Nokia 8 Sirocco im Test: So gut ist Nokias Design-Flaggschiff

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Nokia 8 Sirocco
Bildquelle: inside-handy.de

Das Nokia 8 Sirocco ist laut HMD Global das „Lead-Flagship“ und damit etwas oberhalb des normalen Nokia 8 angesetzt. Da auf absehbare Zeit die viel gehandelten Nokia 9 und Nokia 10 wohl nicht auf den Markt kommen werden, bleibt das Sirocco wohl vorerst an der Spitze des Nokia-Portfolios. Die technischen Daten und die Details zur Ausstattung zeigt inside handy in einem Übersichtsartikel zu allen Neuerungen Nokias vom MWC 2018.

Nokia 8 Sirocco – Die technischen Daten

Nokia 8 Sirocco
 

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Bildquelle: Nokia
Display 5,5 Zoll, 1.440 x 2.560 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8.0 (Oreo)
Prozessor Qualcomm Snapdragon 835 Octa-Core (4 x 2,36 GHz, 4 x 1,9 GHz)
RAM 6 GB
interner Speicher 128 GB
MicroSD nein
Kamera vorne/hinten 5 Megapixel / 12 + 13  Megapixel (Dual-Cam)
Fingerabdruckscanner ja
Akku 3.260 mAh
induktives Laden ja
USB-Port USB 3.1 Typ-C
IP-Zertifizierung IP67
Abmessungen 140,93 x 72,97 x 7,5 mm
Farben Schwarz
Einführungspreis 749 Euro
Veröffentlichung   April 2018

Design und Verarbeitung

Das Nokia 8 Sirocco besitzt drei Aufreger in Sachen Design: Die Kamera-Positionierung, die abgerundete Front sowie Rückseite und das Display-Format. Doch eins nach dem anderen.

Das 5,5 Zoll große Display nimmt im 16:9-Format in einem flachen Gehäuse Platz, das an allen möglichen Ecken und Enden abgerundet ist. So ist das Panel mitsamt dem Schutzglas an den Längsseiten wie das Galaxy S8 und Galaxy S9 von Samsung oder auch die Porsche-Design-Version des Huawei Mate 9 abgerundet und läuft in einen schmalen Rahmen aus Edelstahl. Das Material wird für das gesamte Gerüst des Nokia 8 Sirocco gewählt. Die kurzen Seiten der Front sind ebenfalls abgerundet, jedoch läuft das Display hier nicht mit ums Eck. Auf der Rückseite sieht es ähnlich aus. Mit deren Rändern bildet sich an den Längsseiten des Nokia 8 Sirocco ein lediglich 2 Millimeter dünner Rahmen. Insgesamt ist das Smartphone 7,5 Millimeter dick, wobei dabei der Kamera-Buckel noch nicht mit eingerechnet ist.

Er ist der zweite Design-Punkt der genauer unter die Lupe genommen werden muss. Der aus zwei Modulen bestehende Bildwandler glotzt deutlich aus der Rückseite heraus. Das wäre noch kein Problem, wenn nicht die unglückliche Positionierung des Moduls dazu kommen würde. Es befindet sich am oberen Rand des Smartphones und wirkt wie falsch eingebaut. So entsteht oberhalb des Moduls eine enger Korridor auf der Rückseite, der zu klein ist, um einen neuen Akzent zu setzen, jedoch zu groß, damit man die Konstruktion als „aus einem Guss“ bezeichnen könnte. Designerisch ist hier noch viel Luft nach oben.

Nokia 8 Sirocco: Pressebilder

Die dritte Entscheidung Nokias bezüglich des Designs ist wohl eher technisch bedingt: Das Display wird im 16:9-Format verbaut. Damit bewegt man sich im Flaggschiffbereich als letzter der etablierten Hersteller in diesem etwas antiquierten Format. Da die meisten Multimedia-Inhalte in diesem Format vorhanden sind und da es jahrelang zum Standard gehört hat, sollte hier die Kritik leise sein. Von der technischen Seite her ist sie das auch. Doch das Design wirkt durch das Format doch etwas angestaubt – trotz der vielen tollen Rundungen und pfiffigen Display-Rand-Eskapaden.

