5G-Frequenzauktion 2019: Alles zu Frequenzen, Netzbetreibern und Geboten

8 Minuten
Ein Sendemast steht vor einem Gebäude mit Vodafone-Logo an der Wand
Bildquelle: Vodafone
So viel Frequenz-Spektrum im Mobilfunk kam in Deutschland noch nie auf einmal zur Vergabe: 420 MHz kommen seit Dienstag, 19. März, unter dem Hammer. Für insgesamt vier Anbieter geht es um nichts weniger als ihre Zukunft. Denn die liegt in den 5G-Netzen, für die die versteigerten Frequenzen gedacht sind. inside handy klärt die wichtigsten Fragen zur Auktion.

Welche Frequenzen werden versteigert?

Insgesamt kommen 420 Megahertz Spektrum unter den Hammer, aber nur zwei verschiedene Frequenzbereiche. Es geht dabei im Wesentlichen um die Frequenzen aus dem Bereich um 3,6 GHz. Hier versteigert die Bundesnetzagentur insgesamt 300 Megahertz, weitere 100 werden in einem Antragsverfahren an Industriebetriebe lokal vergeben. Bei den 300 MHz Spektrum aus dem Frequenzbereich zwischen 3.400 und 3.700 MHz geht es um das sogenannte 5G-Pionierband. Hier sollen weltweit die ersten 5G-Netze aufgebaut werden.

Die Frequenzen können in der versteigerten Form ab 2022, teilweise 2023 zum Einsatz kommen. Bis Ende 2021 sowie Ende 2022 sind Teile der Frequenzen noch durch andere Nutzungsformen belegt. Interessant dabei: Auch alle drei bestehenden Netzbetreiber haben bereits Spektrum aus diesem Bereich – ein möglicher Weg, schon früher 5G-Dienste anbieten zu können.

Außerdem kommen weitere Mobilfunkfrequenzen aus dem 2-GHz-Bereich zur Auktion. Diese sind besser bekannt als UMTS-Frequenzen. Die UMTS-Lizenzen laufen Ende 2020 aus, einige Frequenzen sind noch bis Ende 2025 zugeteilt. Der Regulierer versteigert hier den Bereich zwischen 1.920 MHz und 1.980 MHz sowie 2.110 MHz bis 2.170 MHz. Die beiden Bereiche gehören fest zusammen, es handelt sich jeweils um ein Paket von 5 MHz im Up- und 5 MHz im Downlink.

Wer bietet um die Frequenzen?

Für die Versteigerung zugelassen wurden die drei bestehenden Anbieter in Deutschland: Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland (O2). Ebenfalls mit dabei ist ein möglicher Neueinsteiger unter den Netzbetreibern: Die Drillisch Netz AG. Dahinter steckt einerseits die Drillisch AG, die bislang als MVNO im O2-Netz tätig ist, aber eben auch die dazugehörige Muttergesellschaft United Internet, besser bekannt durch die Marke 1&1. Das kapitalstarke Unternehmen gilt spätestens seit der Übernahme der Drillisch AG als heißer Kandidat, den Weg vom Provider zum Netzbetreiber anzustoßen

Wer bekommt welche Frequenzen?

Generell kann jeder Anbieter jede Mobilfunkfrequenz ersteigern. Es gibt keine Spektrumskappen. In der Praxis ist aber unwahrscheinlich, dass ein Anbieter alle Frequenzen ersteigern wird und die anderen Anbieter leer ausgehen. Dass vier Netzbetreiber um 300 Megahertz bieten, macht es rechnerisch nicht einfacher, eine günstige Aufteilung hinzubekommen. Auch wird das den Wettbewerb unter den Bietern erhöhen zumal Experten davon ausgehen, dass ein Spektrum von 100 MHz für einen Netzbetreiber am effizientesten in der späteren Nutzung ist.

Die Versteigerung endet, wenn auf keinen Block weitere valide Gebote eingehen. Die Dauer der Versteigerung lässt sich nicht prognostizieren. Die Versteigerung 2015 endete nach drei Wochen und 181 Gebotsrunden. 2010 endete die Versteigerung nach sechs Wochen und
224 Runden.

Was bedeutet „konkret“ und „abstrakt“ bei der Versteigerung?

