HTC Desire 12+ im Test: Tops, Flops und ein Kaufargument

16 Minuten
HTC Desire 12+ im Test
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Der Glanz, der die Desire-Serie einst erstrahlen ließ, ist längst passé. In der jüngeren Vergangenheit setzte HTC vorwiegend und miest sehr ordentlich auf das Flaggschiff-Segment. Die Desire-Reihe wurde im Einsteiger-Segment pflichtbewusst weitergepflegt und erhielt fortan weniger Aufmerksamkeit.

2018 könnte mit dem Desire 12+ wieder ein potentes Mittelklasse-Smartphone die HTC-Fahnen hochhalten. Eines, das dazu auch beim Preis konkurrenzfähig erscheint.

Ein schweifender Blick über das Datenblatt:

HTC Desire 12+
HTC Desire 12+
Bildquelle: HTC
Display 6 Zoll, 720 × 1.440 Pixel
Betriebssystem-Version Android 8.0 Oreo
Prozessor Qualcomm Snapdragon 450
Octa-Core 1,8 GHz
RAM 3 GB
interner Speicher 32 GB
MicroSD ja (2.048 GB)
Kamera vorne/hinten 8 MP/
13 + 2 MP (Dual Kamera)
Fingerabdrucksensor ja
Akku 2.965 mAh
USB-Port USB 2.0 (Typ B)
IP-Zertifizierung nein
Abmessungen (mm) 158,2 x 76,6 x 8,4
Farben Schwarz, Silber, Blau
Einführungspreis 249€
Aktueller Marktpreis 220€

Design und Verarbeitung

Das HTC Desire 12+ erscheint im glasigen Unibody-Stil. Die schmieranfällige Oberfläche zieht sich bei HTC durch alle 2018 erschienen Geräte. Optisch und blank poliert macht das Design des Desire 12+ allerdings einiges her: Die Verarbeitung der eingelassenen Elemente – zum Beispiel die Dual-Kamera und der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite – ist über jeden Zweifel erhaben.

Der angesprochene Unibody lässt zudem gar nicht zu, dass Verarbeitungsfehler bei etwaigen Materialwechseln auffallen könnten. Die kritischste Stelle – der Übergang vom Seitenrand zum Display – ist mit einer unscheinbaren Plastikumrandung kaschiert worden. Diese geht fast nahtlos in das zu allen Seiten leicht abgerundete Displayglas über.

Kurz zu den Seitenrändern: Vom Hochformat aus gesehen auf der rechten Seite befinden sich die physischen Tasten für Lautstärke und zum Einschalten des Handys – die Sensor-Tasten des HTC U12+ haben es nicht in die Mittelklasse geschafft. Der Power-Button hat eine fein geriffelte Struktur und hebt sich so auch haptisch von der Lautstärkewippe darüber ab.

Der obere Rand ist blank, links ist die Dual-SIM-Schublade eingelassen, die Steckplätze für zwei SIM-Karten und eine Speicherkarte bereithält. Man kann beim HTC Desire 12+ also von einem echten Dual-SIM-Smartphone reden.

Die restlichen Elemente liegen also auf der Unterseite: Neben einem Klinkeneingang und dem Lautsprechergitter wartet hier ein USB-Port auf den passenden Stecker. Das große Ärgernis ist, dass es sich hierbei um einen ausgedienten Micro-USB-Port vom trapezförmigen Typ B handelt. Im Jahr 2018 darf dieser Umstand auch bis in die Mittelklasse kritisiert werden.

Auf der Displayseite gibt es optisch wenig zu kritisieren. Das Prädikat „randloses Display“ erhält das Smartphone nicht, dies wird allerdings auch nicht angestrebt. Störend sind die Ränder ohnehin nicht, rein rechnerisch wird das Smartphone hierdurch aber größer, als es sein müsste.

