Gaming in einer anderen Dimension - Wo die HTC Vive punktet und wo sie schwächelt

12 Minuten
HTC Vive Titelbild
Bildquelle: HTC
VR-Brillen sind das Gaming-Thema Nummer eins. Besonders auf Spiele-Messen wie der gamescom erfreut sich Virtual Reality großer Beliebtheit. Vorne mit dabei ist die Vive von HTC. Das Headset präsentiert sich mit starker Technik und einer großen Spieleauswahl als das wohl ansprechendste VR-Gerät, das es derzeit auf dem Markt gibt. Die Redaktion von inside-handy.de hat die HTC Vive dem Test unterzogen und zeigt, wo die Brille auftrumpfen kann und wo nicht.

Was kann die HTC Vive? Und lohnt sich der Kauf? Auch wenn die VR-Brille schon länger auf dem Markt ist, sind viele Kunden noch unentschlossen. Im folgenden Artikel sollen deshalb die wichtigsten Fragen zur Ausstattung, zum Aufbau und Spielerlebnis des Geräts beantwortet werden. Außerdem gibt es Ratschläge zu folgenden Themen:

  • Welche Anforderungen muss ich erfüllen, um die HTC Vive nutzen zu können?
  • Wie baue ich die HTC Vive richtig auf und was sind typische Fehlerquellen?
  • Wie sind die bisherigen Spiele für die VR-Brille?
  • Welche kostenlosen Spiele lohnen sich?

Vor dem Kauf: Was muss beachtet werden?

Es gibt drei Punkte, die es zu beachten gilt, ehe eine HTC Vice ins Haus kommen sollte:

  1. Es muss ein leistungsstarker Rechner vorhanden sein. Denn ohne den richtigen Prozessor und eine neue Grafikkarte geht nichts. Nutzer sollten deshalb den eigenen PC dem „SteamVR Performance Test“ unterziehen. Sind die Werte im grünen Bereich, steht der Anschaffung aus technischer Sicht nichts mehr im Wege
  2. Ist ausreichend Platz vorhanden? Die HTC Vive ist aktuell eine der wenigen verfügbare VR-Brille im Handel, die eine designierte freie Fläche, auch „Spielfeld“ genannt, benötigt. Wer sich stehend im virtuellen Raum bewegen möchte, braucht mindestens 2 x 1,5 Meter Platz in seinem Zimmer.
  3. Lassen sich die Sensoren der HTC Vive anbringen? Die sogenannten Basis-Stationen müssen in circa zwei Meter Höhe und mit einem Winkel von 35 Grad auf das Spielfeld zeigen. Dazu ist es in vielen Fällen notwendig, mitgelieferte Halterungen an die Wand zu montieren beziehungsweise in die Wand zu bohren. Für den Aufbau der VR-Brille sollte also mindestens ein Akku-Schrauber im Haus sein.

Erst wenn alle Vorgaben erfüllt sind, lohnt sich der Kauf. 

Die Technik

Ausgepackt: Das ist im Karton!

Groß und edel: Die Verpackung der HTC Vive ist dem Preis von 900 Euro angemessen gestaltet. Sowohl von innen als auch von außen setzt der Karton auf blau-schwarzen Hochglanz. Zum Schutz der Geräte ist die Innenseite mit Schaumstoff ausgekleidet. Wer die Verpackung öffnet, wird sofort die großen Elemente der VR-Brille sehen. Dazu gehören mitunter die zwei quadratischen Raumsensoren, auch Basis-Stationen genannt. Ebenfalls direkt sichtbar sind die beiden ergonomisch geformten Controller. Das namensgebende Headset, die HTC Vive, befindet sich im größten Fach.

Abseits der fünf großen Elemente gibt es noch eine Vielzahl an Strom- und Verbindungskabeln im Karton. Aber auch Halterungen, Verbindungsboxen und Kopfhörer sind mit an Bord. Insgesamt kommt die HTC Vive mit 16 unterschiedlichen Teilen, viele davon doppelt. Ein beigelegter Lieferschein mit Verpackungsskizze und Bedienungsanleitung sorgt dafür, dass Nutzer immer wissen, welche Teile an Bord sind und wo sie hingehören. Dies ist besonders hilfreich, wenn die VR-Brille einmal mit auf Reisen gehen soll.