Unboxing des Nokia 8 Sirocco

Das Nokia 8 Sirocco wird im typischen Nokia-Böxchen geliefert. Fast quadratisch liegt es auf dem Tisch und präsentiert auf der Front das abgerundete Display des Smartphones. Wird da Paket geöffnet zeigt sich obenauf das Flaggschiff in einer typischen Folienhülle. Daneben wird in einem schmalen Pappquader das Zubehör transportiert. Darin wird neben den Kopfhörern, dem Ladeadapter und dem Daten- / Stromkabel auch ein Adapter für den USB-Typ-C-Port auf Klinke mitgeliefert. Damit können ältere Lautsprecher oder Kopfhörer angeschlossen werden. Unter dem Smartphone befindet sich ein dicker Stapel Anleitungen und Garantiebestimmungen. Hier muss sich Nokia die Frage gefallen lassen, ob es nötig ist, soviel Papier für ein Gerät zu drucken, nur damit der Lieferumfang nicht auf den Markt individualisiert werden muss. Löblich dagegen: Das Nokia 8 Sirocco wird mit einer transparenten Schutzhülle geliefert und bekommt somit ab Werk ein stabiles Mäntelchen gegen Stürze und Unachtsamkeiten. Der Lieferumfang ist somit komplett und übererfüllt die Ansprüche, die normalerweise an ein Testgerät gestellt werden. Etwas schade ist die Papierverschwendung.

Hands-On des Nokia 8 Sirocco

Ein Handy mit dem gleichen Display-Kurven wie das Galaxy S8 und Galaxy S9 müsste sich ja ähnlich anfühlen wie die Spitzenmodelle der Konkurrenz. Tut es auch. Doch nur solange man nur eine Rahmenseite des Nokia 8 Sirocco anfasst. Sobald die Hand das gesamte Smartphone umgreift wird der Eindruck sofort vom vergleichsweise breiten Aufbau zerstört. Ohne Frage, das Nokia 8 Sirocco fühlt sich gut an, die Materialien und die Rundungen haben ihren Charme und man glaubt HMD Global sofort wenn behauptet wird, dass beim Bend-Test 225 Kilo nötig sind, um das 8 Sirocco zu verbiegen. Doch an die Haptik der schlanken Konkurrenz kommt es nicht heran. Und das alles nur wegen des etwas breiteren Rahmens. Nimmt man den mal beiseite, gefällt das Nokia 8 Sirocco fast auf ganzer Linie. Fingerabdrücke sind zwar omnipräsent, jedoch ist das ein Problem, mit dem alle Glasgehäuse zu kämpfen haben. Und diese sind aktuell im Flaggschiff-Bereich absolut in der Überzahl.

Der Eindruck kommt zum einen von den feinen Rundungen, zum anderen von den Materialien, die unter anderem Gorilla Glass 5 und das schon erwähnte Edelstahl enthalten. Selbst an der gerade noch gescholtenen Kamera können die fein abgeschliffenen Kanten gefallen. Das Auge sollte eben nicht immer mitessen.

Noch ein Wort zum 2-mm-Rahmen: Wer etwas empfindlich gegenüber harten Kanten ist, sollte das Nokia 8 Sirocco vor dem Kauf dringend einmal in die Hand nehmen. Die dünnen Rahmenenden sind nichts für Nutzer, die eher einen Handschmeichler bevorzugen. Hier zeigt das Nokia-Flaggschiff seine Diva-Qualitäten und man muss sich erst einmal an die kleinen Handauflageflächen gewöhnen.

