Feature Kabellose Übertragungsmöglichkeiten Handy mit Fernseher verbinden: Inhalte von Smartphone auf TV streamen

vom 03.08.2017, 10:38
"Inhalte übertragen" auf einem Sony Xperia XZ
Bildquelle: Michael Stupp / inside-handy.de

Die Zeiten der Fotoalben und Dia-Abende nach dem Urlaub sind passé, heute zeigt man seine Urlaubsbilder gleich auf dem Display der Digitalkamera oder dem Smartphone. Noch schicker ist es natürlich, das Handy mit einem Fernseher zu verbinden und seine privaten Fotos sowie Videos auf dem großen TV-Bildschirm zu streamen, am besten kabellos und ohne Zusatzgeräte. Die Redaktion von inside-handy.de stellt die gängigsten Möglichkeiten wie DLNA und Miracast vor.

Das Handy oder Tablet mit dem Fernseher verbinden. Wenn es um diese Aufgabenstellung geht, werden viele Nutzer zunächst einmal vor einem Rätsel stehen. Doch dank Miracast, DLNA und anderen Übertragsstandards ist es heutzutage alles andere als kompliziert, das Handy mit dem TV zu verbinden. Mit allen gängigen mobilen Betriebssystemen, Android, iOS oder Windows, lässt sich der Inhalt vom Handy schnell auf einem Fernseher streamen. Im Zweifel helfen sinnvolle Hardware-Ergänzungen wie Chromecast, Amazon Fire TV Stick oder Apple TV um das Smartphone oder Tablet mit dem TV zu verbinden.

DLNA - In die Jahre gekommen und trotzdem nicht veraltet

Drei Standards sind für die Verbindung verschiedener Geräte in einem Heimnetzwerk zuständig: WLAN, UPnP und DLNA. Per WLAN wird in einem Raum ein lokales Funknetzwerk hergestellt. UPnP (Universal Plug and Play), ursprünglich einst von Microsoft eingeführt, sorgt als Streaming-Standard dafür, dass sich die Geräte in diesem Netzwerk finden und verbinden können.

Die Weiterentwicklung DLNA wurde nach der Digital Living Network Alliance benannt, einem Zusammenschluss von inzwischen rund 250 Unternehmen aus den Branchen Telekommunikation, Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie. Gegründet wurde die Alliance von Sony und Intel; mittlerweile sind fast alle Größen wie Microsoft, Nokia, Samsung, LG Electronics, Panasonic, Toshiba, Sharp oder Philips an Bord - und damit auch ihre Geräte wie Fernseher, Smartphones, Computer, Spielekonsolen, HiFi-Anlagen und sogar Drucker (erkennbar am DLNA-Logo). Die Ursprünge des Übertragungsweges liegen im Jahr 2003 - also noch vor der Markteroberung durch Tablets und Smartphones.

DLNA ist zum herstellerübergreifenden Standard geworden. DLNA-zertifizierte Geräte können im Heimnetzwerk miteinander kommunizieren und Medien mit den gängigsten Formaten austauschen. So kann beispielsweise ein Tablet von Samsung als "Mobile Digital Media Server" Fotos und Videos auf einen Fernseher von Sony streamen, der dann als "Digital Media Player" fungiert und die Dateien auf seinem Bildschirm wiedergibt. Als zentraler Kommunikationspunkt dient dabei der WLAN-Router. Ein Smartphone oder Tablet sind vorwiegend per Zusatz-App DLNA-Fähig, manche Apps, so zum Beispiel jene von YouTube, haben die Software-Voraussetzung für DLNA bereits integriert, allerdings kann damit auch nur YouTube mit dem Fernseher verbunden werden. Um die gesamte Bandbreite von einem Smartphone oder Tablet auf den Fernseher zu streamen, gibt es Apps von Drittanbietern, die die Überbrückung vollziehen.