Der Aufbau

Auf den ersten Blick lässt die schiere Anzahl an unterschiedlichen Teilen einen komplizierten und langwierigen Aufbau sowie Installation vermuten. Und das stimmt auch – jedoch aus ganz anderen Gründen. Dazu jedoch später mehr.

Denn bevor es mit dem Aufbau losgeht, muss erst einmal geplant werden. Wer mit der HTC Vive spielen will, darf sich Gedanken über sein Spielfeld machen. So gibt es zwei unterschiedliche Spielarten: einmal im Sitzen und einmal im Stehen innerhalb des bereits erwähnten Spielfelds. Während Letzteres mindestens eine freie Fläche von 2 x 1,5 Meter voraussetzt, ist das Spielen im Sitzen ohne Beschränkungen vor dem heimischen PC möglich.

Wenn die designierte Spielfläche bestimmt ist, muss man in einem zweiten Schritt die notwendige Setup-Software aus dem Netz ziehen. Nach dem Download des Programms beginnt die Installation der HTC Vive. Insgesamt drei Schritte muss der Nutzer absolvieren, bevor er das Gerät benutzen kann. Als Dauer des Setups werden 30 Minuten angegeben. Das ist jedoch eine sehr optimistische Einschätzung. Im Test von inside-handy.de hat es wesentlich länger gedauert.

HTC Vive Installation
Bildquelle: David Gillengerten / inside-handy.de

Grund dafür waren die einen oder anderen technischen Hindernisse und Fehler, an denen die HTC Vive noch leidet. So kam es beim ersten Schritt, der Software-Installation, zu einem merkwürdigen Softwarefehler beim Aufsetzen eines HTC-Kontos. Eine Neuanmeldung war deshalb notwendig, was jedoch keine weiteren Konsequenzen hatte. Die Installation und Verbindung mit Steam funktionierte derweil problemlos und ging erfreulich schnell vonstatten.

Im zweiten Schritt stand die Anbringung der Basis-Station auf dem Plan. Die damit verbundenen Bewegungssensoren sorgen dafür, dass die HTC Vive im Raum erkannt wird. Das Problem bei den quadratischen Boxen: Sie müssen in ungefähr zwei Meter Höhe angebracht werden und dürfen nicht mehr als fünf Meter voneinander entfernt stehen. Je nach Größe und Beschaffenheit des Zimmers sind also handwerkliche Künste oder Einfallsreichtum gefragt. HTC liefert die notwendigen Wandhalterungen inklusive Dübel übrigens mit.

HTC Vive Basisstationen
Bildquelle: HTC

Wenn die Basis-Stationen einmal angebracht sind, müssen sie mit Strom verbunden werden – zum Glück sind die mitgelieferten Stromkabel lang genug. Danach geht es mit dem Aufbau der VR-Brille selbst weiter. Sie wird nicht direkt in den PC eingesteckt, sondern über eine Verbindungsbox angeschossen. Sie benötigt einen USB- sowie einen HDMI-Eingang. Zusätzlich braucht sie ebenfalls eine Stromquelle, um zu funktionieren.

Abschließend werden noch die Controller aufgesetzt, die zunächst aufzuladen sind. Für beide Controller gibt es wieder einen eigenen, separaten Stromstecker. Insgesamt benötigt die HTC Vive also fünf Steckplätze, um beim ersten Start voll funktionsfähig zu sein.

Die Installation

Nachdem nun alle Komponenten an Ort und Stelle, verbunden und eingeschaltet sind, geht es weiter mit der digitalen Installation der Brille. Dazu wird SteamVR genutzt, die eigens dafür designierte Software der Online-Vertriebsplattform Steam. Eigentlich sollte die Aktivierung der einzelnen Geräte ohne größere Schwierigkeiten erfolgen. Im Testlauf ergaben sich jedoch größere Probleme mit den Controllern. Sie ließen sich nicht von den Sensoren erkennen.

