – agieren global. Das heißt im Umkehrschluss: 5G-Kompatibilität muss in den Handys verfügbar sein, wenn der neue Mobilfunkstandard in einer Ecke der Welt ausgerollt wird und den Kunden zur Verfügung steht. Deutschland ist hier nicht der Nabel der Welt. So kommt es, dass 5G-Handys erhältlich sind, bevor das Netz in Deutschland überhaupt in relevanter Größe zur Verfügung steht.

Wer macht das 5G-Rennen? Motorola gewinnt dank Mod-Doping

Das erste kommerziell nutzbare 5G-Modul in einem Handy kommt von Motorola. Mit dem Moto Z3 hat der amerikanische Hersteller im Sommer 2018 als erster die 5G-Ziellinie in der Smartphone-Klasse erreicht. Wie? Mit einem Moto-Mod. Das 5G-Modul kann ab Anfang 2019 – exklusiv in den USA – erworben werden und klettet sich als Ansteckmodul an die Rückseite des herkömmlichen Smartphones.

Streng genommen hat Motorola also gedopt, bietet 5G nur über eine Überbrückungslösung an. Aber: Sie bieten es an und sind für den US-Markt damit am Puls der Zeit. In Übersee startet die 5G-Verteilung laut Plan nämlich vor dem deutschen oder europäischen Mobilfunkmarkt.

Fest verbaute 5G-Modems: Asiaten auf dem Vormarsch

Ohne „Modul-Trickserei“ haben sich eine ganze Reihe Handy-Hersteller für 5G in Position gebracht. Neben Vorsprung im Marketing, den sich auch kleinere Hersteller bei der Technologiewende erhoffen, zeigen die Ankündigungen aber auch, mit welcher Ernsthaftigkeit das Thema 5G auch im Konsumentenbereich behandelt wird.

Offizielle Ankündigungen für 5G-Smartphones haben schon zahlreiche Hersteller von sich gegeben. OnePlus wolle 2019 beispielsweise „einer der ersten kommerziellen 5G-Smartphone-Hersteller weltweit sein“. Ein 5G-Smartphone für Europa soll 2019 auf den Markt kommen. Xiaomi deutete ähnliches an: Das Xiaomi Mi Mix 3 soll Anfang 2019 ein Upgrade-Modell erhalten, das 5G-fähig sein wird. Huawei wird ebenfalls 2019 5G-Handys veröffentlichen – die Tochtermarke Honor will den Mutterkonzern sogar noch überholen.

Samsung: Ein eigenes 5G-Smartphone neben dem Galaxy S10

Samsung schaut sich das bunte 5G-Treiben wie es scheint aus sicherer Entfernung und der Position des Handy-Marktführers an. Im August 2018 berichteten Branchendienste aus Korea von einem 5G-Smartphone, das Samsung im März 2019 herausbringen wolle. Klares Statement in Richtung Galaxy S10? Nein. Samsung-Chef DJ Koh klärt in den Zitaten, dass das 5G-Smartphone ein separates Modell sein wird.

Der Interpretationsspielraum bleibt: Bei der Einführung von LTE brachte Samsung beispielsweise ein nachträgliches Modell des Galaxy S3 auf den Markt, das Samsung Galaxy S3 LTE. Möglich wären also Varianten von bereits bestehenden Modellen wie dem Galaxy S9 oder Note 9. Oder eben einem Gespann aus Galaxy S10 und Galaxy S10 LTE.

Sonys 5G-Vorpreschen im Sommer 2018 wurde schnell als vorschneller Marketing-Fauxpas entlarvt.

Überblick: Diese 5G-Smartphones erscheinen 2019 (Gerüchte)

Und Apple? Das iPhone 5G kommt früh genug

Wie erwartet, hält sich Apple hinsichtlich Prognosen zu kommenden Modellen mehr als bedeckt. Zusammen mit Intel will Apple Gerüchten zufolge ab 2020 mit 5G-Modulen an den Start gehen. Die Erfahrung zeigt, dass Apple ein Gespür dafür hat, wann es Zeit ist einen neuen Standard auszurollen. Und wenn das geschieht greift der Apple-Effekt und die neue Technologie wird Hersteller-übergreifend zum Standard. Auch bei 5G dürfte Apple also nicht Innovations-Motor, sondern eher Innovations-Turbo sein.

