Terrestrischer Empfang Änderungen beim Antennenfernsehen: Weitere Städte erhalten DVB-T2 HD

vom 12.03.2018, 07:22
DVB-T2 HD kostet ab Mitte 2017 Euro Geld
Bildquelle: Media Broadcast / TechniSat

Knapp 41 Millionen TV-Haushalte gibt es laut des aktuellen Digitalisierungsberichts der Medienanstalten in Deutschland. Rund 3,8 Millionen davon empfangen ihr TV-Signal nicht über Kabel, Satellit oder IPTV, sondern per Antenne. Für all diese Haushalte ändert sich seit Ende März 2017 bei der TV-Nutzung einiges. Seitdem wird DVB-T nach rund zehn Jahren durch DVB-T2 ersetzt. inside-handy.de erklärt, was in diesem Zusammenhang zu beachten ist.

  • Mit diesen Änderungen müssen DVB-T-Haushalte seit Ende März 2017 rechnen.
  • Alle Informationen zu Programmen und Preisen für den Empfang von DVB-T2.
  • Diese Alternativen gibt es, wenn die Umstellung auf DVB-T2 nicht in Frage kommt.

Die vielleicht wichtigste Botschaft vorweg: Wer aktuell noch über DVB-T (Digital Video Broadcasting) fernsieht - anders als vielerorts behauptet ist das auch heute noch regional möglich -, muss mit der Umstellung auf DVB-T2 - dabei handelt es sich um die zweite Generation des Antennenfernsehens - seine TV-Hardware zum Teil umrüsten. Denn vor allem ältere DVB-T-Receiver sind nicht in der Lage, das von DVB-T2 verwendete TV-Signal auf Basis des für die Bildcodierung eingesetzten Kompressionsverfahrens H.265 zu verarbeiten. Für Käufer ebenfalls wichtig: Das in einigen anderen Ländern für DVB-T2 genutzte H.264-Verfahren wird in Deutschland nicht unterstützt. Insbesondere beim Kauf eines DVB-T2-Receivers im Internet sollte darauf auf jeden Fall geachtet werden. Wer einen Receiver nutzt, der mit dem hiesigen DVB-T2 nicht kompatibel ist, muss Geld für einen neuen Empfänger investieren. Dafür werden abhängig vom gewünschten Modell zwischen 35 und 170 Euro fällig.

Gleiches gilt für Fernseher, die mit einem integrierten DVB-T-Empfänger ausgestattet sind. Auch damit wird es künftig nicht mehr möglich sein, das gewohnte TV-Programm zu empfangen. Der Anschluss eines zusätzlichen DVB-T2-Receivers oder eines speziellen CI+-Moduls (Kostenpunkt: etwa 80 Euro) ist dann unausweichlich. Fernseher, die ab Werk mit einem DVB-T2-Modul ausgestattet sind, bedürfen keiner gesonderten Umrüstung.

DVB-T2 HD Logo
Bildquelle: Media Broadcast

Im Fachhandel sind für DVB-T2 Receiver an einem grünen Logo mit passender Aufschrift zu erkennen.

An Fernseher oder DVB-T2-Receiver muss zudem eine Antenne angeschlossen werden, die für den Empfang des DVB-T2-Signals notwendig ist. Je nach Signalstärke reicht dafür vor Ort zum Teil schon eine kleine Stabantenne im Zimmer aus. Alternativ lässt sich das Signal auch über eine Dachantenne oder eine spezielle Außenantenne empfangen.

DVB-T2: Was ist das eigentlich und was ändert sich?

Mit der Einführung von DVB-T2 haben sich im Kern zwei Dinge geändert. Zum einen ist es zukünftig über Antenne möglich, mehr Programme zu empfangen als bisher über DVB-T. Darüber hinaus verbessert sich die Bildqualität, da alle Programme in HD übertragen werden. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass es zukünftig nur noch die öffentlich-rechtlichen Programme von ARD und ZDF kostenlos zu sehen gibt.

