HTC U12+ im Test: Drückend überlegen

18 Minuten
HTC U12+
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Von Innen nach außen: Das HTC U12+ ist ein pflichtbewusstes Flaggschiff. Neben High-End-Technik – Snapdragon 845 und 6 GB Arbeitsspeicher gehen Hand in Hand – erscheint das U12+ in einem Glaskörper: Ganz, als sei das im Jahr 2018 oberste Flaggschiff-Pflicht.

Interessant ist darüber hinaus, wie konsequent HTC die Druck-Interaktion Edge Sense weiterentwickelt hat und ob es gewöhnungsbedürftig ist, dass das Handy ohne richtige Tasten erscheint. Die haptischen Schalter für Power, Lauter und Leiser sind beim U12+ nicht-drückbaren Tastern mit integrierten Sensoren gewichen.

Ein Streifzug durch das technische Datenblatt:

HTC U12+
HTC U12+ vergleichsbbild
Bildquelle: HTC

 

Display 6.0 Zoll, 1.440 × 2.880 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8.0 Oreo
Prozessor Qualcomm Snapdragon 845
Octa-Core 2,8 GHz
RAM 6 GB
interner Speicher 64 GB
MicroSD ja (2 TB)
Kamera vorne/hinten 8 und 8 MP (Dual Kamera)/
12 und 16 MP (Dual Kamera)
Fingerabdruckscanner ja
Akku 3.500 mAh
USB-Port USB 3.1 Typ-C
IP-Zertifizierung IP68
Abmessungen (mm) 156,6 × 73,9 × 8,7
Farben Schwarz, Blau, Rot
Einführungspreis 799 EUR
Aktueller Marktpreis 799 EUR

Design und Verarbeitung

Das HTC U12+ wird angeführt von einem 6 Zoll großen Display, das in einem 15,6 Zentimeter hohen und knapp 7,4 Zentimeter breiten Gehäuse seinen Platz findet. Trotz langgezogenem 18:9-Display und aktueller Design-Trend-Folge, sind markante Ränder ober- und unterhalb der Anzeige sichtbar. Diese sind auch von Nöten: HTC verbaut nämlich nicht nur rückseitig, sondern auch auf der Vorderseite eine Dual-Kamrea, deren Objektive ein bisschen Platz benötigen. Einen Display-Einschnitt – auch „Notch“ genannt – gibt es nicht. Hier zeigt sich HTC konservativ und gibt Nutzern, die mit dem Steg überhaupt nichts anfangen können, eine weitere Flaggschiff-Alternative, die nicht Samsung heißt.

Neben der sonst nur in den von HTC mitgestalteten Google-Pixel-Handys verbauten Technik „Edge Sense“, erscheint das HTC U12+ gänzlich ohne Tasten. Ja, es gibt die Erhebungen für Power und Lautstärke an der Seite. Diese besitzen aber keinen Tastenhub und reagieren lediglich auf Fingerdruck. Dies ist gewöhnungsbedürftig, genau wie Edge Sense selbst, wenn man mit der Funktion noch nicht vertraut ist. Ist die Bedienung aber in Fleisch, Blut und Gedanken übergegangen, kann HTC bei konsequenter Weiterentwicklung der Features eine besondere Kundenbindung erzielen, die dem Unternehmen nur zuträglich sein kann.

Der Blick auf die Rückseite aus Glas zeigt neben der neuen, im Hochformat horizontal angeordneten Dual-Kamera zum Glück einen HTC-Schriftzug. Andernfalls steigt die Verwechslungsgefahr – vor allem mit dem LG V30, das dem HTC-Flaggschiff hier verblüffend ähnlich sieht. Lediglich kleinere Merkmale, wie die Position des LED-Blitzes oder die Mikrofon-Öffnungen offenbaren die HTC-Handschrift. Auch die Spiegel-Kompetenz der Gasfläche ist bei HTC höher als bei LG. Voraussetzung ist eine entsprechende Farbvariante; zum Beispiel die graue, die für diesen Test zur Verfügung stand. Die ebenfalls erhältliche, halbtransparente Erscheinungsform eignet sich für gewöhnlich nicht als Spiegel.

HTC U12+ und LG V30 nebeneinander
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Links das HTC U12+, rechts das LG V30.