Das erste iPhone mit LTE war seinerzeit das iPhone 5. Die Errungenschaft spiegelte sich nicht im Namen wider, wie zum Beispiel beim Samsung Galaxy S3 LTE. Anders war es bei der Apple-Einführung von 3G. Das iPhone 3G aus dem Jahr 2008 ist vielen Apple-Smartphone-Fans früherer Zeiten ein Begriff.

Möglich, dass Apple die 5G-Einführung für eine weitere Revolution seiner Nomenklatur zum Anlass nimmt und das Handy als eine Hommage an das 2008er-Modell iPhone 5G tauft.

5G-Handys in Deutschland kaufen?

Die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuß: 5G als Mobilfunknetz wird in Deutschland erst Mitte der 2020er-Jahre ein Massenmarkt-Thema. Allein wegen der 5G-Konnektivität sollte sich hierzulande also keiner genötigt fühlen, ein entsprechend ausgerüstetes Handy zu kaufen. Wahrscheinlich werden die 5G-Versionen der genannten Handys in Deutschland gar nicht offiziell verkauft. Trotz Abwärtskompatibilität mit LTE, 3G und Co. ist es wenig sinnvoll sich eines der 5G-Handys schon 2019 zu kaufen und zu importieren.

Was muss ein 5G-Handy können?

Für die Kompatibilität mit 5G-Konnektivität bedarf es entsprechender technischer Ausrüstung. Für mobile Breitband-Verbindungen benötigt das Handy sogenannte MIMO-Antennen. Diese kommen bereits bei LTE-Handys zum Einsatz. MIMO bedeutet „Multiple Input Multiple Output“ und bedeutet frei übersetzt, dass mehrere Antennen am Endgerät empfangen und mehrere Sender an der Basisstation senden. Hierdurch werden Effizienz und Kapazität einer Verbindung erhöht, die Fehlerhäufigkeit wird minimiert.

  • LTE: MIMO 4X4
  • 5G: MIMO 8X8

5G setzt pro Verbindung also auf die doppelte Anzahl an Empfangs- und Sendeeinheiten. Dieses Prinzip wird für 5G weitergedacht. Modernere Antennentechnik sorgt für mehr Datenströme zwischen Basisstation und Endgerät, also dem Smartphone. Da die zusätzlichen Antennen und die Technik dahinter in LTE-Handys nicht vorhanden ist – vom 5G-Modem ganz zu schweigen – kann 5G-Kompatibilität nicht per Software-Update oder kleiner Nachrüstung nachgeschoben werden.

Heißt: Wenn keine Zwischenlösung à la Moto 5G Mod angeboten wird, muss das Mobilfunk-Herzstück bestehend aus Modem und Antennen komplett auf dem neuesten Stand sein. Dazu müssen Prozessoren und Speichereinheiten in der Lage sein, die erwarteten schnelleren und umfangreichen Daten auch zu verarbeiten. Dennoch: Am Formfaktor des Smartphones wird sich durch 5G nichts ändern. Auch 5G-Bauteile passen in dünne Gehäuse und lassen trotz 6-Zoll-Display noch Platz für Akku, Kamera und Klinkenstecker. Lediglich die Antennenlinien dürften – nach aktuellem Stand – nicht weniger werden.

Qualcomm, MediaTek, Samsung, Huawei: Ohne Chip-Hersteller läuft nichts

Das Modem, das über 5G-Frequenzen funken soll, wird den Herstellern meist vom Prozessor-Fabrikanten geliefert. Nicht selten sitzt hier die amerikanische Chipsatz-Schmiede Qualcomm an den längsten Hebeln.

Und die Amerikaner liefern: Das Modem für die ersten Snapdragon-Chips mit 5G, den Snarpdragon 855, ist bereits vorgestellt worden. Es hört auf den Namen Qualcomm Snapdragon X50 5G Modem. Angekündigt wurde es bereits auf dem Mobile World Congress 2017 (MWC) in Barcelona.