Wer das 16:9-Format mag und lieber ein klassisches Smartphone haben möchte anstatt eines der langgezogenen neuen Spitzenmodelle, der kommt am Nokia 8 kaum vorbei. Hier gibt es ein frisches Flaggschiff im „alten“ Format und State-of-the-Art-Gehäuse. Einzig die Kamerapositionierung und der spitze Rahmen haben das Potenzial, Nutzern auf den Nerv zu gehen.

Teilwertung: 4,5 von 5 Sternen

Display

Das Panel des Nokia 8 Sirocco ist auf einige Arten besonders. Nicht nur die abgerundeten Kanten und das Format stechen ins Auge, auch die Auflösung ist mit 1.440 x 2.560 Pixeln mittlerweile außergewöhnlich. Dass man nicht auf QHD+ setzt ist klar, muss man dafür schließlich ein Display mit mindestens 18:9-Format aufbringen.

In den klassischen Kriterien wie Farbdarstellung, Schwarz-Weiß-Wert und Schärfe leistet sich das Display keine Schwächen. Das P-OLED-Panel überzeugt in den bauartbedingten Stärken. Auch die Ablesbarkeit bei seitlicher Draufsicht kann gefallen. Die Farben bleiben stabil und die Abdunklung hält sich in engen Grenzen.

Nokia 8 Sirocco im Test – Display-Einstellungen

Die automatische Helligkeitsregelung ist Highlight und Abgrund zugleich: In der Regel läuft die Anpassung an die Umgebungshelligkeit rasant und flüssig. Das Nokia 8 Sirocco kommt sehr schnell und präzise auf den korrekten Punkt. Die Helligkeit passt sich dabei vom extrem dunklen bis zum extrem hellen Bereich an. So kann im Kino wie auch im gleißenden Sonnenlicht das Smartphone gut abgelesen werden. Wechselt die Umgebungshelligkeit jedoch zu schnell, kommt selbst das blitzschnelle Nokia 8 Sirocco nicht mehr mit und springt einfach an den richtigen Punkt. Das ist bei länger andauernden, jedoch abrupt wechselnden Umgebungshelligkeiten ein tolles Feature, wechselt jedoch die Umgebung zu schnell hin und her, springt die Helligkeit des Nokia 8 Sirocco ebenfalls mit. Hier wäre eine etwas trägere Einstellung angebracht.

Die Einstellungen zur Individualisierung der Darstellung wurde von Nokia etwas Stiefmütterlich behandelt. So gibt es keine Farb-Einstellungen oder Kontraste, die man per Hand regeln kann. Ein Blaufilter und die Farbkorrekturen für Rot-Grün-Schwäche in den Bedienungshilfen lassen das Display per Klick anders aussehen. Das geht auch mit der Farbumkehr. Eine Individualisierung sieht jedoch anders aus. Etwas schade ist auch, dass Nokia die abgeschrägten Ränder ohne Zusatzfunktion lässt. Somit bleiben sie Zierrat und bringen keine Funktionen wie beispielsweise „Seitenlicht“ eines Samsung Galaxy S9 oder das seitliche Zusatzmenü eines Samsung Galaxy Note 9 zum Kunden.

Das hervorragende Display des Nokia 8 Sirocco wird in der Wertung von den etwas mageren Einstellungen und dem etwas ruppigen Verhalten der automatischen Helligkeitsregelung ausgebremst. Trotzdem kommt das Panel auf eine sehr gute Wertung.

Teilwertung: 4,5 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Das Nokia 8 Sirocco hat fast schon erwartungsgemäß keine Probleme mit dem Durchwischen im Test. Auch die Kamera-Software, die immerhin bis zu 41 Pixel ansteuern muss, wird blitzschnell gestartet. Das anspruchsvolle Spiel „Asphalt 8: Airborne“ zeigt tolle Grafiken und selbst die Zwischensequenzen und Ladezeiten werden kurzweilig gestaltet. In der Praxis bringt das Nokia 8 Sirocco also genug Leistung auf die Straße, um auch anspruchsvolle Nutzer zufrieden zu stellen.

