Arbeiten im Home Office

Die Vorteile und Nachteile vom Home Office / Teleheimarbeit

„Eine Chance für bessere Work-Life-Balance“ oder „Mehrfreizeit, bei gleichbleibendem Arbeitsaufwand“: Die Anforderungen an das Arbeiten im Home Office sind groß. Die auch Teleheimarbeit genannte Form des Arbeitsverhältnisses erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Dennoch arbeiten viele Arbeitnehmer hierzulande noch nicht von zu Hause aus. Die Vorteile und Nachteile erläutert der folgende Artikel.

Eines ist klar: Immer mehr Menschen wünschen sich Arbeiten im Home Office. Laut einer Umfrage des Instituts YouGov im August 2017 stuften über 40 Prozent der Führungskräfte Teleheimarbeit als sehr relevant ein. Bei den Mitarbeitern schätzt ebenfalls die deutliche Mehrheit das Thema mobiles Arbeiten als wichtig für das Unternehmen ein. Als wesentlichen Faktor sehen es bislang jedoch nur 23 Prozent der Befragten. Denn die Furcht beim Home Office ist groß: So gibt sich ein Viertel (24 Prozent) der Mitarbeiter besorgt, dass Kollegen, die physisch im Büro anwesend sind, besser bewertet werden als diejenigen, die von zuhause oder einem anderen Ort aus arbeiten.

In puncto flexible Arbeitskonzepte gaben fast die Hälfte der Befragten an, dass Home Office-Angebote in ihrem Unternehmen bereits etabliert sind. 36 Prozent gehen davon aus, dass die Zahl der Kollegen im Home Office auch weiterhin steigt. Vor allem Führungskräfte erwarten in den kommenden fünf Jahren einen wesentlichen Wandel hin zu flexibleren Arbeitszeiten (54 Prozent) und einen Anstieg der Arbeit aus dem Home Office (46 Prozent) heraus.

Gefragt nach den größten Herausforderungen mobiler Arbeitskonzepte nennen Führungskräfte am häufigsten Sicherheitsbedenken. Lediglich sechs Prozent sehen eine mangelnde Kontrolle der Mitarbeiter als Nachteil. Für die große Mehrheit (85 Prozent) der Führungskräfte macht es das Home Office nicht schwieriger, die Arbeit der Mitarbeiter zu bewerten. Dies gilt ebenso für die Faktoren Kreativität und Austausch: Fast 80 Prozent widersprechen der Aussage, dass Home Office Kreativität und Austausch im Team verhindert. Ob diese Eindrücke jedoch, täuschen, muss noch geklärt werden.

Was ist Home Office / Teleheimarbeit?

Unter dem Home Office oder der Teleheimarbeit versteht man eine besondere Form von Arbeitsverhältnissen.

Bei diesen arbeiten Auftrag- bzw. Arbeitnehmer außerhalb des Gebäudes ihrer Auftrag- bzw. Arbeitgeber, in der Regel von zu Hause aus. Arbeitsziele, -vorhaben, -ergebnisse und Termine werden dabei telefonisch, per Mail oder andere digitale Kanäle besprochen und übermittelt.

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Wer Teleheimarbeit mit seinem Vorgesetzten verabredet hat, arbeitet entweder ganz von zu Hause aus oder teilweise im Unternehmen und teilweise zu Hause. Nach der neuen Arbeitsstättenverordnung sind Telearbeitsplätze vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Mitarbeiter. Ist alternierende Telearbeit – also ein Wechsel zwischen Büro und zu Hause – vereinbart, wird den Mitarbeitern in der Firma ein fester Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt, den er sich eventuell mit mehreren Kollegen, die ebenfalls alternierend arbeiten, teilen muss.

Dabei gilt es zu beachten, die Telearbeit nicht mit dem mobilen Arbeiten zu verwechseln. Denn Letztere wird hauptsächlich von Außendienstlern geleistet. Mobil heißt hier ‚viel unterwegs‘. Rechtlich fällt das Arbeiten von unterwegs – zum Beispiel im Zug oder Flieger – nicht unter den Begriff „Telearbeit“. Mobile Arbeiternehmer haben täglich wechselnde Einsatzorte, beispielsweise wenn sie Kunden oder Lieferanten besuchen.

