Heikles Thema Handysucht: Tipps und Tricks, wenn das Handy zu wichtig wird

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Die zunehmende Handynutzung im Alltag wird zu einem Problem für die Gesundheit
Bildquelle: Vodafone
Der Griff zum Smartphone, etwa alle 20 Minuten. Erwarten Handynutzer so oft wichtige Nachrichten oder ist es bloß Gewohnheit? Ständig gibt es Neues zu entdecken: E-Mails, WhatsApp und Spiele – die Verlockung ist groß. Doch auch die Handynutzung kann ausufern. Wann beginnt eine Handysucht? Und wann müssen sich Eltern sorgen? Immerhin sind Kinder und Jugendliche besonders betroffen. Handysucht, ein ernstes Thema – inside handy klärt auf.

Herzrasen, Panik, Nervosität!? Wenn das Handy zu Hause vergessen wurde, fühlt sich das für viele Deutsche ziemlich unangenehm an. Erst, wenn man bewusst für eine Zeit auf das Internet verzichtet, merkt man, wie stark das Gerät von einem Besitz ergriffen hat. Bin ich jetzt schon abhängig und muss über eine Therapie nachdenken?

Nicht jeder ist gleich Handysüchtig, nur weil die Person häufig auf sein Smartphone schaut. An bestimmten Risikofaktoren und Symptomen lässt sich schon eher eine Abhängigkeit bestimmen. Gefährlich wird es in der Tat, wenn sich alles ums Handy dreht und das Hobby oder soziale Kontakte beeinträchtigt werden. Auch wenn der Verzicht auf das Smartphone mit dem Internetzugang und den vielen Apps schon für kurze Zeitspannen schwer fällt und der Entzug oder die Wegnahme des Smartphones zu Stress, Wut, Ärger und Frustration führt, könnte ein erhöhtes Suchtpotenzial bestehen. Sorgen machen sollte man sich auch dann, wenn sogar Kollegen, Eltern oder Freunden das Verhalten auffällt. Ein Test mit dem Titel „Bin ich handysüchtig?“ im unteren Teil dieses Artikels gibt Aufschluss darüber, wie gefährdet man tatsächlich ist.

Die Wissenschaftler haben mit „Nomophobie“ auch schon einen Begriff für dieses Phänomen gefunden: Nomophobie leitet sich aus „No Mobile Phone Phobia“ ab, und bedeutet so viel wie „Kein-Handy-Angst“.

Das Leben eines durchschnittlichen Handynutzers

Zwar besaßen 2012 bereits etwa 90 Prozent der Privathaushalte in Deutschland mindestens ein herkömmliches Handy oder Smartphone, doch nutzten dieses bei weitem nicht alle, wie das Statistik-Portal Statista herausfand. Im Februar 2015 verwendeten rund 45,6 Millionen Personen in Deutschland ein Smartphone mindestens einmal täglich. Die durchschnittliche Nutzungsdauer ist dabei abhängig von der Altersgruppe. In der Vergangenheit wurden einige Studien aufgestellt, die belegten, dass gesamtheitlich betrachtet das TV-Gerät als bevorzugtes Medium zwar weiterhin die Spitze einnimmt, doch das Smartphone mit einem jährlich immer geringer werdenden Abstand folgt. Grund hierfür ist die starke Präferenz der jungen Generation für das Smartphone. Der überwiegende Teil kann sich ein Leben ohne Smartphone und Internet längst nicht mehr vorstellen.

Wie sieht ein Leben eines durchschnittlichen Handynutzers aus? Forscher haben mithilfe der App „Menthal“ das Verhalten hunderttausender Nutzer ausgewertet. Sie sind zu folgenden Erkenntnissen gekommen: Ein durchschnittlicher Smartphone-Besitzer schaut mindestens einmal stündlich, durchschnittlich alle 20 Minuten auf sein Handy. Täglich können so schon mal 88 Handy-Blicke am Tag zustande kommen, in denen das Display gecheckt wird. In 53 Fällen wird nicht nur geguckt, sondern das Smartphone auch entsperrt, so die „Menthal“-Macher. Meistens werden WhatsApp, Facebook und andere Messenger geöffnet. Über die digitale Kommunikation mit Freunden und Kollegen wird die Aufmerksamkeit erhalten, nach der alle streben. Drei Stunden am Tag liegt das Gerät in der Hand. Neben den Chats wird die Zeit mit Spielen, YouTube, Nachrichten und Blogs – aber immer im digitalen Bereich – vertrieben.

