Honor 9 Lite im Test: Geheimtipp in der Mittelklasse

17 Minuten
Honor 9 Lite im Test
Bildquelle: Simone Warnke / inside handy

Das Honor 9 Lite verbindet die späte Mittelklasse aus 2017 mit der frühen aus 2018. Streng genommen gehört es ganz klar dazu, denn das Smartphone wurde von der Huawei-Tochtermarke für „Digital Natives“ bereits im Februar dieses Jahres auf den Markt gebracht. Mit knapp 230 Euro Vorschlagspreis ist das Handy im Verbund mit der fortgeschrittenen Zeit im Preis gefallen und für kommende Feste ein Preis-Tipp unter 200 Euro.

Im Test spielt der Preis aber nur eine hintergründige Rolle. Hier geht es um Leistung, um Kamera, um die Software und schlussendlich um den Akku. Die Einordnung des Datenblattes weist auf das Niemandsland zwischen Einsteiger- und Mittelklasse hin. Die Ausrutscher nach oben sind dabei häufiger anzutreffen als jene nach unten.

Die technischen Daten des Honor 9 Lite

Honor 9 Lite
Honor 9 lite
Bildquelle: Honor

 

Display 5,65 Zoll, 1.080 x 2.160 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8.0 (Oreo)
Prozessor Hisilicon Kirin 659 Octa-Core
RAM 3 GB
interner Speicher 32 GB
MicroSD ja
Kamera vorne/hinten (13+2 MP / 13+2  MP (Dual-Cam)
Fingerabdruckscanner ja
Akku 3.000 mAh
induktives Laden nein
USB-Port 2.0 Micro-B
IP-Zertifizierung keine
Abmessungen (mm) 151 x 71,9 x 7,6
Farben Schwarz
Einführungspreis 229 EUR
Veröffentlichung  02/2018

Hinweis: Das Honor 9 Lite wird in der Werksversion der Software ausgeliefert, zu der unter anderem die Android-Sicherheitsebene von Januar 2018 gehört. Zum Test stand bereits ein umfangreiches und mehr als 2 GB schweres Update zur Verfügung, das einige Fehlerbehebungen vornahm, Einstellungen optimierte und die Sicherheitsebene auf Juni 2018 erneuerte. Der Test wurde in der aktualisierten Fassung durchgeführt.

Design und Verarbeitung

Das Honor 9 Lite erscheint in einem 15,1 Zentimeter hohen, 7,2 Zentimeter breiten und weniger als 8 Millimeter tiefen Gehäuse. Beim Material setzt der Hersteller aktuellen Trends gemäß auf ein Sandwich aus zwei Glasplatten mit einem Rahmen aus Aluminium.

In der getesteten blauen Farbvariante versprüht die Rückseite einen wahrhaft schimmernden Glanz. Für die Struktur sorgen neben dem im unteren Drittel befindlichen Honor-Schriftzug, der Fingerabdrucksensor, der im oberen Drittel zentral und auf Zeigefingerhöhe platziert ist sowie die Dual-Kamera, die oval aus der oberen Ecke linst.

Die Vorderseite des Handys offenbart neben dem „FullView“-Display mit 5,65 Zoll diagonaler Länge weitere Elemente: Da wäre zum einen die Front-Dual-Kamera neben der Ohrmuschel und dem Näherungssensor.

Unterhalb des Displays hat Honor seine Marke einmal mehr per Schriftzug verewigt. In der aktuellen Flaggschiffklasse – im Honor 10 und im View 10 – wurden hier die Fingerabdrucksensoren eingesetzt.

Auf dem Rahmen befinden sich seitlich die Ein/Aus-Taste unter der Lautstärkewippe (rechts) und die Hybrid-SIM-Schublade, die mittels Nadel-Werkzeug geöffnet werden kann (links). Unten verbaut Honor und den Klinkeneingang und in schlechter 2017er-Tradition den Micro-USB-Port (Typ B, trapezförmig). Rechts wird dieser vom Lautsprechergitter flankiert.