DLNA-Demo: Samsung-Tablet auf Sony-TV

Zunächst muss der Fernseher mit dem Router verbunden werden, entweder mit einem LAN/Ethernet-Kabel oder per WLAN - hier ist, wenn nicht ab Werk eingebaut, ein entsprechender Empfänger von Nöten. Dann loggt man sein Handy oder Tablet ebenfalls im Router ein, anschließend kann der Fernseher (Menü unterschiedlich je nach Modell, z.B. "Medienserver suchen") auf die Multimedia-Inhalte des Handys oder Tablets zugreifen und sie am TV-Schirm streamen - andersherum kann auch das Smartphone oder Tablet mit einer entsprechenden App den Fernseher als Abspielgerät identifizieren.

Google Chromecast

Über die Jahre haben Hersteller auf den technischen Fortschritt reagiert und eigene Verbindungswege für Handy und TV erschlossen. Google hat seit 2013 seinen TV-Stick Chromecast im Sortiment, den es aktuell in zwei Varianten, Chromecast 2 und Chromecast Ultra zu erwerben gibt. Die Funktion ist denkbar einfach: Der Chromecast-Stick wird in einen HDMI-Steckplatz am Fernseher gesteckt und macht diesen quasi zu einem Smart TV. Das Handy verbindet sich dank eingeschaltetem WLAN direkt mit dem Chromecast und kann Inhalte verschiedener unterstützter Apps auf den TV-Bildschirm streamen. Dazu gehören Foto-Apps ebenso wie der Browser Chrome, dessen Abbild eins-zu-eins auf den Fernseher übertragen wird.

Chromecast

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    Bilder von Googles Chromecast
    Bildquelle: Google
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    Bilder von Googles Chromecast
    Bildquelle: Google

Die normale Version des Google Chromecast 2 ist in der Lage Inhalte in flüssigem Full HD (1.080 x 1.920 Pixel) zu übertragen; der teurere Chromecast Ultra schafft gar eine Qualität in 4K beziehungsweise Ultra HD - wenn denn das Endgerät diese Auflösung unterstützt. Der Chromecast Ultra verfügt im Gegensatz zur älteren Variante zudem über einen LAN-Anschluss.

Der Chromecast 2 kostet aktuell 39 Euro, der Chromecast Ultra mit 4K, HDR und Ethernet/LAN ist bei Google für 79 Euro erhältlich.

Amazon Fire TV - Streaming nur über Umwege

Der Online-Händler Amazon verkauft ebenfalls einen eigenen HDMI-Stick, der die Funktionen des Fernseheres erweiteret. Mit dem Amazon Fire TV Stick wird eine Smart-TV-Oberfläche geschaffen, die man allerdings nicht nach Belieben mit dem Handy oder Tablet steuern kann. Um beispielsweise Fotos, die auf dem Handy oder Tablet befindlich sind, auf dem TV-Gerät anzuzeigen, muss der Umweg über die Amazon Cloud eingeschlagen werden, von wo aus die Fotos auch per Fire TV Stick abgerufen werden können.

Die neueste Erweiterung des Amazon Fire TV Stick ist, dass der Stick nun als optimierte Version auch mit einer Alexa-Sprachsteuerung zu haben ist. Das ist ein ähnlicher Sprach-Assistent wie man ihn beispielsweise unter dem Namen Siri von Apple-Produkten kennt. Mit Alexa können Apps per Sprachbefehl gestartet oder Fragen direkt über den Fernseher beantwortet werden. Selbst die Steuerung von Smart-Home-Produkten, die im eigenen Zuhause mit dem Internet verbunden sind, ist über Alexa möglich. Über so genannte Skills ist es darüber hinaus möglich, eine Pizza zu bestellen oder ein Taxi vor die Haustür zu rufen. Kurzum: Alexa kann ein hilfreicher Begleiter im häuslichen Alltag sein.

