eSIM: Das steckt hinter der neuen SIM-Karte bei iPhone & Co.

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Eine Karte mit einem Aktivierungsprofil für eine eSIM von Vodafone
Bildquelle: Vodafone
Die neuen iPhones sind mit Dual SIM ausgestattet – eine Schlagzeile, die bedeutend erscheint. Doch die Dual-SIM-Lösung nicht in der Form umgesetzt, wie man sie in Europa bislang kannte. Denn eine der beiden SIM-Karten ist eine eSIM, also eine fest eingebaute SIM-Karte. Diese wiederum wird längst nicht von allen Anbietern unterstützt.

eSIM-Karten sind generell erst einmal nur ein neuer Formfaktor der bisherigen SIM-Karten. Was in den 1990er-Jahren in Telefonkarten-Größe begann, ist inzwischen als Micro- oder Nano-SIM-Karte bekannt. Der Nachfolger davon ist die eSIM, eine embedded SIM, die der Kunde nicht mehr aus dem Gerät herausnehmen kann. Das bedeutet aber nicht, dass er den Anbieter auf der eSIM nicht wechseln kann. So wie ein Kunde bislang möglicherweise eine zweite oder dritte SIM-Karte in einer Streichholzschachtel bei sich trägt, lassen sich auch mehrere SIM-Profile auf der eSIM speichern, aktivieren und deaktivieren. So wäre dann beispielsweise auch das Aktivieren einer SIM-Karte im Urlaub möglich, zurück zu Hause wird die Heimat-SIM wieder aktiviert.

Soweit die Theorie. Doch in der Praxis ist die Handhabung der eSIM heute noch eine andere: Denn in Deutschland wird die eSIM Stand November 2018 nur von Vodafone, der Telekom und Telefónica (ab 21. November) unterstützt. Dabei reagierten die Anbieter auf die neue Situation, dass nun auch erste Smartphones die eSIM erfordern. Bis dato war die embedded SIM nämlich nur für Wearables wie die Apple Watch gedacht, nicht jedoch als Haupt-Vertragskarte und aufgrund der hohen Kosten schon gar nicht als Zweit-Vertrag. Eine Multi-SIM zu Vertrag war erforderlich

eSIM beim iPhone wurde per Software nachgerüstet

Als im September die ersten iPhones bei deutschen Verbrauchern ankamen, hatte Apple die Dual-SIM-Funktion zwar angekündigt, aber noch nicht umgesetzt. Die Funktion an sich wurde erst Ende Oktober per Software-Update mit iOS 12.1 nachgereicht. Entscheidet sich ein Kunde bei Vodafone, Telefónica oder Telekom für die eSIM bei seinem Hauptvertrag, so ist der physikalische SIM-Karten-Schacht noch frei. Diesen zweiten physikalische SIM-Karten-Schacht kann der Nutzer dann wie bei anderen Dual-SIM-Handys im Urlaub mit einer lokalen SIM-Karte oder in Deutschland mit seiner Firmen- bzw. Privatnummer bestücken.

eSIM bei Discountern, Providern und Tochter-Firmen

Keine Chance, eine eSIM zu nutzen, haben derzeit Kunden aller anderen Anbieter in Deutschland. Weder Discounter noch Provider sind derzeit in der Lage, ihren Kunden eine eSIM für ihre Tarife anzubieten. Das gilt auch für Tochterfirmen der Netzbetreiber wie Congstar oder otelo. Lediglich Telefónica bietet für Verträge bei Blau und Ay Yildiz entsprechende Möglichkeiten. Ein Schlupfloch gibt es bei entsprechenden Vereinbarungen: Reicht ein Provider einen Netzbetreiber-Tarif unter eigenem Namen weiter, so ist das Schalten einer eSIM möglich. Bei mobilcom-debitel erfolgt das beispielsweise bei Telekom-Verträgen, nicht aber bei Vodafone. Lediglich Truphone stellt derzeit eine (Daten-)Alternative zu den Netzbetreibern dar.

Es ist davon auszugehen, dass durch den Einbau der eSIM in die beliebten Endgeräte von Apple nun Bewegung in das Thema kommt und möglicherweise auch weitere Anbieter dazu übergehen, ihren Kunden Zugriff auf die SIM anzubieten. Bislang hatte sich der Schritt vermutlich für die meisten Anbieter schlichtweg nicht gelohnt, da nur wenige Wearables die eSIM überhaupt unterstützen. Mit den neuen iPhones wird es aber definitiv eine relevante Masse geben.

Wie funktioniert die eSIM-Aktivierung?

Um die eSIM zu nutzen, muss der iPhone Kunde sie beim Netzbetreiber beantragen. Je nach Netzbetreiber bekommt der Kunde dann einen QR-Code auf dem Bildschirm seines Rechners im Kundenmenü angezeigt. Alternativ kommt der Code auch per Brief nach Hause. Beim Vertragsabschluss im Laden kann auch direkt eine Plastik-Trägerkarte mit dem Code mitgegeben werden. Diesen Code scannt der Kunde dann mit seinen iPhone ab. Daraufhin wird das dazu passende eSIM-Profil von einem Server des Mobilfunkanbieters auf das Smartphone heruntergeladen, sofern dieses eine Datenverbindung – etwa per WLAN – hat.

Unterschiede gibt es im Detail. Während der Code bei der Telekom nur einmalig nutzbar ist, kann ein Vodafone-Kunde ihn mehrmals nutzen und so das Profil auf mehrere Handys hinterlegen. Allerdings kann immer nur eines gleichzeitig aktiv sein. Dadurch, dass auf einer eSIM mehrere Profile gespeichert werden können, ist ein schneller Wechsel kein Problem. Dafür müssen aber erst einmal mehr Mobilfunkanbieter die eSIM anbieten.

Auch bestehende SIM-Karten werden auf Wunsch des Kunden ausgetauscht. Hierfür können allerdings Kosten entstehen. Insbesondere der Provider mobilcom-debitel berechnet bis zu 30 Euro, bei der Telekom und Telefónica fallen keine Kosten an.

Diese Geräte unterstützen die eSIM

Bislang ist die Auswahl an Smartphones und Tablets, die die eSIM unterstützen, noch übersichtlich. So kommen das iPhone XS, XS Max und XR, sowie das iPad Pro 2018 mit einer eingebauten eSIM. Auch die neuen Google-Smartphone Pixel 3 und Pixel 3 XL unterstützen die eSIM. Allerdings muss man sich bei den beiden Android-Geräten zwischen physischer SIM und eSIM entscheiden, während bei den iPhones die gleichzeitige Nutzung mit der Dual-SIM-Funktion möglich ist.

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