Weniger konkret aber genauso vielversprechend ist Huawei. Auf der IFA 2018 präsentierte der Handyhersteller seinen Prozessor Kirin 980, der kompatibel mit 5G-Infrastrukturen sei. Konkret will Huawei 2019 einen wirklich 5G-fähigen Chip vorstellen. Ein passendes Modem wurde auf dem MWC 2018 vorgestellt: Huawei Balong 5G01 mit einer maximalen Datenrate von 2,3 GBit/s.

Huawei Balong 5G01Quelle: inside-handy.de / Hayo Lücke

Fehlt noch Samsung: Einen auch nur in der Theorie fertigen 5G-Chip hat der koreanische Marktführer für seine Exynos-Familie noch nicht vorgestellt. Allerdings preschte Samsung im Sommer 2018 mit einem Smartphone-Arbeitsspeicher hervor, der die Samsung-Weichen bereits auf 5G stellt. Die Gerüchte um das Galaxy S10 sprechen zudem von einer gesonderten 5G-Variante des 2019er-Flaggschiffs.

MediaTek, durch die breite Abdeckung der Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones immer noch einer der größten Prozessor-Lieferanten, ist eher spärlich in Richtung 5G unterwegs. Auch wenn sich MediaTek beim Thema Netzausrüstung auch mit 5G befasst, so hat man bei der Ausrüstung für Endkunden vermutlich etwas mehr Zeit. Mittelklasse-Modelle mit 5G-Kompatibilität dürften nämlich erst einige Jahre nach den ersten 5G-Flaggschiffen erscheinen, die ab 2019 angekündigt werden. Trotzdem hat auch MediaTek bereits Ideen ausgeführt und vorgestellt: Im Juni 2018 wurde der erste 5G-kompatible Mobilfunkchip als Helio M70 angekündigt.

Was unterscheidet 5G auf dem Handy von LTE

Die große Errungenschaft von 5G, die geringe Latenzzeit und die hohen Frequenzen, ist für den Ottonormalverbraucher mit Handy nicht von der Relevanz, die sie für die Industrie haben.

Der Mobilfunkvertrag der Zukunft wird Brancheninsidern zufolge auch nicht vollends von aktuellen Vertragsmodellen abweichen.

Die Datenlast auf den Netzen wird aber ansteigen und die Geschwindigkeit auf den jeweiligen Geräten wird ebenfalls in die Höhe gehen. Dadurch werden sich immer mehr Smartphone-Anwendungen dezentralisieren und die Cloud umziehen. Fotos, Videos und auch Gaming-Inhalte werden direkt abgerufen und bedürfen keiner langen Downloadzeit mehr. Ein 5G-Praxisbeispiel, dass die Marketing-Maschinerie gerne bemüht: Ein HD-Film, der schon im LTE-Netz in ein bis zwei Minuten heruntergeladen würde, bräuchte im 5G-Netz nur noch den Bruchteil einer Sekunde um vollständig heruntergeladen auf dem Handyspeicher zu liegen.

In der Frage, was denn daran der große Vorteil sei, einen Film, den man sowieso erst später anschaut, innerhalb von einer Sekunde statt zwei Minuten herunterzuladen, steckt die 5G-Kritik: Der Standard ist für den Endverbraucher nicht der Schritt, der zum Beispiel 4G im Vergleich zu 3G bedeutete.

Interessanter ist die Funktion, die das Handy unter 5G-Fittichen einnimmt. Als Steuerungseinheit kann das Handy eine wichtige Rolle im Internet der Dinge einnehmen. Smart-Home-Anwendungen erhalten immer höhere Relevanz. Die Vielfältigkeit der Geräte, die mit dem Handy ferngesteuert und verwaltet werden können, wird mit 5G zunehmen. Die Errungenschaften liegen aber nicht nur in der Hardware, sondern häufig auch in der Software.

Weitere Hintergrund-Informationen zu 5G

 Übersicht:  Alles zum neuen Mobilfunkstandard 5G

5G in Deutschland: Zwischen Status Quo und Zukunftsmusik

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