Kurztest

Metall-Androide mit Rotstift im Nacken

Datum: 20.05.2016 | Wertung: 66% | Produkt: ZTE Blade V7
ZTE Blade V7

ZTE stattet das Blade V7 mit einem Metallgehäuse, einem Full-HD-Display und einem aggressiven Preis von knapp 250 Euro aus. Dass da an einigen Stellen gespart werden muss, ist nicht verwunderlich; trotzdem überrascht ZTE damit, wo genau der Rotstift angesetzt wurde. Der Test von inside-handy.de zeigt, ob die Einsparungen akzeptabel sind und wo ZTE richtig gute Arbeit gemacht hat.

Design und Verarbeitung

Ein Apple iPhone? - Die ersten Reaktionen der Mitmenschen beim Blick auf die Front des ZTE Blade V7 sind meist gleich: Zumindest auf der Front und am Rahmen kann die Ähnlichkeit zum Smartphone-Star aus Cupertino kaum übersehen werden. Schweift der Blick jedoch um das Vollmetallgehäuse herum auf die Rückseite des China-Handys wird schnell klar, dass hier auch eigene Designideen umgesetzt wurden. Ein iPhone-Klon ist des ZTE Blade V7 nicht.

Der Preis von 250 Euro wirkt beim ersten Blick und ersten Kontakt zumindest in diesem Bereich völlig berechtigt. Doch irgendwie wirkt es nicht ganz rund, irgendetwas stört die Haptik und irgendetwas stimmt beim Design nicht. Die Auflösung: Die Chinesen haben sich nur wenig um Detailfragen gekümmert und auch die Qualitätskontrolle wohl vernachlässigt.

Bei genauem Hinsehen wird das an sich schicke 2,5-D-Glas auf der Front von einem Kunststoffrahmen umgeben, was der Eleganz einen Abbruch gibt. Dazu stehen die obere und untere Rückseitenteile deutlich von restlichen Rückdeckel ab. Die abgefasten Kanten decken sich ebenfalls nicht und stehen in unterschiedlichen Winkeln ab. Damit sind optische Unterbrechungen sicht- und haptische Unebenheiten spürbar. Darüber hinaus sind die Radien des Rahmens nicht überall gleich und es entstehen weitere negative Haltepunkte für Hand und Auge.

ZTE Blade V7: Hands-On-Bilder

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    Hands-On-Bilder des ZTE Blade V7 aus dem Borussia-Park in Mönchengladbach.
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    Hands-On-Bilder des ZTE Blade V7 aus dem Borussia-Park in Mönchengladbach.

Richtig stark hingegen ist das Design der Rückseite bei der Integration der Kamera, des doppel-LED-Blitzes und des Logos von ZTE: Alle drei sind symmetrisch in der Mitte des Rückdeckels eingelassen und gefällig integriert. Selbst die herausstehende Kamera an sich wirkt durch den Metallring und der schicken Schräge ansprechend und hochwertig. Ebenfalls positiv sind die Metall-Taster zu erwähnen, die mit ordentlicher Haptik, gutem Druckpunkt und feiner Verarbeitung glänzen.

Das Design wirkt edel, ist es aber aufgrund von Verarbeitungsschwächen und Ungenauigkeiten, sowie inkonsequenter Materialwahl nicht. Hier war für ZTE viel mehr drin.

Wertung: 3 / 5

Display

Das 5,2 Zoll große IPS-Display des ZTE Blade V7 löst in Full-HD auf und kann so auf eine sehr ordentliche Pixeldichte von 424 PPI zurückgreifen. Damit werden Spiele, Bilder und Schrift scharf wiedergegeben, womit es hier wenig zu bemängeln gibt. Auch beim Kontrast und den Schwarz- und Weißwerten kann das Display überzeugen.

ZTE Blade V7

Tendenziell kalt eingestellt: Das Display neigt zur Grundfarbe Blau

Ein paar Kritikpunkte am ansonsten guten Display gibt es doch: Die Reaktionszeit und die Genauigkeit von Touch-Befehlen lässt zu wünschen übrig und ist verbesserungswürdig. Dazu kommt eine wacklige Blickwinkelstabilität und eine ruckelige Helligkeitsautomatik. ZTE bietet dem Nutzer auch keine eigene manuelle Display-Anpassung. Einzig die von Google in Android integrierte Farbverschiebung für Rot-Grün-Schwäche kann aktiviert werden.