Während sich beim Amazon Fire TV Stick mit Alexa rein äußerlich nichts verändert hat, wurde im Inneren ordentlich Hand angelegt. Neben einem leistungsstärkeren Vierkern-Prozessor besteht nun Zugriff auf 1 GB Arbeitsspeicher. Außerdem sind 8 GB Speicherplatz für die direkte Installation von Apps vorgesehen. Die verbesserte Leistung hat laut Amazon den Vorteil, dass Apps schneller starten und Videos mit weniger Ladezeit abgespielt werden. Damit auch Serien von Amazon Video besser abgespielt werden können, unterstützt der Amazon Fire TV Stick mit Alexa Sprachsteuerung auch das HEVC-Videoformat. Selbst bei langsameren Breitband-Verbindungen sind damit Streaming-Verbindungen in HD-Qualität möglich. Schade ist, dass weiterhin auf eine Full-HD-Unterstützung verzichtet wird.

Der Fire TV Stick mit Alexa-Steuerung kostet bei Amazon gegenwärtig knapp 40 Euro, während das Vorgängermodell aktuell nicht erhältlich ist.

Die Lösungen von Apple: Apple TV und AirPlay

Zwar kann ein Chromecast auch mit iPhones von Apple kooperieren und mit entsprechender Trickserei können Geräte von Apple auch per DLNA streamen. Allerdings wäre Apple nicht Apple, wenn es nicht auch eine eigene, für iOS-Geräte optimierte Version des Streamings gäbe.

Die Apple TV-Box befindet sich aktuell (2017) in vierter Generation. Die eigene Betriebsoberfläche nennt sich tvOS und greift in Form einer drahtlosen Verbindung auf das Ökosystem der von Apple entwickelten Betriebssyteme iOS und macOS zu. Vom Smartphone oder Tablet kann Apple TV mit Hilfe des Übertragungsstandard AirPlay bespielt werden. Die Bild- und Tonsignale werden per HDMI-Kabel an den Fernseher weitergegeben und über die Boxen des TV ausgespielt. Zunächst basierte AirPlay und dessen Vorgänger AirTunes auf einer WLAN-Verbindung. Mittlerweile wird bei AirPlay allerdings eine eigene Netzwerkumgebung geschaffen, bei der die Geräte per Bluetooth miteinander kommunizieren und Daten übertragen.

Apple TV

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    Pressebilder von Apple TV
    Bildquelle: Apple
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    Pressebilder von Apple TV
    Bildquelle: Apple

Das Apple TV der vierten Generation, das mit einer touch- und siri-fähigen Fernbedienung erhältlich ist, kostet direkt bei Apple je nah Speicherausstattung 179 Euro (32 GB) oder 229 Euro (64 GB). Günstiger ist Apple TV im Online-Fachhandel zu haben. Ein Preisvergleich kann sich hier in jedem Fall lohnen.

Miracast - Den kompletten Displayinhalt unter Android spiegeln

Das als WiFi Alliance bekannte Konsortium hat auf DLNA aufbauend einen neuen Verbindungs-Standard etablieren wollen: Miracast setzt ebenfalls auf die Übertragung innerhalb einer erstellten WLAN-Netzumgebung und ist per HDMI mit dem TV-Gerät verbunden. TV-Geräte, die seit 2013 serienmäßig verkauft werden, unterstützen Miracast; Smartphones und Tablets mit Android können sich seit der Version 4.2 alias Jelly Bean über Miracast mit dem Fernseher verbinden. Aktuelle Smartphones mit Windows-Oberfläche (ab Windows Phone 8.1) können den Standard ebenfalls nutzen. Miracast ist entweder im jeweiligen Fernseher als Empfangsmodul verbaut oder kann als zusätzliches Dongle mit HDMI zwischengeschaltet werden, was es kaum mehr von Chromecast unterscheidet.

Die Initiative der Miracast-Erfinder ist zwar lobenswert und stellt eine Weiterentwicklung des klassischen DLNA dar, allerdings hat auch Miracast durch Chromecast und Co. kein Alleinstellungsmerkmal mehr, sodass sich die kabellose Verbindung via Miracast oft nur noch dann lohnt, wenn ein Fernseher die Daten darüber von Haus aus empfängt und man nicht ein fähiges Zusatz-Dongle erwerben muss. Dies wird aufgehoben, wenn der Nutzer sein Handy mit dem Fernseher verbinden will, mit der Absicht den gesamten Bildschirm des Smartphones oder Tablets und nicht die auf die neue Größe übersetzten Funktions-Apps zu spiegeln.