Wie jüngst die ARD/ZDF-Onlinestudie bekanntgab, ist erstmals das Smartphone mit 66 Prozent das meistgenutzte Gerät für den Internetzugang, noch vor dem Laptop mit 57 Prozent. Und auch eine aktuelle Statistik des unabhängigen Unternehmens StatCounter vom Oktober 2016 zeigt auf, dass mobile Endgeräte aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Erstmalig überboten Mobilgeräte (51,3 Prozent) die weltweite Internetnutzung gegenüber der Desktopnutzung.

Häufigstes Gerät zur Internet-Nutzung
Bildquelle: ARD/ZDF-Onlinestudie

Was löst die Anziehung aus?

Bei jedem Sound und jeder Vibration des Smartphones möchte man direkt schauen, welche Neuigkeit es gibt, welche App sich diesmal meldet. Es könnte ja wichtig sein. Warum ist es nur so verlockend, ständig nach neuen Benachrichtigungen zu sehen? Das Phänomen ist vergleichbar mit einem Aufenthalt in Las Vegas. Überall leuchtet und blinkt es. Leuchtreklamen, Lichter und Werbetafeln versprechen das große Geld, unvergessliche Erlebnisse und eine gute Zeit. Die Signalfarbe Rot zieht die Aufmerksamkeit der Menschen sofort auf sich.

Nicht zufällig erscheinen über den jeweiligen Apps und Ordnern auf dem Hauptbildschirm kleine rote Zahlen als Zeichen neuer Benachrichtigungen. Die aufpoppenden Fenster suggerieren: „Jemand denkt an dich“ oder „Du bist beliebt“. Genauso bunt, wie es in Las Vegas zugeht, spielt es sich auch im Handy-Menü ab. Ein Wunder, dass das Gehirn dieser ständigen Reizüberflutung der starken visuellen und akustischen Eindrücke trotzt. Inzwischen ist wissenschaftlich bewiesen, dass der Körper bei jedem Knopfdruck oder Wisch zum Aktivieren des Displays, die Glückshormone Dopamin und Endorphine ausschüttet. Die schnelle Erreichbarkeit und positive Rückmeldung beispielsweise in den sozialen Netzwerken sorgen dafür, dass immer wieder zum Handy gegriffen wird. Der Körper erhält maximale Belohnung mit minimalem Aufwand. Ohne uns dessen bewusst zu sein, erwarten wir ein gutes Gefühl, wenn wir das Smartphone in die Hand nehmen. Ein Teufelskreis, der zur Handysucht führen kann.

Ab wann gilt man als handysüchtig?

Wann ist die Nutzung des Handys nicht mehr normal? Wann wird das Smartphone zur Sucht?

Obwohl Mobiltelefone als digitale Unterstützung und Erleichterung für den Alltag konzipiert wurden, beginnen diese einige ihrer Nutzer sukzessive so stark in den Bann zu ziehen, dass sich diese kaum im Stande fühlen, ohne sie zu leben – es entwickelt sich eine Handysucht. Allgemein liegt eine Sucht immer dann vor, wenn sich das Leben des Suchtkranken um das Suchtmittel allein dreht.

Als Richtwert für eine Handysucht kann man eine Handy- oder Smartphone-Nutzung von mehr als 60-mal am Tag sehen. Wie die Marktforschungs-Experten von Flurry herausgefunden haben, sorgen bei etwa weltweit 176 Millionen Menschen ein Klingelton oder eine Vibration, welche eine neue Nachricht oder einen Anruf ankündigt, regelmäßig für eine erhöhte Adrenalinausschüttung. Zudem geraten von Handysucht betroffene Personen schnell unter Stress, empfinden Wut, Ärger oder sogar Frustration, wenn sie schon eine kurze Zeit ohne das Smartphone auskommen müssen. Die Zeit, die man dabei automatisch mit dem Handy verbringt, kann leicht geschätzt werden. Die Antwort: Wahrscheinlich zuviel Zeit.

Von der Sucht betroffen sind überwiegend Teenager, Studenten sowie Personen mittleren Alters. Die Symptome der Handysucht ähneln denen der Alkohol- und Drogensucht. Die Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen sind ähnlich verheerend und keinesfalls zu unterschätzen.