Das Display kann an sich überzeugen, jedoch wird von ZTE wenig Liebe in die Software dahinter gesteckt. Damit ist nicht die optimale Punktausbeute möglich.

Wertung: 3,5 / 5

Ausstattung und Leistung

ZTE verpflanzt in sein neues Smartphone einen MediaTek-Prozessor mit acht Kernen und einer Taktung von 1,3 GHz. Dazu werden die mittlerweile schon in der unteren Mittelklasse zum Standard gehörenden 2 GB Arbeits- und 16 GB Hauptspeicher verbaut.

ZTE Blade V7 mit durchschnittlichen Werten im Benchmark Test

Auf Basis von AnTuTu in der Version 6.1.4. erreicht das ZTE Blade V7 vergleichsweise schwache 34.405 Punkte. Damit sortiert sich das Handy zwischen dem Wiko Fever 4G(36.203 Punkte) und dem 2016er Modell des Samsung Galaxy A3 (35.720 Punkte) ein. Eine ähnliche Performance konnte inside-handy.de aber auch beim Xiaomi Redmi 3 (34.659 Punkte) und beim Honor 5x (37.030 Punkte) messen. Sie bewegen sich preislich unterhalb des Blade V7, kommen jedoch ohne Metallgewand zum Kunden. Hinter der Benchmark-Spitze hängt das ZTE Blade V7 meilenweit hinterher. Von den durch die Redaktion gemessenen Werten des LG G5 (137.548 Punkte), Apple iPhone 6s Plus (132.893 Punkte) oder Samsung Galaxy S7 (132.648 Punkte) kann das China-Smartphone nur träumen. Dafür liefert es im Alltag eine genügend schnelle Leistung ab. Bei höherer Belastung durch viele geöffnete Apps oder hohes Aufkommen an Daten, die verschoben werden, wird jedoch das schwächelnde Herz deutlich. Das Spiel Asphalt 8: Airborne wird annähernd flüssig wiedergegeben, jedoch ruckelt es ab und an und die Ladezeit zwischen den Spielrunden sind anstrengend lange.

Verbindungsmöglichkeiten des ZTE Blade V7

Feature Ja Nein Funktion

HSPA

▲    Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ ▲    Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE ▲    Mobilfunkstandard, Down-max 150 Mbit/s
USB-OTG ▲    Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA ▲    Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC   ▼  Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Miracast ▲    Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (Smart TV)
AirPlay   ▼  Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (Apple TV)
MHL   ▼  Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung   ▼  Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version ▲    4.0
WLAN-Standards ▲    802.11 b/g/n
Qi   ▼  Ermöglicht das kabellose Laden des Smartphones
Dual-SIM ▲    Ermöglicht den Betrieb von zwei SIM-Karten parallel

Bei der Ausstattung muss sich ZTE an den Grenzen des Metall-Gehäuses entlanghangeln. So gibt es keine kabellose Lademöglichkeit oder auch NFC. MHL fehlt ebenso. Die Grundausstattung befindet sich jedoch auf einem ordentlichen Niveau. LTE und die kabellose Übertragung auf andere Bildschirme sind mit dabei.

Der größte Kritikpunkt in dieser Kategorie wird jedoch beim Testtelefonat deutlich: Während im normalen Telefonmodus alles in Ordnung ist, sträuben sich beim Druck auf das Lautsprechersymbol die Nackenhaare. Der Lautsprecher und auch die Mikrofone klingen als wären sie von schlechter Qualität und Anrufer, wie auch Angerufener legen schnell wieder auf.

Die Leistung und die Ausstattung ist für den Alltag konzipiert und verzichtet auf High-End. Die Freisprechfunktion ist dagegen indiskutabel und führt ebenfalls zu Punktabzug.

Wertung: 3 / 5

Kamera

Bei der Kameraausstattung setzt ZTE auf die aus vielen Smartphones seiner Klasse bekannte Kombination aus 13 und 5 Megapixeln auf Rück- beziehungsweise Frontseite. Im Heck kommen zwei LEDs zur Beleuchtung in dunkler Umgebung dazu, die elegant in eine runde Öffnung integriert sind.

