Test des Nokia 7380

Einführung

Test-Datum: 14.06.2006
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Siemens war mit der Xelibri-Produktlinie zwar Vorreiter, doch erst Nokia gelang mit den Fashion Phones der Spagat zwischen Mobiltelefon und Life Style-Objekt. Auch in diesem Jahr bringen die Finnen für alle Handyfans mit gesteigerten ästhetischen Empfinden ein neues Design-Trio unter dem Motto „L’amour“ in den Fachhandel. Prunkstück ist dabei das extravagante Modell 7380, welches wie schon das Vorgängermodell 7280 durch die eigenwillige „Lippenstift“-Optik völlig aus dem Rahmen fällt.

Verpackung & Lieferumfang

Rund 589 Euro müssen statusorientierte Handy-User für diesen Designstick hinblättern. Dass dieser GSM-Funker nicht aus der Holzklasse stammt, wird bereits bei der Verpackung offensichtlich. Statt in einem 0815-Pappkarton steckt das 7380 in einer edlen, anthrazitfarbigen Metallbox.
Wer den Metalldeckel öffnet, hält nicht nur einen höchst unkonventionellen Sprechapparat in den Händen, sondern entdeckt auch allerlei optisch aufeinander abgestimmtes Zubehör, in Form einer silbernen Metallschlaufe, einer anthrazitfarbigen Stofftasche mit dezentem Blumen-Dekor sowie einem hochwertigen Stereo-Headset in „iPod-Weiß“. Mit diesem Zubehör kann man sehr stilvoll mit dem Nokia 7380 flanieren gehen. Selbst das Netzteil wurde kräftig auf Design getrimmt. Im trendigen weiß gehalten, lässt sich bei diesem Stromspender dank einer praktischen Kabelaufrollung die Strippe schnell rumwickeln – gute Idee!

Um sich auf den Umgang mit dem Designstück vorzubereiten, steht ein knapp 100-Seiten starkes Handbuch zur Verfügung, dass in den meisten Kapiteln ausreichend ins Detail geht. Unschön: Trotz einiger Connectivity-Funktionen gehört eine CD-ROM mit der entsprechenden PC Suite nicht zum Lieferumfang – hier ist also Downloaden angesagt.

Verarbeitung & Handhabung


Der vielleicht entscheidende Vorteil der Fashion Phones gegenüber der grandios gescheiterten Xelibri-Handys von Siemens ist die hohe Wertigkeit. Auch das 7380 bietet eine außergewöhnliche Optik, gepaart mit einer lupenreinen Verarbeitung. Die Form hat das Gerät dabei vom Vorgängermodell geerbt. Mit den ungewöhnlichen Maßen von 11,4 x 3,0 x 2,0 cm gleicht es somit erneut eher einem stylischen Diktiergerät, denn einem klassischen Mobiltelefon. Das kleine Drehrädchen namens Navi-Wheel sowie das auffällige Spiegel-Display auf der Frontseite blieben ebenfalls unangetastet, wobei die Steuertaste im Zentrum des Navi-Wheels diesmal in der LED-Farbe Orange in regelmäßigen Abständen aufflackert und so beispielsweise auf eine eingegangene Kurzmitteilungen aufmerksam macht.

So weit, so bekannt, es gibt aber auch große Unterschiede zum 7280. Dazu gehört vor allem die Positionierung der Kameralinse. Musste man beim Vorgängermodell noch das Gerät auseinanderziehen, um die Kamera freizulegen, befindet sich das Objektiv in klassisch Position komplett ungeschützt im Zentrum der Rückseite.

Bei der Gestaltung der „Außenfassade“ hat sich ebenfalls eine Menge getan. Die außergewöhnliche Farbmixtur aus Olivgrün, Gold, Kupfer und Eierschale hat so ziemlich gar nichts mehr gemein mit dem eher männlichen Schwarz-metallic-Look des Vorgängermodells. Das dezente Blumendekor im französischen Jugendstil auf dem Frontspiegel verstärken zusätzlich den eher femininen Charakter des Edel-Funkers.

Noch gewagter gingen die Macher bei der Wahl der Materialien zu Werke. Die Front- und Rückseite aus robustem Hartplastik sind durch einen seitlichen goldenen Metallstreifen optisch voneinander getrennt, der gleichzeitig auch als Halterung für die Trageschlaufe dient. Eine besondere Eyecatcher ist darüber hinaus die rückseitige Schlangenleder-Applikation, wobei natürlich kein echtes Kriechtier sein Leben opfern musste.

Ungewohnt, aber ein dicker Pluspunkt für das Gerät ist die Platzierung des SIM-Karten-Slots. Da der Energiespender vom Typ BL-8N erneut fest eingebaut ist, befindet sich der Slot auf der unteren linken Seite hinter einem silbernen Metallscharnier, der sich mit Fingerkraft relativ problemlos öffnen und schließen lässt. Das Konzept sieht nicht nur elegant aus, das Einlegen funktioniert auch schneller, als wenn man zuvor erst den Akku entfernen muss.