HTC U12+ im Hands-On

Erfrischend anders trifft beim HTC U12+ nur auf die formbedingten Zusatz-Funktionen Edge Sense und Touch-Keys zu. Ansonsten ist das Gehäuse ohne Zweifel zwar hervorragend verarbeitet, aber eben auch altbekannt. Die geschwungene Glas-Rückseite zieht Fingerabdrücke magisch an und kann das Gefühl eines markanten, aber kratzanfälligeren Alu-Gehäuses nicht ersetzen. Zwischen Glas-Platte und Vorderseite befindet sich dann doch noch eine Metall-Reling. Die durch den Rahmen entstehenden Materialwechsel sind herausragend verarbeitet, sämtliche Elemente sind stimmig eingebracht.

Das Gerät selber liegt auch dank der geschwungenen Rundung der Rückseite gut in der Hand. Allerdings ist das Plus im Gerätenamen neben dem technischen Aspekt auch der Größe zuzuschreiben. Das HTC U12+ ist nämlich ziemlich ausladend und gewinnt auch keinen Preis für das dünnste Gehäuse. Der Gesamteindruck ist propper und markant, trotz „weicher“ Materialien. Das Zusammenspiel beherrscht HTC aber nahezu perfekt.

Lieferumfang des HTC U12+

Die flache, weiße Box, in der HTC seine Flaggschiffe seit Generationen an den Mann bringt, beherbergt alles, was der Nutzer für den Start benötigt. Wichtig ist dabei das Headset, das in Ermangelung des Klinken-Eingangs direkt mit USB-C-Stecker erscheint. Schade ist derweil, dass HTC keinen Adapter beilegt, der aus dem USB-C-Port in Windeseile eine Klinkenbuchse macht.

Dafür freut sich der Käufer über eine mitgelieferte Plastikhülle, die die sensible Glasrückseite schützen soll.

Das HTC U12+ ist in Sachen Verarbeitung eine Augenweide. Die Materialauswahl ist aber bekannt und gewöhnlich. Auch beim Design fällt HTC wenig Neues ein. Der Ansatz, ein Gerät ohne physische Tasten herzustellen, ist zunächst gewöhnungsbedürftig, per se aber nicht schlecht.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Display

Kein OLED, keine Party? HTC verzichtet auf das Display-Merkmal der Premium-Flaggschiffe und setzt „nur“ ein Super-LCD-Panel in sein neues Oberklasse-Smartphone ein. Die Anzeige im HTC U12+ erstreckt sich über 6 Zoll, langgezogen auf ein 2:1-Seitenverhältnis. Inhalte werden größtmöglich aufgelöst in QHD+ dargestellt, was 1.440 x 2.880 Bildpunkten und einer Pixeldichte von 537 ppi entspricht. Wem es reicht und wer Sparpotenzial beim Akkuverbrauch sucht, der kann die Auflösung in den Displayeinstellungen auf Full HD+ (1.080 x 2.160 Pixel) herunterfahren.

Der Unterschied von OLED und LCD, wie es beim U12+ zum Einsatz kommt, ist tief in der Technologie zu suchen. Der Alltagsnutzer, der von einem OLED-Display-Modell auf das HTC-Flaggschiff wechselt, wird kaum etwas vermissen. Nur absolute Kenner und Display-Experten könnten OLED-Schwarzwerte vermissen oder den leicht poppigeren Farben hinterhertrauern. Alleine die Wahl der konservativeren Display-Technologie stellt keinen Grund dar, das Display des HTC U12+ abzuwerten.

HTC U12+ Display
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Und auch daneben lässt HTC wenig Raum für Kritik am Display. Ist man fokussiert auf der Suche nach Nachteilen, fällt womöglich auf, dass das Display auf maximaler Helligkeit an die Grenze seiner Lesbarkeit kommt, wenn das Gegenlicht, zum Beispiel die Sonneneinstrahlung, zu stark ist. Auch die automatische Helligkeitsregelung ist ab und an etwas träge, hier muss gegebenenfalls etwas nachjustiert werden. Große Probleme oder Schwachpunkte weist das Display des HTC U12+ nicht auf.

