Im Magazin Apple iPhones Dual-SIM oder nicht: Die Krux mit der eSIM im iPhone

vom 15.09.2018, 09:00
Vodafone eSIM
Bildquelle: Vodafone

Die neuen iPhones sind mit Dual SIM ausgestattet – eine Schlagzeile, die bedeutend erscheint. Doch die Dual-SIM-Lösung ist nicht in der Form umgesetzt, wie man sie in Europa bislang kennt. Denn eine der beiden SIM-Karten ist eine eSIM, also eine fest eingebaute SIM-Karte. Diese wiederum wird derzeit nur von Telekom und Vodafone unterstützt – unter bestimmten Bedingungen. Immerhin: Auch Telefónica steht bei der eSIM offenbar in den Startlöchern.

eSIM-Karten sind generell erst einmal nur ein neuer Formfaktor der bisherigen SIM-Karten. Was in den 1990er-Jahren in Telefonkarten-Größe begann, ist inzwischen als Micro- oder Nano-SIM-Karte bekannt. Der Nachfolger davon ist die eSIM, eine embedded SIM, die der Kunde nicht mehr aus dem Gerät herausnehmen kann. Das bedeutet aber nicht, dass er den Anbieter auf der eSIM nicht wechseln kann. So wie ein Kunde bislang möglicherweise eine zweite oder dritte SIM-Karte in einer Streichholzschachtel bei sich trägt, lassen sich auch mehrere SIM-Profile auf der eSIM speichern, aktivieren und deaktivieren. So wäre dann beispielsweise auch das Aktivieren einer SIM-Karte im Urlaub möglich, zurück zu Hause wird die Heimat-SIM wieder aktiviert.

Soweit die Theorie. Doch in der Praxis ist die Handhabung der eSIM heute noch eine andere: Denn in Deutschland wird die eSIM im Spätsommer 2018 nur von Vodafone und der Telekom unterstützt. Und das auch nur dann, wenn der Kunde einen Vertrag mit einer MultiSIM-Lösung bucht. Die embedded SIM ist nach aktuellem Stand für Wearables wie die Apple Watch gedacht, nicht jedoch als Haupt-Vertragskarte und aufgrund der hohen Kosten schon gar nicht als Zweit-Vertrag.

eSIM beim iPhone wird per Software nachgerüstet

Wenn ab dem 21. September die ersten iPhones bei deutschen Verbrauchern ankommen, ist das Thema Dual-SIM noch entspannt zu sehen. Die Funktion an sich – das verrät Apple im Kleingedruckten – wird erst im Laufe dieses Jahres per Software-Update nachgereicht. Der Kunde ist also bis auf Weiteres darauf angewiesen, die physische SIM-Karte seines Anbieters einzulegen. Die Netzbetreiber haben somit bis zur Veröffentlichung des Software-Updates Zeit, auf die neuen Rahmenbedingungen zu reagieren. Wünschenswert wäre, dass der Kunde bei der Bestellung seines Vertrages angeben kann, dass er den Tarif auf einer eSIM nutzen möchte. Den zweiten physikalische SIM-Karten-Schacht kann er dann wie bei anderen Dual-SIM-Handys im Urlaub mit einer lokalen SIM-Karte oder in Deutschland mit seiner Firmen- bzw. Privatnummer bestücken.

Vodafone hat bereits gegenüber inside handy angekündigt, auf die neuen iPhones reagieren zu wollen. Mit den kommenden eSIM-fähigen Smartphones werde man anders als bisher auch das bestehende Red-Tarifportfolio anbieten– mit eigener Nummer und eigenem Datenvolumen und nicht wie bisher als MultiSIM zu einer bestehenden Hauptkarte, ließ Vodafone die Redaktion von inside handy wissen. Auch von der Telekom ist ein solcher Schritt zu erwarten. Ob mittelfristig auch daran gearbeitet wird, dass andere Tarifangebote wie beispielsweise Prepaid-Karten als eSIM-Angeboten werden, ist offen. Technisch sollte das jedenfalls kein Problem sein.

