Gebrauchtes Handy kaufen: Darauf muss man achten

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Handy im Karton
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy
Gebraucht kaufen: Was beim Auto ganz normal scheint, genießt beim Handy einen zweifelhafteren Ruf. Soll es wirklich ein Smartphone sein, das schon Mal jemand anderem gehörte? Der Markt für Gebraucht-Handys boomt und wo viele Köche kochen, verdirbt der Brei schnell. Klarheit, Tipps und nützliche Hilfe beim Kauf eines gebrauchten Handys gibt es in diesem Artikel.

In diesem Artikel gibt die Redaktion Tipps, die beim Kauf von gebrauchten Handys beachtet werden müssen, damit es kein böses Erwachen gibt – ob beim Preis oder beim angebotenen Smartphone selber.

  • Wie finde ich das passende Handy?
  • Wie teuer darf ein gebrauchtes Smartphone noch sein?
  • Was unterscheidet ein iPhone von einem Android-Smartphone, wenn es gebraucht gekauft wird?
  • Was bieten Gebraucht-Händler wie RebuyClevertronic und Buyzoxs?
  • Worauf muss man beim Privatkauf über EbayRakuten oder Amazon Marketplace achten?

Beim Kauf von gebrauchten Handys gibt es erst einmal zwei unterschiedliche Verfahren: Entweder wird das Handy direkt vom Vorbesitzer über eine entsprechende Plattform gekauft oder die Abwicklung geschieht über einen spezialisierten und vor allem dafür zertifizierten (Zwischen-)Händler. Die Vor- und Nachteile liegen auf der Hand: Beim Kauf von Privat über Ebay oder den Amazon Marketplace gibt es nicht zwingend eine Gewährleistung des Verkäufers. Man kann sich nur auf dessen gutes Wort und womöglich einige Nutzerbewertungen verlassen. Dafür gibt es hier vielleicht bessere Angebote.

Die Zwischenhändler-Version ist augenscheinlich sicherer: Hier fungiert ein Händler als Verkäufer, der das Handy bereits begutachtet hat, im Einzelfall noch Reparaturen durchgeführt hat und der ein Rückgaberecht und eine Funktionstüchtigkeit gewährleistet. Bekannte Händler für gebrauchte Handys sind etwa Rebuy, Smallbug.de, Clevertronic oder Asgoodasnew. Insbesondere Rebuy ist dank groß angelegtem Eigenmarketing durch Werbung vielen Menschen ein Begriff. Auch diese Händler versuchen mit Angeboten und Teilnahmen an Angebot-Aktionen, die Gunst der Käufer zu erhaschen.

Nachteil dieser Händler ist plump gesagt, dass sie ein Geschäft betreiben und am Ende nicht ohne eigenen Profit dastehen wollen. Die Unkosten für die Abwicklung und die Gewinnmarge werden hier auf den eigenen Einkaufspreis aufgeschlagen.

Gebrauchtes Handy – welches soll es sein?

Am Anfang eines Handykaufs steht diese Kardinalfrage: Welches Smartphone will ich überhaupt haben? Diese Frage kann hier nicht endgültig beantwortet werden. inside handy bietet im Handy-Finder und im darin gelegenen Profi-Finder zahlreiche Möglichkeiten und Tipps, die eigenen Ansprüche an den täglichen Begleiter zu formulieren und die Kauf-Entscheidung dadurch zu erleichtern.

Für ein Gebraucht-Handy sollte aber nicht unbedingt das 100-Euro-Handy von vor zwei Jahren zu Rate gezogen werden. Wenn sich ernsthaft mit dem Kauf eines Gebraucht-Handys beschäftigt wird, sollte es – unabhängig davon, ob es ein Android-Handy oder ein iPhone wird – zumindest der aktuelleren Mittelklasse oder der betagten Oberklasse entspringen.

Fast alle Handys, die gebraucht gekauft werden, wurden von inside handy bereits getestet. Auch wenn der Testbericht meist den Eindruck zum Zeitpunkt des Verkaufsstarts widerspiegelt, so behalten die allermeisten Bewertungspunkte auch Jahre nach dem Marktstart Gültigkeit.