Es existiert übrigens kein Recht aufs Home-Office. Wer von zu Hause aus arbeiten will, sollten das mit dem Chef besprechen. Abseits von überzeugenden Argumenten gibt es keine rechtliche Grundlage, die den Vorgesetzten zum Einlenken bewegen kann. Hier haben es zum Beispiel die Niederländer besser. Seit Juli 2015 können sie Anspruch auf Heimarbeit durchsetzen, beispielsweise wenn die Kinder erkrankt oder Angehörige pflegebedürftig sind. Dieses Recht haben Angestellte in Unternehmen ab zehn Mitarbeitern. Jedoch muss sich die Arbeit auch von Zuhause aus erledigen lassen. Lehnt der Chef die Bitte ab, muss er dies begründen. In Deutschland hingegen bestimmt grundsätzlich der Arbeitgeber den Arbeitsort seiner Angestellten.

Arbeiten von Zuhause kann Produktivität steigern

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Die Nachteile von Home Office / Teleheimarbeit

Für viele Arbeitnehmer und -geber ist das Arbeiten von zu Hause aus mit Nachteilen versehen. Die folgenden Bedenken treten am häufigsten auf und sind teilweise auch wissenschaftlich belegt.

  • Fehlende Motivation / Struktur

Fehlende Tagesabläufe, unzureichende Konzentration und dennoch wenig geschafft: Für viele Menschen hat die Arbeit von zu Hause aus einen gewaltigen Nachteil – die fehlende Struktur und Motivation. Denn obwohl das morgendlich Aufstehen und der Chef im Nebenzimmer viele Mitarbeiter nach außen hin stört, schaffen diese Faktoren doch formgebende Abläufe und Vorgänge, an denen sich der Arbeiter daran orientieren kann. Fehlt dieses Korsett, gibt es auch Probleme beim Arbeiten. Vor allem Menschen, denen es schwerfällt, sich selbst zu organisieren, tappen in die Ablenkungsfallen und Motivationslosigkeit des Home Office.

  • Vermischung von Privat- und Berufsleben

Während der Ausgleich von Arbeit und Freizeit im Home Office oftmals als Vorteil gewertet wird, gibt es jedoch auch eine Kehrseite der Medaille: So sehen viele Arbeiter es als größte Herausforderung von mobilen Arbeitskonzepten an, das Vermischen von Privat- und Berufsleben zu verhindern. Dies geht Hand in Hand mit der fehlenden Konzentration und Struktur: Wer beim Arbeiten im Home Office beziehungsweise der Teleheimarbeit immer verfügbar ist, wird nicht produktiv sein. Das Ziehen von Grenzen kann sich teilweise als schwer herausstellen – vor allem, wenn es um Familienmitglieder oder den Partner geht.

  • Fehlen von sozialen Kontakten

Oftmals unterschätzt: Das Gespräch mit den Kollegen oder die Meetings auf der Arbeit sind nicht nur zeitraubend und anstrengend, sondern können klaren Mehrwert haben. Dies wird nicht immer sofort deutlich, da nach Jahren im Büro einem die heimische Ruhe wie eine Wohltat vorkommt. Jedoch merkt man schnell: Wer nicht am Flurfunk teilnimmt, bleibt außen vor. Denn in den Gesprächen mit den Mitarbeitern erfährt man doch so einiges über Strategien und Entwicklungen. Bei aller Ruhe: Home Office beziehungsweise Teleheimarbeit begünstigt die soziale Isolation und den Verlust des Anschlusses. Im schlimmsten Fall kann das zum Karriereknick führen.

Richtigen Smalltalk mit Kollegen führen - die Themen sind entscheidend

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  • Schlechtere Bewertung vom Chef

Wer von zu Hause aus arbeitet, muss damit rechnen, dass ihn der Chef vergisst. Diese Angst ist nicht ganz unbegründet. Laut der schon erwähnten YouGov-Umfrage nahmen Vorgesetzte die deutlich bessere Leistung der Heimarbeiter im Vergleich zu den anwesenden Kollegen im regulären Büro gar nicht wahr. Obwohl jeder einzelne Heimarbeiter im Jahresschnitt Mehrleistungen erbrachte und dabei auch noch Bürokosten sparte, gab es für die Betroffenen seltener Gehaltserhöhungen und weniger Beförderungen.

Hinzu kommen noch Vorurteile gegenüber der eher modernen Form des Arbeitens. Viele Arbeitgeber mögen es, wenn sich Mitarbeiter im Büro befinden. Wer hier eine Regelung für das Arbeiten im Home Office anspricht, kann durchaus auf taube Ohren und wenig Gegenliebe stoßen.

