Kurztest

Mehr Display – weniger Leistung

Datum: 23.05.2016 | Wertung: 61% | Produkt: LG Electronics X screen
LG X screen

LG hat mit dem X screen und dem X cam zwei Mittelklasse-Brüder in den Ring geworfen, die nach Ansicht von LG Funktionen der Oberklasse beinhalten. Das X screen soll dabei mit einem Zusatzdisplay wie beim LG V10 punkten. Ob es einen echten Mehrwert bietet und wie sich das gesamte Smartphone schlägt, zeigt der Test bei inside-handy.de.

Design und Verarbeitung

LG setzt beim X screen vor allem auf Plastik und Schlichtheit. Dafür wiegt es sehr wenig und fühlt sich eher nach einem Dummy oder einem Spielzeug an, als nach einem gestandenen Mittelklassehandy. Design-Highlights gibt es dabei wenig und die Versuche LGs edel zu wirken verlaufen im Sande. Der Rückdeckel im Stile eines Mischlings aus Xperia-Z-Smartphone und Samsung Galaxy S5 glänzt durch Fingerabdrücke und hört sich beim Klopftest sehr billig an. Beim Schütteln klappert das Smartphone etwas, was das Vertrauen in die Qualität nicht gerade erhöht.

LG X screen im Test

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    Das LG X screen kommt mit Plastikrahmen und ...
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    ...auf den ersten Blick sehr breiten Rändern zum Kunden.

Der Kunststoffrahmen kommt im goldfarbenen Metall-Look daher. Er wird wiederum von einem weiteren Kunststoffrahmen umgeben, der in Schwarz gehalten ist. Das auffälligste Designelement befindet sich auf der Frontseite und wirkt auch namensgebend für das neue LG-Smartphone: Oberhalb des herkömmlichen Displays integriert LG ein kleines weiteres Display, das Informationen wie Uhrzeit, Benachrichtigungen und Akkustand anzeigt, ohne dass gleich das ganze Hauptdisplay aktiv ist. Damit verbaut LG die Option aus dem Spitzenmodell V10 in ein etwas günstigeres Smartphone.

Die Haptik und das Design des LG X screen sind keine Highlights und erinnern an finsterste Einsteiger-Qualität. Bei der Verarbeitung kann zwar nicht gemeckert werden, richtig toll ist sie aber auch nicht.

Wertung: 2 / 5

Display

Das LG X screen trägt das Display im Namen und kommt mit einem 4,93 Zoll großen und in herkömmlichem HD auflösenden Panel daher. Das kleinere Display am oberen Rahmen bietet noch einmal etwas Darstellungsfläche und wird von LG auch zum Teil sinnvoll genutzt. So werden Zustandsanzeigen, wie bei einem Up- oder Download oder bei ausgeschaltetem Haupt-Display Benachrichtigungen und Uhrzeit sowie Datum angezeigt. Das Ganze besitzt eine Diagonale von 1,76 Zoll und löst mit 520 x 80 Pixeln auf.

LG X screen

Die etwas niedrige Auflösung des Hauptdisplays und dessen Pixeldichte von knapp 300 ppi sind zwar im Alltag ausreichend, mehr jedoch nicht. Ein Smartphone, das seine Display-Technologie als Hauptverkaufsgrund ansetzt, sollte auch bei der Auflösung einen Regalboden höher ansetzen.

Bei den Sekundärfähigkeiten zeigt sich das LG X screen von seiner guten Seite. Die automatische Helligkeitsregelung steuert das Display in einem weiten Bereich und ohne Ruckler. Auch stark: Die manuelle Anpassung der Farben und die Belegung des „second Screen“ mit verschiedenen Funktionen und Anzeigen. Einzig die Blickwinkelstabilität kann, zumindest in Längsrichtung des Displays, kritisiert werden. Hier verdunkelt sich das Panel sehr schnell.

LG X screen

Das namensgebende Display enttäuscht etwas, da es nicht gerade mit ambitionierter Technik aufwartet. Das zusätzliche Panel oberhalb bringt eine sinnvolle Erweiterung der Gestaltungsmöglichkeiten, vollbringt jedoch keine Wunder.

Wertung: 3,5

Ausstattung und Leistung

Ausgestattet ist das LG X screen mit einem Einsteigerprozessor von Qualcomm: Mit dem Snapdragon 410 greift man bei LG zwar nicht in das unterste Regal, jedoch in das nur wenig höher angesiedelte zweite Regal des amerikanischen Chip-Herstellers. Dafür stattet LG das X screen mit gleich 2 GB Arbeitsspeicher aus, was in der ambitionierten Mittelklasse mittlerweile zwar Standard ist, jedoch nicht in der unteren Mittelklasse, in der sich das X screen bewegt. Dazu gibt es 16 GB internen Speicher und einen Adreno-306-Grafikchip.