Handy gebraucht kaufen – so viel darf es kosten

Die häufigste Motivation ein Handy gebraucht zu kaufen, ist der Preis. Gerade in Zeiten, in denen ein Handy längst einen mittleren dreistelligen Betrag verschlingt, kann der Gebrauchtkauf Sparpotenzial bieten.

Wichtig ist, dass ein gebrauchtes Handy nicht zu günstig ist. Der Preis sollte in einem vernünftigen und realistischen Bereich liegen. Nach oben hin sollte das Handy aber auch nicht zu teuer sein, sonst läuft man als Käufer Gefahr, auf einen Nepper reinzufallen oder eben das eigene Budget zu sprengen.

Gute Vorbereitung ist daher alles. Zur Referenz sollte ein Neupreis genommen werden. Das muss nicht zwingend der Einführungspreis des Herstellers sein – auch ein aktueller Neugerätepreis bei Elektronikhändlern kann ein guter Richtwert sein.

Das gebrauchte Handy darf gut und gerne zwei Drittel also zwischen 65 und 70 Prozent dieses Preises kosten. Mehr ist eindeutig zu teuer. Nach unten sollte ein Angebot ab 50 Prozent Argwohn wecken und genau beäugt werden. Das ist fast schon zu billig und könnte auf deutliche Fehler und fehlende Seriosität des Angebotes hinweisen.

Darauf muss beim Gebraucht-Handy-Kauf besonders geachtet werden

Beim Gebraucht-Handy-Kauf gibt es wie beim Gebrauchtwagenkauf einige Stolperfallen und Punkte, die vor dem Kauf dringend abgeklärt sein müssen. Hier kommen die wichtigsten Prüfungen:

Akku

Die Achillesferse eines jeden Smartphones ist der Akku. Mit zunehmender Lebensdauer und von Nutzungs- und Ladeverhalten beeinflusst, nimmt die Leistung des Akkus ab. Ein gebrauchtes Handy wird also keinesfalls die Laufzeit erreichen, die ein nagelneues Modell bietet. Ein Tag sollte aber dennoch drin sein. Je nachdem wurde auch ein neuer Akku eingebaut – das wirkt sich wiederum auf den Preis aus.

Hier gilt „Probieren geht über Studieren“: Das Handy einige Tage in Benutzung halten und dokumentieren, wie viel Akkuladung am Ende des Tages noch übrig ist. Bei 20 Prozent Restladung am Tagesende und weniger sieht die langfristige Prognose düster aus. Hier sollte vom Rückgaberecht Gebrauch gemacht werden. Bei stets über 30 Prozent Ladung steht einer weiteren Benutzung des Handys nichts im Wege.

Im besten Falle besitzt das gebraucht gekaufte Handy natürlich einen austauschbaren Akku. Leider bietet kaum ein aktuelles Handy diese Eigenschaft. Ältere Modelle, etwa ein Samsung Galaxy S5 zu kaufen, empfiehlt sich aber nicht. Apples iPhone-Modelle haben grundsätzlich keinen Austausch-Akku.

LG G4 Akku
Bildquelle: inside handy

Tatsächlich hat LG vergleichsweise lange am Austausch-Akku im Flaggschiff-Segment festgehalten. Ein Blick auf die Modelle LG G4 und LG G5 kann auf der Suche nach einem Gebraucht-Handy mit Austausch-Akku lohnenswert sein.

Aktualität

Auch das gebrauchte Handy im Angebot sollte nicht viel älter als zwei Jahre alt sein, insbesondere, wenn es sich um ein Android-Handy handelt. Grund ist neben dem möglichen Hardware-Verschleiß auch die Software-Aktualität. Android-Handys erhalten in der Regel zwei Jahre lang Software-Updates und somit stets neue Sicherheits-Level.