Das Design des Honor 9 Lite ist nicht innovativ, sondern wohlbekannt in der Mittelklasse – insbesondere aus den Mittelklasse-Modellen des Huawei-Honor-Universums. Dennoch ist das Design in Sachen Verarbeitung gut umgesetzt. Trotz der Materialwechsel sind die Übergänge fließend, Lücken oder Ungleichmäßigkeiten sind nicht zu entdecken, geschweige denn zu erfühlen. Die Dual-Kamera ist fast plan in das Gehäuse eingesetzt, der Fingerabdrucksensor ist deutlich fühlbar, aber ebenfalls nicht zu markant.

Das Honor 9 Lite im Hands-On

Das alles klingt mehr nach oberer Mittelklasse als nach unterer. Das kann bis zu einem gewissen Grad so stehenbleiben. Nach einiger Zeit erschleicht den Benutzer beim Anfassen des Glas-Alu-Körpers jedoch ein Gefühl von billigem Plastik.

Die Anfassqualität des Honor 9 Lite ist ansonsten aber auch über jeden Zweifel erhaben. In Zeiten von immer größer werdenden (Android-)Handys ist das Honor 9 Lite erfrischend anders und auch für Nutzer mit kleineren Händen geeignet. Die Displaygröße von 5,65 Zoll soll dabei nicht abschrecken, sie ist auf das 18:9-Format zu schieben.

Die Haptik des Honor 9 Lite ist also sehr gut bis herausragend, Schwächen zeigt das Smartphone, wenn etwas fester zugepackt wird. Auf Torsion und Biegung reagiert das Handy nachgiebig und instabil. Daraus ergibt sich: Aufgepasst beim Hinsetzen, wenn das Handy in der Gesäßtasche steckt. Ein Brocken ist das Honor 9 Lite beileibe nicht, nur knapp 150 Gramm bringt es auf die Waage. Das unterstreicht die gute Haptik des Handys, kann aber auch den leicht billigen Eindruck begünstigen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Auch wenn die Verarbeitung fast ohne Beschwerde wegkommt, fehlt es an einer IP-Zertifizierung, die gewährleistet, dass das Handy staub- und wasserdicht ist.

Unboxing des Honor 9 Lite: Knapp, aber passt schon

Honor legt Wert auf Papierlosigkeit. Bedienungsanleitungen sucht man in der Packung also vergebens. Auch sonst ist die Packungsbeilage knapp bemessen und auf das Nötigste beschränkt:

  • Honor 9 Lite
  • Netzadapter
  • USB-Kabel
Honor 9 Lite Unboxing
Bildquelle: Simone Warnkke / inside handy

Ein In-Ear-Headset fehlt im Lieferumfang des Testgerätes. Dies ist jedoch gute alte Honor-Tradition. Der Test muss demnach ohne Headset auskommen. Im freien Verkauf erworbene Geräte erscheinen jedoch mit beigelegten Kopfhörern. Ebenfalls nicht im Test-Lieferumfang, dafür aber im Handel mit dabei: Eine transparente Schutzhülle für das Smartphone.

Das Honor 9 Lite überzeugt durch eine fast lückenlose Verarbeitung und eine tolle Haptik. Für Schatten im Lichte der Hauptpunkte sorgen allerdings Ärgernisse wie zum Beispiel der instabile Eindruck des Gehäuses.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Display

Das Display des Honor 9 Lite ist keine Riesen-Anzeige. 5,65 Zoll sind im 18:9-Bereich keine Übergröße mehr. Trotzdem spendiert Honor dem 200-Euro-Handy ein Full-HD+-Panel, das auf voller Größe mit 1.080 x 2.160 Pixeln auflöst und somit eine gute Pixeldichte von 428 ppi aufweist. Werte von über 400 Bildpunkten finden sich eher in der oberen Mittelklasse und sogar im Flaggschiff-Bereich.

Der Privatanwender darf sich auf scharfe Darstellungen und gute Kontraste freuen. Technologisch kommt ein LCD-Display zum Einsatz, zu dessen Stärken eine realitätsgetreue Farbdarstellung und eine hohe Blickwinkelstabilität gehören.

Bleibt das Thema Helligkeit: Der Automatikmodus arbeitet schnell; auf Wechsel von Innenräumen nach Außen wird schnell reagiert, die Helligkeit des Displays rasch angepasst. Schnell ist jedoch das Maximum erreicht, sodass gerade im Sommer und draußen die Ablesbarkeit zur Herausforderung wird. Hier stellt sich das Honor 9 Lite aber besser an als viele Konkurrenten aus der unteren Mittelklasse.

