Wie man mit dem Smartphone den Blutmond fotografiert

6 Minuten
Blutmond
Bildquelle: Flickr, yasmapaz & ace_heart, CC-BY-SA 2.0
Am 27. Juli 2018 ist es soweit: Eine totale Mondfinsternis, auch oft als Blutmond bezeichnet, wird sich direkt über den Köpfen der europäischen Smartphone-Nutzer auftun. Wer sie mit dem Handy fotografieren will, muss einiges mitbringen und bedenken, damit nicht nur dunkle Bilder mit einem weißen Punkt in der Mitte herauskommen.

Mussten Begeisterte bei der Mondfinsternis im Jahr 2015 noch mitten in der Nacht ein Lager aufschlagen, haben Beobachter in diesem Jahr Glück: Am 27. Juli 2018 findet die Mondfinsternis nicht nur zu einer humanen Zeit statt, sondern sie wird mit einer Dauer von 103 Minuten auch die längste Mondfinsternis sein, die es bislang im 21. Jahrhundert zu sehen gab.

Die Mondfinsternis als solche

An dem Spektakel beteiligt sind drei Himmelskörper: Die Sonne, der Mond und die Erde. Bei einer Mondfinsternis schneiden sich die Bahnen, die die Erde um die Sonne und der Mond um die Erde drehen. Ergo steht die Erde dann zwischen Sonne und Mond, sodass – je nachdem, wie groß der Schatten ist – eine partielle oder totale Verfinsterung möglich ist.

Das Spektakel wird sich hierzulande in der Dämmerungsphase beginnen, sprich von 21:30 Uhr bis 23:13 Uhr. Währenddessen wird sich der Mond gänzlich im Kernschatten der Erde befinden. Besonders ist die Mondfinsternis dadurch, dass sich der Erdtrabant auch noch sehr nahe an der Erde befindet und somit viel größer erscheint als normal.

In diesem Jahr hinreichend interessant ist zudem die starke Annäherung von Erde und Mars auf einen Minimalabstand, sodass er hell und groß am Firmament zu sehen sein wird. Normalerweise befinden sich Erde, Sonne und Mars auf einer Linie, sodass der Planet nicht zu sehen ist. Dass der Mars die Erde auf der Innenbahn überholt, geschieht nur etwa alle 15 Jahre. Auch die ISS, auf der sich momentan auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst befindet, wird für eine kurze Zeit als heller, leuchtender Punkt am Himmel zu sehen sein. Konkret wird die Mondfinsternis zeitlich wie folgt ablaufen:

  • Eintritt des Mondes in den Kernschatten der Erde: 20:24 Uhr
  • Beginn der totalen Mondfinsternis: 21:30 Uhr
  • Mitte der totalen Mondfinsternis: 22:22 Uhr
  • Sichtbarkeit der ISS in Deutschland: Etwa 22:34 Uhr
  • Ende der Finsternis: 23:14 Uhr

Die nächste totale Mondfinsternis wird dann am 21. Januar 2019 stattfinden und in hiesigen Gewässern ebenfalls zu sehen sein.

Blutmond mit dem Smartphone fotografieren: So gelingt ein gutes Foto

Das Problem: Der Mond erstrahlt in der Nacht von Freitag auf Samstag zwar in der spannenden Farbe Rot, jedoch bekommt er, da er im Erdschatten liegt, nur wenig Licht ab und ist damit weit weniger hell als sonst zu sehen. Beobachter sollten sich allerdings generell einen Standort suchen, der einen freien Blick in südöstliche Richtung gewährt.

Ausstattung für Fotos vom Blutmond: Blende und ISO-Wert

Wer den Blutmond mit seinem Smartphone fotografieren will, muss auf einiges achten. Die Wahl des Handys ist für gewöhnlich auf das eigene Gerät eingeschränkt. Glücklich ist der, der ein Smartphone à la Huawei P20 Pro, Samsung Galaxy S9+ oder ähnliche Geräte der Kategorie besitzt. Beide besitzen sehr lichtstarke Objektive, die mehr Licht auf den Sensor werfen, als viele Konkurrenten. Technisch meint dies, dass Smartphones bestenfalls eine Kamera mit einer f/1.8-Blende ihr Eigen nennen können. Trotzdem ist es zumindest theoretisch möglich, spannende Bilder auch mit anderen Handys zu erstellen.