Von der Mittelklasse hebt es sich einerseits durch die hohe Auflösung und Pixeldichte ab. Andererseits gibt es in den Einstellungen rund um die Anzeige zahlreiche Modifikationsmöglichkeiten, die bei Handys unterhalb der 400-Euro-Klasse häufig fehlen. Angefangen vom Bild- und Farbmodus, den HTC in optimierter Form DCI-P3 getauft hat, über verschiedene „Motion Launch Gesten“, mit denen das Display weitere Steuerungskompetenzen erhält, die bis zu einem gewissen Grad nach Belieben eingestellt werden können.

Auch wenn HTC mit dem OLED-Trend weiter fremdelt: Das Display des U12+ überzeugt dank Fokus auf das Wesentliche.

Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Bei der Ausstattung spielt das HTC U12+ ganz oben mit. Klar, ohne Snapdragon 845 darf man sich 2018 auf keiner Flaggschiff-Party blicken lassen. Daneben stehen mit 6 GB Arbeitsspeicher und 64 GB internem Speicher gute Werte parat.

Das Zahlenspiel kann noch weiter getrieben werden, wenn das Handy durch einen Benchmark-Test gejagt wird. Hier wird nicht nur die schiere Leistung des Prozessors, sondern auch ein Stück weit die Schnelligkeit der einzelnen Komponenten gemessen – zum Beispiel die Lesegeschwindigkeit des Speichers. Im Benchmark-Test von AnTuTu erreicht das Smartphone den stolzen Punktwert von fast exakt 270.000 Zählern, was die Spitzenklasse hervorhebt. Ds HTC-Flaggschiff schlägt damit alle Smartphones, die bisher getestet wurden und stößt unter anderem das OnePlus 6 vom Thron.

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät HTC U12+ 270.006
 direkte Konkurrenten Samsung Galaxy S9+ 249.185
OnePlus 6 268.802
Huawei P20 Pro 208.497
 ehemalige Spitzenmodelle HTC U11+ 174.550
OnePlus 5T 180.828
Xiaomi Mi Mix 2 165.828
aktuelle Referenz LG G7 ThinQ 262.448
OnePlus 6 268.802
Sony Xperia XZ2 258.397

Auch in weiteren Benchmark-Tests macht das Smartphone eine gute Figur, die Werte gehören zu den besten, die die Redaktion bis dato gemessen hat.

HTC U12+ im Test: Benchmark-Tests

Aber Zahlen sind freilich nicht alles. Auch die Leistung, die beim Nutzer ankommt, muss stimmen. Und auch da ist es eigentlich immer dasselbe Lied: Ruckler macht der Anwender kaum aus. Die Menüseiten wechseln flott ihre Erscheinung und auch aufwendige Apps wie zum Beispiel das 3D-Spiel „Asphalt 8: Airborne“ wird in Top-Qualität wiedergegeben. Gleiches gilt für die detaillierten Sequenzen, die zur Benchmark-Ermittlung abgespielt werden.

Sensoren und Verbindungen

Die Leistung aktueller Oberklasse-Smartphones ist mittlerweile meist auf vergleichbarem Niveau. Die Spreu trennt sich in anderen Kategorien vom Weizen. So zum Beispiel in der Fähigkeit des Handys, Verbindungen mit der Umgebung aufzunehmen, sei es herkömmlich über Mobilfunk oder drahtlos mit Geräten in der unmittelbaren Umgebung.

Die Verbindungstabelle tut kund, wo das HTC U12+ glänzen kann – und wo nicht.

Feature Vorhanden Funktion
HSPA Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE Mobilfunkstandard, Down-max 1.200 Mbit/s, Up-max: 150 MBit/s
USB-OTG Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher (ab Werk vorhanden)
NFC Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Kabellose Display-Übertragung Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (z.B. Miracast/AirPlay/Google Cast)
MHL Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version 5.0
WLAN-Standards IEEE 802.11 a/b/g/n/ac
Qi Ermöglicht das kabellose Laden des Smartphones

Die Tabelle zeigt Licht – zum Beispiel bei Bluetooth 5.0 und WLAN ac – aber auch Schatten: Denn anders, als andere Flaggschiff-Handys kann das HTC U12+ nicht kabellos aufgeladen werden. Gerade weil es am Klinkenstecker fehlt und der USB-Eingang daher schnell blockiert ist, wäre diese Möglichkeit wünschenswert gewesen.