Honor 9 Lite: Display
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Bei den Displayeinstellungen schnuppert das Honor 9 Lite auf Flaggschiff-Niveau: Die Software erlaubt das Hin- und Herschalten zwischen HD+- und Full-HD+-Auflösung und sogar eine Einstellung „smarte Auflösung“, die das Display auf einen möglichst effizienten Stromverbrauch trimmt.

Auch die Farbtemperatur wird mit einer eigenen Einstellungsmöglichkeit bedacht. Neben „Standard“, „Warm“ und „Kalt“ kann die gewünschte Temperatur auch manuell per Farbpalette ausgewählt werden.

Obligatorische Einstellungen, wie Schrift- und Darstellungsgröße sowie Nachtmodus mit Blaulichtfilter sind ebenfalls mit dabei. Etwas versteckt und nicht in den Einstellungen unter „Anzeige“ sondern unter „Bedienungshilfen“, finden sich außerdem die „Farbumkehr“, die aus schwarzen Flächen weiße macht und umgekehrt sowie die „Farbkorrektur“, die verschiedenen Sehschwächen entgegenwirkt.

Das Display gehört zu den Stärken des Honor 9 Lite. Für die Mittelklasse langt es allemal, Ausflüge ins Flaggschiff-Segment inklusive.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Ausgestattet mit Huaweis Mittelklasse-Prozessor Kirin 659 liegt das Honor 9 Lite auf einer Wellenlänge mit dem Huawei P20 Lite. Das „Mittelklasse-Flaggschiff“ der Chinesen ist ein guter Wegbereiter, wenngleich das Honor 9 Lite in diesem Vergleich schnell auch Abstriche macht – zum Beispiel bei der Speicherausstattung.

Honor 9 Lite im Test: Benchmark-Tests

Die technischen Begebenheiten des Prozessors erlauben eine Taktfrequenz von bis zu 2,36 GHz in vier der acht Kerne. Im Benchmark-Test macht sich dies durch einen mittelprächtigen subjektiven Eindruck bemerkbar. Insbesondere bei den Grafiktests von AnTuTu und 3DMark hat das Handy sichtliche Probleme mit der flüssigen Darstellung der Inhalte.

Die Punktwertungen, die am Ende ausgeschüttet werden, sprechen eine ähnliche Sprache. So ist das Honor 9 Lite – wie erwartet werden konnte – weit von dreistelligen Werten der Flaggschiffe und auch der besseren Mittelklasse-Modelle entfernt. Mit 88.553 Zählern im AnTuTu-Test (Version 7) befindet sich das Handy aber in guter Gesellschaft, wie auch der Vergleich zeigt:

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät  Honor 9 Lite 88.553
direkte Konkurrenten Huawei P smart  66.485
 Nokia 6.1 89.451
Sony Xperia XA2 88.631
OnePlus 6 268.802
aktuelle Referenz LG G7 ThinQ 262.448
HTC U12+ 270.006

Für die Praxis ohne aufwendige Spiele oder grafiklastige Apps ist das Honor 9 Lite aber gut zu gebrauchen. Die Benutzeroberfläche beschwert sich in Form von leichten Rucklern erst, wenn die Last auf dem Arbeitsspeicher zu groß wird, das heißt: wenn zu viele Apps parallel laufen.

Starke Belastungen, etwa beim Spielen, äußern sich durch spielpaßnehmende Ruckler und merklichen Temperaturanstieg am Gehäuse des Handys. Für solche Belastungen ist das Honor 9 Lite nicht ausgelegt.

Speicher und SIM

Die SIM-Karten-Schublade des Honor 9 Lite kann zwei Karten aufnehmen. Es gibt einen fixen Slot für die erste SIM-Karte und einen weiteren Steckplatz, in den entweder eine zweite SIM-Karte oder eine Micro-SD-Karte zur Speichererweiterung eingelegt werden kann.

Die Dual-SIM-Funktion erlaubt LTE-Verbindungen in beiden Slots, allerdings nicht gleichzeitig.