Nonstop am Smartphone – den Ursachen auf der Spur

Nicht das Handy selbst oder das damit verbundene Telefonieren ist problematisch und gefährlich, es ist vielmehr der Wunsch, für andere Menschen erreichbar zu sein und die gefühlte Notwendigkeit zu wissen, was aktuell passiert. Das Smartphone als soziale Schnittstelle, die Beachtung und Aufmerksamkeit schenkt, zeigt sich als große Verlockung. Das Internet und insbesondere die sozialen Netzwerke bieten Raum für eine perfekt inszenierte Selbstdarstellung. Die schnelle Erreichbarkeit und die positiven Rückmeldungen setzen Glückshormone, Endorphine, frei. Unangenehme Situationen können leicht umgangen und Konflikten aus dem Weg gegangen werden. Das sind Gründe, warum sich Smartphones derart etablieren konnten.

Symptome und Folgen der Handysucht

Ist das Smartphone zu einem „engen Freund und Begleiter“ geworden? Muss es immer griffbereit in der Nähe liegen? Ganz gleich ob beim Essen, Arbeiten, Einkaufen, Fernsehen oder Schlafen, das Handy liegt immer an der Seite? Der letzte Blick am Abend gehört dem Gerät und der erste am nächsten Morgen auch?

Die Handysucht, welche oftmals mit einer Internetsucht einhergeht, ist noch recht neu. Deshalb ist sie auch noch nicht als offiziell als Erkrankung anerkannt. Dennoch weiß man, dass der Umgang mit dem Mobiltelefon/Internet suchtähnliche Symptome hervorrufen kann. So haben Abhängige ein überzogenes Kommunikations- und Informationsbedürfnis und fühlen sich ohne Smartphone mit Internetzugang aufgeregt und geradezu hilflos. Im Hirn des Nutzers spielen sich dann ähnliche Dinge ab wie bei Glücksspielern, die Symptome einer Handysucht ähneln denen einer Alkohol- und Nikotinsucht, darunter starkes Verlangen, innerer Zwang, Kontrollverlust und Entzugserscheinungen.

Die Abhängigkeit ergreift schleichend Besitz. Oft ahnen Handysüchtige nicht, dass der regelmäßige Internetkonsum längst zum Zwang geworden ist. Wie stark man vom Smartphone eingenommen wurde, merkt man häufig erst, wenn man bewusst auf die Nutzung verzichtet. Schon kurze Zeitspannen ohne Handy, wie zum Beispiel ein längeres Meeting oder eine plötzliche Funkstille auf einer Bahnfahrt, können so zu regelrechten Entzugserscheinungen wie starker Nervosität, Wut oder Frustration führen. Wenn dadurch Ängste oder gar Depressionen hervorgerufen werden, ist eine Abhängigkeit vom Handy wahrscheinlich. Wenn sich alles ums Mobiltelefon dreht und man auch angenehme Tätigkeiten, wie ein Hobby oder eine Unterhaltung mit Freunden und Familie unterbricht, um aufs Display zu gucken, hat man wahrscheinlich ein Suchtproblem.

Es ist nicht unüblich, dass Kinder und besonders Jugendliche schlecht reagieren, wenn sie von den Eltern auf ihre Smartphone-Nutzung angesprochen werden. Nicht immer steckt direkt eine Internet- oder Handysucht dahinter, sondern schlichtweg die Pubertät. Doch wenn sich das Kind dem Handy gar nicht mehr entziehen kann, sich strikt weigert, das Smartphone (sogar während der Mahlzeiten) aus der Hand zu legen und bei Entzug mit schrecklichem Schreien, Kreischen oder Brüllen (je nach Alter) reagiert, der sollte sein Kind doch einige Zeit etwas länger unter Beobachtung stellen.

Wenn das Smartphone bis spät in die Nacht dafür verwendet wird, mit Freunden per WhatsApp zu kommunizieren oder auf YouTube Videos anzusehen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die schulischen Leistungen nachlassen. Als Eltern fühlt man sich hier oft machtlos.