Auf den Snapdragon 845 verzichtet HMD Global und verpasst dem Nokia 8 Sirocco den vorjährigen Flaggschiff-Prozessor. Er wird von mächtigen 6 GB Arbeitsspeicher unterstützt und kann Bilder, Videos, Dokumente und Apps in einen 128 GB großen Datenspeicher unterbringen. Hier kommt ein kleiner Knackpunkt der Ausstattung ins Spiel: Der Speicher ist nicht erweiterbar und man muss somit Android-untypisch auf einen MicroSD-Kartenslot verzichten. Der Qualcomm Snapdragon 835 bietet dabei in der Regel genug Power für ein Spitzenmodell. Eben diesen Eindruck bestätigt auch der AnTuTu-Benchmark-Test (Version 7.0).

Nokia 8 Sirocco im Benchmark-Test

Im Benchmark-Prozedere erreicht das Nokia 8 Sirocco eine Punktzahl von 174.032. Damit positioniert sich das Smartphone, wie schon vorab erwartet, im Flaggschiff-Bereich und ist dennoch etwas abgeschlagen im Vergleich zu den direkten Konkurrenten, die zumeist auch einen aktuelleren Prozessor verbaut haben. Die allgemeine Performance ist aber für den normalen Nutzer mehr als ausreichend. Apps öffnen schnell, und auch Animationen laufen flüssig und ruckelfrei.

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät Nokia 8 Sirocco 174.032
 direkte Konkurrenten Huawei P20 (Dual SIM) 205.561
Xiaomi Mi Mix 2 190.071
Huawei Honor 10 199.911
ehemalige Spitzenmodelle Apple iPhone 7 172.705
Huawei P10 164.163
Samsung Galaxy S8 174.550
OnePlus 6 268.802
aktuelle Referenz Samsung Galaxy S9+ 249.185
HTC U12+ 263.483

Telefonfunktion

Nokias 8 Sirocco absolviert das Testtelefonat souverän und kommt mit einer guten Bewertung aus den einzelnen Kriterien. Der Angerufene im Festnetz beschwerte sich lediglich über das eine oder andere Hintergrundgeräusch, welches sich jedoch von der Stimme des Sirocco-Nutzers differenzieren konnte. Laut genug, befriedigend klar und mit einem ordentlichen Sound kommt die Stimme der Gesprächspartner beim Gegenüber an. Im Freisprechmodus zeigt sich der Lautsprecher des Nokia-Flaggschiffs etwas schmalbrüstig und der Bass des Anrufers überlastet bei voller Lautstärke den Schallwandler etwas. Man meckert hier jedoch auf sehr hohem Niveau.

Nokia 8 Sirocco im Test – Benchmark-Test

Konnektivität

Die Verbindungstabelle ist beim Nokia 8 Sirocco nicht überbordend aber prall gefüllt. Und auch die Werte in der zweiten Reihe, also welche Standards genutzt werden, zeigen sich erfreulicherweise auf dem neusten Stand. So gibt es Dual-Band-WLAN, Bluetooth 5 und Qi, den kabellosen Ladestandard.

Nokia 8 Sirocco
HSPA
HSPA+
LTE ( Up-max / Down-max Mbit/s) 150 / 600 MBits
USB-OTG
DLNA
NFC
Kabellose Display-Übertragung
MHL
Miracast
Infrarot-Fernbedienung
Bluetooth-Version 5.0
WLAN-Standards IEEE 802.11 a/b/g/n/ac
Qi

Kein Dual-SIM, keine Speichererweiterung und ein Benchmark-Test der nicht ganz mit der starken Konkurrenz mithalten kann ergeben in diesem Bereich statt einer sehr guten nur eine gute Bewertung. Wer auf den letzten Punch Leistung verzichten kann und nicht davor zurückschreckt mit nur einem Vertrag ausgestattet zu sein oder ab und an seine Daten zu sichern, wird mit dem Nokia 8 Sirocco trotzdem glücklich.