Zum Speicher: Das Handy erscheint in einer 32- und 3-GB-Konstellation, was heißt, dass 32 GB interner Speicher und 3 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen. Hier zieht das Handy im Vergleich mit dem angesprochenen Huawei P20 Lite eindeutig den Kürzeren gegen 4 GB Arbeitsspeicher und 64 GB Speicherplatz.

Der Speicher des Honor 9 Lite ist um bis zu 256 GB erweiterbar. Von den anfangs verfügbaren 32 GB ist direkt beim Start einiges belegt, sodass sich der Einsatz einer solchen Karte vor allem für Vielfotografierer empfiehlt.

Der Arbeitsspeicher darf sich auch nicht über Arbeitslosigkeit beschweren. Das System belegt fast ständig etwa die Hälfte der verfügbaren 3 GB. Selbst wenn der Task-Manager oft bereinigt wird, stehen maximal noch 1,8 GB zur Verfügung, meist jedoch zwischen 0,8 und 1,4 GB.

Sensoren und Verbindungen

Bei den Verbindungsmöglichkeiten entlarvt sich das Honor 9 Lite dann doch als Einsteiger-Modell. Die Tabelle dokumentiert, dass das Handy weder bei den LTE-Standards noch bei WLAN und Bluetooth oben mitspielt.

Immerhin wird vorrangig bei den Standards gemeckert und nicht bei der Existenz. Denn dank verschiedener Sharing-Funktionen und NFC darf die Ausstattung des Honor 9 Lite immerhin als vollständig bezeichnet werden. Qi als Standard für kabelloses Laden ist zwar wünschenswert, steht für ein Mittelklasse- oder Einsteiger-Smartphone aber leider kaum zur Debatte.

Honor 9 Lite
HSPA
HSPA+
LTE ( Up-max / Down-max Mbit/s) 50 / 300 MBits
USB-OTG
DLNA
NFC
Kabellose Display-Übertragung
MHL
Miracast
Infrarot-Fernbedienung
Bluetooth-Version 4.2
WLAN-Standards IEEE 802.11 a/b/g/n
Qi

Schade ist, dass das Honor 9 Lite beim WLAN keine Dualband-Kompatibilität erhält und nur im Frequenzbereich von 2,4 GHz funken darf. LTE Cat. 6 mit 300 MBit/s im Download und 50 MBit/s im Upload ist fast schon eine Beleidigung für den Prozessor, der auf LTE Cat. 13 ausgelegt ist. Für LTE-Verträge im aktuellen Zeitalter reicht die Ausstattung, zukunftsträchtig ist die Zusammenstellung aber nicht.

Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite des Smartphones wird vom Hersteller als besonders schnell beworben. Die angepriesenen 0,25 Sekunden konnten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, schnell ist der Sensor aber trotzdem. Der Unterschied zum aktuellen Flaggschiff, dem Honor 10, zeigt sich aber unter anderem darin, dass er mit nassen Fingern überhaupt nicht funktioniert.

Schnelligkeit ist auch erste Prämisse bei der angebotenen Gesichtserkennung. Ohne viel Zauberei und nur durch die Frontkamera realisiert, ist sie immerhin mit so viel Sicherheit ausgestattet, dass sie nicht so einfach mit einem Selfie zu überlisten ist.

Telefonieren mit dem Honor 9 Lite

Zur Telefonfunktion: Hier arbeitet das Honor 9 Lite auf der abgehenden Seite ordentlich. Der Gesprächspartner beobachtet weder beim direkten Gespräch noch mit „offenem“ Mikro in der Freisprecheinrichtung große Probleme.  Anders beim Handy selbst: Das Honor 9 Lite macht am Ohr ebenfalls eine gute Figur. In der Freisprecheinrichtung zeigt der Lautsprecher jedoch, dass hier keine sonderlich feine Technik verbaut wurde. Es gibt Verbesserungspotenzial.

