Im Magazin Schluss mit dem Gebimmel Ruhezeiten im Smartphone aktivieren

vom 21.08.2017, 16:00
Wanduhr und Smartphone
Bildquelle: Michael Stupp / inside-handy.de

Vom klingelnden Handy aus dem Schlaf gerissen zu werden, ist oft ärgerlich. Auch im Meeting oder bei Familienausflügen würde man gerne zuweilen ungestört sein. Statt das Handy ganz auszuschalten, können Android- und iOS-Nutzer auf eine ganze Reihe von Alternativen zurückgreifen. Diese reichen von systeminternen Funktionen bis hin zu zusätzlichen Apps, mit denen sich der mobile Begleiter zu bestimmten Zeiten ruhigstellen lässt.

Ob beim Schlafen, Studieren, Arbeiten oder auf Ausflügen mit der Familie: Oftmals greift das geliebte Smartphone einen Löwenanteil der für etwas anderes bestimmten Aufmerksamkeit ab. Ein klingelndes Telefon kann in so einigen Situationen für Unterbrechungen sorgen, mit mehr oder minder ernsthaften Konsequenzen. Möchte man dies vermeiden, kann man unter anderem auf den "Nicht Stören"-Modus zurückgreifen. Sowohl für Android als auch für iOS gibt es inzwischen relativ ausdifferenzierte Funktionen, über die sich neben geplanten Ruhephasen auch Ausnahmen und andere Regeln hinzufügen lassen. Im Folgenden werden zunächst die systeminternen Möglichkeiten der beiden meistgenutzten mobilen Betriebssysteme der Welt vorgestellt.

Android (System)

Ab Android 6.0 (Marshmallow) lässt sich der Nicht-Stören-Modus über die Schnelleinstellungen aktivieren. Hier können Nutzer zunächst festlegen, wie lange das Handy im Ruhezustand verweilen soll. Darüber hinaus gibt es die Optionen "Lautlos", "Nur Wecker" und "Nur wichtige Unterbrechungen".

"Bitte nicht Stören" unter Android
Bildquelle: inside-handy.de

Im Lautlos-Modus vibriert und klingelt das Handy nicht mehr bei Anrufen, Nachrichten oder Benachrichtigungen. Auch Weckrufe werden damit stummgeschaltet. Der "Nur Wecker"-Modus lässt nur Wecktöne erklingen und sich bei aktiviertem Bildschirm auch über den Lautstärkeregler aktivieren. Dazu hält man die Leiser-Taste bis zur niedrigsten Stufe gedrückt und drückt anschließend noch einmal darauf.

Der Modus "Nur wichtige Unterbrechungen" bringt eine Reihe weiterer Einstellungsmöglichkeiten mit sich. So lässt sich hier detailliert festlegen, was eine wichtige Unterbrechung darstellt. Die dazugehörige Einstellung findet sich unter "Töne", und dann "Bitte nicht stören". Hier gibt es mehrere Optionen zur Auswahl. Unter Android werden Benachrichtigungen in mehrere Gruppen unterteilt: Wecker, Erinnerungen und Ereignisse, Nachrichten und Anrufe. Für jeden Benachrichtigungstyp lässt sich festlegen, was stummgeschaltet werden soll. Bei Bedarf lassen sich einzelne Typen priorisiert behandeln. Für Nachrichten und Anrufe können diejenigen Kontakte festgelegt werden, für die man erreichbar bleiben soll. Darüber hinaus kann man unter “Wiederholte Anrufe” zulassen, dass das Gerät klingelt, wenn eine Person innerhalb von 15 Minuten noch einmal anruft.

Darüber hinaus lassen sich planmäßige Ruhephasen hinzufügen, wenn man regelmäßig zu bestimmten Zeiten nicht gestört werden möchte. Dazu navigiert man im "Bitte nicht stören"-Menü zu "Automatische Regeln". Hier gibt es eine Auswahl standardisierter Regeln, etwa "Wochenende" und "Abends unter der Woche". Eine eigene Regel lässt sich ebenfalls erstellen. Unter "Regel hinzufügen" und "Zeitregel" kann man sowohl den Typ als auch die Dauer und Regelmäßigkeit des "Nicht Stören"-Modus festlegen. Möchte man während einer planmäßigen Ruhephase dennoch den Wecker stellen, aktiviert man die Option "Wecker kann die Schlusszeit überschreiben".