Die weiteren Daten sprechen wieder Flaggschiff-Sprache: So ist das HTC U12+ IP68-zertifiziert und somit sicher vor Staub und Wasser. Außerdem bietet es eine Gesichtserkennung, die nicht nur auf der einfachen Aufnahmefähigkeit einer Frontkamera basiert, sondern eine Art 3D-Scan mit beiden Front-Kameras erstellt.

Ja, und dann hat das HTC U12+ noch den drucksensitiven Rahmen.

Edge Sense 2 – das ist neu

Nachdem HTC 2017 zum ersten Mal die Zusatzfunktion durch seitliches Drücken veröffentlicht hat, wurde das Feature zweischneidig betrachtet: Schön und gut, aber noch mit wenigen Anwendungsszenarien. Dies hat sich schon im Laufe des vergangenen Jahres geändert. Mit Softwareupdates für das HTC U11 und den neuen Handys Google Pixel 2 (XL) und HTC U11+, die jeweils Edge Sense besitzen, wurde die Technik erprobt und entwickelt.

Neben der schon bekannten integrativen Fähigkeit, mit dem man Edge Sense einzelnen Apps zuweisen kann, bietet Edge Sense 2, das nun mit dem U12+ vorgestellt wurde, weitere Gesten-Elemente. So kann man den Rahmen des Handys nicht nur verschieden lange drücken, um eine Interaktion hervorzurufen, das Handy reagiert auch auf kurze „Klopfzeichen“ auf den Sensor-gespickten Rand. Je nach Einstellung zeigt das U12+ eine Reaktion. In der Standardeinstellung öffnen sich auf zweimaliges Klopfen eine Schnell-Start-Leiste mit Apps und die Kalenderansicht.

Edge Sense auf dem HTC U12+
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Neben dem haptischen Vibrationsfeedback wird Edge Sense-Aktivität auch auf dem Display angezeigt.

HTC hat Edge Sense also einem Update unterzogen. Das Feature ist sinnvoll, es funktioniert nach Eingewöhnung gut und spendiert dem Handy Mehrwert. Kein Wunder, dass auch Apple offenkundig über einen drucksensitiven Rahmen für das iPhone nachdenkt.

Das HTC U12+ ist mit allen Wassern gewaschen. Den „Flaggschiff-Baukasten Version 2018“ zu öffnen, war noch keine Kunst. HTC schafft es aber, die eigene Handschrift durchscheinen zu lassen und bietet ein exklusives Leistungsmonster auf.

Einzelwertung: 5 von 5 Sternen

Kamera

Die Dual-Kamera ist eigentlich eine HTC-Erfindung. Dennoch hat der taiwanische Hersteller seit einigen Jahren auf das Doppelmodul verzichtet. Im Frühjahr 2018 erschien dann das neue Desire-Handy mit zwei Hauptkameras, jetzt gibt es mit dem U12+ auch ein HTC-Flaggschiff, das auf eine neuartige Doppel-Konstellation bei der Kamera setzt – und das gleich doppelt. Doppelt doppelt quasi. Neben der Hauptkamera, linst nämlich auch der Selfie-Apparat durch zwei Objektive.

  • Hauptkamera: 12 Megapixel (Weitwinkel, HTC UltraPixel 4, 1,4µm, f/1.75) + 16 Megapixel (Tele, 1,0 µm, f/2.6)
  • Frontkamera: 2 X 8 Megapixel (je 1,12µm Pixelgröße und f/2.6-Blende)

HTC kann Kamera. Das hat im Smartphone-Geschäft schon Tradition. Auch 2018 gehört der taiwanische Hersteller hier zu den Besten. Das Top-Ergebnis von DxO Mark kann auch im Test von inside handy bestätigt werden.

