Nuki Smart Lock im TestSmartes Türschloss: Treppe rauf, Türe auf

vom 03.12.2016, 09:22
Nuki Smart Lock
Bildquelle: Julia Froolyks / inside-handy.de

Nahezu alle Haushaltsgegenstände lassen sich mittlerweile irgendwie mit dem Internet verbinden und steuern. Auch vor Haustüren macht die Digitalisierung keinen Halt mehr. Sogenannte Smart Locks schließen die Tür via Smartphone automatisch oder manuell auf und zu. Die Redaktion von inside-handy.de hat sich das Smart Lock von Nuki genauer angesehen und mit einem mulmigen Gefühl im Bauch einen Computer die Haustür steuern lassen.

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In diesem Testbericht präsentiert die Redaktion alles Wissenswerte rund um das smarte Türschloss Nuki. Zudem stellt der Artikel die optionalen Addons des Herstellers vor und gibt folgende Informationen:

  • Wie sicher das Smart Lock von Nuki ist und welche Verschlüsselung verwendet wird
  • Wie das Schloss aus der Ferne gesteuert werden kann
  • Wie die App bedient wird
  • Was bei Verlust des Smartphones passiert
  • Wie das Schloss ganz ohne Smartphone trotzdem smart bleibt

Das Nuki Smart Lock kommt in einer großen, schwarzen Verpackung. In ihr befinden sich das smarte Schloss, zwei Metallplatten für die Montage, ein Inbusschlüssel, vier AA-Batterien, und eine Schnell-Anleitung. Das Smart Lock ist mit seinen 460 Gramm recht schwer, die puren Maße werden mit 110 x 60 x 60 Millimeter angegeben. Auf den ersten Blick sieht die Montage des smarten Schlosses kompliziert aus. Dieser Eindruck hat sich jedoch innerhalb von fünf Minuten geändert, da das Smart Lock dann bereits an der Tür verbaut war. Bevor das Nuki Smart Lock montiert wird, sollte unbedingt sichergestellt werden, dass das Türschloss einen Europrofil-Doppelzylinder mit Not- und Gefahrenfunktion besitzt. Im Test war dies nicht der Fall – das Smart Lock passt trotzdem, allerdings lässt sich die Türe von außen dann nicht mehr mit einem Schlüssel öffnen, da durch das Nuki Lock permanent ein Schlüssel in der Türe steckt.

Nuki Smart Lock
Bildquelle: Julia Froolyks / inside-handy.de

Blitzschnelle Montage bei richtigem Zylinder

Bei der Montage des Smart Locks gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder das Schloss wird mit der Montageplatte auf die Türe geklebt, oder mit der Schraub-Platte verschraubt. Schaut der Zylinder mindestens drei Zentimeter aus der Türe heraus, soll die Schraubvariante angewendet werden. Befindet sich der Zylinder weiter in der Tür, muss geklebt werden. Der Kleber soll rückstandslos entfernt werden können, ohne die Türe dabei zu beschädigen. Im Test hätte die Redaktion das Schloss eigentlich mit der Schraubvariante anbringen müssen. Problematisch war jedoch, dass die vorgegeben Schraublöcher nicht zu den vorhandenen Löchern am Türschloss passten. Die Klebe-Variante musste also her. Ist die Metallplatte an der Tür fixiert, muss von innen ein Schlüssel ins Schloss gesteckt werden, und das Smart Lock wird auf die Platte gesetzt. Ein Klick-Geräusch bestätigt das korrekte Einrasten des Schlosses auf der Platte. Der letzte Schritt ist das Einlegen des Batteriefaches. Dieses wird von unterhalb in das Smart Lock geschoben, daraufhin leuchtet das Nuki Smart Lock.