Handysucht – Diese Anzeichen sollten auf jeden Fall ernst genommen werden:

  • Es treten Angstgefühle bis hin zur depressiven Verstimmung oder Wut auf, wenn das Smartphone nicht aufzufinden oder der Akku leer ist.
  • Wurde das Handy zu Hause vergessen, sind Schweißausbrüche die Folge.
  • Der Betroffene fühlt sich aufgrund seines übertriebenen Handykonsums unwohl und hat ein schlechtes Gewissen.
  • Kinder und Erwachsene leiden unter Konzentrations- und Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Lern- und Leistungsstörungen sowie Müdigkeit. Hinzu kommen körperliche Beschwerden aufgrund ungesunder Körperhaltung und fehlender Bewegung.
  • Der Betroffene kann sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen.
  • Muss das Handy, etwa in der Schule oder im Flugzeug, abgestellt werden, ist starke Nervosität die Folge.
  • Auf schlechten Netzempfang folgt innere Unruhe.
  • Bei Kindern kommt es zu Problemen in der Schule.
  • Auch während des Essens oder in Gesprächen schaut der Betroffene ständig auf das Display des Handys, um ja keinen Anruf oder Nachricht zu entgehen.
  • Obwohl Betroffene ständig kommunizieren, führt ein übermäßiger Konsum zur Vernachlässigung von wichtigen täglichen Aufgaben oder des direkten sozialen Umfelds führen. Die Betroffenen ziehen sich immer mehr aus dem sozialen Leben zurück, sie vereinsamen und vernachlässigen Familie, Hobby und Beruf.

Handysucht bei Kindern: Was tun – was hilft

Das Fazit der BLIKK Studie aus dem Jahr 2017 (Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz, Kommunikation) zeigt, dass übermäßiger Medienkonsum die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefährdet. Als Folgen werden Fütter- und Einschlafstörungen bei Babys, Sprachentwicklungsstörungen und motorische Hyperaktivität bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr sowie Konzentrationsstörungen im Grundschulalter genannt. Dabei begrenzen sich die Mediennutzung nicht nur auf einen Computer oder Notebook, sondern auch das Smartphone scheint eine immer stärkere Rolle (auch) im Erziehungsalttag zu spielen. So nutzen laut Studie rund 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter das Handy täglich mehr als eine halbe Stunde lang. Der Grundstein für eine spätere Handysucht könnte demnach also schon im Kleinkinder-Alter gelegt werden.

Die Gefahr für Kinder und Jugendliche einer Handysucht zu verfallen, kann jedoch bereits früh gebannt werden. Mit einem Bewusstsein und den drohenden Risiken der digitalen Welt können Eltern und Schulen Kindern zu Maß und Verantwortung im Umgang mit dem Smartphone erziehen.

Sein Kind zur kompletten digitalen Abstinenz zu bringen, ist oft nicht zielführend; gerade wenn die gesamte Klasse über WhatsApp kommuniziert, drängt man seinen Nachwuchs ohne Smartphone oder mit Messenger-Verbot schnell ins Abseits. Besser ist es, tägliche Limits und Pausen festzulegen. Statt das Chatten und Surfen umfassend zu verbieten, sollten Eltern ihrem Nachwuchs auch Alternativen aufzeigen und anbieten, etwa in Form von Ausflügen und Aktivitäten.

Wenn die Anziehungskraft der Smartphone-Welt für Kinder und Jugendlichen zu unwiderstehlich ist und die Gedanken fast ausschließlich um das Gerät kreisen, sollten Eltern zunächst ihren Kindern ein gezieltes „Handyfasten“ nahebringen. In schweren Fällen sollte der Weg zum Therapeuten nicht gescheut werden. Etwa acht Prozent der Jugendlichen gelten als „suchtgefährdet“, darunter gilt aber nur eine Minderheit als therapiebedürftig. Allein die Dauer des mobilen Internetkonsums besagt übrigens nicht allzu viel über eine Abhängigkeit.

Handysucht – auch Erwachsene sind betroffen

Nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, auch bei Erwachsenen muss es erst gar nicht zu einer Handysucht oder einer Internetsucht kommen und auf eine Therapie zurückgegriffen werden. Oft hilft ein bewusster Umgang mit dem Smartphone. So nützlich ein Smartphone auch sein mag, ist es doch wesentlich gesünder, es nicht so oft zur Hand zu nehmen. Für einen selbst und für die Beziehungen.

Fast jeder kennt das Gefühl am Abend, den Tag über nichts geschafft zu haben. Das Gefühl entsteht, wenn einzelne Arbeitsprozesse unterbrochen und man aus den Aufgaben herausgerissen wurde. Der Tag wird in kleine Stücke zerrissen, die ständige Einarbeitung kostet Zeit. Das macht unzufrieden und stresst. Nicht immer sind es Kollegen oder Anrufe, die einen ablenken. Ein großer Teil dieses Stresses ist hausgemacht, etwa wenn regelmäßig auf das Handydisplay geschaut wird, um neue Informationen abzurufen. Es hilft schon, wenn man sich selbst die Frage stellt, ob das Entsperren des Displays jetzt wirklich notwendig ist. Viele fühlen sich befreit und kommen zur Ruhe, wenn sie dem Verlangen am Ende widerstanden haben.