Das Honor 9 Lite ist ordentlich ausgestattet, dem Smartphone fehlt es auf den ersten Blick an nichts, was in der Mittelklasse nicht zu verschmerzen wäre. Auf den zweiten Blick gibt es aber Schwächen, hier steckt der Teufel im Detail.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Kamera

Insgesamt nennt das Honor 9 Lite gleich vier Kameras sein Eigen. Je zwei gekoppelte Objektive auf Vorder- und Rückseite. Diese setzen sich wie folgt zusammen:

  • Hauptkamera: 13 + 2 Megapixel, f/2.2
  • Frontkamera: 13 + 2 Megapixel, f/2.0

Es zeigt sich, dass die Frontkamera sogar die leicht besseren Leistungsmerkmale aufweist und zum Beispiel mit einer größeren Blendenöffnung ausgestattet ist. Dennoch sind Blendenzahlen ab f/2.0 eher als mittelklassig zu bezeichnen.

Die Hauptkamera hat entsprechend auch Schwierigkeiten bei schlechter werdenden Lichtverhältnissen. Die Erläuterung der Bewertung gibt es in der folgenden Galerie:

Honor 9 Lite im Test: Kamerabilder

Die Kamera offenbart also Potenzial nach oben, eignet sich jedoch für Schnappschüsse und kann insbesondere bei guten Lichtverhältnissen auch mit teureren Handykameras mithalten.

Kamera-App

De Software, die Honor hinter die Kameratechnik packt, ist aufgebaut wie viele andere Kamera-Apps. Es gibt drei Struktur-Ebenen: Sucher, Grundeinstellungen, Foto- und Videomodi.

Hier ist das Smartphone vollgepackt mit zahlreichen Features: So kann man über die Einstellung „Große Blende“ einen Bokeh-Effekt herbeizaubern, das „AR-Objektiv“ soll verbesserte Objekterkennung gewährleisten – im Test funktionierte dies nur halbgar. Dazu werden Fotos optional auch als „Moments“ gespeichert. Das sind ganz kurze Videosequenzen, die die Zeit vor und nach dem Drücken des Auslösers mitnehmen und das Ganze dennoch als Bilddatei speichern.

Honor 9 Lite im Test: Kamera-App und Frontkamera

Was bei einem Honor-Smartphone nicht fehlen darf, sind Filter. Für die Hauptkamera gibt es vorgefertigte Bild- und Beauty-Filter. Insbesondere die automatische Schönheitskorrektur ist sehr aggressiv und glättet Gesichter fast bis zur Unkenntlichkeit. Bei der Selfie-Kamera ist das noch etwas extremer.

Die Kamera ist der Mittelklasse würdig und schießt brauchbare, wenn auch keine besonders guten Schnappschüsse. Die Software ist gespickt mit allerlei Schnickschnack und Einstellungen, die teilweise unnötig sind und ihren Zweck vermissen lassen.

Einzelwertung: 3,5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

An EMUI scheiden sich die Geister. Die einen sehen in der Huawei-Benutzeroberfläche, die auch Honor verwenden darf, verschachtelten Unsinn, der Android nur noch komplizierter macht. Andere wiederum finden die Bedienungssoftware maßgeschneidert und erfrischend neben dem „Android-Einheitsbrei“. Die gute Nachricht: Die Oberfläche funktioniert und wenn man sich darauf eingelassen hat und sich näher beschäftigt, scheint mehr Android 8 durch, als anfangs gedacht.

Das Wort „idiotensicher“ passt ebenso zu Emui 8.0.0 wie das Wort „intuitiv“ – von einigen Verwirrungen abgesehen, die zum Beispiel die angesprochene Displaysteuerung betreffen. Hier hilft im Zweifel aber die Suchfunktion des Menüs weiter, denn eines ist EMUI ganz sicher: Umfangreich ausformuliert.

Honor 9 Lite im Test: Screenshots

Die vorinstallierte Software lässt wenige Wünsche offen, nur die zum Glück deinstallierbare Bloatware in Form von drei Spielen, darf gerne aus Honors Repertoire verschwinden. Das war aber auch schon schlimmer – insbesondere bei Honor.

App-Dopplungen gibt es systembedingt bei E-Mail und Musikplayer, Spielereien verstecken sich in der Spiegel-App. Für spezielle Datensicherheit sorgt der „Tresor“ im Dateimanager, der auch mit Fingerabdrucksensor und Gesichtserkennung kombinierbar ist.