Es geht darum, ob ein Anbieter auf ganz bestimmte Frequenzen oder nur einen nicht vorher definierten Teil des Frequenzbereiches bietet. Details dazu hat inside handy im Rahmen einer aktuellen Meldung zusammengestellt.

Gehören die Frequenzen nach der Auktion den Anbietern?

Nein, sie haben lediglich ein Nutzungsrecht bis Ende 2040. Kurz vor Ablauf der Lizenzen erfolgt dann eine erneute Vergabe – wie wie jetzt bei den UMTS-Frequenzen.

Wie teuer sind die Frequenzen?

Die Mindestgebote für die 41 Frequenzblöcke liegen zwischen 1,7 und 5 Millionen Euro. Nimmt man alle Mindestgebote zusammen, sind das 104,6 Millionen Euro. Wie hoch der tatsächliche Erlös für den Bund sein wird, ist offen.

Geht es nur um 5G oder auch um LTE?

In der Öffentlichkeit wird in der Regel von der 5G-Auktion gesprochen. Das bezieht sich auf die 300 MHz Spektrum im Bereich um 3,6 GHz. Die weiteren Frequenzen werden die Netzbetreiber aber wohl nicht für den neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern für weitere Kapazitäten in ihren LTE-Netzen einsetzen. Bereits heute haben O2 und Vodafone in einigen Regionen LTE auf diesen Frequenzen in Betrieb.

Zudem sollen die Auflagen der Bundesnetzagentur dafür sorgen, dass die Netzbetreiber ihre bestehenden Netze weiter ausbauen und so den Mobilfunk in Deutschland verbessern. Da UMTS als ineffizient gilt, steht dem Netz eine Abschaltung zu Gunsten von LTE bevor.

Werden die Mobilfunknetze durch die Auktion besser?

Indirekt ist das das Ziel der Bundesnetzagentur. Sie hat entsprechende Auflagen gemacht, die auf die Bestandsnetze der Netzbetreiber abzielen. Es ist allerdings falsch, anzunehmen, dass 5G Funklöcher schließen wird. Der Grund: Die Frequenzen um 3,6 GHz eignen sich nicht für eine Flächenversorgung, weiße Flecken verschwinden also nicht. Bestenfalls werden in Ballungszentren einige Funklöcher geschlossen, die bisher durch die Sendestandorte auf den Dächern nicht erreicht werden konnten. Mit 5G werden die Antennen wohl deutlich dichter und niedriger gebaut werden müssen.

Welche Auflagen haben die Netzbetreiber?

Die Anbieter, die sich Frequenzen in der Auktion sichern, haben eine ganze Reihe von Auflagen zu erfüllen. Dabei geht es einerseits um den generellen Netzausbau, egal mit welchem Netzstandard dieser Ausbau erfolgt. Das Ziel: Die LTE-Netze der Anbieter sollen besser werden. Konkret heißt das, dass die Netzbetreiber

  • bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland mit mindestens 100 Mbit/s sowie alle Bundesautobahnen mit mindestens 100 Mbit/s und höchstens 10 Millisekunden Latenz und außerdem zahlreiche Bundesstraßen (Verbindungsfunktionsstufen 0/1) mit mindestens 100 Mbit/s und höchstens 10 ms Latenz
  • bis Ende 2024 alle übrigen Bundesstraßen mit mindestens 100 Mbit/s und höchstens 10 ms Latenz sowie alle Landes- und Staatsstraßen und die Seehäfen sowie das Kernnetz der Wasserstraßen im Binnenbereich mit mindestens 50 Mbit/s
  • und bis Ende 2022 die Schienenwege mit mehr als 2.000 Fahrgästen pro Tag mit mindestens 100 Mbit/s
  • sowie bis Ende 2024 alle übrigen Schienenwege mit mindestens 50 Mbit/s

versorgen müssen. Wichtig zu verstehen: Die genannten Datenraten gelten nicht für jeden einzelnen Nutzer oder Haushalt als garantierte Geschwindigkeit, sondern als ausgesendete Leistung pro Antennensektor. Durch den Shared-Medium-Effekt ist die tatsächliche Datenrate geringer.