Die Vorteile von Home Office / Teleheimarbeit

Es ist jedoch nicht alles schlecht in den eigenen vier Wänden. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich die positiven Statistiken anschaut, die mit dem Home Office beziehungsweise der Teleheimarbeit verbunden werden:

  • Die Heimarbeit steigerte die Leistung der Versuchsteilnehmer um stolze 13 Prozent.
  • 9 Prozent davon ergaben sich allein dadurch, dass die Heimarbeiter mehr Zeit (pro Schicht) arbeiteten, als sie tatsächlich mussten. Sie machten weniger und kürzer Pausen und waren auch seltener krank.
  • 4 Prozent ergaben sich durch die gestiegene Konzentration – dank weniger Störquellen und -geräusche im Umfeld.
  • Zudem berichteten die Heimarbeiter einhellig, sie seien zufriedener mit ihrer Arbeit.

Die Vorteile vom Arbeiten im Home Office sind zahlreich. Hier eine kleine Auswahl an wichtigen Aspekten.

  • Vorteilhafte Work-Life-Balance

Das magische Wort der modernen Arbeitswelt lautet Work-Life-Balance. Darunter versteht man jedoch nichts anderes als die einfache Verbindung von Privat- und Berufsleben. Das soll sich im Home Office wesentlich einfacher gestalten. Durchaus ermöglicht die Teleheimarbeit unter anderem eine flexible Zeiteinteilung sowie bessere Möglichkeiten zur Nutzung von kreativen Phasen. Auch der fehlende Arbeitsweg und die höhere Eigenverantwortung können Mitarbeiter anspornen. Selbst das persönliche Motivieren zum Arbeiten kann für einige als Motivation in sich gelten. Jedoch trifft dies nicht auf jeden Mitarbeiter zu, wie schon bei den Nachteilen gesehen.

  • Kostensparende Arbeit

Ein Punkt, der nicht wegzudiskutieren ist: Mitarbeiter im Home Office kosten Arbeitgeber weniger Geld. Wer keinen eigenen Schreibtisch im Büro braucht, für den muss auch keiner angeschafft werden. Darüber hinaus: Arbeiten kostet – nicht nur den Arbeitgeber. Tägliche Fahrten, Kleidungs- und Reinigungskosten, Essen oder der traditionelle Pausenkaffee mit den Kollegen sind auch Kosten. Über all die muss sich der Heimarbeiter keine Sorgen machen. Wenn man allerdings extra für das Home Office eine größere Wohnung braucht, ist das Plus in der Geldbörse dahin. Auch hier gibt es jedoch Möglichkeiten, sich mit dem Arbeitgeber abzusprechen.

  • Stressreduktion durch Abwechslung

Ein Punkt, der auch in der Work-Life-Balance enthalten ist, jedoch separat noch einmal erwähnt werden sollte. Wer Variation in seinen Alltag bringt, kann seine Motivation steigern und Stress zurückfahren. Bei einem täglich immer gleichen Ablauf leidet oftmals die Kreativität. Wer regelmäßig von zu Hause aus arbeitet, sorgt für die notwendige Abwechslung.

Junge Mitarbeiter sind das Lebenselixier eines Unternehmens

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Fazit

Jeder Mensch ist anders: Das gilt auch für die Frage nach Home Office beziehungsweise Teleheimarbeit – ja oder nein? Wer klare Strukturen und Mitarbeiter braucht, um sich motiviert und produktiv am Arbeitsplatz zu halten, der sollte wahrscheinlich mehrheitlich im Büro arbeiten. Wer lieber seine Ruhe hat und in den eigenen vier Wänden produktiver ist, der sollte Home Office betreiben. Wie so oft liegt die Wahrheit aber in der Mitte: Eine Mischung aus Arbeit im Büro und von zu Hause aus ist ein Mittelweg, den auch viele Unternehmen bestreiten. Wer noch nie im Home Office war, dazu jedoch die Möglichkeit hat, sollte es einmal versuchen. Erfahrungen in der Teleheimarbeit können zumindest nicht schaden.

Mehr als nur eine Geschmacksfrage ist es dann aber doch: Denn oftmals sind Unternehmen noch nicht so weit, dass sie Home Office erlauben. „Leistung wird per Stechuhr gemessen und nicht am Arbeitsergebnis“, sagt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Nicht, was wir für die Firma erbracht haben, sondern wie viel Zeit wir anwesend waren, zählt bei der Beurteilung. Solange sich diese Ansicht nicht ändert, wird die Teleheimarbeit aber noch zu wenig Arbeitnehmern offen stehen.

Quellen: YouGov im Auftrag von Samsung, Wikipedia, ARAG

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