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Kamera

Die Hauptkamera des Nokia 8 Sirocco kommt im gleichen Setup auch im Nokia 7 Plus zum Einsatz und enthält zwei Sensoren. Die beiden mit 12 und 13 Megapixel auflösenden Module verschmelzen zu einer Kamera, während der 5-Megapixel-Sensor auf der Front alleine Dienst schiebt. Er ist für die Bothie-Funktion mit verantwortlich, die Nokia immer noch als Innovation feiert. Die Blenden liegen bei der rückseitigen Kamera bei 1:1,7 und 1:2,6 und bei der Selfie-Knipse bei 1:2,0. Damit steht einem starken Kameraauftritt eigentlich nichts im Weg. Doch dann funkt die Software dazwischen.

Bildqualität und Fehler en mas

Erste Testfotos mit dem Nokia 8 Sirocco punkten auf dem kleinen Display mit starken Farben und einer guten, wenn auch nicht perfekten Dynamik. Die Lust am Fotografieren wird zwar etwas durch die mittlerweile nicht mehr ganz so übersichtliche App gedämpft, jedoch gelingen bei sonnigem Wetter und klaren Bildaufbauten vorerst augenscheinlich tolle Bilder. Auch die Bothie-Funktion kann zumindest kurzzeitig Spaß verbreiten, auch wenn sie auf lange Sicht keinen echten Mehrwert bringt.

Nimmt man sich die Bilder zur Brust und schaut etwas genauer hin, wird jedoch eine deutliche Schwäche sichtbar: Die Kamera-Software des Nokia 8 Sirocco vermasselt fast alle Bilder, in denen es einen Vorder- und einen Hintergrund gibt, die auch nur ansatzweise nicht 100 Prozent klar getrennt sind. Hier wird deutlich, was der Unterschied zwischen guten Kompakt- oder Systemkameras zu den kleinen Modulen in Smartphones ist. Die Software des Nokia 8 Sirocco versucht krampfhaft Unschärfe in die Bilder zu rechnen. Während das bei anderen Herstellern noch akzeptabel funktioniert, kommen beim Nokia-Flaggschiff lächerliche Bilder zustande. Real auf einer ebene liegende Flächen und Strukturen werden unterschiedlich scharf dargestellt und selbst bei klaren Kanten vertut sich die Software des Öfteren.

Nokia 8 Sirocco im Test – Kamerabilder

Stärken findet man trotzdem, man muss nur lange genug suchen: Die Makro-Qualität ist gut und auch die Schärfe an sich lässt nichts vermissen. Die Farben poppen und das Telemodul leistet gute Arbeit. Dazu sind Lens-Flares ein Fremdwort für die Heckkamera. Die Frontkamera jedoch hat ab und an mit den Lichteinstreuungen zu kämpfen.

Kamera-App und Selfies

Die Kamera-Apps von Nokia waren in der Pre-Microsoft-Phase bei Übersichtlichkeit und Bedienung die Referenz am Markt. Mittlerweile hat sich das etwas geändert. Die App hat an Übersichtlichkeit eingebüßt und ist auch wegen des erhöhten Funktionsumfangs etwas weniger intuitiv zu steuern. Trotzdem gelingt Nokia immer noch eine gelungene App, die auch mit manuellen Einstellungen brillieren kann.

Nokia 8 Sirocco im Test – Kamera-App

Die Kameraleistung des Nokia 8 Sirocco krankt an der Software. Die tollen Farben und der gute Telebereich werden von Bildfehlern durch den künstlichen Bokeh-Effekt arg malträtiert und so gelingt es Nokia nicht, über eine durchschnittliche Bewertung hinaus zu kommen.

Teilwertung: 3,5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Wie alle neuen Nokia-Modelle verfügt auch das Nokia 8 Sirocco über Android One. Damit ist es das erste Flaggschiff in Deutschland mit der schlanken und unverbauten Software von Google außerhalb der ehemaligen Nexus- oder der aktuellen Pixel-Reihe. Damit sind schnelle Updates fast garantiert und der Purist darf sich auf wenig System-Apps und noch weniger Hersteller-eigene Software freuen. Wer sich dagegen gerne in die vorgebaute Software-Höhle der Hersteller legt und bereits auf die Hardware oder die einzelnen Services der Smartphone-Produzenten zugeschnittene Lösungen mag, der wird hier enttäuscht.