Aus der Designbeschreibung geht bereits vor, dass das Nokia 7380 in der Disziplin Verarbeitung kräftig Sympathiepunkte sammelt. Die Auswahl der Materialen ist nicht nur ungewöhnlich, sondern auch überdurchschnittlich hochwertig. Selbst beherztes Zupacken entlockt dem Handystift keine Ächzgeräusche. Dank präzise verschlossenen Fugen ist die Finnen-Schönheit außerdem bestens gegen Spritzwasser und Straub gewappnet.

Sprachqualität & Empfang

Angesichts des geringen Resonanzkörpers, bedingt durch die außergewöhnliche Bauweise, mutmaßt man einen eher blechernen Klang, doch weit gefehlt: Stimmen kommen angenehm natürlich, ausreichend laut und fast ohne den störenden „Blechdosen“-Effekt rüber. Nervige Nebengeräusche halten sich außerdem stark in Grenzen. Im Bereich Empfangsleistung gelang es den Finnen ebenfalls die Technik einwandfrei in das enge Gehäuse zu platzieren. Insbesondere im E-Netz hält 7380 derart souverän den Kontakt zum nächsten Mast, dass es sogar mit Vorzeigegeräten in dieser Disziplin, wie beispielsweise das Nokia 6320i, durchaus mithalten kann. Ganz so stark ist der Auftritt im D-Frequenzband zwar nicht, doch auch Vodafone- und T-Mobile-Kunden müssen keine abrupten Gesprächsabbrüche fürchten – Oberklasse-Niveau.

Display & Kamera

Die Schmalhans-Abmessungen erfordern zwangsweise ein unorthodoxes Display in fast 16:9-Format. Die Querformat-Anzeige mit einer Auflösung von 104 x 208 Pixel und über 65.000 Farben befindet sich gut versteckt hinter einer Spiegeloberfläche und kommt erst dann zum Vorschein, wenn das Gerät aktiv wird. Die technischen Eckdaten mögen zwar nicht sonderlich spektakulär sein, dennoch bietet das Display eine gute Brillanz und trotz der recht kleinen Maßen eine optimale Ablesbarkeit – allerdings nur so lange kein Tageslicht drauf fällt. Bei grellem Licht entstehen nämlich solch starke Reflexionen, dass man so gut wie gar nichts mehr erkennt. Ebenfalls nervig: Der Spiegel verschmiert schnell, wenn man mit einem Finger rüberwischt.

Die integrierte Digitalkamera hat gegenüber dem Vorgängermodell eine prächtige Evolution durchlebt. Statt VGA-Niveau löst das 7380 Schnappschüsse nunmehr mit satten 2 Megapixel (1600 x 1200 Pixel) auf. On Top spendierten die Finnen dem Stick außerdem ein Foto-Licht, maximal 4-fachen Digitalzoom, einen Nachtmodus sowie die Möglichkeit Videoclips in der Standardauflösung (176 x 144 Pixel). Die Zutaten stimmen also, allerdings ist das Ergebnis leider nur durchschnittlich. Fotos mit Abzugsqualitäten erzielt man nur bei Portraitaufnahmen, die bei Tageslicht entstehen. Fotografiert man hingegen in geschlossenen Räumen, mangelt es den Schnappschüssen oftmals an Tiefenschärfe und Kontrast. Außerdem weisen die Fotos oftmals einen kühlen Blaustich auf. Das Fotolicht ist zwar gut gemeint, letztendlich aber wie so oft aber nur ein nettes Goodie, das lediglich auf kürzester Distanz eine zufriedenstellende Wirkung erzielt. Trendsetter sollten daher stets eine richtige Digicam dabei haben, wenn sie ihre nächtlichen Touren dokumentieren wollen.

OS & Bedienung

Navi-Wheel statt konventioneller Zahlentastatur – dieser rigorose Schritt führt zwangsweise zu Einbußen in der Handhabung, denn es liegt nun einmal in der Natur der Sache, dass es mit einem klassischen Zahlenblock deutlich schneller geht Nummern einzugeben. Wer mit dem 7380 gar simsen möchte, sollte viel Geduld mitbringen, denn im Eingabemodus die einzelnen Buchstaben zu „errollen“ ist schon verdammt umständlich. Kleiner Tipp, damit man zumindest ohne Umwege direkt loslegen kann: Wenn man im Ausgangsmenü längere Zeit auf den orangefarbigen Button drückt, gelangt automatisch in den Zahleneingabemodus.

Trotz dieser Widrigkeiten muss man dem Finnen dennoch das Kompliment machen, dass sie sich sehr bemüht haben diesen Malus weitestgehend zu kompensieren. So lässt sich das 7380 dank einer nutzerunabhängigen Sprachwahl & -steuerung auch per Stimmengewalt dirigieren. Das funktioniert sogar sehr gut, allerdings nur solange man sich in einer stillen Umgebung befindet – für Discothekengänger ist diese Form der Handhabung daher ungeeignet.

Das einfache Aufrufen von Optionen klappt durch das Zusammenspiel aus Navi-Wheel und den beiden Steuertasten plus zwei weiteren Knöpfen für die Rufannahme bzw. Beendigung erfreulich schnell und präzise. Insbesondere die schnellen Reaktionszeiten fallen dabei positiv auf, denn nervige „Bedenksekunden“ nach einer Tasteneingabe treten so gut wie niemals auf. Sämtliche Knöpfe weisen darüber hinaus einen akkuraten Druckpunkt auf und sind ausreichend beleuchtet.