Die "Bitte nicht stören"-Option arbeitet auf Wunsch auch mit dem Kalender zusammen. So lässt sich eine Ereignisregel festlegen, die das Handy während bestimmten Terminen stumm schaltet. Es lassen sich beispielsweise diejenigen Termine auswählen, die man mit "Ja" oder "Vielleicht" bestätigt hat. Die Termine und Ereignisse werden dabei dem Google Kalender entnommen. Nutzt man mehrere Konten, lässt sich einstellen, auf welches zugegriffen werden soll.

Man kann trotz eingeschaltetem "Bitte nicht stören"-Modus bei bestimmten Apps die Benachrichtigungen zulassen. Dies lässt sich im Einstellungen-Untermenü "App-Benachrichtigungen" festlegen. Deaktivieren lässt sich der Ruhemodus zum einen über die Schnelleinstellungen, zum anderen beim Betätigen der Leiser-Taste und anschließendem Tippen auf "Jetzt beenden". 

Smartphone mit Android 5.0 stummschalten

Wer noch Android 5.0 oder 5.1 (Lollipop) auf seinem Smartphone nutzt, muss für das Stummschalten des Geräts einen etwas anderen Weg gehen. Es ist dabei zu beachten, dass der Wecker beim Deaktivieren der Benachrichtigungen ebenfalls nicht hörbar sein wird, sofern er nicht als eine wichtige Unterbrechung definiert ist.

Um das Gerät stummzuschalten, hält man die Lauter- oder Leiser-Taste des Geräts gedrückt, bis ein Menü erscheint. Möchte man nur wichtige Unterbrechungen zulassen, erreicht man die dazugehörige Einstellung beim Tippen auf "Wichtig". Beim aktivieren von "Keine" werden sämtliche Benachrichtigungen (inklusive Weckrufe) deaktiviert. Darüber hinaus lässt sich hier die Dauer der Ruhephase einstellen. Zum Deaktivieren des Lautlos-Modus hält man die Lauter- oder Leiser-Taste des Geräts gedrückt, und aktiviert die Option "Alle".

iOS (System)

Beim iPhone und iPad beziehungsweise auf dem iPod Touch lässt sich die "Nicht Stören"-Funktion über die Einstellungen aktivieren. Hier haben Nutzer mehrere Optionen zur Auswahl. Beim Aktivieren des "Manuell"-Schalters werden alle Anrufe und Benachrichtigungen stumm gestellt und ein Mond-Symbol erscheint in der Statusleiste neben der Akkustand-Anzeige.

Die "Nicht Stören"-Funktion unter iOS
Bildquelle: inside-handy.de

Wer die Anrufe planmäßig zu bestimmten Zeiten stummschalten möchte, kann die "Planmäßig"-Option aktivieren. Es öffnet sich ein Reiter, über den sich die genauen Anfangs- und Endzeiten der Ruhephase einrichten lassen.

Im selben Menü lassen sich bestimmte Anrufe zulassen, beispielsweise von Familie oder anderen Favoriten. Falls ein nicht zugelassener Kontakt innerhalb von drei Minuten zum zweiten mal anruft, lässt sich der Anruf durchstellen, indem die Option "Wiederholte Anrufe" aktiviert wird.

Übrigens: Der "Nicht Stören"-Modus lässt sich auch über Siri anschalten. Dazu ruft man die Sprachassistentin auf und bittet sie, den Modus zu aktivieren.

Neu mit iOS 11 wird die Funktion "Do Not Disturb While Driving" ("Während der Fahrt nicht stören") eingeführt. Ist diese aktiviert, bekommt der Fahrer keine Push-Benachrichtigungen auf sein Handy, so dass Ablenkungen vermieden werden können. Das iOS-Gerät erkennt automatisch, ob der Nutzer sich gerade im Auto fortbewegt und schaltet den speziellen Nicht-Stören-Modus ein. Der Bildschirm bleibt dann schwarz, Anrufe über eine Freisprechanlage sind weiterhin möglich.

Zusätzliche Wege zur Ruhepause: Apps

Wer seine Smartphone-Ruhephasen weiter ausdifferenzieren möchte, kann einen Blick auf die dazugehörigen Apps werfen. Hier gibt es häufig zusätzliche Funktionen, wie beispielsweise eine automatische SMS, die an geblockte Anrufer geschickt werden kann.