Bin ich betroffen? Bei einer Alkohol- oder Zigarettensucht ist das klar. Die Menge ist an leeren Flaschen oder Packungen abzulesen. Doch wie verhält es sich bei einer potentiellen Handysucht, die online und digital stattfindet? Die meisten wissen gar nicht so genau, wie oft und wie lange sie ihr Handy nutzen. Nach einer kurzen Suche im Internet oder im App Store werden App-Vorschläge ausgespuckt, die Aufschluss über das Nutzerverhalten geben. Die Apps helfen auch dabei, die Nutzung zu beschränken.

Keine Scheu vor der Therapie

Neben der Möglichkeit der Selbst-Therapie, bietet die Psychologie mittlerweile zahlreiche Behandlungen auch gegen die Nomophobie. Fachlich wird dabei zwischen bestimmten Typen unterschieden. Je nachdem, welchem Typ man angehört, entwickelt sich die Handysucht. Wie bei allen Suchterkrankungen, gilt auch bei der Handysucht: Keine Scheu vor der Therapie. Das Eingeständnis ist meist die größte Hürde.

Bin ich betroffen und merke es nicht? Der Handysucht Selbsttest

Ständig erreichbar, ob privat oder beruflich – Muss das sein oder mache ich mir das Leben unnötig selbst schwer? Ist mein Umgang mit dem Smartphone noch normal oder übertreibe ich es? Machen Sie den Handysucht-Test bei inside handy und notieren Sie sich die Anzahl der jeweiligen Antwortmöglichkeiten Ja oder Nein.

Psychotest: Bin ich handysüchtig?

Wenn Sie mehr als fünf Fragen mit Ja beantwortet haben, nimmt das Smartphone einen sehr großen Stellenwert in Ihrem Leben ein. Wenn Sie immer wieder zugreifen und sich dabei auch schlecht fühlen, räumen Sie zunächst in Ihrer Realität auf. Hinterfragen Sie warum Sie aufs Handy schauen und welches Gefühl es Ihnen geben soll? Gibt es Ihnen das wirklich? Eventuell fehlt Ihnen das Gefühl im realen Leben? Probieren Sie Antworten auf diese Fragen zu finden und planen Sie kleine Handy-Auszeiten und untenstehende Hilfen in den Alltag ein. Sie werden sehen: Sie fühlen sich besser und ausgeglichener. Treffen Sie Freunde verstärkt im realen Leben. Das schüttet ebenso Glücksgefühle aus.

Auch wenn es ironisch klingt: Tatsächlich gibt es auch Apps, die dabei helfen sollen, die Handysucht zu bekämpfen. Aus gegebenem Anlass ist dabei Vorsicht geboten. So sollten Apps verwendet werden, die quasi als Kontroll-Instanz im Hintergrund fungieren. Nicht solche, die viel Bedienung erfordern. Denn genau das soll ja reduziert werden.

Kleine Hilfen im Alltag sich vom Handy zu lösen

Eine anbahnende Handysucht zu besiegen, kann für einige Betroffene sehr schwer fallen. Wäre es leicht, würde man wohl auch nicht alle 20 Minuten aufs Display schauen. Mit einigen Tipps kann es gelingen, das aufflammende Verlangen im Zaum zu halten.

