Carsharing-Anbieter im Überblick

9 Minuten
Private und gewerbliche Carsharing-Dienste
Bildquelle: Artem Sandler / inside handy
Wer früher kein eigenes Fahrzeug besessen hat – ob freiwillig oder nicht – hatte nur zwei Möglichkeiten schnell von A nach B zu gelangen: mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit einem Fahrrad. Heute steht Betroffenen hingegen eine weitere Option zur Verfügung – das Carsharing. Doch es gibt einige Dinge zu beachten, wenn man einen genaueren Blick auf die Vielzahl der verfügbaren Carsharing-Apps wirft.

Wenn man im Duden nach dem Begriff Carsharing sucht, steht in der Bedeutungsübersicht: „organisierte (gebührenpflichtige) Nutzung eines Autos von mehreren Personen“. Diese Beschreibung reicht zwar durchaus aus, um die allgemeine Funktionsweise, die sich hinter Carsharing verbirgt, grob zu erfassen, tatsächlich existieren allerdings zahlreiche unterschiedliche Modelle, über die man sich vor der Nutzung informieren sollte. Als Privatnutzer gleichermaßen wie als Gewerbe-Kunde. Davor muss jedoch noch eine schlichte Frage beantwortet: „Wieso Carsharing?“

Welche Vorteile hat Carsharing?

Viele Vorteile bringt Carsharing zwar nicht mit sich, die vorhandenen sind allerdings umso entscheidender. Zunächst kommt das Teilen von Fahrzeugen, abhängig vom jeweiligen Lebensstil, dem Portemonnaie zugute. So können Gelegenheitsfahrer sich auf diese Weise die Anschaffungs-, Erhaltungs- sowie Versicherungskosten für ein Auto sparen. Bei Bedarf wird das benötigte Auto einfach gemietet. Weiterhin verleitet das Fehlen eines eigenen Fahrzeugs vermehrt dazu, das Fahrrad zu nutzen, was verständlicherweise gut für die Gesundheit ist. Zusätzlich sorgt Carsharing dafür, dass weniger Fahrzeuge gebraucht und folglich auch hergestellt werden müssen – ein Pluspunkt für die Umwelt. Auf der anderen Seite würde eine hohe Carsharing-Nutzung der Automobilindustrie und entsprechend auch der Wirtschaft schaden.

Unterm Strich kann man sich mit Carsharing als „Vermieter“ ein wenig Taschengeld dazuverdienen, während man als „Mieter“ auch ohne Fahrzeug mobil bleibt und bei Bedarf nicht auf öffentliche, mit den dazugehörigen Verspätungen sowie Ausfällen verbundene, Verkehrsmittel angewiesen ist.

Welche Carsharing-Modelle gibt es?

Im Großen und Ganzen gibt es drei unterschiedliche Arten von Carsharing: privates Carsharing, gewerbliches Carsharing und privates Carsharing, das über eine Vermittlungsplattform läuft. Die erste Variante, das Peer-to-Peer-Carsharing, funktioniert schlicht nach dem Prinzip: „Du brauchst übermorgen ein Auto? Hier, die Schlüssel.“ Dabei muss man jedoch beachten, dass man bei einem daraus resultierenden persönlichen Gewinn auch das Finanzamt kontaktieren muss, um die Einkünfte zu versteuern – im Zweifelsfall sollte hier ein Steuerberater herangezogen werden. Ähnlich funktioniert auch die Autovermietung über eine Vermittlungsplattform. Auf einer solchen Plattform lässt sich das eigene Fahrzeug registrieren und vermieteten oder – je nachdem wonach man gerade sucht – das Fahrzeug eines anderen Nutzers angemietet werden. Der Vermittler erhält hierfür eine Provision. Zu guter Letzt existieren noch gewerbliche Anbieter, die ihre eigenen Fahrzeuge vermieten. Dabei unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Varianten – mit festen Stationen oder eben ohne. Bei Letzterem, dem sogenannten Free-Floating, wird das Fahrzeug schlicht im Straßenraum, also auf öffentlichen Parkplätzen oder am Straßenrand in gekennzeichneten Park-Bereichen, abgestellt.