Die maximale Blende außen vorgelassen, ist eine andere Fähigkeit des Smartphones von entscheidender Tragweite: Es muss eine Langzeitbelichtungsfunktion besitzen. Denn nur lange Belichtungszeiten gewährleisten, dass genug Licht auf den Sensor trifft. Eine weitere wichtige Eigenschaft der Handy-Kamera ist eine manuelle Einstellung. Ohne diese wird es kaum möglich sein, vernünftiges Bildmaterial herauszuarbeiten. Falls das die native Kamera-App nicht kann, gibt es beispielsweise in Googles Play-Store genug Alternativen.

Smartphone-Kameras besitzen in der Regel recht kurze Brennweiten, was zur Folge hat, dass der Mond auf den Bildern sehr klein zu sehen ist. Das Problem kann mit meist heftigen Qualitätsverlusten mit dem Digitalzoom des Smartphones kompensiert werden, oder man behilft sich mit Aufstecklinsen oder einem Teleskop-Adapter

Berg Foto mit und ohne Fernglas
Bildquelle: inside handy

Auch beim Blutmond spannend: Experimente mit Fernglas oder Teleskop mit dem Smartphone in den Dolomiten

Ausstattung für Fotos vom Blutmond: Eine ruhige Hand ist nötig

Das noch wichtigere Zubehör ist allerdings ein Stativ. Die wackelfreie Positionierung des Smartphones ist Grundlage für scharfe Fotos mit langen Verschlusszeiten, wie sie hier benutzt werden. Dabei muss auch hier kein Vermögen ausgegeben werden: Ein günstiges Dreibeinstativ für Smartphones oder auch ein an ein Tischbein gebundener Selfie-Stick gewährleisten für wenig Geld einen sicheren Stand.

Das ganze muss dann nur noch in Richtung Südwesten ausgerichtet werden und schon kann es los gehen. Dabei hat man recht viel Zeit. Insgesamt bleibt der Mond über eine Stunde komplett im Erdschatten. Hier kann ausprobiert und mit den Einstellungen variiert werden. Grundsätzlich gilt allerdings immer: ISO-Wert so niedrig wie möglich, Belichtungszeit so kurz wie möglich und so lang wie nötig.

Tipps und Tricks für Mondfotografie

Um noch bessere Fotos zu realisieren können noch folgende Tipps und Tricks angewendet werden:

  • Selbstauslöser benutzen – Damit reduzieren sich Verwackler durch das Auslösen der Smartphone-Kamera.
  • Sterne werden sichtbar – Da der Mond nur schwach leuchtet, sind mehr Sterne zu sehen.
  • Schattenein- und austritt ausnutzen – Vor und nach der Mondfinsternis kann man tolle Halbmondaufnahmen machen.
  • Mit Fernglas oder Teleskop experimentieren – Vignettierungseffekte können cool aussehen und der Blutmond ist größer.
  • Raus aus der Stadt – Städte sind hell und die Luft dreckig. Je weiter man aus urbanen Räumen aufs dunkle Land kommt, desto besser wird die Lichtumgebung.
  • Weißabgleich manuell einstellen – Die Automatik hat nicht immer recht, also ist auch hier ausprobieren und experimentieren angesagt.
  • Wetterbericht verfolgen – Die ganze Show ist sehr wetterabhängig. Ist eine geschlossene Wolkendecke angekündigt, lohnt sich der Aufwand nicht.
  • Blitz aus! – Der Smartphone-Blitz bringt auf die Entfernungen sowieso nichts und leuchtet im schlechtesten Fall Staub an, der dann als Schmutzvorhang im Bild hängt.

Mit der richtigen Ausstattung oder einer ordentlichen Portion Improvisationstalent kann also jeder am Freitagabend auch mit dem Smartphone tolle Bilder des Blutmondes zaubern – wenn das Wetter mitspielt.

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