Die Bildqualität wird weniger vom Sensor und dem Objektiv begrenzt, als von der Software ZTEs, aus der gleichen Kombination schaffen es andere Hersteller deutlich harmonischere Fotos zu erstellen. Das ZTE Blade V7 neigt ohne HDR-Modus zum Überbelichten und dazu, die hellen Stellen in Fotos mit hohem Dynamikumfang auszubrennen. Die Alternative mit HDR-Modus kann ebenfalls nicht überzeugen, da die Bildreihe mit verschiedenen Belichtungszeiten, die nacheinander geschossen und dann zu einem Gesamtbild zusammengesetzt wird, so lange dauert, dass sich Verwackler nur mit sehr ruhiger Hand vermeiden lassen.

ZTE Blade V7

Dabei können die Farben und die Schärfe im Allgemeinen überzeugen und auch die Frontkamera kann für hübsche Selfies sorgen. Die Naheinstellgrenze für Makros von Blümchen und Detailaufnahmen für die Foodporn-Fetischisten kann als in Ordnung eingestuft werden, haut jedoch nicht mit überdurchschnittlicher Leistung auf den Putz.

ZTE Blade V7

Die Kamera-App lässt manuelle Einstellungen auf den ersten Blick völlig vermissen. In den Tiefen der Menüstruktur und in zwei verschiedenen Untermenüs wird der Nutzer jedoch fündig: Der ISO-Wert und auch der Weißabgleich können in grober Abstufung eingestellt werden. Das Versteckspiel ist unnötig und trägt selbstverständlich nicht zu einer intuitiven Bedienung bei. Andere manuelle Einstellungen fehlen völlig, was die Filterchen und “schöne-Haut”-Funktionen auch nicht mehr herausreißen können. Hier besteht also Nachholbedarf.

ZTE Blade V7

Die Kamera des ZTE Blade V7 sticht nicht aus dem Markt-Durchschnitt heraus und bietet auch software-seitig keine Highlights. Die Bildqualität ist in Ordnung, für mehr als die üblichen Schnappschüsse ist sie jedoch nicht zu gebrauchen.

Wertung: 3 / 5

Software und Multimedia

ZTE baut bei der Software vorwiegend auf Googles Entwicklungen in Android 6.0 Marshmallow. Die Oberfläche des Betriebssystems ist jedoch seitens ZTE noch einmal modifiziert worden. In den Einstellungen wird der geringe Einfluss ZTEs deutlich: Das Smartphone lässt sich so einstellen, wie es Android zulässt - nicht mehr und nicht weniger. Für Puristen sollte das genügen. Wer allerdings großen Funktionsumfang und Einstellungsarien sucht, sollte sich woanders umsehen.

Die Oberflächen der Software sind ZTE trotzdem gelungen, auch wenn vieles etwas zu bunt aussieht. Wo ZTE angepackt hat, sind häufig Verbesserungen gegenüber der Google-Software zu finden. So ist beispielsweise die Musikapp schick und mit einem Equalizer und Raumklangoptionen auch üppig ausgestattet. Die Personalisierung der Homescreens geht so schnell von der Hand, dass man sich vorstellen kann, täglich das Design des ZTE Blade V7 zu wechseln. Hier also einen großen Daumen nach oben.

ZTE Blade V7

Schlank und Übersichtlich: Die Benutzeroberflächen des ZTE Blade V7

Das Problem im Multimediabereich: Hier scheitert nicht die Hard- an der Software, wie es bei der Kamera der Fall ist, sondern anders herum. Der einsame Lautsprecher an der Unterseite des Gehäuses steckt hinter einem der beiden Bohrlochleisten und quält sich ab. Die entstehenden Geräusche haben wenig mit Musik zu tun und sollten nicht ernsthaft zum Beschallen von kleinen Gruppen genutzt werden. Die beigelegten Kopfhörer bringen keine Besserung in den schlechten Eindruck und verhageln dem ZTE Blade V7 die Wertung.