Privates Carsharing mit Vermittler

Bei allen Carsharing-Formen gibt es wie auch überall sonst unterschiedliche Vor- und Nachteile. So muss der potenzielle Mieter beim privaten Carsharing mit Vermittler meistens weniger Geld für ein Fahrzeug bezahlen, als es beim gewerblichen Carsharing der Fall ist. Darüber hinaus hat man mehr Freiheiten, denn abseits einiger Regelungen des Anbieters gibt es hier eine reelle Bezugsperson am anderen Ende der Leitung: Den Vermieter, mit dem man sich im Zweifelsfall verständigen kann, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Ein weiterer Vorteil des privaten Carsharings ist die Verfügbarkeit. Während gewerbliche Anbieter meist lediglich in größeren Städten vorgefunden werden können, kann ein privater Autovermieter überall ansässig sein – also potentiell auch in der Nähe des Mieters. Auf der Contra-Seite finden sich indes Punkte, wie eine mögliche Betrugsgefahr. Um dieser zu entgehen, muss man als Mieter bei der Übergabe des Fahrzeugs genau auf Schäden achten und diese dokumentieren. Auch sind hier die Kraftstoffkosten meistens nicht im Preis inbegriffen – vor der Rückgabe muss das Auto darum zunächst aufgetankt werden. Ähnliche negativen Aspekte kommen auch beim privaten Carsharing ohne Vermittler zum tragen. Der Vorzug ist dabei allerdings, dass man keine Provision zahlen muss. Dies ist jedoch gleichzeitig ein Nachteil, denn ohne Vermittler erhält man auch keine gesonderte Versicherung.

  Anzahl der Fahrzeuge Anzahl der Nutzer Android-App iOS-App
Drivy 50.000 2 Millionen Drivy (Android) Drivy (iOS)
SnappCar 45.000 250.000 SnappCar (Android) SnappCar (iOS)
Turo 200.000 5 Millionen Turo (Android) Turo (iOS)

Stand: Juli 2018

Exemplarische Vorgehensweise bei privatem Carsharing mit Vermittler

Nachdem man die entsprechende Anwendung – in diesem Beispiel „Turo“ – heruntergeladen und installiert hat, muss man sich zunächst registrieren. Danach haben Nutzer die Wahl zwischen den zwei Feldern „Autos mieten“ und „Dein Auto einstellen“. In dem sich öffnenden Einstellungsmenü lässt sich – falls man sein Auto vermieten möchte – unter anderem der Mindesttagespreis angeben und es lassen sich einige Limits setzen; beispielsweise in Form von Inklusivkilometern. Darüber hinaus ist es möglich, die Zustellung des Fahrzeugs anzubieten. Abseits solcher Einstellungen muss man hauptsächlich die eigenen Daten sowie die Daten des Fahrzeugs angeben, um den Vorgang abzuschließen. Ein großer Vorteil von Vermittlern ist an dieser Stelle, dass eine Haftpflichtversicherung im Preis inbegriffen ist. Die eigene Versicherung wird im Schadensfall also nicht hochgestuft. Zudem wird jeder Mieter verifiziert – ein Punkt, mit dem potenzielle Mieter rechnen müssen – und überprüft. Bei einer Erfolgreichen Autovermietung erfolgt die Auszahlung dann 30 Minuten nach Fahrtende über PayPal.

Wenn man ein Auto mieten möchte muss als Erstes ein Ort sowie ein Buchungszeitraum angegeben werden. Daraufhin erscheint eine Liste von zu vermietenden Autos, die sich mittels eines Filters auf einige passende Exemplare kürzen lässt. Nun kann das Fahrzeug bequem über einen Button gebucht beziehungsweise der Vermieter kontaktiert werden.

Carsharing Turo

Gewerbliches Carsharing

Höhere Kosten, weniger verfügbare Fahrzeuge größere Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit. Wieso melden sich Nutzer also überhaupt bei gewerblichen Carsharing-Diensten an? Die Antwort kann im Großen und Ganzen in einem Wort zusammengefasst werden: Bequemlichkeit. Gewerbliches Carsharing ist schlichtweg deutlich bequemer. Die gesamte Kommunikation, die Fahrzeugsuche und potenzielle Probleme bei der Übergabe treten hier – abhängig von dem Geschäftsmodell – gar nicht erst auf. So werden Autos bei vielen Anbietern einfach im öffentlichen Straßenverkehr abgestellt und können in wenigen Sekunden per App reserviert und entsperrt werden. Nach der Fahrt muss man das Fahrzeug dann weder auftanken, noch aufwendig übergeben, sondern stellt es einfach im Geschäftsbereich des jeweiligen Anbieters wieder ab. Dabei entfällt auch die Gefahr von einem unehrlichen Vermieter reingelegt zu werden.