Konkret heißt das: Über DVB-T2 sind seit dem 29. März 2017 rund 40 Programme überwiegend in Full-HD-Qualität (1.080p mit 50 Hertz Bildwiederholfrequenz) zu empfangen. Die eine Hälfte davon ist - größteteils abgedeckt über den Rundfunkbeitrag - frei nutzbar, die andere Hälfte nur noch verschlüsselt und gegen Bezahlung über die Plattform von freenet TV.

DVB-T2 Programme

Kostenlos (DVB-T2 HD)

  • Das Erste HD
  • ZDF HD
  • KiKa HD
  • arte HD
  • 3sat HD
  • Phoenix HD
  • ZDF neo HD
  • ZDF info HD
  • One HD
  • Tagesschau 24 HD
  • ARD alpha HD (regional)
  • BR HD (regional)
  • HR HD (regional)
  • MDR HD (regional)
  • NDR HD (regional)
  • Radio Bremen TV HD (regional)
  • RBB HD (regional)
  • SR HD (regional)
  • SWR HD (regional)
  • WDR HD (regional)
  • Bibel TV HD
  • QVC HD
  • HSE24 HD

Wichtig: Die frei empfangbaren Programme können regional abweichen. Nicht in allen Regionen ist es also möglich, alle hier gelisteten Programme auch tatsächlich zu sehen. Um alle vor Ort verfügbaren TV-Programme über DVB-T2 HD sehen zu können, ist ein Sendersuchlauf am Receiver beziehungsweise Fernseher empfehlenswert.

Kostenpflichtig (DVB-T2 HD)

  • RTL HD
  • Sat.1 HD
  • Pro Sieben HD
  • Vox HD
  • RTL II HD
  • Nitro HD
  • Kabel Eins HD
  • Super RTL HD
  • n-tv HD
  • Welt HD (ehemals N24)
  • DMAX HD
  • Sixx HD
  • Sat.1 Gold HD
  • ProSieben Maxx HD
  • Disney Channel HD
  • Nickelodeon HD
  • Tele 5 HD
  • Eurosport 1 HD
  • Sport1 HD

Nach und nach ist es seitens freenet TV und dem Plattform-Betreiber Media Broadcast geplant, das DVB-T2-Programm-Angebot an privaten Sendern über das OTT-Angebot freenet TV connect (siehe unten) zu erweitern. Denn eine Erweiterung über DVB-T2 selbst ist nicht mehr möglich. Es steht aktuell nur noch ein freier Programmplatz zur Verfügung, für den noch ein passender Sender gesucht wird.

Es ist denkbar, dass sich die Jahresgebühr für freenet TV entsprechend verteuert, wenn das OTT-Angebot weiter konsequent ausgebaut wird. Ähnliches konnte auch schon bei der HD-Satelliten-Plattform von Astra, HD+, beobachtet werden. Dort sind inzwischen neben den öffentlich-rechtlichen Programmen von ARD, ZDF und Dritten auch 23 private HD-Sender zu sehen - für 69 Euro pro Jahr oder 5,75 Euro pro Monat.

DVB-T2 bezahlen - so geht's

Wer zum Beispiel RTL HD, ProSieben HD, Sat.1 HD oder Eurosport 1 HD über DVB-T2 HD nach einer kostenlosen dreimonatigen Testphase weiter sehen möchte, muss dafür je Empfangsgerät (!) 69 Euro pro Jahr beziehungsweise umgrechnet monatlich 5,75 Euro auf den Tisch legen. Bezahlen lässt sich die Freischaltung für die privaten über DVB-T2 HD zu empfangenden Sender über Guthaben-Karten, die entweder online oder im Fachhandel erhältlich sind. Darüber hinaus steht ein Monatsabo zur Verfügung, das die Einwilligung voraussetzt, dass die monatliche Grundgebühr in Höhe von 5,75 Euro per Lastschrit von freenet TV von einem Girokonto eingezogen wird. Die Mindestvertragslaufzeit liegt bei nur einem Monat, was insbesondere für Ferienhaus-Besitzer oder Menschen, die einfach nur flexibel sein wollen, ideal ist. Zum 31. Dezember 2017 registrierte freenet TV bereits 950.000 Kunden. 