eSIM bei Discountern, Providern und Tochter-Firmen

Keine Chance, eine eSIM zu nutzen, haben derzeit Kunden aller anderen Anbieter in Deutschland. Weder Discounter noch Provider sind derzeit in der Lage, ihren Kunden eine eSIM für ihre Tarife anzubieten. Das gilt auch für Tochterfirmen der Netzbetreiber wie Congstar oder otelo. Ein Schlupfloch gibt es bei entsprechenden Vereinbarungen: Reicht ein Provider einen Netzbetreiber-Tarif unter eigenem Namen weiter, so ist das Schalten einer eSIM möglich. Bei mobilcom-debitel erfolgt das beispielsweise bei Telekom-Verträgen, nicht aber bei Vodafone.

Telefónica arbeitet an eSIM

Immerhin: Beim dritten deutschen Netzbetreiber in Deutschland, Telefónica aus München, scheint sich etwas zu tun. Ein Sprecher des Unternehmens, das hinter der Marke O2 steht, sagte auf Anfrage der Redaktion von inside handy: "Wir arbeiten daran, die eSIM-Funktionalität so bald wie möglich zur Verfügung zu stellen, so dass unsere interessierten Kunden das iPhone auch mit eSIM nutzen können." Mehr Informationen oder einen zeitlichen Rahmen konnte er nicht geben.

Es ist davon auszugehen, dass durch den Einbau der eSIM in die beliebten Endgeräte von Apple nun Bewegung in das Thema kommt und möglicherweise auch weitere Anbieter dazu übergehen, ihren Kunden Zugriff auf die SIM anzubieten. Bislang hatte sich der Schritt vermutlich für die meisten Anbieter schlichtweg nicht gelohnt, da nur wenige Wearables die eSIM überhaupt unterstützen. Mit den neuen iPhones wird es aber definitiv eine relevante Masse geben.

Wie funktioniert die eSIM-Aktivierung?

Wenn Apple die Funktion im neuen iPhone freigegeben haben wird, kommt es noch darauf an, ob sich der Hardware-Anbieter aus Cupertino an die GSMA-Richtlinien hält. Da er das aber bei der Apple Watch getan hat, wäre es eine große Überraschung, wenn es beim iPhone Abweichungen vom GSMA-Standard gäbe.

Um die eSIM dann zu nutzen, muss der iPhone Kunde sie beim Netzbetreiber beantragen. Wie erwähnt, ist dieses aktuell nur als Multi-SIM möglich. Sobald die Netzbetreiber ihre Konditionen umgestellt haben, wird auch die Haupt-SIM-Karte als eSIM geschaltet werden. Je nach Netzbetreiber bekommt der Kunde dann einen QR-Code auf dem Bildschirm seines Rechners im Kundenmenü angezeigt oder einen Brief mit dem Code nach Hause geschickt. Beim Vertragsabschluss im Laden könnte auch direkt eine Plastik-Trägerkarte mit dem Code mitgegeben werden. Diesen Code scannt der Kunde dann mit seinen iPhone ab. Daraufhin wird das dazu passende eSIM-Profil von einem Server des Mobilfunkanbieters auf das Smartphone heruntergeladen, sofern dieses eine Datenverbindung – etwa per WLAN – hat.

Unterschiede gibt es im Detail. Während der Code bei der Telekom nur einmalig nutzbar ist, kann ein Vodafone-Kunde ihn mehrmals nutzen und so das Profil auf mehrere Handys hinterlegen. Allerdings kann immer nur eines gleichzeitig aktiv sein. Dadurch, dass auf einer eSIM mehrere Profile gespeichert werden können, ist somit – wenn später einmal mehr Mobilfunkanbieter die eSIM anbieten – sogar ein leichtes Wechseln der digitalen SIM-Karte per Handy-Menü möglich.



Bildquelle kleines Bild: Pixabay | Autor: Thorsten Neuhetzki
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