Nokia 8 Sirocco im Test – Menü und Einstellungen

Völlig außen vor ist das Thema Bloatware: Keine Drittanbieter-App stört das Durchwischen durch die Menüs und Einstellungen. Das Funktioniert apropos sehr flüssig und ohne große Verzögerungen.

Sound und Musikeinstellungen

Spannender als Android One ist beim Nokia 8 Sirocco die Multimedia-Leistung. Das liegt nicht daran, dass sie besonders gut oder besonders schlecht gestrickt ist, sondern, dass sie einige Höhepunkte und auch einige Tiefpunkte zu bieten hat. Der windige Kopfhörer ist einer der zweiteren Sorte. Die Kunststoffbauteile wirken billig und auch der Sound ist nur bei moderater Gangart in Ordnung. Wird aufgedreht, übersteuern die beiden kleinen Treiber hinter den Gummi-Stöpseln und der Musikgenuss leidet spürbar. Durch den beigelegten Kopfhöreradapter lässt sich dieses Problem jedoch schnell lösen indem bessere Klinken-Kopfhörer eingesetzt werden. Der Einzelne Lautsprecher bespielt einen Raum mit viel Lautstärke, was positiv ist. Negativ hingegen ist die Klangqualität. Einen gut klingenden Außenlautsprecher bekommen die wenigsten Hersteller zusammen. Das alte Marshall London, HTCs One M9 oder auch Samsungs neue Galaxy-S9-Modelle sind solche Ausnahmen. Das Nokia 8 Sirocco gehört definitiv nicht dazu.

Nokia 8 Sirocco im Test – Musik-App

Bei der Software baut Nokia wie auch beim Betriebssystem voll auf Google und damit auf die App Google Musik. Für anspruchsvolle Nutzer ist sie digitale Hausmannskost, kann jedoch mit einem Equalizer und einer Grundausstattung an weiteren Einstellmöglichkeiten punkten. Systemeinstellungen für eine Musikanpassung gibt es allerdings nicht. Das entspricht auch dem Prinzip puren Androids. Sobald Google sein Betriebssystem selbst damit ausstattet, würde diese Option aber auch auf dem Nokia 8 Sirocco greifen.

Die Software des Nokia 8 Sirocco ist purer Android-Spaß, bietet jedoch auch nicht mehr. Die Leistungen rund um das Thema Musik entsprechen eher einem schwachem Mittelklasse-Smartphone denn eines Spitzenmodells.

Teilwertung: 3,5 von 5 Sternen

Akku

Der Akkutest beinhaltet in den ersten acht Stunden eine aktive Nutzung des Smartphones mit jeweils 30 Minuten spielen, Video streamen, Radio hören und telefonieren. Dazu werden in dieser Zeit Screenshots und Testbilder erstellt, Uploads und Downloads getätigt und im Internet gesurft. Nach der ersten Phase schließt sich eine zweite an, in der die Standby-Zeit von 16 Stunden durchlaufen wird in der nichts mit dem Smartphone getan wird.

Nokia 8 Sirocco im Test – Akku-Werte

Im Akkubereich macht das Nokia 8 Sirocco eine solide aber nicht gerade aufregende Figur. Nach acht Stunden Intensivtest stehen noch 58 Prozent der Gesamtkapazität zur Verfügung. In der Standby-Phase verliert das Nokia 8 Sirocco weitere 9 Prozentpunkte und kommt bei 49 Prozent zum Stehen. Damit ist klar, dass das Flaggschiff aus Finnland bei durchschnittlicher Nutzung nicht für zwei Tage ohne Steckdose ausgelegt ist. Falls man es dazwischen aber doch kurz anschließt, schießt die Prozentzahl auch schnell in die Höhe.