LG X screen Benchmark-Test

Das Ergebnis des AnTuTu-Benchmarktest, der mit der Version 6.1.4 durchgeführt wurde, ist jedoch ernüchternd: Mit knapp 28.000 Punkten lockt LG keine Katze mehr hinter dem Ofen vor. Mit der Leistung reiht man sich im Testumfeld von inside-handy.de weit hinten bei Wikos Pulp und dem eigenen Class ein. In ganz anderen Sphären bewegen sich die aktuellen Topmodelle: So erreicht das eigene Spitzenmodell LG G5 137.548 Punkte, das Apple iPhone 6s Plus 132.893 Punkte und das Samsung Galaxy S7 132.648 Punkte.

Verbindungsmöglichkeiten des LG X screen

Feature Vorhanden Funktion

HSPA

▲  Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ ▲  Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE ▲  Mobilfunkstandard, Down-max 150 Mbit/s
USB-OTG ▼  Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA ▲  Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFC ▲  Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Miracast ▼  Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (Smart TV)
AirPlay ▼  Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (Apple TV)
MHL ▼  Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung ▼  Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version ▲  4.1
WLAN-Standards ▲  802.11 b/g/n
Qi ▼  Ermöglicht das kabellose Laden des Smartphones
Dual-SIM ▼  Ermöglicht den Betrieb von zwei SIM-Karten parallel

Die Ausstattung zeigt sich bei LG als relativ umfangreich, jedoch fehlen auch einige Kleinigkeiten. Biometrische Entsperrmöglichkeiten etwa sind nicht integriert. Die Telefonqualitäten sind wie die meisten Leistungswerte eher durchwachsen: Im normalen Telefonmodus kann eine noch ordentliche Gesprächsqualität bescheinigt werden, während im Freisprechmodus das schwache Mikrofon und der quietschige Lautsprecher für Ärger sorgen.

Die Leistung des LG X screen wird in der Mittelklasse von den meisten Konkurrenten getoppt. Die Ausstattung hingegen ist praktisch und in Ordnung, ohne dabei die herausragenden Highlights zu bieten.

Wertung: 3 / 5

Kamera

Bei der Kameraausstattung baut LG auf mit 13 und mit 8 Megapixel auflösende Sensoren. Das Objektiv der Hauptkamera muss mit einer Lichtstärke von 1:2,2 auskommen. Falls das nicht genügt, steht dem Nutzer noch ein LED-Blitz zur Verfügung, der zu dunkle Umgebungen aufhellen soll.

Die Bildqualität ist geprägt von einer ordentlichen Schnappschusstauglichkeit. Die Schärfe lässt dabei kaum zu wünschen übrig, jedoch muss der Autofokus erst einmal treffen. Das ist beim LG X screen nicht garantiert. Zwei deutlich schwerwiegendere Probleme sind der geringe Dynamikumfang und der Hang zu Lensflares. Kann man zweiteres noch als künstlerisches Stilmittel einsetzen, wird es bei ersterem schon schwieriger. Oft brennen die hellen Bildbereiche aus oder die dunklen Bereiche saufen ab.

LG X screen

Im Innenraum und bei wenig Licht wird schnell klar, dass sich das LG X screen in solchen Umständen wenig heimelig fühlt. Dann nämlich versucht es durch sehr lange Belichtungszeiten das lichtschwache Objektiv aufzufangen und es entstehen recht oft verwackelte Bilder. Manuelles Eingreifen per App-Funktion bringt keine Lösung, da die Einstellungen nur sehr rudimentär verändert werden können. Auf eine teil- oder gar vollmanuelle Steuerung hat LG beim X screen verzichtet.

LG X screen

Die Kamera des LG X screen schwimmt im Einheits-Leistungsbrei der unteren Mittelklasse mit und bietet keine aufregenden Besonderheiten. Wer nur ab und an einen Schnappschuss macht, wird damit glücklich; wer nur etwas mehr will, sollte die Finger vom X screen lassen.

Wertung: 3 / 5

Software und Multimedia

Android 6.0 ohne viel Schnickschnack: LG setzt auf ein relativ puristisches Software-Paket. Einige Werkzeuge und kleine Helferlein haben die Koreaner jedoch eingebaut. Das Zusatzdisplay bringt auch bei der Software kleine Unterschiede: Neben kleinen Anwendungen wie die Taschenlampe, werden wahlweise auch die zuletzt genutzten Apps im Streifen über dem Haupt-Display angezeigt. Allerdings nur, solange sie auch im Hintergrund geöffnet sind. Werden die Anwendungen im Multitasking-Modus beendet, verschwinden sie auch im Display. Nach kurzer Eingewöhnungsphase nutzt man recht schnell die kleinen Zusatzmöglichkeiten des Displays, obwohl es zum Bedienen eigentlich zu weit weg vom normalen Daumenradius liegt.