Schuld daran war eine veraltete Firmware auf den Geräten. Sie musste vor Benutzung erst einmal über SteamVR aktualisiert werden. Danach galt es noch, die beiden Controller miteinander zu verbinden – dies erfolgte ebenfalls am PC über die dafür hinterlegte Software bei Steam. Beide Schritte sind jedoch nirgendwo im Tutorial erklärt und konnten erst nach einiger Recherche im Internet behoben werden.

Nachdem die Sensoren Brille und Controller erkannt haben, beginnt SteamVR das Spielfeld abzumessen. Dazu kalibriert es den Mittelpunkt und die Höhe des gewählten Raums. Die Ränder des freien Raumes muss der Nutzer selbst abgehen, er kann sie jedoch im Nachhinein nach Belieben wieder verändern. Die Software misst dann selbstständig die Spielfläche aus. Damit endet das Setup auch.

HTC Vive Setup Raum eintragen
Bildquelle: David Gillengerten / inside-handy.de

Anschlüsse, Knöpfe und Co.

Die HTC Vive benötigt viele Anschlüsse und freie Stromquellen, um einwandfrei zu funktionieren. Wie schon erwähnt, benötigen zum Teil fünf unterschiedliche Geräte Energie an verschiedenen Seiten des Raumes. Das ist durchaus störend und kann bei Steckdosen-Knappheit zu einem Kabelwirrwarr führen. Weiterhin belegt die VR-Brille insgesamt einen HDMI-Eingang sowie ein bis drei USB-Plätze, je nachdem ob nur das Headset oder auch die beiden Controller verbunden sind.

Beim Spielen zieht der Anwender der Brille außerdem noch einen ganzen Schwanz an Kabeln hinter sich her. Eine voll aufgebaute HTC Vive sorgt somit für einen ziemlichen Kabelsalat im Spielzimmer des Nutzers. Erste Geräte, mit denen die VR-Brille kabellos funktionieren soll, gibt es aktuell nur in China. Somit ist Vorsicht beim Bewegen im Raum geboten. Ein falscher Tritt und die Ausrüstung liegt auf dem Boden.

Das Spielerlebnis

Brille und Controller

Die HTC Vive gehört zu den leistungsstärksten VR-Brillen, die es aktuell zu kaufen gibt. Bewegungen werden fast ohne Verzögerung nachverfolgt und übertragen sich flüssig in die Spielwelt. Die Brille besitzt einen hohen Tragekomfort und lässt sich dank Klettverschlüssen schnell und einfach an jede beliebige Kopfform anpassen. Einzig die Druckpunkte an den Wangenknochen stören bei längerem Tragen. Hier hat das ausgeklügelte Tragesystem der PlayStation VR die Nase vorn. Längere Spielessessions sind aufgrund der Anstrengung für die Augen anfänglich aber eh nicht zu empfehlen.

HTC Vive Controller
Bildquelle: HTC

Die Controller der HTC Vive fungieren in vielen Spielen als Hände des Nutzers. Zu Beginn wirken die Bewegungen wie das Greifen von virtuellen Dingen unnatürlich. Man gewöhnt sich aber nach einiger Zeit daran. Dank ihrer Form liegen die Controller angenehm in der Hand und fühlen sich gut an. Auch die Controller werden wie das Headset fast ohne Verzögerung nachverfolgt. Problematisch ist einzig die Lage einiger Buttons. Besonders der Menüknopf und die Schaltflächen an der Seite des Geräts sind nur für Personen mit großen Händen erreichbar.

Die Spiele

Steam sei dank: Die Online-Vertriebsplattform für Spiele bietet schon jetzt mehr als 70 Titel, die sich mit der HTC Vive spielen lassen. Darunter befinden sich kleine Mini-Spiele wie „Job Simulator“ oder „#SelfieTennis“, die sich vor allem als Party-Spiele eignen und meistens im Stehen auf einem Spielfeld gezockt werden. Jedoch gibt es auch anspruchsvolle Games wie zum Beispiel die Weltraum-Simulation „Elite Dangerous“ oder das Rennspiel „Project Cars“. Sie lassen sich meistens jedoch nur im Sitzen und mit einem Gamepad spielen.