Android (Apps)

Bitte Nicht Stören (Do Not Disturb)

Die "Bitte Nicht Stören"-App orientiert sich unter anderem an Apples "Nicht Stören"-Modus, bietet aber auch weitere Möglichkeiten. Zum einen kann man hier die Ruhephasen planmäßig für jeden Wochentag einstellen. Darüber hinaus lassen sich zur Tages- und Nachtzeit gesonderte Vibrationsarten festlegen. Mit dem Notruf-Modus können wiederholte Anrufe zugelassen werden und die automatische SMS-Antwortfunktion kann beispielsweise Anrufer benachrichtigen, nochmals anzurufen, wenn es einmal etwas Dringendes ist.

Do Not Disturb: Android-App für mehr Ruhe
Bildquelle: Cabooze Software

Die App benötigt nur wenige Zugriffsberechtigungen, nämlich auf Kontakte, den Kalender und SMS. Während die Basis-Version der App gratis ist, kostet die Premium-Version bei Google Play derzeit 1,95 Euro. Bei der kostenlosen App haben Nutzer zwei Wochen lang zunächst den vollen Funktionsumfang zu Verfügung, danach laufen die Extra-Funktionen (Positivliste, automatische SMS-Antworten, Kalender-Auswahl und "Früher abbrechen") aus.

Nights Keeper

Auch Nights Keeper
Bildquelle: NICK APPS

"Nights Keeper" bietet ebenfalls Zusatzfunktionen wie automatische SMS. Vibration und Klingeltöne können für Tages- und Nachtzeit gesondert festgelegt werden. Ausnahmeliste und Notruf-Funktion ermöglichen selektive Erreichbarkeit und mit Profilen lassen sich Ruhephasen terminieren. Die App bietet darüber hinaus einen Widget, mit dem sich der Ruhemodus schnell erreichen lässt.

iOS (Apps)

AutoSilent

AutoSilent orientiert sich hauptsächlich am Kalender und Standort. Mit der App lässt sich das Smartphone sowohl an bestimmten Orten als auch während der im Kalender gespeicherten Termine automatisch stumm stellen. 

AutoSilent erkennt automatisch, wo sich der Nutzer befindet, und versetzt das iPhone oder iPad selbständig in den Ruhemodus. Dasselbe gilt für Ereignisse, die die App dem Kalender entnimmt, sofern sie bestimmte Kriterien erfüllen (beispielsweise werden ganztägige Ereignisse nicht berücksichtigt). Damit kann man sich die Einrichtung der "Nicht-Stören"-Phasen sparen und sich lediglich auf den Kalender beschränken. Die App gibt es derzeit für 4,49 Euro in Apples App Store zu kaufen.

Fazit: Bitte nicht stören - Das Handy öfter mal lautlos stellen

Smartphones sind hungrig nach Aufmerksamkeit — das geht oft auf Kosten von Produktivität, aber auch wertvoller Zeit mit anderen. Möchte man seinem Mobilgerät in dieser Hinsicht Grenzen aufzeigen, gibt es dafür eine ganze Reihe von Möglichkeiten, von simpel bis kompliziert. Welche der Lösungen für einen geeignet ist, lässt sich anhand vom eigenen Lebensstil feststellen: Nutzer mit einem voraus geplanten Tagesablauf oder regelmäßig stattfindenden Meetings oder Arbeitsschichten können vom planmäßigen "Nicht Stören"-Modus durchaus profitieren. Ist dieser einmal eingerichtet, müssen sie sich keine Gedanken um Ein- und Ausschalten des Ruhemodus machen. 

Als simple Alternativen zum "Nicht Stören"-Modus ist neben der einfachen Stummschaltung der Lautstärke auch der Flugzeugmodus zu nennen. Dieser schaltet sämtliche Kommunikationsfunktionen des Geräts aus. Damit bleiben Nutzer allerdings auch in dringenden Fällen unerreichbar.



Bildquelle kleines Bild: Michael Stupp / inside-handy.de | Autor: Swetlana Soschnikow
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Themen dieser News: Tipps & Tricks, Android, Apps & Software, IOS, Mobilfunk-News

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