Ohne Megapixel-Rekord besinnt sich HTC auf das wesentliche, in diesem Falle gestochen scharfe und rauscharme Fotos. Nachts kommt natürlich auch das U12+ an seine Grenzen, auch auf einen überaus starken KI-Motor wie im Huawei P20 Pro greift die Handykamera nicht zurück. Dennoch weiß das U12+ zu überzeugen. In der Galerie wird die Kamerabewertung anhand von Beispielfotos erläutert:

Die Frontkamera fällt bei der Fotoleistung etwas ab. Wie schon bei Konkurrenten – auch im Oberklasse-Bereich – beobachtet, scheinen die Smartphone-Entwickler zu denken, dass die Kunden unbedingt einen besonders starken Beauty-Filter über ihre Fotos legen wollen. Einerseits ist ein deutlich bemerkbarer Filter automatisch aktiviert, andererseits wirken die Bilder auch bei offiziell deaktiviertem Beauty-Filter etwas künstlich übertüncht. Dazu neigt die Frontkamera bei Dunkelheit schneller zu rauschigen Ergebnissen.

Die Kamera-App

Bei der Bediensoftware hat HTC seine alte Mannschaft erneut aufgeboten. Sämtliche Grundeinstellungen werden über die Statusleiste beziehungsweise über einen Wisch von dieser nach unten erreicht. Das Ganze geht ziemlich intuitiv von der Hand. Im Pro-Modus gibt es alles, was das Fotografen-Herz begehrt. Unter anderem können Bilder hier auch im großen RAW-Format gespeichert werden.

HTC U12+ im Test: Kamera-App

Was im Flaggschiffsegment Einzug gehalten hat, beim HTC U12+ aber nicht zur Verfügung steht, ist eine Super-Zeitlupen-Funktion mit kurzzeitig 960 Bildern pro Sekunde, wie es bei Sony, Samsung und Huawei der Fall ist.

HTC schafft es auch 2018, eine der besten Smartphone-Kameras in den Einsatz zu schicken.

Einzelwertung: 5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Das HTC U12+ erscheint mit Android 8.0, nicht 8.1. Der Grund für den Einsatz der nicht-aktualisierten Version dürfte in der Benutzeroberfläche HTC Sense liegen. Diese kommt wie üblich in grau-dominierter und eigenwilliger Übersicht. Dennoch gehört HTC Sense zu den beliebtesten Benutzeroberflächen, die kein unberührtes Android widerspiegeln.

Das liegt einerseits wohl an der aufgeräumten, aber andersartigen Struktur der Oberfläche und andererseits an der intuitiven Menüführung. Außerdem glänzt klassische Bloatware bei HTC durch Abwesenheit. Die vorinstallierten Apps, zum Beispiel der App-Store Viveport oder die Verknüpfung mit Amazon Alexa, rechtfertigen Ihre Existenz auf dem HTC U12+ durch das von HTC eingebrachte Ökosystem. Lediglich die vorinstallierte App „Under Armour: Record“ fällt ein wenig aus der Reihe. Sie kann aber auch deinstalliert und damit vollständig gelöscht werden.

HTC U12+ im Test: Screenshots

Ein Nachteil der eigenen Benutzeroberfläche liegt aber auch auf der Hand: Viele der „systemrelevanten“ Standard-Apps sind somit doppelt vertreten und können eben nicht gelöscht werden. Dies gilt insbesondere für das Mail-Programm.

Daneben bietet die Software des U12+ wieder den HTC Sense Companion, den smarten Assistenten der Taiwaner, der jedoch einiges seines Potenzials an die Alexa-Integration abgibt. Ebenfalls mit dabei ist der HTC BlinkFeed, auf den Apps und Internet-Programme zugreifen können und der so einen auf den Nutzer zugeschnittenen Mix aus Inhalten und Schnelleinstiegen produziert. Erreicht wird der BlinkFeed über einen Wisch nach rechts vom Homescreen.

Audio und Sound

Die Sound-Ausgabe ist seit jeher ein Steckenpferd von HTC. BoomSound heißt die Technologie, unter der HTC seine Außenlautsprecher verkauft, die beiliegenden Headset-Kopfhörer werden USonic genannt.

Als Musik-App steht ab Werk nur Play Musik von Google zur Verfügung. Die Zeiten, in denen Musik auf dem Handy klassisch vom Speicher via Player abgespielt wird, sind aber weitgehend vorbei. Das Ergebnis, dass – egal aus welcher Quelle – auf die Ohren kommt, kann sich jedoch sehen beziehungsweise hören lassen.