Vorraussetzungen für das Nuki-Schloss

Nuki gibt auf seiner Website die folgenen Beschaffenheiten als kompatibel an:

  • Zylinder: Europrofil Doppelzylinder mit Not- und Gefahrenfunktion
  • Beschlag: Schildbeschlag oder Rosettenbeschlag
  • Knauf oder Drücker
  • Mehrfachverriegelung
  • Vertikaler Schlüsselkanal

Hier ist die Installation nicht möglich:

  • Schweizer Rundprofil-Zylinder
  • UK Oval Cylinder
  • Amerikanischer Dead Bolt
  • Knaufzylinder
  • Zusatzverriegelungen
  • Automatisch verriegelndes Schloss

Die Nuki-App installieren

Wenn das Smart Lock an der Tür angebracht ist, muss via Smartphone die Nuki-App aus dem Play Store bzw. App Store heruntergeladen werden. Sobald die Installation abgeschlossen ist, kann die Kopplung zwischen Nuki Smart Lock und Smartphone auch schon losgehen. Durch das Drücken des Buttons am Schloss für fünf Sekunden soll das Smart Lock in den Pairing-Modus versetzt werden. Ein durchgängig leuchtender LED-Ring signalisiert diesen Modus. Nur so können neue Smartphones mit dem Schloss kommunizieren. Die App sollte daraufhin, bei eingeschaltetem Bluetooth am Smartphone, das Nuki-Schloss finden. Sobald beides miteinander verbunden ist, können zahlreiche Konfigurationen abgeschlossen werden. Zudem meldet die App, wenn für das Nuki-Schloss ein Firmware-Update bereitsteht. Die Installation eines Updates hat im Praxistest etwa 7 Minuten gedauert.

Bevor das Schloss mit dem Smartphone bedient werden kann, will es sich kalibrieren und somit an die Gegebenheiten des Schlosses bzw. der Tür anpassen. So muss am Anfang die Angabe gemacht werden, ob die Tür außen einen Knauf oder einen Drücker besitzt. Diese Info ist relevant, da das Smart Lock Türen nicht nur auf- und zusperren kann, sondern bei einem Knauf auch die Falle ziehen kann, um die Tür zu öffnen. Nach etwa drei Minuten hat das smarte Schloss die Tür ausgiebig kennengelernt und weiß, ob sich das Schloss doppelt verschließen lässt, wie kräftig der (relativ laute) Motor arbeiten muss und wie weit die Falle gedreht werden muss. Dieser Vorgang läuft vollständig automatisch ab. Das Nuki Smart Lock ist einsatzbereit, sobald der LED-Ring nicht mehr leuchtet. Nun kann mit der App beliebig ausprobiert werden.

Nuki App: Screenshots

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    Haustür Status
    Screenshots der Nuki App für das smarte Schloss.
  • 2/7
    Konfiguration
    Screenshots der Nuki App für das smarte Schloss.

Türe steuern per Wischgesten

Per Wischgesten wird das Schloss auf- und zugesperrt. Die Standardeinstellung für die Wischgesten ist "intelligent". Das bedeutet, dass die Wischgesten nach links oder rechts immer den Zustand des Schlosses ausführen, in dem es sich nicht befindet. Ist die Tür also abgeschlossen, öffnet das Nuki Smart Lock, egal in welche Richtung gewischt wird, und umgekehrt. Die Wischgesten können in der App im Admin-Bereich beliebig konfiguriert werden. Da es doch recht mühselig ist, die Tür vor dem Verlassen des Hauses mit der App zu bedienen, gibt es mehrere Möglichkeiten, das Schloss auch ohne Handy zu steuern. Der Knopf in der Mitte des Smart Locks sperrt oder entsperrt bei einmaligem Druck die Tür. Wird der Knopf schnell zweimal hintereinander gedrückt, geht das Schloss in den sogenannten Lock 'n' Go-Modus. Die Tür wird aufgeschlossen und geöffnet und nach 20 Sekunden wieder zugesperrt. Ideal, um das Haus morgens schnell zu verlassen. Das hat im Praxistest sehr gut funktioniert.

Smart auch ohne Smartphone

Die einzige mechanische Möglichkeit, das Schloss von innen zu bedienen, ist das Drehen am beweglichen Knauf des Smart Locks, was schnell und einfach funktioniert. Eine weitere Methode, das Schoss ohne Smartphone zu bedienen, wird vom Hersteller für knapp 40 Euro nachgeliefert: der Nuki Fob ist ein Transponder, mit dem das Smart Lock ebenfalls angesteuert werden kann. Der Transponder kann neben dem Smartphone verwendet werden. Das ist beispielsweise sehr praktisch für Kinder, die kein Smartphone besitzen oder wenn das Smartphone auch mal zu Hause bleiben soll. Nach wie vor kann das Türschloss trotz Nuki-Schloss auch weiterhin mit dem gewöhnlichen Schlüssel auf- und zugesperrt werden.