Kauft man ein Handy 2018 gebraucht, sollte es zumindest Android 8 Oreo haben oder die ausstehende Update-Möglichkeit auf Android Oreo garantiert bekommen.

Mögliche Schwachstellen schnell prüfen

Ideal ist es, wenn man das zu kaufende Handy noch vor dem Kauf selbst in Augenschein nehmen kann. Geht das zum Beispiel beim Online-Kauf nicht, sollten etwaige Schwach- und Sollbruchstellen schnell unter die Lupe genommen werden, bevor die Rückgabefrist endet.

Zu den Schwachstellen gehören vor allem die haptischen Elemente, allen voran der Home- und Power-Button und ganz besonders die Kabelbuchse. Wenn hier ein Wackelkontakt vorliegt, gilt: Hände weg. Beliebte Fehler sind außerdem ein „ausgelutschter“ USB-Port, der den Stecker nicht mehr ohne weiteres hält oder knackende Tasten an den Seiten. Sieht man darin persönlich keinen großen Makel, können die Fehler immer noch zur Nachverhandlung beim Preis angeführt werden.

Auch das Display sollte nach Möglichkeit auf Fehler in der Touch-Bedienung oder klassische Display-Fehler wie Pixel-Ausfälle überprüft werden. Der prüfende Blick auf den Zustand des Displayglases sollte obligatorisch sein. Ein gesprungenes Display fällt aber schnell auf.

Gebrochenes Display beim Samsung Galaxy S7 Edge
Bildquelle: Christian Koch / inside-handy.de

iPhone gebraucht kaufen – das ist hier anders

Beim Gebraucht-Kauf eines iPhones gelten leicht veränderte Regeln. Apple-Smartphones sind im Vergleich mit Android-Konkurrenten ungleich teurer und preisstabiler. Das wirkt sich auch auf Gebraucht-iPhones aus. Die 70-Prozent-Regel hat aber auch hier Bestand. Im Einzelfall kann beim iPhone geprüft werden, ob der Gebraucht-Preis auch minimal darüber liegen darf. Der tatsächliche Preis eines gebrauchten iPhones dürfte im Endeffekt aber über dem für ein gebrauchtes Android-Handy ähnlicher Güteklasse liegen.

Auch bei der Aktualität des Handys kann dem iPhone ein wenig mehr Zeit eingeräumt werden. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, darf ein gebraucht gekauftes und für gut befundenes iPhone auch mit drei Jahren auf dem Buckel noch als gut bezeichnet werden. Wichtig ist, dass ein Update auf die jeweils aktuelle iOS-Version (Stand Juli 2018: iOS 11.4) installiert oder zumindest verfügbar ist.

Rebuy, Smallbug.de, Clevertronic und Co. im Vergleich

In den vergangenen Jahren wurde die Gebraucht-Kauf-Branche regelrecht aufgewirbelt. Viele neue Anbieter und Plattformen strömten mit unterschiedlichen Ansätzen auf den Markt. Aus Film und Fernsehen ist zum Beispiel Rebuy bekannt. Obwohl hier Gebrauchtware über den digitalen Tresen geht, gewährleistet Rebuy für gekaufte Smartphones 21 Tage Rückgaberecht und 36 Monate Garantie. Dazu legt der Berliner Händler das Augenmerk auf einen Refurbishment-Prozess, also eine Wiederaufbereitung der gebrauchten Geräte, durch die die Qualität hochgehalten wird.
Ebendies bietet auch Asgoodasnew bei entsprechend klassifizierten Smartphones an. Die Garantie des Anbieters beträgt allerdings „nur“ 30 Monate., dafür kann ein gekauftes Handy auch noch bis zu 30 Tage nach dem Kauf zurückgegeben werden.

