Arbeitsvertrag kündigen

Arbeitsvertrag kündigen – der richtige Zeitpunkt ist entscheidend

Soll ich kündigen? Eine Frage, die sich wohl ein jeder Arbeitnehmer im Verlauf seines Berufslebens das eine über das andere Mal stellt. Doch wer seinen Arbeitsvertrag kündigen will, hat meistens schon einige Phasen von Frust und Zufriedenheit durchlaufen. Oftmals hat er den optimalen Zeitpunkt, das Arbeitsverhältnis zu kündigen, dann schon verpasst.

Jeder zweite Arbeitnehmer wähnt sich in seiner beruflichen Situation unzufrieden, das bestätigen Studien immer wieder. Gar 70 Prozent der Beschäftigten würden ihren Freunden davon abraten, im gleichen Unternehmen zu arbeiten, wie das Meinungsforschungsinstitut YouGov herausfand. Regelmäßige Jobwechsel machen glücklich, auch das hat die Wissenschaft inzwischen belegt. Doch wann kündigen?

Wenn der Arbeitsplatz zum Krisengebiet wird, ist es meist schon zu spät. Die unliebsamen Aufgaben stapeln sich auf dem Schreibtisch, Kunden und Kollegen geben sich kapriziös und dem Vorgesetzten wünscht man die Pest an den Hals. Ist es nicht Zeit, einfach hinzuschmeißen? Doch dem verlockenden Gedanken steht meist das eigene Sicherheitsbedürfnis gegenüber, schließlich muss die Miete bezahlt werden. Also hält man durch, bis es nicht mehr geht, anstatt etwas zu ändern.

Dabei liegt der optimale Zeitpunkt, etwas zu verändern oder gar einen Jobwechsel einzuleiten, meist sehr viel weiter in der Vergangenheit. Typischerweise verläuft ein Anstellungsverhältnis in sieben Phasen, von denen jede Phase unterschiedlich lang andauern kann, gekündigt wird jedoch meist erst in Phase sieben, nachdem einige Höhen und Tiefen durchlebt wurden.

Die sieben typischen Phasen in jedem Job

Phase 1: Begeisterung und Motivation

Alles ist neu, alles ist anders, die Mühen der Jobsuche zahlen sich endlich aus. Das erste Hochgefühl überdeckt alle Anzeichen von Erschöpfung oder Problemen. Arbeitnehmer in dieser Phase sind voller Tatendrang, gehen mit guter Laune zum Job und sind voller Vorfreude auf das, was noch kommt.

Phase 2: Ernüchterung und Zweifel

Es ist wie mit der Verliebtheit: Hat man die rosarote Brille erst einmal abgenommen und lässt den Alltag einkehren, muss man sich eingestehen, dass auch der vermeintliche Traumjob seine Kehrseiten hat. Die meisten Arbeitnehmer fragen sich nun, ob der eingeschlagene Karriereweg der richtige war. Unsicherheit und Selbstzweifel machen sich breit.

Phase 3: Anpassung und Kennenlernen

In dieser Phase gewöhnt man sich im neuen Job ein. Die Anforderungen sind klar und die meisten Aufgaben gehen nun allmählich leichter von der Hand. Auch die Beziehung zu den Kollegen vertieft sich. Ehrgeiz macht sich breit und man möchte dem Chef beweisen, dass man bereit ist für größere, wichtigere Aufgaben

Phase 4: Vertrauen und Konstanz

Arbeitnehmer in dieser Phase sind nun fester Bestandteil des Teams. Man erarbeitet sich Vertrauen von Kunden, Kollegen und Vorgesetzen. Mit viel Routine werden nun Aufgaben im Verantwortungsbereich zuverlässig und selbstständig bearbeitet, was oft auch mit lobenden Worten vom Chef bedacht wird. Jetzt möchte man mehr und sucht nach Chancen, sich verstärkt einzubringen.

Phase 5: Erfolge und Wachstum

Dies ist die Hochphase, Angestellte befinden sich hier auf dem Zenit ihrer Leistungsfähigkeit. Die Erfolge kommen dementsprechend Schlag auf Schlag. Mit wachsender Verantwortung steigt auch die Motivation und man ist stolz auf das Erreichte. Alles läuft bestens.

Phase 6: Rückgang und Wünsche

Von nun an geht’s bergab: Die Erfolge bleiben aus, die eigenen Leistungen nehmen ab, man ist zunehmend unzufrieden mit der eigenen Situation. Doch jetzt den Job kündigen? Dem ersten Impuls gibt man oft nicht nach, stattdessen redet man sich die eigene Situation schön.

Phase 7: Schlusspunkt und Konsequenzen

An diesem Punkt angekommen ist man längst darüber hinweg, sich selbst vorzugaukeln, die eigene berufliche Situation sei nicht die schlimmste. Die „innere Kündigung“ hat man längst vollzogen, doch man hat zu Beginn dieser Phase noch nicht den Mut gefunden, den Pfad der Veränderung zu beschreiten. Man ist unglücklich und setzt sich je länger diese Phase andauert zunehmendem Stress aus, der sich womöglich auch gesundheitlich bemerkbar macht.

Am Ende steht dann endlich die Kündigung, die meist viel zu spät erfolgt. An diesem Punkt haben auch längst die Vorgesetzen begriffen, dass man unglücklich ist und kommen der eigenen Kündigung womöglich zuvor.