Dazu bietet HTC an, für die USonic-Kopfhörer Soundprofile zu erstellen, bei denen die Geräuschminimierung und das Klangerlebnis angepasst werden. Das Manko ist nach wie vor, dass die Kopfhörer nur an den USB-C-Port angeschlossen werden können. Neben der Problematik, keine eigenen kabelgebundenen Kopfhörer nutzen zu können, können im Umkehrschluss auch nicht die guten HTC-Kopfhörer mit Klinken-Geräten verbunden werden.

HTC U12+ Audioprofil
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

HTC Sense mit BlinkFeed und eigenwilliger Struktur weiß zu gefallen. Die Integration von Edge Sense funktioniert. Der Multimedia-Bereich erscheint beim 12er nicht so ausgeprägt, wie bei Vorgängermodellen.

Einzelwertung: 4 von 5 Sternen

Akku

Vorbei sind die Zeiten, in denen HTC-Smartphones mit teils lausiger Akku-Performance eine Top-Wertung verfehlten – diese These folgte zumindest auf den vielversprechenden Auftritt des HTC U11+. Der Nachfolger kann die Fußstapfen aber nicht ausfüllen.

Wie schon bei vielen Konkurrenzmodellen mit Snapdragon-845-Prozessor fällt auf: Die Technik raubt dem Handy den langen Atem. Das HTC U12+ kommt bereits mit einer eher unterdurchschnittlichen Nennladung für ein 6-Zoll-Handy, dessen Display ja auch beleuchtet werden will. Das Datenblatt spricht von 3.500 mAh – einem mittelprächtigen Wert.

Nach 8 Stunden unter hoher Belastung hat das Smartphone auch schon knapp mehr als die Hälfte seiner Ladung verloren. Noch 49 Prozent stehen auf der Habenseite. Die Prognose sieht zu diesem Zeitpunkt düster aus. In den darauffolgenden 16 Stunden Standby-Betrieb verliert das HTC U12+ allerdings nur noch sechs Prozent und kommt so mit einem blauen Auge davon.

Der Akkutest in der Chronik

Uhrzeit Aktivität Akku vorher Akku nachher
09:52 Beginn des Akkutests 100%
10:43 30 Minuten Videostream 98% 92%
11:12 AnTuTu-Benchmark-Test 92% 88%
12:06 30 Minuten Audiostream 85% 85%
14:51 intensive Nutzung, Apps, Kamera 85% 75%
15:28 30 Minuten Spielen (Asphalt 8: Airborne) 71% 61%
16:23 30 Minuten Telefonieren 61% 56%
17:09 Intensive Nutzung, Upload der Testfotos und Screenshots 56% 52%
17:52 Ende Intensiv-Phase 49%
+1, 09:55 Ende Standby-Phase 49% 43%
14:10 60 Minuten Aufladen 27% 91%

Dank Schnellladetechnik ist das Handy auch ratzfatz wieder aufgeladen, etwas Verwirrung gibt es hier noch: Eigentlich unterstützt das HTC-Flaggschiff Qualcomms Quick Charge 4.0, das mitgelieferte Netzteil lädt allerdings „nur“ mit Quick Charge 3.0 auf. Will man hier also das Beste vom Besten haben, kommt man um den Neukauf eines Ladegerätes nicht herum.

Die Akku-Enttäuschung wurde bereits benannt: Das HTC U12+ kann trotz Glasrückseite und trotz Klinkenlosigkeit nicht kabellos aufgeladen werden. Mit dem mitgelieferten Netzteil reicht es aber, das Smartphone eine gute Stunde an die Steckdose zu hängen um wieder genug Energie für einen Tag zu haben.

Kein Qi, keine vollends überzeugende Kondition. HTC erreicht zwar ein effizientes Energiemanagement im Standby. Für das große Konzert ist das aber zu wenig.

Einzelwertung: 3,5 von 5 Sternen

 Modell  Kapazität (mAh) Akkustand Verbrauch
Arbeitstag (8h) Nacht im Standby (16h) Intensivtest (8h) Standby (16 h)
Testgerät
HTC U12+ 3.500 49 43 51 6
direkte Konkurrenz
Huawei P20 Pro 4.000 68 53 32 15
Samsung Galaxy S9+ 3.500 66 56 34 10
LG G7 ThinQ 3.000 63 52 37 11
ehemalige Spitzenmodelle
HTC U11+ 3.930 72 68 28 4
Huawei P10 3.200 54 38 46 16
Xiaomi Mi Mix 2 3.400 68 53 32 15
aktuelle Referenzen
Huawei Mate 10 Pro 2.716 75 68 28 4
Motorola Moto Z2 Force 4.000 62 53 38 9
Nokia 8 3.090 71 65 29 6

Fazit zum HTC U12+

Das HTC U12+ ist ein Premium-Flaggschiff. Es hat beinahe alles, was ein Handy der obersten Oberklasse braucht. Dazu gesellt sich mit Edge Sense eine nützliche Zusatzfunktion, die sich aufgemacht hat, die Smartphone-Welt zu erobern.