LG X screen

Die multimediale Versorgung übernimmt beim LG X screen ein einsamer Lautsprecher im unteren Rahmen des Smartphones. Er zwitschert ohne Tiefen, dafür mit überdrehten Höhen, das ausgewählte Lied. Einen Equalizer zum Gegensteuern sucht man allerdings vergebens. Dazu legt LG ein paar der unbequemsten Kopfhörer am Markt in den Lieferumfang. Sie spielen Musik, lassen allerdings den Bass und auch die Höhen etwas vermissen.

Die Software des LG X screen kann sich sehen lassen, leidet allerdings etwas an der schwachen Performance des Prozessors. Bei der Multimedia-Leistung hat sich LG allerdings nicht mit Ruhm bekleckert und muss satte Abzüge einstecken.

Wertung: 2,5 / 5

Akku

Mit 2.300 mAh überschlägt sich LG nicht gerade mit Akkukapazität. Das merkt man dem Smartphone auch an. Nach 8 Stunden im Intensivtest stehen noch 54 Prozent auf der Uhr – ein guter, aber nicht herausragender Wert. Dabei sind es nicht die rechen- und grafikintensiven Bereiche des Tests, wie das Spiel Asphalt 8: Airborne, das 30 Minuten gespielt wird, Schuld an der durchschnittlichen Performance. Hier verlor das X screen vergleichsweise geringe 6 Prozent seiner Energie. Die alltäglichen Anwendungen haben ihm eher zugesetzt. Up- und Downloads von Daten und Bildern und das Erstellen einiger Testfotos fraßen sich erstaunlich intensiv in den Akku. Der Standby-Test ergibt dabei eine moderate, aber keine herausragende Leistung: Nach insgesamt 24 Stunden standen noch 45 Prozent auf der Akku-Uhr. Hier zahlt sich das kleine Display aus. Trotz ständiger Information wird der Akku nicht, wie bei anderen Modellen wie Samsungs Galaxy S7, mit einem Prozent pro Stunde leer gesaugt. 

LG X screen

Trotzdem kommt man mit dem Akku des LG X screen locker durch den Tag und darüber hinaus. Hier sind die Kritikpunkte eher die fehlende Schnellladefunktion und, dass der Akku trotz Plastikgehäuse fest verbaut ist. So kommt ein eher durchschnittlicher Wert auch in diesem Bereich des Tests heraus.

Wertung: 3,5 / 5

Fazit

LG will mit dem X screen Oberklassentechnik in die Mittelklasse bringen, vergisst dabei allerdings, dass es mehr braucht als ein außergewöhnliches Feature, um ein tolles Handy zu bauen. Das Zusatz-Display ist eine nette Funktion, die allerdings ihr Potential in einem höchst durchschnittlichen Smartphone verschwendet. Das LG X screen ist für unkritische Einsteiger und Wenignutzer völlig in Ordnung und auch ein brauchbarer Begleiter. Vergleicht man es mit anderen Smartphones in diesem Marktbereich, bietet es allerdings in fast allen Kategorien weniger Leistung als die direkte Konkurrenz.

Gesamtwertung: 3 / 5

LG X screen

Pro

  • leichtes Gehäuse
  • nettes Zusatz-Display
  • stabile Ausstattung

Contra

  • billiges Plastikgehäuse
  • lahme Leistung
  • miese Lautsprecher und Kopfhörer

Preis-Leistung

Das LG X screen kostet knapp 250 Euro und ist für die gebotene Leistung einfach 80 bis 100 Euro zu teuer. Fällt beim erwartbaren Preisverfall die 200-Euro-Grenze wird es wohl auch für Sparfüchse interessant, jedoch unterliegen auch die Konkurrenten einem ähnlichen Preisverfall, was die Situation für LG wohl nicht entspannt, sondern eher noch Probleme machen wird.

Alternativen

Die Alternativen im 250-Euro-Bereich sind vielfältig. Soll es Android sein und die maximale Leistung, kommen gleich mehrere bessere Alternativen in Frage. Dabei muss man nicht auf Plastik-Gehäuse und Einsteiger-Leistung sitzen bleiben. Andere Hersteller bieten hier viel mehr fürs Geld, auch wenn kein zusätzliches Display verbaut ist.

Autor: Michael Büttner

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