Bei der Menüführung mussten die Finnen aufgrund des breiten Displayformates auf ein übersichtliches Gittermenü verzichten. Stattdessen wurden die Optionen in zehn logisch strukturierte Einzelmenüs untergliedert, die man mit dem Drehrad flink erreicht.

Hardware & Verbindungsmöglichkeiten

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Look und die Handhabungsschwächen prädestinieren das 7380 nicht wirklich zu einem Business-Tool. So gibt es beispielsweise keinen E-Mail-Client und selbst ein Taschenrechner Währungsumrechner, Stoppuhr/Timer und Weltzeit fehlen. Dafür hat der Stick aber im Bereich der Datenübertragung durchaus einiges zu bieten. Neben der Bluetooth-Schnittstelle stehen noch die Datenkanäle GPRS Klasse 10 sowie HSCSD (Kanäle: max. 3 download/ max. 2 upload) zur Verfügung. Natürlich kann der Besitzer auch mit einem separat erhältlichen USB-Kabel mit Daten jonglieren, respektive mit dem heimischen PC synchronisieren, wenn man sich die entsprechende PC Suite zuvor von der Nokia-Homepage geladen hat. Das 7380 unterstützt sogar die Fern-Synchronisierung über das Mobilfunknetz nach den Standards der Open Mobile Alliance an (OTA Synchronization 1.1.2.). Weiteres Bonbon: Das 7380 ist kompatibel mit Apples iLife-Programmen. Die Synchronisierung von Fotos, Audiodateien und Videoclips erfolgt dabei über den Nokia Collector v1.0 – wer`s braucht...

Wer so wagemutig ist, seine Kontakte manuell auf dem Gerät einzugeben, hat übrigens einiges zu tun, denn neben dem Namen und Rufnummer können auch Details wie E-Mail-Adresse, Website, Postanschrift, ein Konterfrei des Kontaktes sowie eine kleine Notiz hinzugefügt werden.

Viele Pluspunkte sammelt das Designstück im Speicherbereich. Durchaus stattliche 51,3 MB flexiblen Speicher plus bis zu 1000 Adresseinträgen und 400 SMS-Nachrichten lassen sich in den elektronischen Gedärmen des Finnen archivieren – damit dürfte auch kontaktfreudige VIPs zurecht kommen.

Multimedia & Organizer

Auch im Bereich Multimedia müssen Käufer aufgrund des speziellen Formfaktors Lücken in Kauf nehmen. So gibt es beispielweise kein einziges Game, da es denn Machern offensichtlich zu aufwändig war, eigens Spiele für das 7380 zu schreiben, die das Navi-Wheel unterstützen.

Die eigentliche Komfortstärke liegt im Bereich Sound & Musik. Im Handschmeichler musiziert ein Soundchip, der bis zu 64 Stimmen gleichzeitig und mit MP3, AAC sowie MIDI die gängigsten Soundformate beherrscht. Die Klangqualität ist dabei Top: Trotz des kleinen Resonanzkörpers klingen die eingebetteten Sounds angenehm klar, voluminös und vor allem sehr laut – reife Leistung! Von diesem guten Sound profitiert auch der Freisprecher, denn der Lautsprecher verteilt die Stimme des Anrufers ausreichend laut und ohne allzu starke Verzerrungen im Raum.
Das 7380 bietet auch einen Audio/ Video-Player, dessen Funktionalität durch das Fehlen eines Wechselspeichers allerdings nur begrenzt ist. Videoclips muten auf dem Display zudem wie eine Art Mikro-Kino an, auf dem kleinere Details untergehen.

Musikfans dürften sich über das integrierte Radio mit 20 Stationstasten freuen, zumal das mitgelieferte Headset einen recht plastischen und bassstarken Sound liefert – allerdings nur in mono. Störend ist ferner, dass man stets die Optionen aufrufen muss, um die Lautstärke zu regulieren.

Ein vollwertiges Diktiergerät komplettiert das Komfort-Paket des Handyexoten. Seine Visitenkarte: Es zeichnet bis zu 60 Minuten im amr-Format auf und alle Ergebnisse lassen sich auch als Ruftöne verwenden.

Fazit


Das 7380 ist wahrlich kein Handy von der Stange, sondern ein klares Statement für höchsten Individualismus. Aufgrund des recht üppigen Preises und der klar eingeschränkten Alltagtauglichkeit richtet es sich ohnehin nur an eine dezidierte Zielgruppe. Wer also zu den ausgesprochenen Designästheten gehört und nach einem lässigen Partyhandy mit hohem Hinguckfaktor sucht, der kann getrost zuschlagen. Allerdings sollte der eitle Besitzer kein ausgeprägter Simser sein und stets das Netzteil im Gepäck haben, denn selbst Kaum-Telefonierer halten den Finnen nach voller Strombetankung nicht länger als drei Tage am Stück am Leben.

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