Daneben besinnt sich HTC auf alte Stärken und weiß in Sachen Kamera und Sound zu überzeugen. Dass das U12+ ein Leistungsmonster ist, das mit allen Wassern – von Bluetooth 5.0 bis USB 3.1 – gewaschen ist, ist fast schon unnötig zu erwähnen.

HTC U12+ im Test: 4,5 von 5 Sternen

Das Gesamtpaket stimmt und macht Lust auf mehr. Der Akku ist es letztendlich, der aus der sehr guten keine herausragende Wertung werden lässt.

Gesamtwertung: 4,5 von 5 Sternen (~86 Prozent)

Tops des HTC U12+

  • Edge Sense konsequent weiterentwickelt
  • Kamera-Profi
  • Leistungsmonster

Flops des HTC U12+

  • Kein Qi (kabelloses Laden)
  • Zu kleiner Akku
  • Kein Klinkenstecker

Preis-Leistung

HTC schickt sein neuestes Rennpferd mit einer Preisempfehlung von 799 Euro ins Rennen. Damit liegen die Taiwaner im „Premium-Flaggschiff-Segment“ unterhalb der Preisvorschläge anderer Hersteller. Aber: HTC hat das U12+ auch einige Zeit später in den Handel gebracht. Somit liegen U12+, P20 Pro und Galaxy S9+ auf einer Wellenlänge.

Der Preis des HTC U12+ ist für die Leistung angemessen. Als Preis-Leistungs-Tipp kann das Handy aber nicht ausgewiesen werden.

Alternativen

Im Premium-Flaggschiff-Bereich konkurriert das HTC U12+ unter anderem mit dem Huawei P20 Pro und Samsungs Galaxy S9+. Insbesondere das Samsung-Smartphone bietet zum Beispiel einen Klinkenstecker und die Möglichkeit zum kabellosen Laden.

Weitere Alternativen zum HTC-Flaggschiff sind zum Beispiel das OnePlus 6 oder das LG G7 ThinQ – bei beiden muss man im Gegensatz zum HTC U12+ allerdings mit einem „Notch“ genannten Display-Steg vorlieb nehmen.

Wenn das Budget begrenzt ist, empfiehlt die Redaktion einen Blick in die regelmäßig gepflegten Artikel, in denen Handys nach aktuellen Preisstufen eingeordnet werden.

Bildquellen:

  • HTC U12+: Michael Stupp / inside handy
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WhatsApp, Telegram und Facebook Messenger auf einem Smartphone

Kundenservice über WhatsApp – jetzt bei Vodafone und mobilcom-debitel

WhatsApp ist weltweit Millionenfach in Gebrauch – zumindest im herkömmlichen Gebrauch. Doch daneben gibt es auch eine Business-Version des Messenger-Dienstes, die eigens für den Austausch zwischen geschäftlichen Kontakten konzipiert wurde. Die Provider mobilcom-debitel und Vodafone greifen nun darauf zurück und bieten ab sofort einen Kundenservice über WhatsApp an.
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Michael liebt Technik und vor allem Smartphone-Tests. Seit 2012 ist er mit Unterbrechung bei inside handy und schreibt über die neueste Technik. Zu seinen Aufgaben gehören das Ausprobieren von neuen Handys sowie das Betreuen der Social-Media-Auftritte. Seine Freude an der Technik wird nur von seiner Liebe für den Fußball übertroffen – besonders für den Verein seines Herzens, den 1. FC Köln. Er spielt aktiv im Verein und digital an der PlayStation. Wenn er nicht mit Ballsport oder Schreiben beschäftigt ist, verreist er gerne und betätigt sich als Chefredakteur des Gin-Magazins.

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