Mit dem Handy in High-Definition-Qualität telefonieren - so funktioniert's

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Frau telefoniert mit Handy in London.
Bildquelle: Deutsche Telekom
Mit dem Handy immer und überall erreichbar zu sein, ist längst kein Privileg von Besserverdienenden mehr. Mobile Kommunikation ist spätestens mit dem Start zahlreicher Mobilfunk-Discounter erschwinglich geworden. Und auch wenn für viele Smartphone-Nutzer mobile Datenverbindungen im Fokus stehen, wird ein Handy nach wie vor auch intensiv für Sprach-Verbindungen verwendet – mit deutlich besserer Sprachqualität als früher: HD-Telefonie sei Dank.

Bei HD-Telefonie, auch bekannt unter dem Namen HD Voice, handelt es sich um einen Sprach-Standard, durch den klassische Handy-Gespräche mit einer deutlich höheren Sprachqualität möglich sind. Die Stimmen beider Gesprächsteilnehmer sind klarer und natürlicher zu vernehmen, was die Verständlichkeit untereinander verbessert. Praktisch ist auch, dass mit HD Voice störende Hintergrundgeräusche unter Zuhilfenahme eines speziellen Komprimierungsverfarens automatisch ausgeblendet werden.

HD Voice aus technischer Sicht

HD-Telefonie wird im Frequenzbereich zwischen 50 und 7.000 Hertz realisiert, klassische Telefon-Verbindungen ohne hochauflösende Audio-Übertragung im Bereich zwischen 300 und 3.400 Hertz. Berücksichtigt man in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die menschliche Sprache im Bereich zwischen 50 und 12.000 Hertz stattfndet, wird allein an diesen Zahlen deutlich, dass das Klangbild mit HD Voice natürlicher klingen muss.

Technisch wird bei HD-Verbindungen im Mobilfunk der Audio-Codec AMR-WB verwendet und die High-Definition-Audio-Verbindung in der Regel über das UMTS-Mobilfunknetz der drei deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber realisiert. Bei der Deutschen Telekom sind HD-Gespräche aber auch im GSM-Netz möglich. Grundsätzlich wird die Stimme bei HD-Telefongesprächen zunächst aufgenommen, in einem nächsten Schritt digitalisiert und dann komprimiert aber qualitativ aufgewertet zum Gesprächspartner übertragen.

HD Voice kostenlos nutzbar

HD-Telefonie ist in den Mobilfunknetzen von Telefónica Deutschland, Vodafone und der Deutschen Telekom kostenlos aktiviert. Und doch muss eine Voraussetzung erfüllt sein, um den Sprachstandard überhaupt nutzen zu können: Das persönlich genutzte Handy muss die High-Definition-Sprachverbindungen unterstützen. Das ist zum Beispiel bei Smartphones von Apple ab dem iPhone 5 der Fall, aber auch bei zahlreichen Samsung-Modellen ab dem Samsung Galaxy S3. Anders ausgedrückt: Nur wer mit einem älteren Smartphone-Modell telefoniert, kann HD Voice nicht nutzen.

Alternativ kann es sich lohnen auf Voice over LTE (VoLTE) zu setzen, wo die Gesprächsqualität ebenfalls besser ist als bei einer klassischen GSM-Verbindung. Jedoch wird VoLTE anders als HD Voice längst noch nicht von allen aktuellen Smartphones unterstützt. Auf immer mehr Handys wird VoLTE aber per Software-Update nachträglich freigeschaltet.

HD Voice Logo
Bildquelle: GSMA

HD Voice Plus: Bessere Tonqualität dank LTE

Mittlerweile haben die Deutsche Telekom und Vodafone eine aufgebohrte Version von HD Voice vorgestellt: HD Voice Plus soll dieselben Vorteile wie der schon bekannte Sprach-Standard bieten und darüber hinaus noch Verbesserungen an der allgemeinen Qualität des Dienstes vorgenommen haben. Die Netzbetreiber betonen, dass die Technologie ausschließlich im LTE-Netz nutzbar ist und dank sogenanntem Enhanced Voice Services (EVS) Codec für einen höheren Frequenzbereich von bis zu 20.000 Hertz sorgt. Bisher waren nur bis zu 7.000 Hertz möglich. HD Voice Plus gibt es seit Mai 2017 im Netz der Telekom. Bei Vodafone Deutschland heißt die Technologie Crystal Clear und ist seit Mai 2016 in Betrieb.