 Modell  Kapazität (mAh) Akkustand Verbrauch
Arbeitstag (8h) Nacht im Standby (16h) Intensivtest (8h) Standby (16 h)
Nokia 8 Sirocco 3.260 58 49 42 9
Alternativen
Huawei P20 3.400 56 43 44 13
Galaxy S9 3.000 61 49 39 12
LG G7 ThinQ 3.000 63 52 33 11
HTC U12+ 3.500 49 43 51 6
OnePlus 6 3.300 53 8 44 16

Teilwertung: 4 von 5 Sternen

Fazit

Das Nokia 8 Sirocco besticht durch sein Design und das tolle Display und die gute Ausstattung. Was die Wertung verhagelt sind die Schwächen bei der Kamera und dem Multimedia-Bereich. Dazu kommt, dass es kaum Software-Highlights oder weitere Features gibt, die ein Alleinstellungsmerkmal bieten.

Wer also auf ein konkurrenzfähiges Flaggschiff aus dem Hause Nokia setzt, sollte auf die kommenden Spitzenmodelle warten. Das Nokia 9 wird wohl eine Schippe drauf legen und dann mit Samsungs Galaxy-S-, LGs G- oder Huaweis P-Reihe eher konkurrieren können.

Nokia 8 Sirocco Testsiegel

Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen

Pros des Nokia 8 Sirocco

  • Mutiges Design
  • tolles Display
  • ordentliche Ausstattung

Contras des Nokia 8 Sirocco

  • Durchschnittsakku
  • langweilige Software
  • stumpfe Multimedialeistung
  • Kamera mit deutlichen Schwächen

Preis-Leistung

750 Euro will Nokia für das 8 Sirocco und hier liegt die Krux: Das Smartphone ist mutig gestaltet und bietet zum Teil eine gute Performance, aber im Gegensatz zur preislich ähnlich gelagerten Konkurrenz leistet es sich zu viele Schwächen, womit es bessere Alternativen auf dem Markt gibt. Da hilft es auch nicht viel, dass der Preis bereits auf gut 500 Euro abgesackt ist. Das Schicksal ereilt nämlich alle Spitzenmodelle und so gibt es hier kein Lob für das Nokia 8 Sirocco.

Alternativen

Im aktuellen Preisbereich des Nokia 8 Sirocco befinden sich recht viele Smartphones auf dem Markt, womit schnell die Übersicht verloren geht. Nicht nur eine schier unendliche Anzahl an Modellen von verschiedensten Herstellern, auch die jährlichen Modellpflege-Maßnahmen erschweren die Suche nach geeigneten Alternativen. Die geeignetsten Mittel hierfür sind die Bestenlisten von inside-handy.de, die nach aktuellem Preis aufgeschlüsselt, die besten Smartphones in den unterschiedlichen Preisbereichen aufzeigen:

Bildquellen:

  • Nokia 8 Sirocco: inside-handy.de
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Eine Frau steht in London vor dem Tower of London und telefoniert mit dem Handy

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Michael Büttner
Michael liebt Technik und ist stellvertretender Chefredakteur bei inside handy. Anderen auch bekannt als der Franke in Bonn, der Macher oder der Handwerker für sämtliche Reparaturen der Redaktion. Nach Praktika bei der Neuen Presse in Kronach, den Nürnberger Nachrichten und dem Systemkamera-Blog, startete Michael bei inside handy und verdient sich seine Sporen vor allem im Hardware-Bereich. Balanciert er mal nicht zwischen Tagesgeschäft, Testgeräten und Co, betätigt er sich ab und an als Jäger im Pokémon-Dschungel. Ein ungewöhnlicher Anblick wäre es dabei nicht, ihm dank seiner Boulder-Fähigkeiten kletternd an einer Felswand zu begegnen. Abseits dessen begeistert er sich für Fotografie, Wanderungen, kulinarische Feste und Blasius Kawalkowski.

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