DVB-T2 HD in SD wird es nicht geben

Die parallele Verbreitung von Programm-Inhalten in SD-Qualität gibt es über DVB-T2 nicht mehr. Die entsprechenden Frequenzen werden zukünftig genutzt, um in Deutschland den Breitband-Ausbau voranzutreiben. Der Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 HD erfolgt in mehreren Schritten und soll bis Mitte 2019 vollständig abgeschlossen sein. Weitere Regionen, die bisher noch nicht mit DVB-T2 HD erschlossen wurden, sollen zum 25. April entsprechend freigeschaltet werden. In einer separaten Ausbauphase wird dafür gesorgt, dass zumindest der öffentlich-rechtliche Rundfunk bis Mitte 2019 in allen wichtigen Regionen in Deutschland über DVB-T2 nutzbar ist. Private Sender behalten sich mit Blick auf die Kosten vor, ihre Programme ausschließlich in Regionen mit entsprechender Reichweite zu verbreiten.

Mit der Einführung von DVB-T2 HD ist es über das Antennen-Fernsehen auch möglich, HbbTV zu nutzen. Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung des klassischen Teletextes, der unter Zuhilfenahme des Internets den Abruf von zusätzlichen Inhalten direkt auf dem TV-Bildschirm ermöglicht. Eine ausreichend schnell Internetleitung ist für die Nutzung Voraussetzung. Auch einzelne Mediatheken und Apps sind über DVB-T2 HD bei einer Verbindungen mit dem Internet nutzbar. Möglich macht es das kostenlose Zusatzangebot freenet TV connect.

In diesen Regionen kann DVB-T2 HD empfangen werden

Seit DVB-T2 eingeführt wurde, erweitert sich das deutschlandweite terrestrische Netz kontinuierlich. So kommen immer mehr Ortschaften und Ballungsräume in den Genuss der rund 40 TV-Sender. In einer Pressemeldung vom 29 August bestätigt die Initiative DVB-T2 HD, dass in Dresden, Kassel, Koblenz und Freiburg seit dem 8. November 2017 22 zusätzliche private Fernsehprogramme über Antenne empfangen werden können – die kostenfreie Ausstrahlung über DVB-T wird hingegen eingestellt. Selbes gilt auch für die Senderstandorte Cuxhaven, Göttingen, Heringsdorf, Hoher Meissner, Löbau, Pfaffenberg, Rhön, Stralsund, Wolfsburg und Würzburg. Auch hier endete im November verangenen Jahres der DVB-T-Empfang und wurde durch DVB-T2 ersetzt. Die Anzahl der öffentlich-rechtlichen TV-Sender soll dabei auf bis zu 17 ansteigen.

freenet TV über Satellit empfangen

Ab Ende März 2018 haben übrigens auch alle Satelliten-Nutzer Zugang zu freenet TV. Die Inhalte, die über DVB-T2 HD verbreitet werden, sind auf diese Weise auch für Satelliten-Kunden zu empfangen - als Konkurrenz zu HD+, der Satellitenplattform von Astra. Kostenpunkt: 5,75 Euro pro Monat. Für das neue Angebot steht zum Start neben dem neuen freenet TV Receiver DIGIT S4 von TechniSat auch das schon seit über einem Jahr im Handel befindliche freenet TV Modul zur Verfügung, mit dem bereits HD-fähige Fernseher aufgerüstet werden können. Der neue Receiver wird zum Marktstart im Handel und über konzerneigene Vertriebskanäle der freenet Group erhältlich sein.

DVB-T2-HD-Ausbau: In diesen Städten startet DVB-T2 HD als nächstes

In der nächsten Ausbaustufe, die zum 25. April erwartet wird, werden diverse weitere Großstädte (und die Regionen um diese Städte herum) an das DVB-T2-HD-Netz angeschlossen: 

  • Augsburg
  • Bielefeld
  • Erfurt
  • Münster
  • Osnabrück
  • Weimar

Die Inbetriebnahme der Standorte ist in der Nacht vom 24. auf den 25. April geplant. Besonderheit: Privatsender waren in diesen Regionen bisher über DVB-T nicht zu empfangen. Das wird sich über DVB-T2 HD ändern - wenn auch nicht kostenlos. 