  Städte in Deutschland Android-Link iOS-Link
Car2go Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München, Stuttgart Car2go (Android) Car2go (iOS)
DriveNow München, Berlin, Düsseldorf, Köln, Hamburg DriveNow (Android) DriveNow (iOS)
Cambio Carsharing Aachen, Berlin, Bielefeld, Bonn Bremen, Bremerhaven, Düren, Eschweiler, Flensburg, Hamburg, Herzogenrath, Hürth, Jülich, Köln, Lüneburg, Oldenburg, Saarbrücken, Uelzen, Winsen, Wuppertal, Würselen Cambio Carsharing (Android)
Cambio Carsharing (iOS)
Flinkster über 300 Städte Flinkster (Android) Flinkster (iOS)

Stand: Juli 2018

Exemplarische Vorgehensweise bei gewerblichem Carsharing (Car2go)

Zunächst muss man (genauso wie beim privaten Carsharing mit Vermittler) eine passende Anwendung auf dem eigenen Smartphone installieren und sich registrieren. Zuvor wird von den Carsharing-Anbietern zudem eine Verifizierung per Führerschein erwartet. Ist dies geschehen, wird man zur „Startseite“ weitergeleitet, die aus einer Karte mit in der Nähe geparkten und verfügbaren Fahrzeugen besteht. Hier hat man die Wahl zwischen mehreren unterschiedlichen Modellen, für die ihrerseits ein unterschiedlicher Preis fällig wird – von 26 bis 34 Cent pro Minute. In einem Fenster, das sich bei einem Klick auf ein beliebiges Auto öffnet, kann der Nutzer das Fahrzeug nun reservieren und mieten. Hier wird auch die Tankfüllung angezeigt, wobei der Kraftstoff sowie die Versicherung und in der Regel auch die Parkkosten im Preis inbegriffen sind. Beim Auto angekommen, muss dieses nur noch per App entriegelt werden und schon kann die Fahrt beginnen – allerdings nur innerhalb eines Geschäftsgebiets, das auf der Karte in der App und meist auch im Navigationssystem im Auto angezeigt wird. Nach der Fahrt kann man den Mietverlauf der letzten Fahrten – inklusive der Angaben zu den aufgewendeten Kosten – in der App nachverfolgen.

Carsharing Car2go

Kombinierte Carsharing-Anbieter

Obwohl Carsharing-Dienste bereits in zahlreichen deutschen Städten verfügbar sind, kann man bei keinem Anbieter von einem flächendeckenden Service sprechen. Wer also öfter verreist – ob geschäftlich oder privat – und entsprechend die Stadt wechselt, kommt auf Dauer wohl nicht mit nur einem Dienst zurecht. Für dieses Problem existiert allerdings bereits eine Lösung: Einige Anwendungen bieten nämlich keine eigenen Carsharing-Dienstleistungen, sondern fassen den Service unterschiedlicher Anbieter in einer App zusammen. So steigt die Chance, schnell ein passendes Verkehrsmittel außerhalb der eigenen Heimatstadt zu finden, drastisch an.

  Anbieter Android-Link iOS-Link
Free2Move Car2go, DriveNow, Drive by, Flinkster, Cambio, Stadtmobil, Ubeeqo, Drivy, Coup, Emmy, Sco2t, Call a Bike, Donkey Republic, Nextbike, Citybike Wien, FordPass Bikesharing, KVB-Rad, StadtRAD Hamburg, Uber, Clevershuttle Free2Move (Android) Free2Move (iOS)
Urbi Car2go, DriveNow, Multicity, Drive by, Emmy, Coup, Scoo.me, Ubeeqo, Bike Sharing  Urbi (Android) Urbi (iOS)
Mobility Map  Car2go, DriveNow, Multicity, Spotcar, Stadtmobil, Hertz 24/7, Autonetzer, Tamyca, Uber, Nextbike-Marken Mobility Map (Android) nicht verfügbar

Stand: Juli 2018

Wissenswertes zum Thema Auto

Wenn das ausgesuchte Carsharing-Fahrzeug ein neueres Modell ist, kann man das Auto per MirrorLink mit dem eigenen Smartphone verbinden. Weiterhin haben solche Gefährten teilweise ein sogenanntes eCall-System, das automatische Notrufe bei einem Unfall verschickt. Falls es allerdings doch lieber kein Carsharing sein soll, sondern schlicht das altbekannte Fahrrad, können die folgenden zwölf nützlichen Apps für Radler den Fahrradfahrer unterstützen oder den Spaßfaktor erhöhen.

Die besten Apps rund ums Auto

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