Software für Puristen mit Hang zum Kitsch und eine Multimedia-Sektion mit deutlichen Schwächen machen aus dem ZTE Blade V7 in dieser Kategorie einen Durchschnittstypen mit vergebenem Potenzial.

Wertung: 3,5 / 5

Akku

Der Akku des ZTE Blade V7 bietet mit 2.540 mAh ein nur durchschnittlich großes Energiedepot. Damit schlägt es sich im acht Stunden andauernden Intensivtest mit unter anderem jeweils 30 Minuten Telefonieren, Spielen, Radio hören und Video streamen wacker ohne zu glänzen. Bei hoher Belastung auf den Prozessor geht der Akku recht flott in die Knie. Beim halbstündigen Spielen des Spiels Asphalt 8: Airborne wurde 15 Prozent des wertvollen Stoffs aus dem Energiedepot gesaugt. Lange Spielesessions sollten also mit Bedacht geplant werden. Das Ergebnis: Die Hälfte der Energie ist nach acht Stunden in Wärme umgesetzt und es bleiben nur noch die zweiten 50 Prozent für den Rest des Testtages. Nach weiteren 16 Stunden im Standby stehen noch 39 Prozent auf der Uhr. Ein recht schwacher Wert, wenn man bedenkt, dass das Smartphone eigentlich nicht mehr genutzt wurde.

ZTE Blade V7

Bei Belastung wenig stabil: Der Akku des Blade V7

Für den Normalnutzer reicht der Akku locker durch den Tag ohne zwischenzeitliche Panikattacken auf der Suche nach einer Steckdose. Trotzdem werden ambitionierte Anwender die Extra-Power der Akkuspezialisten am Markt vermissen.

Wertung: 3,5 / 5

Fazit

Das 250 Euro günstige Smartphone ZTE Blade V7 siedelt sich intern in der oberen Mittelklasse von ZTE an. Auf dem Gesamtmarkt kann es als gestandenes, aber eher unterdurchschnittliches Mittelklassegerät gesehen werden, das auf dem Datenblatt alles bietet, was der Normalnutzer benötigt. Die großen Highlights fehlen zwar, trotzdem bietet es einige Charakterzüge aus der Oberklasse, die allerdings oberflächlich bleiben und nicht konsequent durchentwickelt wurden.

Insgesamt kann das ZTE Blade V7 mit seiner schlanken Software und dem edlen Design überzeugen. Wenn nicht so genau hingesehen wird, wirkt das Blade V7 auch von außen hochwertig und edel. Wer also mehr auf das Äußere Wert legt und sein Smartphone nicht als Poweruser missbraucht, wird hier seine Freude haben.

ZTE Blade V7

Gesamtwertung: 3,5 / 5

Pro

  • Metall-Unibody
  • schicke Design-Details
  • schlanke Software

Contra

  • schwache Kamera
  • schwieriger Sound
  • miese Verarbeitung

Preis-Leistung

250 Euro will ZTE für das Blade V7. Ein an sich fairer Preis, jedoch stellt sich ZTE inmitten der hungrigen Konkurrenz, deren Modelle in diesem Preisbereich mehr können oder einfach weniger Schwächen besitzen. Trotzdem ist das Blade V7 ein ordentliches Angebot und überzeugt durch ein gutes Preis-Leistungs-Niveau.

Alternativen

Honor 5x

Im Bereich der günstigen Mittelklasse-Geräte oder der ambitionierten Einsteiger-Smartphones tummelt sich außer Apple eigentlich jeder Hersteller am Markt. Stark vertreten sind hier klassischerweiße vor allem viele chinesische Hersteller, die ihre günstigen Handys kräftig aufmotzen. Alternativen im Bereich um gut 200 Euro und mit (seltenem) Metallgewand gibt es hier:

Alle drei Smartphone-Modelle können in der Datenbank von inside-handy.de auch direkt verglichen werden.

Wer auf Metall als Gehäusematerial verzichten kann, der wird im genannten Preisbereich ebenfalls fündig, beziehungsweise kann noch einige Euro sparen. Dabei finden sich in Samsungs J3 Duos und auch in BQs Aquaris X5 Plus Metallrahmen, die ebenfalls einen sehr edlen Eindruck machen:

Autor: Michael Büttner

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