Ob der Empfang bereits in einer bestimmten Ortschaft verfügbar ist, lässt sich bequem mittels der Postleitzahl über den DVB-T2 HD Empfangscheck prüfen. Darüber hinaus werden hier Angaben zu der in dem jeweiligen Wohnort benötigten Antenne und den vorhandenen öffentlich-rechtlichen sowie privaten Sendern dargeboten.

Die derzeitige Umstellung ist lediglich Teil eines laufenden Prozesses und endet nicht im November. So soll der Umstieg auf DVB-T2 HD in den kommenden Jahren immer mehr Regionen betreffen.

DVB-T2-Verbreitung am 29. März und 08. November 2017
Bildquelle: DVB-T2 HD

DVB-T2 Stick: Sender mobil empfangen

Abgesehen von einem DVB-T2-Stick und einem DVB-T2-Receiver, kann das freenet-TV-Angebot auch über einen ganz speziellen freenet TV USB-Stick empfangen werden. Der DVB-T2 Stick kostet knapp 60 Euro und ist mit Windows-Rechnern mit einem Windows-7-Betriebssystem oder höher kompatibel. Bei MACs kann der DVB-T2 Stick ab der OS-X-Version 10.9 eingesetzt werden.

Weiterhin benötigt der PC laut freenet TV folgende Mindestvoraussetzungen, um DVB-T2-HD-Sender auf dem Computer sehen zu können:

  • Intel Core i3 Prozessor mit 2,4 GHz oder höher
  • Mind. 6 GB RAM Arbeitsspeicher
  • Mind. 160 MB freier Festplattenspeicher
  • Internetverbindung für Erstinstallation und Updates

Besonders wichtig ist dabei der letzte Punkt, denn das Fernsehprogramm wird ausschließlich per Antennensignal empfangen, sodass keine permanente Internetverbindung erforderlich ist. Der DVB-T2 Stick bildet dabei eine Schnittstelle zwischen dem Endgerät und einer Antenne; diese ist im Lieferumfang enthalten. Die Kosten für das freenet-TV-Angebot sind jeweils dieselben – obgleich der Kunde einen DVB-T2 Stick oder einen DVB-T2 Receiver nutzt. Beim Erwerb des DVB-T2 Sticks ist allerdings ein Gratismonat im Kaufpreis enthalten.

Freenet TV USB-Stick
Bildquelle: Freenet

Alternativen zum Empfang von DVB-T2 HD

Wer sein TV-Programm nicht (mehr) über DVB-T2 HD sehen möchte, kann bundesweit auf einen Zugang über Satellit umsteigen. In vielen modernen Flachbild-Fernsehern ist ein entsprechendes Empfangs-Modul bereits integriert. Eine Satelliten-Schüssel auf dem Hausdach und die damit verbundene Verkabelung ersetzt das DVB-S-Modul im TV aber nicht. Bei einem Empfang über Satellit ist der größte Vorteil, dass ein Mix aus SD- und HD-Programmen kostenlos nutzbar ist. Auch die privaten Sender sind ohne Extrakosten in SD-Qualität über Satellit zu empfangen.

Örtlich ist es zudem möglich, auf einen Kabel-Anbieter oder bei einer ausreichend starken Internetverbindung auf ein IPTV-Produkt, zum Beispiel von der Deutschen Telekom oder Vodafone, zu wechseln. Hier ist aber zum Teil mit hohen monatlichen Extra-Kosten für den entsprechenden Anschluss zu rechnen. Eine Alternative können klassische Web-TV-Dienste wie Zattoo oder Magine sein, bei denen ein Basisangebot an TV-Programmen kostenlos nutzbar ist und sich individuell nach den eigenen Bedürfnissen erweitern lässt. Auch waipu.tv ist mit kostenpflichtigen Web-TV-Angeboten am Start und bietet mehr als 70 Sender als Internetstream an.

Bildquelle kleines Bild: Media Broadcast | Autor: Hayo Lücke
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Themen dieser News: Antenne & DVB-T, TV-Sender & Video on Demand, Unternehmen und Märkte

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