Außerdem müssen die Netzbetreiber bis Ende 2022 1.000 Basisstationen mit der 5G-Technik errichtet haben und 500 weitere Basisstationen mit mindestens 100 Mbit/s in „weißen Flecken“ im ländlichen Raum – auch hier ausdrücklich nicht nur per 5G.

Für die Drillisch Netz AG gelten als Neueinsteiger andere Auflagen, sollte sie am Ende erfolgreich sein. Der Anbieter müsste bis Ende 2023 mindestens 25 Prozent der Haushalte und bis Ende 2025 mindestens 50 Prozent der Haushalte mit seinem neuen Netz versorgen. Sollte Drillisch ausschließlich Frequenzen aus dem Bereich um 3,6 GHz ersteigern, sind die Auflagen weicher. Dann muss das Netz bis Ende 2025 nur mindestens 25 Prozent der Haushalte erreichen. Außerdem müsste Drillisch bei einem Erwerb von 3,6 GHz-Frequenzen ebenfalls 1.000 5G-Basisstationen errichten.

Die Auflagen zur Versorgung der Verkehrswege gelten als erfüllt, sobald einer der Netzbetreiber hier entsprechend ausgebaut hat.

Kommt ein National Roaming zwischen den Anbietern?

Das ist unwahrscheinlich. Rechtlich vorgeschrieben ist nach Stand der Dinge kein verpflichtendes Roaming. Dessen verweigern sich auch die Netzbetreiber. Es ist aber denkbar, dass sich die Anbieter in einigen Gebieten zusammentun und gemeinsam Sendemasten errichten, um die Kosten zu teilen. Solche Modelle gibt es auch schon für Fußballstadien: Ein Netzbetreiber errichtet die eigentliche Technik wie beispielsweise die Antennen, aber alle Anbieter nutzen sie und bauen ihre eigenen Netze im Hintergrund auf. Seitens der Bundesnetzagentur wären solche Abkommen genauso erwünscht wie Roaming-Abkommen.

Wann gibt es flächendeckendes 5G?

Das ist offen. Die Netzbetreiber sagen, für den weiteren Ausbau von 5G benötigen sie weitere, bessere Frequenzen mit mehr Reichweite. Mit Frequenzen um 700 MHz besitzen sie solche Frequenzen bereits, mit ihnen lassen sich aber keine hohen Datenraten für schnelles Internet erzielen. Mit der nächsten Versteigerung ist Mitte der 2020er Jahre zu rechnen.

Wer bekommt eigentlich das Geld aus der Auktion?

In Deutschland ist es gesetzlich so geregelt, dass die Frequenzen – einfach gesprochen – dem Staat gehören und er diese als Lizenz an die Anbieter abgibt. Diese müssen dafür zahlen. Entsprechend fließt das Geld in die Staatskasse. Gemäß des Koalitionsvertrages will die Regierung mit dem Geld einen Investitionsfonds einrichten, der für den Ausbau der digitalen Infrastruktur zur Verfügung steht. Das kann beispielsweise der Ausbau von Glasfaserleitungen sein. Der Staat hofft, dass mehrere Milliarden Euro erlöst werden, die Netzbetreiber wollen das Geld lieber in den Infrastrukturausbau stecken, statt in neue Frequenzen.

Was ist aus den Klagen gegen die Auktion geworden?

Die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica Deutschland und Freenet hatten Eilanträge gegen die Auktion gestellt. Sie wollten den Start verhindern.

Diese Eilanträge hat das zuständige Verwaltungsgericht Köln abgeschmettert, die Auktion kann also stattfinden. Doch damit sind die Klagen nicht vom Tisch. Denn die Klagen in der Hauptsache sind noch nicht entschieden. Insgesamt hatten neun Unternehmen gegen die Auktion geklagt. Was bei einem Erfolg dieser Klagen geschieht, ist offen.

Was kann eigentlich 5G, was LTE nicht kann?

5G verfügt über eine ganze Reihe von Fähigkeiten, die mit LTE in der Form nicht möglich sind. Alle Informationen zu 5G hat inside handy in zahlreichen Hintergrundtexten zusammengestellt. In einem 5G-Technik-Hintergrundtext geht es um die technischen Besonderheiten im Einzelnen.

 

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