Sound und Multimedia

Der Huawei-Musikplayer bietet zahlreiche Einstellungen bis zum ausführlichen Equalizer bei eingestöpselten Kopfhörern. Nur vorteilhaft, denn die Außenlautsprecher fallen eher durch Plärren, denn durch wohlklingende Töne auf. Tiefen fehlen völlig, die Höhen bereiten Ohrenschmerzen. Hier fällt das Honor 9 Lite gnadenlos durch.

Honor 9 Lite: Musik und Sound
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Kopfhörer sind für das Honor 9 Lite ohnehin praktisch: Mit kabelgebundenen Modellen kann nämlich das UKW-Radio betrieben werden.

Die Software des Honor 9 Lite ist ein vernünftiger Kompromiss. Weniger Bloatware als befürchtet und mehr Funktionen als gedacht. Dazu gesellt sich ein ansprechender Multimediabereich mit schlechter Hardware in Form der Lautsprecher.

Einzelwertung: 3 von 5 Sternen

Akku

Beim Akku geht es dem Honor 9 Lite wie in den meisten anderen Disziplinen: Das, was auf dem Papier steht, sticht nicht aus dem Einheitsbrei in der Mittelklasse hervor: 3.000 mAh fasst der Energiespeicher des Smartphones. Die Konkurrenz in diesem Bereich ist riesig. So muss das Honor 9 Lite also mit der nötigen Energieeffizienz und der entsprechenden Kondition auf langer Strecke punkten.

Das gelingt mit Abstrichen. Nach acht Stunden, die von höherer Belastung geprägt waren, bleibt das Handy hauchzart unter dem Strich von 50 Prozent verbleibender Ladung stehen.

Der Akkutest in der Chronik

Uhrzeit Aktivität Akku vorher Akku nachher
08:48 Beginn des Akkutests 100%
09:05 30 Minuten Videostream (YouTube) 100% 92%
09:48 30 Minuten Audiostream (Spotify) 91% 88%
10:42 Fotos, Instagram, weitere Apps 88% 82%
10:54 AnTuTu Benchmark-Test (ca. 10 Minuten) 81% 76%
bis 14:10 gelegentliche Nutzung von Apps, Internet, Kamera 76% 71%
14:10 30 Minuten Telefonieren 71% 67%
14:43 30 Minuten Spielen (Asphalt 8: Airborne) 67% 57%
16:20 Upload der Testfotos, Screenshots und Daten 53% 50%
16:48 Ende Intensiv-Phase 49%
+1, 08:48 Ende Standby-Phase (16 Stunden) 49% 38%
09:33 30 Minuten Aufladen 30% 48%

Es zeigt sich, dass vor allem das Display einen ordentlichen Energiehunger mit sich bringt. Während der Spiele-Session und den 30 Minuten Videostreaming macht der Akku die größten Sprünge nach unten. Auch die Kamera hat eine hohe Akku-Nachfrage.

Nach 16 Stunden im Standby-Modus – alle Verbindungen und Push-Einstellungen blieben dabei aktiviert – spuckt die Akku-Anzeige nur noch 38 Prozent aus. Der Verbrauch ohne Display und ohne besondere Aktivität beläuft sich demnach zwar auf weniger als ein Prozent pro Stunde. Dennoch gibt es hier Kandidaten, die ein deutlich besseres Energiemanagement bieten.

Sparpotenzial zeigt das Honor 9 Lite in der Geräte-Optimierung auf: So kann – wie im Display-Bereich angeführt – die Auflösung heruntergesetzt werden. Ultima Ratio sind zwei Energiesparmodi. Im Ultra-Energiesparmodus wird die Durchhalte-Prognose auf über drei Tage erhöht.

Beim Aufladen bricht das Honor 9 Lite leider keine Rekorde. Magere 18 Prozent gewinnt der Akku bei 30 Minuten an der Steckdose. Von Schnellladetechnik ist hier weit und breit nichts zu sehen.

Der Akku des Honor 9 geht bei ausdauernder Benutzung schnell in die Knie. Ein schlechtes Zeichen für einen Gebrauchsgegenstand. Die große Katastrophe bleibt aber aus.