Gäste einladen und Benutzer hinzufügen

Über die Nuki-App können sogenannte Zutrittsberechtigungen für das Türschloss generiert und als Code verschickt werden. Die Codes sind immer für 24 Stunden gültig. Das bedeutet, dass der eingeladene Freund oder das Familienmitglied nach Erhalt des Codes für 24 Stunden mit dem eigenen Smartphone das Smart Lock öffnen kann. Zudem können vor Ort beliebig viele Smartphones mit dem Schloss gekoppelt werden. Im Admin-Bereich der App können die einzelnen Benutzer eingesehen und verwaltet werden.

WLAN-Erweiterung Nuki Bridge

Eine praktische Erweiterung für das Smart Lock ist die Nuki Bridge. Die Bridge bringt das Smart Lock online und erlaubt somit den Zugriff aus der Ferne. Die Bridge lässt sich sehr schnell installieren. Der kleine 220V-Stecker wird mit einer Steckdose verbunden, die sich in einem Fünf-Meter-Radius zum Smart Lock befinden muss. Via Bluetooth wird er mit dem Smart Lock über die App gekoppelt. Per WiFi verbindet sich die Bridge mit dem heimischen Netzwerk. Das Smarte Schloss ins Netz zu bringen bringt einige Vorteile mit sich. So kann die Tür gezielt aus der Ferne gesteuert werden, beispielsweise wenn Familienmitglieder ihr Smartphone vergessen oder verloren haben, oder der Akku leer ist. Zudem können bei Bedarf Handwerker und sonstige Dienstleister in die Wohnung gelassen werden (wenn man das überhaupt will, ohne dabei zu sein). Für rund 100 Euro kann die Bridge beim Hersteller erworben werden. Gänzlich sparen kann man sich das Geld, wenn ein altes oder ungenutztes Android-Telefon verfügbar ist. Über die App Nuki Bridge können alle Funktionen des Steckers ebenfalls ausgeführt werden.

Nuki Smart Lock
Bildquelle: Julia Froolyks / inside-handy.de

Smartphone-Akku leer, und jetzt?

Im Praxistest kam des Öfteren ein komisches Gefühl auf. Was, wenn die Technik versagt, das Smartphone gestohlen wird, oder der Akku leer ist, wenn man nach Hause kommt? Auf all die Fragen liefert Nuki viele Antworten. Generell empfiehlt der Hersteller, immer einen Ersatzschlüssel bei sich zu tragen, um bei Ausfall der Elektronik oder Verlust des Smartphones noch in die Wohnung zu kommen. Ist das Smartphone einmal weg, kommt man tatsächlich nicht mehr ohne Schlüssel in die Wohnung, es sei denn, andere Familienmitglieder oder Freunde besitzen die Zugriffsberechtigung für die Haustür – diese kann man allerdings im Falle des Verlustes des Smartphones dann auch eher schlecht erreichen. Das Nuki Smart Lock kann allerdings jederzeit vor Ort mit einem neuen Smartphone gekoppelt werden. Dann sollten erst mal alle Zugänge zum Schloss gelöscht und erneut eingerichtet werden, damit das verloren gegangene Smartphone keinen Zugriff mehr auf das Schloss hat. Zudem sollte die LED-Anzeige des Smart Locks im Blick gehalten werden. Sobald die Batterieleistung sich dem Ende neigt, wird im oberen Bereich die LED blinken. Laut Hersteller soll das bei einer durchschnittlichen Nutzung mit 8-10 Sperrvorgängen pro Tag rund 6 Monate dauern.

Nuki: Smartes Schloss

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    Nuki Bridge Karton
    Das smarte Schloss von Nuki im Test.
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    Nuki Bridge Karton 2
    Das smarte Schloss von Nuki im Test.
    Bildquelle: Julia Froolyks / inside-handy.de

Sesam, öffne dich!