Natürlich ist diese verallgemeinerte Schilderung der Jobphasen nicht für einen jeden Arbeitnehmer passend, doch illustriert sie, dass es einen besseren Zeitpunkt für einen Arbeitsplatzwechsel gibt als den „Point of no Return“. Gerade in der sechsten Phase sollte man sich bereits nach einem neuen Job umsehen – sich selbst etwas vorzumachen, verbessert die eigene Situation häufig nur vorübergehend.

Der „inneren Kündigung“ zuvorkommen

Ein Jobwechsel ist jedoch nicht immer die einzige Möglichkeit, die eigene Zufriedenheit am Arbeitsplatz wieder zu erhöhen. Der Schlüssel ist es, sich erst einmal selbst zu fragen, was genau der Störfaktor ist: Unter- oder Überforderung? Ist die Bezahlung zu schlecht? Wird man gar gemobbt oder schikaniert?

Jetzt sollte man rechtzeitig aktiv werden und das Gespräch mit Kollegen und Vorgesetzten suchen. Vielleicht kann schon die Bitte um neue, anspruchsvollere Aufgaben oder um Entlastung die eigene Situation verbessern. Gerade bei Problemen mit den Kollegen hilft oftmals auch das offene Gespräch um die Frage: „Was kann ich tun, damit wir in den nächsten Jahren erfolgreich zusammen arbeiten“?

Wenn das nichts hilft und man sich nach wie vor jeden Morgen davor grault, zur Arbeit zu gehen, ist es jedoch an der Zeit, die Reißleine zu ziehen. Ein Jobwechsel ist heute längst nicht mehr so verpönt oder unüblich wie noch vor 30 Jahren. Die wenigstens Arbeitnehmer arbeiten heute ihr Leben lang bei einem Arbeitgeber. Wer strukturiert vorgeht und sich zuerst einen neuen Job sucht, bevor er die Kündigung einreicht, hat das eigene Karriere-Aus nicht zu befürchten. Im Gegenteil: Oftmals verleiht eine berufliche Veränderung der eigenen Karriere nochmal einen ganz neuen Schub.

Aus einem Impuls heraus von jetzt auf gleich zu kündigen ist jedoch in den wenigstens Fällen eine empfehlenswerte Taktik.

Warum man kündigen sollte – und warum nicht

Arbeitsvertrag kündigen – gute Gründe

  • Gesundheit. Manche Jobs machen einfach krank: Ob mobbende Kollegen, die die Atmosphäre vergiften, einen jähzornigen Chef oder Permastress durch genervte Kunden – auf Dauer machen diese Faktoren krank. Der Gesundheit zuliebe sollte man einen solchen Job an den Nagel hängen.
  • Langeweile. Ist der Job bar jeglicher Herausforderungen, kann es an der Zeit sein, ihn zu wechseln. Denn wer nichts mehr lernen und erreichen kann, wird auf Dauer unmotiviert. Ein Gespräch mit dem Chef kann helfen, nötigenfalls auch ein Jobwechsel, ob intern oder extern.
  • Stillstand. Fehlen die Karriereperspektiven oder zumindest die Perspektiven auf mehr Lohn kann dies ein guter Grund zum Kündigen sein. Ohne Anreiz und Spaß wird auch die Dauer jeder Job zur Qual.
  • Unsicherheit. Auch wenn kein Job mehr sicher sein mag – in andauernder Angst um den eigenen Arbeitsplatz zu leben ist anstrengend. Ist überdies auch noch die wirtschaftliche Situation des Unternehmens angespannt heißt es: Runter vom sinkenden Schiff!

Arbeitsverhältnis kündigen – schlechte Gründe

  • Frust. Jeder hat mal einen schlechten Tag, auch eine schlechte Woche oder einen schwierigen Monat. Doch das ist noch kein Grund, gleich aufzugeben. Man sollte sich das Gesamtbild vor Augen führen.
  • Kritik. Jeder macht Fehler und das führt zu Unzufriedenheit und Kritik. Auch wenn der Chef sich dort mal im Ton vergreift und die Kritik augenscheinlich übertrieben vorbringt, sollte man die Gelegenheit zur Selbstreflexion nutzen. Permanente, haltlose Kritik sind jedoch sehr wohl ein guter Grund, das Unternehmen zu verlassen.
  • Fehler. Auch wenn ein Fehler das Unternehmen teuer zu stehen kommt und das Damoklesschwert der Kündigung über dem Kopf schwebt, ist dies kein Grund, aufzugeben. Stattdessen sollte man aufstehen und das Beste aus dem Fehler im Job machen.
  • Chef. Die meisten Chefs sind auch nur Menschen, auch wenn es menschlich mit ihnen manchmal schwierig ist. Wegen des Chefs die Flinte ins Korn zu werfen lohnt sich in der Regel nicht, manchmal muss man einfach einen Weg finden, miteinander auszukommen.

Den Abgang richtig gestalten

Eine Kündigung will gut vorbereitet sein und hier sollte man nichts dem Zufall überlassen. Im Idealfall hat man den neuen Arbeitsvertrag bereits in der Tasche, wenn man die Kündigung ausspricht. Hierbei ist es wichtig, dass Kündigungsfristen entsprechend gewahrt werden. Weitere Tipps zum richtigen Vorgehen bei einer Kündigung hat die inside-handy.de-Redaktion in einem separaten Artikel zusammengefasst.

[Mit Material von Karrierebibel, Welt, SZ]

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