Einzelwertung: 3 von 5 Sternen

 Modell  Kapazität (mAh) Akkustand Verbrauch
Arbeitstag (8h) Nacht im Standby (16h) Intensivtest (8h) Standby (16 h)
 Honor 9 Lite 3.000 49 38 51 11
Alternativen
Huawei P20 Lite 3.000 52 44 48 8
Nokia 6.1  3.000 66 53 34 13
Samsung Galaxy A6  3.000 69 54 31 15
Referenz
LG X power2 4.500 83 74 17 9

Fazit

Das Honor 9 Lite hat viel Gutes zu bieten. Es ist schick anzusehen – die schimmernde Rückseite hat es von seinem Flaggschiff-Paten, dem Honor 9, geerbt und es fehlt auf den ersten Blick an nichts.

Die Schwächen werden auf den zweiten Blick erkannt und befinden sich in Ausstattungsdetails und in der Kamera. Auch der Akku kann nicht vollends überzeugen. Deshalb vom Kauf abraten? Keineswegs: Gerade in der Preisklasse rund um 200 Euro kann sich das Honor 9 Lite mit seinen Stärken hervortun und sticht einige Konkurrenz-Modelle aus.

Honor 9 Lite im Test: 3,5 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 3,5 von 5 Sternen (~71 Prozent)

Tops des Honor 9 Lite

  • Gute Verarbeitung
  • gutes Display
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Flops des Honor 9 Lite

  • Leistungshemmung
  • Durchschnittliche Ausstattung
  • Kein USB-C und keine IP-Zertifizierung

Preis-Leistung

Das Honor 9 Lite startet mit einer Preisempfehlung von knapp 230 Euro. Das ist an sich schon ein attraktiver Preis für das Gebotene. Durch den drohenden Preisverfall auf unter 200 Euro – für den das Handy im Sommer 2018 bereits zu haben ist – wird das Preis-Leistungs-Verhältnis sogar noch besser.

Im Budget-Smartphone-Bereich sollte das Honor 9 Lite immer eine Überlegung wert sein.

Alternativen

Die Alternativen zum Honor 9 Lite sind zahlreich. Rund um die 200-Euro-Marke tummeln sich ältere Handys, die von 400 oder 500 Euro dem Preisverfall Tribut zollen mussten und neue Handys, die sich technisch mit dem Honor 9 Lite auf Augenhöhe befinden. Die beste Übersicht gibt es in den von inside handy gepflegten Bestenlisten, die nach Preisstufen sortiert sind.

Aber auch einzelne Kandidaten verdienen es, als gute Alternative genannt zu werden:

Das Nokia 6.1 ist ein technisch gleichwertiges Handy, das mit Android One eine gänzlich andere Software bietet und sich auch optisch – dank Alu-Gehäuse – vom Honor 9 Lite abhebt.

Etwas größer und mit etwas mehr Akku versehen, ist das Galaxy A6+ von Samsung. Der große Unterschied: Samsung verlangt für sein Handy deutlich mehr als Honor.

Bildquellen:

  • Honor 9 Lite im Test: Simone Warnke / inside handy
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Das 11. Türchen öffnen: 1112 – Eine Zahl des Glücks

Für Zahlenliebhaber ist die 1112 ein schöne Abfolge, für Mathematiker eine herrliche Spielwiese. Für manch einen besorgten Vater eine Unachtsamkeit beim nächtlichen Anruf und für den einen oder anderen Online-Einkäufer eine geläufige Tastenfolge. Aber warum schreibt inside handy über 1112? Was verbirgt sich hinter der Zahl und warum versteckt sich hinter ihr ein möglicher Gewinn?
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Michael liebt Technik und vor allem Smartphone-Tests. Seit 2012 ist er mit Unterbrechung bei inside handy und schreibt über die neueste Technik. Zu seinen Aufgaben gehören das Ausprobieren von neuen Handys sowie das Betreuen der Social-Media-Auftritte. Seine Freude an der Technik wird nur von seiner Liebe für den Fußball übertroffen – besonders für den Verein seines Herzens, den 1. FC Köln. Er spielt aktiv im Verein und digital an der PlayStation. Wenn er nicht mit Ballsport oder Schreiben beschäftigt ist, verreist er gerne und betätigt sich als Chefredakteur des Gin-Magazins.

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