HD Voice Plus soll dabei die Sprachqualität von HD Voice noch einmal verbessern und wesentlich robuster gegenüber Übertragungsfehlern und Signalschwankungen sein. Insgesamt verspricht die Technologie ein natürlicheres Klangerlebnis. Anbieter-übergreifende Gespräche sollen ebenfalls möglich sein. HD Voice Plus wurde anfänglich nur für einige Top-Smartphones wie das Samsung Galaxy S7, das Sony Xperia XZ und das iPhone freigeschaltet. Mittlerweile sind jedoch weit mehr Handys für den Sprach-Standard zugelassen.

HD Voice Plus
Bildquelle: Telekom

VoLTE: Netzbetreiber machen gemeinsame Sache

Hochqualitative Telefongespräche im Mobilfunknetz hatten lange Zeit einen Haken: Die Netzbetreiber konnten VoLTE lediglich nur innerhalb des eigenen Netzes anbieten. Das Problem liegt auf der Hand: Ruft man einen Gesprächspartner an, orientiert man sich ja nicht an dessen Netzbetreiber. Dieser Problematik arbeiten die Netzbetreiber mittlerweile entgegen und führen Schnittstellen ein, durch die VoLTE-Gespräche netzübergreifend möglich sind.

Im September 2017 hatten die Deutsche Telekom und Telefónica ihre Netze bereits dahingehend verschmelzen lassen und HD Voice übergreifend ermöglicht. Anfang Dezember schlossen auch Vodafone und Telefónica ihre Netze für die Möglichkeiten von „Voice over LTE“ zusammen. Um den Kreis zu schließen fehlt nun also noch eine entsprechende Übereinkunft der beiden Netze von Vodafone (D2) und Telekom (D1). Allerdings wird mit VoLTE auch nicht alles zwingend besser: Seitdem die Netzbetreiber auf HD Voice in ihren Mobilfunknetzen setzen, soll es laut Studien zu häufigen LTE-Telefonat-Abbrüchen kommen, die dem Netz geschuldet sind.

Der dritte große Netzanbieter Telefónica ist Teil beider kürzlich verkündeten Netz-Zusammenschlüsse. Dennoch heißt das im Umkehrschluss nicht, dass alle Nutzer des Telefónica-Netzes auch die Möglichkeit haben, Gespräche über LTE zu führen. Gleiches gilt auch für einige Teilnehmer im Vodafone- oder auch Telekom-Netz. Viele Mobilfunk-Unterhändler und -Provider verkaufen vor allem in den D-Netzen Mobilfunktarife, die in den entsprechenden Netzen realisiert werden, allerdings keinen Zugriff auf das LTE-Netz gewähren. Was viele für den reinen Datenverkehr nicht stört, sorgt beim Thema VoLTE dafür, dass die Tür zu HD Voice erst einmal geschlossen bleibt.

HD Voice funktioniert auch im Festnetz – aber längst nicht zwischen allen Anbietern

Übrigens: Auch im Festnetz der Deutschen Telekom ist HD Voice kostenlos nutzbar. Dafür müssen beide Gesprächsteilnehmer einen IP-basierten Anschluss der Telekom und HD-Voice-fähige Endgeräte nutzen, die den Codec-Standard G.722 unterstützen. Selbst Flüster-Gespräche werden nach Angaben der Telekom ohne Rauschen übertragen. Dies ist nun auch bei Telefónica der Fall: Gespräche zwischen Nutzern aus dem LTE- und UMTS-Netz und dem IP-Festnetz werden ebenfalls per HD Voice unterstützt. Zum Teil sind auch netzübergreifende Gespräche in HD-Qualität möglich, zum Beispiel zwischen Telekom und Vodafone Kabel. Grundsätzlich müssen für netzübergreifende Verbindungen aber die Netze miteinander zusammengeschaltet werden und das ist wie erwähnt noch nicht zwischen allen Telefongesellschaften der Fall.

Mit dieser Geschwindigkeit surfen aktuelle LTE-Handys

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