Perseiden: Sternschnuppen mit dem Smartphone fotografieren: Geht das?

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Sternenhimmel über Tazo auf La Gomera
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside handy
Jedes Jahr zeichnet sich in der ersten Augusthälfte eine Sensation am Himmel ab: Ein Meteorstrom sorgt für einen deutlichen Zuwachs an Sternschnuppen, die in diesem Zusammenhang Perseiden genannt werden. In der Nacht vom 12. auf den 13. August erreicht das Spektakel den Höhepunkt. Bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde sind dann am Himmel zu sehen. Ein Foto als Erinnerung? Mit dem Smartphone? Geht das überhaupt?

Der jährliche Meteorstrom der Perseiden erreicht in der Nacht zu Montag die höchste Sternschnuppendichte. Wer heute Nacht zum Himmel blickt, wird mit hoher Sicherheit die eine oder andere Sternschnuppe sehen. Doch was genau passiert da oben am Himmel eigentlich? Die Perseiden bestehen aus kleinen Teilen des Kometen „109P/Swift-Tuttle“. Wenn die Erde auf ihrer Bahn die Staubspur des Kometen kreuzt, treffen die Staubteilchen mit hoher Geschwindigkeit auf die Atmosphäre und bringen Luftmolekühle zum Leuchten. Auf der Erde sind die verglühenden Staubkörner samt ionisierter Luft als Sternschnuppen wahrzunehmen. Da die Perseiden aus dem Sternbild des Perseus kommen, tragen sie deshalb ihren Namen.

Zwar können erste Sternschnuppen bereits nach Eintritt der Dunkelheit beobachtet werden, richtig los geht es jedoch erst in der zweiten Nachthälfte. Um das Spektakel sehen zu können, muss aber auch das Wetter mitspielen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bleibt es in der Nacht zum Montag in den meisten Teilen Deutschlands trocken. Im Norden und Nordwesten können Schleierwolken den Sternenhimmel verdecken. Ansonsten sind die Bedingungen für eine klare Sicht auf die Perseiden sehr gut.

Ort ohne Lichtverschmutzung

Doch nicht nur das Wetter muss passen, wenn man ein Foto der Perseiden schießen will. Man sollte sich auch möglichst weit von der Stadt entfernen. Durch die Beleuchtung von Straßen, Häusern und Büros entsteht Lichtverschmutzung. Insbesondere in Großstädten ist es so hell, dass man oft keinen einzigen Stern am Himmel sehen kann. Wer schon einmal auf einer Kreuzfahrt mitten auf dem Ozean oder einer abgelegenen Gegend in den Bergen war, weiß, wie der Himmel aussieht, wenn man unendlich viele Sterne sehen kann. Die Seite „Light Pollution Map“ etwa zeigt, wie hell es in der Dunkelheit wirklich ist. Übrigens: Der brandenburgische Ort Gülpe gilt als der dunkelste Ort Deutschlands.

Lichtverschmutzung Deutschland
Bildquelle: Light Pollution Map

Sternschnuppen mit dem Smartphone fotografieren – Tipps und Tricks

Stativ benutzen

Da beim Fotografieren im Dunkeln lange Belichtungszeiten erreicht werden, muss man das Handy zwingend fixieren respektive auf einem Stativ befestigen. Wer mit seinem Smartphone in dunkler Umgebung aus der Hand fotografiert, wird unscharfe und verschwommene Bilder machen. Erklärung: Bei Dunkelheit bleibt der Verschluss der Kamera länger offen, damit mehr Licht auf den Sensor gelangt. Ansonsten wäre das Foto komplett schwarz. Bei Tageslicht genügt beispielsweise nur 1/100 einer Sekunde, damit der Sensor genügend Informationen gesammelt hat, um ein Bild darzustellen. Bei Nacht kann die Zeit auf 1/4 Sekunde oder gar eine bis zwei Sekunden ansteigen. Kein Fotograf der Welt kann eine Kamera eine ganze Sekunde so still halten, dass sie sich nicht bewegt – auch wenn es nur minimal ist. Bewegt sich die Kamera, wird das Motiv unscharf.

Fernauslöser benutzen

Ist das Smartphone auf dem Stativ befestigt, sollte man beim Auslösen nicht auf das Display tippen. Das versetzt die Kamera beziehungsweise das Smartphone in Schwingung, wodurch abermals Unschärfe ins Bild gelangt. Als Fernauslöser kann beispielsweise das Headset benutzt werden. Wer keine Kopfhörer und Fernauslöser zur Hand hat, kann in den Einstellungen der Smartphone-Kamera nachsehen, ob es einen Selbstauslöser gibt. Hier lässt sich die Zeit auf etwa zwei, fünf oder zehn Sekunden einstellen. Nach dem Auslösen per Display-Befehl vergeht ebendiese Zeit, bevor der Verschluss sich öffnet. Der Kamera, dem Smartphone und dem Stativ bleibt damit genügend Zeit, um sich auszuschwingen.

Manuellen Modus benutzen

Was für eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) oder auch eine spiegellose Systemkamera (DSLM) gilt, gilt auch für das Smartphone. Kein Profi-Fotograf wird einen Nachthimmel, geschweige denn Sternschnuppen, im Automatik-Modus ablichten. Der Grund: Die Kamera weiß im Auto-Mode nicht, was sie tun soll. In den meisten Fällen wird die Kamera versuchen, die Verschlusszeit so gering wie möglich zu halten, da sie nicht davon ausgeht, dass sie auf einem Stativ steht. Dafür wird der ISO-Wert hochgeregelt und die Blende geöffnet. Letztendlich werden die meisten Kameras noch den Blitz ausklappen – schließlich ist es dunkel. Der Blitz bringt in dieser Situation aber gar nichts. Er beleuchtet Objekte in der direkten Umgebung. Beim Smartphone leuchtet der LED-Blitz nur wenige Meter weit. Wer glaubt damit Sterne, die Millionen Kilometer entfernt sind, beleuchten zu können, irrt. Demnach gilt also auch: Blitzlicht ausschalten. Wessen Smartphone-Kamera keinen manuellen Modus hat, der kann hier aufhören zu lesen.

Sternschnupppen mit dem Smartphone fotografieren
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside handy

Im manuellen Modus muss man etwas experimentieren, ehe man die richtige Einstellung gefunden hat. In der Regel gilt beim Fotografieren von Sternschnuppen jedoch: Eine längere Belichtungszeit (ab circa einer Sekunde) wählen, da man die Perseiden ansonsten nur als Punkt und somit als weiteren Stern auf dem Bild sehen wird. Den ISO-Wert so hoch wie nötig wählen, da das Bild bei hohen Werten zu rauschen beginnt. Zudem sollte man viele Aufnahmen hintereinander machen, da man nicht wissen kann, wann und wo die nächste Sternschnuppe auftaucht.

Fazit

Wer bis hierher gelesen hat, wird nachvollziehen können, dass ein gutes Foto einer Sternschnuppe mit dem Smartphone nahezu nicht machbar ist. Man muss an einem dunklen Ort sein, die Wetterbedingungen müssen stimmen, man benötigt ein Stativ und das Smartphone muss einen manuellen Modus haben. Und selbst dann ist ein gutes Handyfoto eine Seltenheit. Aber: Probieren geht über Studieren. Und wenn das Foto nichts geworden ist, dann einfach zurücklehnen und das Schauspiel bewundern.

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