Neben TV-Geräten sind auch einige Blu-ray-Player, TV-Receiver und weitere Set-Top-Boxen mit dem Miracast.Standard kompatibel. Eine Liste der infrage kommenden Geräte findet sich auf der Seite der WiFi Alliance. In der Anfangszeit war insbesondere LG schon stark mit Smartphones, Fernsehern, Blu-ray Playern und Heimkinoanlagen vertreten, aber auch etliche Samsung- und Sony-Geräte sowie die anderer Hersteller sind in der Liste vertreten.

Was ist Miracast?

Beim Streamen mit Miracast wird im Gegensatz zu DLNA kein Router benötigt: Die Verbindung wird per WiFi Direct - wie der Name schon sagt direkt - zwischen zwei kompatiblen WLAN-fähigen Geräten hergestellt. Sprich: Das Handy verbindet sich ohne Umwege mit dem Fernseher. Die Anmeldung eines Geräts an diesem WiFi-Direct-Netz kann über eine PIN, per Knopfdruck, via NFC oder USB erfolgen. Anschließend sollte man z.B. Videos vom Handy zum TV schicken oder seinen Smartphone-Bildschirm auf dem Fernseher spiegeln können. 

Screen Mirroring löst Herstellerlösungen ab

Um nicht abhängig von Standards Dritter zu werden, haben auch Hersteller von Smartphones mit Android als Betriebssystem ihre eigenen Übertragungswege neben DLNA entdeckt: Die Namen reichten hier von Samsung "AllShare", später "Samsung Link" und "Smart View" bis hin zu HTCs "Wireless Display". Insebsondere die verschiedene Performance bei Videoformaten verleiteten die Hersteller zu eigenen Übertragungswegen. Im Universum von Android ist das mit der Zeit durch den zumeist vorinstallierten Standard Screen Mirroring, der auf Miracast basiert, abgelöst worden.

Bildschirm vom Smartphone auf den TV übertragen

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    Übertragung des Displays...
    Bildquelle: Michael Stupp / inside-handy.de
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    ... von einem Sony Xperia XZ auf einen Philips-TV.
    Bildquelle: Michael Stupp / inside-handy.de

Handy mit TV verbinden: Fazit

Die Möglichkeit, Fotos und Videos von einem auf Android, iOS oder Windows basierenden Handy oder Tablet auf den TV-Bildschirm zu streamen, ist nur ein Teil des komplexen Trendthemas "Connected Home" oder "Internet der Dinge" (IoT), wie es auch genannt wird. Die Vision, dass in Zukunft alle elektronischen Geräte eines Haushalts kabellos und vor allem simpel miteinander verbunden werden können, ist angesichts der technischen Fortschritte nicht mehr weit. Ein Handy- oder Tablet-Display zu spiegeln oder einen Bildschirm zu übertragen wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Klammert man herkömmliche Haushaltsgeräte wie zum Beispiel die "weiße Ware" aus, ist die Vernetzung technischer Geräte heute schon längst zum Alltag geworden.

DLNA scheint seit der Entwicklung von Miracast überholt, aber selbst Miracast spiegelt lediglich den Bildschirminhalt des Handys auf den Fernseher. Die Geräte von Google und Apple, Chromecast und AppleTV, schaffen es, die Funktionen der grundlegend ausgeführten Apps fernsehergerecht zu übertragen, was sich insbesondere positiv auf die Bild- und Übertragungsqualität auswirkt, da die entsprechende App vom Chromecast oder Fire TV Stick selber geöffnet wird, die dann durch das Smartphone oder Tablet ferngesteuert wird.

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Quellen: Apple, Google, dlna.org, WiFi Alliance | Bildquelle kleines Bild: Michael Stupp / inside-handy.de | Autor: Redaktion inside-handy.de
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