Die wohl praktischste Funktion des Nuki Smart Lock ist die Auto Unlock-Funktion. Über Standortinformationen, Geofences und Bluetooth kann das Schloss genau einschätzen, wann der Besitzer das Haus verlässt und wiederkommt. Durch das GPS auf dem Smartphone erkennt Nuki, wenn das Smartphone das Haus verlässt. Wenn es sich wieder nähert und dabei einen Geofence in der Nähe des Smart Locks betritt, beginnt die Nuki App via Blutooth nach dem Smart Lock zu scannen. Wenn die Nuki App nach Betreten des Geofence innerhalb von maximal 20 Minuten eine Bluetooth-Verbindung zum Schloss herstellen kann, wird die Tür automatisch aufgesperrt. Ein erneutes Aufschließen wird erst durchgeführt, wenn der Geofence des Smart Locks verlassen und anschließend wieder betreten wird. So sollen unerwünschte Sperrvorgänge vermieden werden. Die Nuki App ermittelt automatisch eine ideale Geofencegröße, die jedoch mindestens 100 Meter ist. Im Praxistest hat das Smart Lock das Smartphone sehr gut erkannt und die Tür jedes Mal rechtzeitig auf- und zugesperrt. Etwas mulmig ist einem da dennoch zumute. Ein Blick in das Sicherheitskonzept von Nuki wirkt an dieser Stelle sehr beruhigend.

So sicher ist das Nuki Smart Lock

Der österreichische Hersteller setzt bei seinem smarten Schloss auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit Challenge Response, wie sie beispielsweise auch beim Onlinebanking eingesetzt wird. Daten werden nach Herstellerangaben nicht auf Servern gespeichert. Auch der Versicherungsschutz wird nicht durch den Einbau des Nuki-Schlosses verändert. Die Versicherung muss deshalb nicht über den Einbau des smarten Türöffners informiert werden.

Fazit

Nach ein paar Tagen mit dem Nuki Smart Lock sind anfängliche Bedenken bezüglich Sicherheit und Funktion gänzlich verschwunden. Das Schloss arbeitet zuverlässig, aber relativ langsam. Die Tür aufzusperren bei der Ankunft zu Hause dauert im Schnitt 15 Sekunden. Manuell dauert das 3 Sekunden. Die längere Zeit liegt allerdings auch daran, dass das Smart Lock die Tür bis zum Anschlag verriegelt. Die Doppel-Umdrehung plus Betätigen der Falle sind also für den Motor recht mühselig. Die Installation klappte im Test einwandfrei, leider passten bei der Schraub-Platte die vorgegebenen Löcher nicht auf die Bohrungen in der Tür, weshalb hier auf die Klebe-Platte zurückgegriffen werden musste. Diese hielt jedoch sehr gut an der Tür.

Generell ist das smarte Schloss schon eine Erleichterung im Alltag. Es ist praktisch, dass die Haustüre bereits aufsteht, wenn man das Treppenhaus hochsteigt. Bei einem Preis von 230 Euro ohne Bridge und im Angebot für 300 Euro mit Bridge, lohnt sich diese Anschaffung, da das Schloss jederzeit mit umziehen kann. Zudem ist es nicht notwendig, ein spezielles Schloss einzubauen, solange das vorhandene über eine Not- und Gefahrenfunktion verfügt, was in vielen deutschen Türen mittlerweile der Standard sei, schreibt der Hersteller auf seiner Website: "Das Tauschen deines bestehenden Zylinders ist im Normalfall nicht notwendig, da die meisten Türen bereits mit Europrofil Doppelzylindern ausgestattet sind."

Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung mit Challenge Response gilt aktuell als sehr sicher. Wie sich allerdings die Technik weiterentwickelt, so entwickeln sich auch Hacker weiter, die Böses im Schilde führen. Auf der anderen Seite können Einbrecher auch ohne Smart Lock in ein Haus oder eine Wohnung einsteigen, wenn sie es darauf abgesehen haben. Aufgrund des einfachen Handlings und den guten Sicherheitsvorkehrungen von Nuki, kann man sich dieses smarte Schloss beruhigt ins Haus holen. Das Smart Lock ohne Zubehör kostet 229,00 Euro und muss direkt über die Herstellerwebsite von Nuki bestellt werden.

Für diesen Testbericht hat Hersteller Nuki der Redaktion von inside-handy.de ein Leihgerät zur Verfügung gestellt.

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Bildquelle kleines Bild: Julia Froolyks / inside-handy.de | Autor: Julia Froolyks
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Themen dieser News: Testcenter, Apps & Software, Internet & Digitale Welt, Smart Home & Internet der Dinge

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