Die Widerrufs- und Garantiefristen dieser und weiterer bekannter Gebraucht-Händler:

Anbieter Art der Frist Dauer
Rebuy Rückgabe-/ Wiederrufsrecht 21 Tage
Garantie/Gewährleistung 36 Monate
     
Asgoodasnew Rückgabe-/ Wiederrufsrecht 30 Tage
Garantie/Gewährleistung 30 Monate
     
Clevertronic Rückgabe-/ Wiederrufsrecht 30 Tage
Garantie/Gewährleistung 12 Monate (gesetzliche Mängelhaftung)
     
Buyzoxs Rückgabe-/ Wiederrufsrecht 14 Tage
Garantie/Gewährleistung 12 Monate (gesetzliche Mängelhaftung)
     
Amazon Warehouse Deals Rückgabe-/ Wiederrufsrecht 30 Tage
Garantie/Gewährleistung 24 Monate
     
AfB social & green IT Rückgabe-/ Wiederrufsrecht 14 Tage
Garantie/Gewährleistung 12 Monate (gesetzliche Mängelhaftung)
     
Backmarket Rückgabe-/ Wiederrufsrecht 14 Tage
Garantie/Gewährleistung Bis zu 24 Monate
     
Smallbug.de Rückgabe-/ Wiederrufsrecht 1 Monat
Garantie/Gewährleistung 12 Monate (gesetzliche Mängelhaftung)

Neben den Warehouse Deals von Amazon, bietet der Versandhändler unter seinem Label „Amazon Renewed“ weitere Gebrauchtware an. Diese werden in der Produktbeschreibung durch den in Klammern gesetzten Hinweis „Zertifiziert und generalüberholt“ausgewiesen.

Online-Marktplätze: Ebay, Rakuten und Amazon Marketplace

Der Online-Marktplatz Ebay ist ein wahrer Angebote-Dschungel. Hier wechseln selbstredend auch Smartphones täglich ihre Besitzer. Neben zertifizierten und offiziellen Auftritten von Händlern für die meist die beschriebenen Fristen gelten, handeln hier auch Privatpersonen. Insbesondere der Kleinanzeigenbereich „Ebay Kleinanzeigen“ ist daher mit Vorsicht zu betreten. Warum also überhaupt ein Handy über Kleinanzeigenmärkte wie Ebay Kleinanzeigen, Kalaydo, Quoka oder die Flohmarkt-App wish bestellen? Durch den direkten Draht zum Vorbesitzer und ohne den zwischengeschalteten Händler können einige Euro gespart werden.

Ein wenig mehr Sicherheit gibt es beispielsweise bei Ebay selber und beim Amazon-Pendant Marketplace. Auch der japanische Konkurrent Rakuten ist hier ein Mitbewerber. Bei diesen Plattformen sollte genau betrachtet werden, in welchem Zustand sich der Artikel, in diesem Falle also das Android-Smartphone oder iPhone, befindet. Das Spektrum geht von originalverpackter Neuware bis hin zu „Handy mit Gebrauchsspuren“.

Dass eine positive Beschreibung nicht zwingend positiv sein muss, zeigt zum Beispiel die Skala bei Rakuten, die beim Artikelzustand von „Wie Neu“ über „Sehr Gut“ bis hin zu „Gut“ reicht. Schlechte Bewertungen der Angebote gibt es hier also nicht.

„Apple zertifiziert und generalüberholt“: Gebrauchte Handys beim Hersteller kaufen

Apple bietet in seinem Store – etwas versteckt – die Möglichkeit an, generalüberholte und somit gebrauchte Produkte zu verkaufen. Hier bleibt die vom Hersteller hochgehaltene Qualität behalten. Meist ist davon auszugehen, dass Apple-Geräte, die das Label „zertifiziert und generalüberholt“ tragen, in einem früheren Leben aus Garantie- oder Gewährleistungsgründen ersetzt wurden. Nach erfolgter Reparatur kommen sie so wieder in den Handel.

Die Preise sind ein Stück davon entfernt von dem, was Apple für neue iPhones und andere Geräte veranschlagt. Allerdings zahlt der Nutzer auch bei diesen überholten Geräten für die Gewährleistung der Apple-Qualität. Auch die Apple-übliche Garantie von 12 Monaten Gewährleistung bleibt vom Kauf generalüberholter Produkte unberührt.

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