Job Simulator Screenshot
Bildquelle: Owlchemy Labs

Wer eine HTC Vive hat, aber nicht viel Geld ausgeben möchte, kann sich auch auf einige kostenlose Titel freuen. So zum Beispiel „Project Cars – Pagani Edition“, eine abgespeckte Version des schon erwähnten „Project Cars“. Ebenfalls ein kostenloses Rennspiel ist die Demo zu „Trackmania Turbo“. Wer lieber als Ego-Shooter unterwegs ist, kann sich in Zukunft auf den kostenlosen VR-Modus zum Spiel „Warhammer: End Times – Vermintide“ freuen. Er soll noch 2016 erscheinen.

Das Gameplay

Spielen mit der HTC Vive ist im besten Fall ein spaßiges, immersives Erlebnis. Im schlechtesten Fall ist es eine öde und belanglose Technik-Demo, die Kopfschmerzen und Übelkeit verursacht. Je nachdem welchen Titel man spielt, kann man den einen oder den anderen Fall erleben. Viele Games für die VR-Brille kommen nicht über den Status eines Mini-Spiels hinaus. Sie machen kurzzeitig Spaß, sind auf Dauer jedoch eher belanglos. Erste anspruchsvolle Titel gibt es jedoch auch schon. Oftmals handelt es sich dabei aber um Renn- und Weltraum-Simulationen, die besonders von der virtuellen Realität profitieren.

HTC Vive Gameplay
Bildquelle: Juliet Ziegenbein / inside-handy.de

Da die Technologie noch jung ist und in einer Phase voller Experimente steckt, gibt es viel Licht und Schatten im Steam-Store. Nicht jedes Spiel macht jedem Nutzer Spaß. Während die einen sich gerne auf der Rennpiste austoben und das Geschwindigkeitsgefühl von VR genießen, unterhalten sich andere Spieler wiederum mit ausgeklügelten 3D-Puzzel-Titeln. Am Ende entscheidet oftmals der persönliche Geschmack, ob ein VR-Programm sein Geld wert ist oder nicht.

Fazit: Lohnt sich die Anschaffung?

Mit einem Preispunkt von aktuell 900 Euro ist die HTC Vive die wohl teuerste VR-Brille auf dem Markt. Ob sich der Kauf trotzdem lohnt? Die Antwort ist ein klares „Ja“ – aber mit Einschränkungen. Denn nur wer über genung Platz verfügt und sich an die Aufbau-Vorgaben halten kann, sollte sich das Gerät zulegen. Wer das nicht kann, sollte sich nach Alternativen umsehen: Die Konkurrenz ohne raumfüllende Sensoren ist hier wesentlich günstiger und bietet vergleichbare Erlebnisse. Auch für Spieler ohne geeigneten Gaming-PC lohnt sich die Anschaffung nur, wenn man bereit ist, für mindestens einen ähnlichen hohen Betrag Grafikkarten- und Prozessor-Upgrades zu kaufen.

Technik-interessierte Gamer, die alle Anforderungen erfüllen, sollten bei der HTC Vive zugreifen. Kein anderes System bietet aktuell so viele und ausgereifte Möglichkeiten, Virtual Reality zu erleben. Vor allem die Bewegungen im virtuellen und gleichzeitig auch realen Raum sorgen für ein ganz neues Spielerlebnis. Und mit Titeln wie „Elite Dangerous“ oder „#SelfieTennis“ kann man auch auf lange Sicht enorm viel Spaß haben.

Dennoch ist die VR-Brille von HTC nicht ohne Schwächen. Besonders das Setup und der allgemeine Aufbau des Systems plagen Kinderkrankheiten wie Software-Aussetzer und Kabelsalat. Auch der Tragekomfort und die Steuerung könnten noch verbessert werden. Sie sind im Vergleich zu anderen Angeboten jedoch schon wesentlich ausgereifter. Man darf davon ausgehen, dass die Hersteller ihr System kontinuierlich verbessern und somit in Zukunft viele der genannten Probleme behoben werden. Spielerisch bleibt abzuwarten, was die kommenden Monate bringen. Denn wie so oft entscheidet die Software über die Zukunft der Technik. Erst wenn die richtigen Spiele auf dem Markt sind, werden immer mehr Leute zu den VR-Brillen greifen. Die HTC Vive ist dabei eine sehr gute Wahl.

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