  • Vibration und Klingeltöne reduzieren
    Aus den Ohren, aus dem Sinn! Jeder vom Handy ertönte Laut lenkt ab. Wie viele Benachrichtigungen oder auch Push-Meldungen sind wirklich wichtig? In der Regel die wenigsten! Meldet sich das Smartphone nur noch bei Textnachrichten und Anrufen, fällt die Anzahl der Störungen deutlich geringer aus.
  • Mit dem Graufilter das eigene Gehirn überlisten
    Die aufregenden, prächtigen Farben auf dem Smartphone werden verschwinden. Alles wird automatisch langweiliger. Und genau das ist das Ziel. Unter „Einstellungen“, „Allgemein“ und dann auf „Bedienungshilfen“ können Handynutzer ab dem iPhone-4er-Modell Graustufen aktivieren. Nutzer mit einem Android-Telefonen finden in der Regel unter „Einstellungen“ die Möglichkeit, den Monochrom-Modus einzustellen.
  • Apps deinstallieren
    Wie viele Apps liegen eigentlich funktionslos auf dem Handy herum und blockieren unnötig den Speicherplatz? Das Menüfeld übersichtlich und strukturiert zu halten, tut den Augen gut und beruhigt auf ganzer Linie.
  • Kein Handy im Schlafzimmer
    Wenigstens für die Zeit während der Nachtruhe, wird das Handy aus dem Schlafzimmer verbannt. Das soll den Schlaf erholsamer und intensiver machen.
  • Smartphone nicht als Wecker benutzen
    Direkt morgens ertönt der Weckruf des Handys. Einmal in der Hand ist die Versuchung groß, direkt die News zu checken. Der gute alte Wecker wird auch seine Funktion erfüllen. Hier darf man gerne altmodisch sein, dazu zählt auch das …
  • … Tragen einer Armbanduhr
    Wie hat man eigentlich die Uhrzeit bestimmt, als es noch keine Handys gab? Man erinnert sich vage. Wurde nach der Uhrzeit gefragt, verriet ein Blick auf das Armgelenk die Antwort. Trägt man wieder eine Armbanduhr, schaut man automatisch weniger auf das Smartphone.
  • Auszeiten definieren/Handyfreie Zeit
    Da man das Handy überall mit hinnehmen kann, gibt es keine natürlichen Pausen mehr. Sich bewusste Auszeiten vom Handy zu nehmen ist umso wichtiger und hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das kann beispielsweise vor dem Frühstück oder dem Mittagessen oder gar der gesamte Sonntag sein, den man nur der Familie oder den Freunden schenkt.
  • Wichtige Aufgaben offline erledigen
    Eine Arbeit, die der Konzentration bedarf, sollte vollständig darauf gerichtet und das Handy außer Sicht- und Hörweite sein. Diese Regel gilt natürlich auch für den Nachwuchs. Sind Hausaufgaben zu erledigen, sollte das Kind nicht zum Handy greifen. Das lenkt ab und zieht die eigentliche Aufgabe in eine künstliche Länge.
  • Kein Smartphone beim Essen
    Was im Restaurant als unhöflich gilt, kann man genauso gut auch zu Hause einführen. Bei den Mahlzeiten wird das Smartphone ausgeschaltet und zur Seite gelegt – am besten ganz weit weg.
  • Fitness Tracker und Health-Apps weglassen
    Auch wenn die Möglichkeiten verlockend erscheinen und Digital-Trainingspläne clever wirken. Sport bietet wahrscheinlich die einfachste Möglichkeit, sich vom Handy kurzzeitig zu lösen. Das sollte genutzt werden.
  • Wer die Probe aufs Exempel machen will und ganz mutig ist, versucht am besten, einen ganzen Tag ohne das Gerät auszukommen. einen Schritt weiter gedacht, kann den ganzen Tag auf digitale Welt und Online-Zeit verzichtet werden.

Helfen kleine Tipps im Alltag nicht mehr, sich vom Handy zu lösen, sollte ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Schlimmstenfalls droht mit einem „Informationsinfarkt“ die Gefahr, neue Eindrücke nicht mehr verarbeiten zu können. Die Ärzte bedienen sich einer Therapie, die sich bei der Behandlung anderer Suchterkrankungen bewährt hat, allen voran die kognitive Verhaltenstherapie. Darin wird den Patienten ihr exzessiver Umgang mit dem Smartphone und Internet bewusst gemacht und im Anschluss ein kontrolliertes Nutzungsverhalten mit selbst gesetzten Beschränkungen und Limits beigebracht.

Bei allen Ängsten und negativen Aspekten …

Mobile Endgeräte mit einem Internetanschluss sind heutzutage allgegenwärtig, nur selten trifft man Menschen ohne ein annähernd aktuelles Modell eines Smartphones. Auch wenn in diesem Artikel die Gefahren einer Handynutzung in den Vordergrund gestellt wurden, so sei an dieser Stelle gesagt, dass die Verbreitung von Handys und Messenger-Diensten, insbesondere zwischen Eltern und Kindern, die innerfamiliäre Kommunikation stark verbessert. Die unbestrittenen Vorteile liegen in der besseren Erreichbarkeit, dem erhöhten Sicherheitsgefühl, Notruffunktion und den vielfältigen Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung, die moderne Handys heute bieten. Es ist dabei jedoch nicht zielführend, die Argumente gegeneinander aufzuwiegen.

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