HTC Desire 12+ im Hands-On

Das Plus im Namen Desire 12+ kommt nicht von ungefähr: Denn klein ist das Handy nicht. Stolze 6 Zoll Display plus Ränder hält der Nutzer in den Händen. Dazu kommt die Dicke von 8,4 Millimetern, womit das Handy nicht zu den dünnsten Vertreten gehört.

Und trotzdem fühlt sich das HTC Desire 12+ gut an. Die Verarbeitung tut ihr übriges zu einem guten Handgefühl. Unangenehme Kanten, Falzen und Lücken gibt es nicht. Die Bedienelemente, einschließlich des Fingerabdrucksensors auf der Rückseite, sind gut erreichbar. Die Dual-Kamera ist in der Ecke platziert, sodass die Hände nicht Gefahr laufen, die Kamera zu bedecken und gegebenenfalls mit Fingerabdrücken zu verschmieren. Diese Gefahr lauert sonst aber an jeder Stelle des Gehäuses.

HTC Desire 12+ im Test: Hands-On

HTC Desire 12+ im Unboxing

Die schlichte, mattschwarze Box, in der das HTC Desire 12+ geliefert wird, enthält neben dem Handy einiges an Papierkram, darunter sogar HTC-Fanaufkleber. Die nützlicheren Beilagen sind so vollständig wie notwendig und bestehen aus folgender Konstellation:

  • Netzadapter
  • USB-Kabel
  • In-Ear-Headset
  • SIM-Karten-Nadel

Die beigelegten Kopfhörer dürften HTC-Kenner interessieren. Das Ergebnis ist auf den ersten Blick jedoch ernüchternd: Anders als in der Flaggschiff-Serie gibt es hier keine hochwertige Ware, sondern 08/15-Kopfhörer, die bereits beim Anschauen Ohrenschmerzen verursachen. Weniger wegen des zu erwartenden Klangs, sondern eher wegen der unsauberen und harten Plastikverarbeitung der Ohrstecker.

Beim HTC Desire 12+ zeigt HTC, dass Design und Verarbeitung zu den Stärken des Herstellers gehören. Auch wenn weder die Gestaltung noch die Materialwahl wirklich neu und innovativ sind, gefällt das Smartphone doch auf Anhieb.

Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen

Display

Macht das HTC Desire 12+ beim oberflächlichen Blick noch einen sehr guten Eindruck, wird dieser geschmälert, sobald nur kurz hinter die Fassade geschaut wird. Diese ist in diesem Falle glasig und nennt sich Display.

Die Anzeige misst in der Diagonalen stolze 6 Zoll. Damit hier ein scharfes Bild entsteht, bedarf es also einer vernünftigen Auflösung. Diese bietet HTC auch im besseren Desire 12 nicht.

Auf dem IPS-Panel werden Inhalte in HD-Qualität dargestellt, was – auf das 2:1-Format bezogen – eine Auflösung von 720 x 1.440 Pixeln bedeutet. Hieraus lässt sich eine Pixeldichte von 268 ppi (Pixeln pro Zoll) errechnen: ein schlechter Wert. Langes Betrachten aus kurzer, Smartphone-üblicher Distanz, macht hiermit keinen Spaß.

HTC Desire 12+: Display
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Immerhin: Geblendet wird man vom Desire 12+ nicht, denn auch in der maximalen Helligkeitsstufe basiert die Hintergrundbeleuchtung der Anzeige auf einer Sparflamme. Gerade im Sommer wird die Ablesbarkeit des Displays draußen zur Herausforderung.

Die weiteren Aspekte, Blickwinkelstabilität und automatische Helligkeitssteuerung, sind grundlegend zufriedenstellend. Die letzten Prozentpunkte nach oben fehlen aber auch hier. An sich wäre das nicht weiter schlimm. Im Zusammenspiel macht das Display so aber keine gute Figur.

Immerhin, es gibt auch einen Lichtblick: Die hintergründigen Einstellungen des Displays sind vielfältig und bieten Modifikationsoptionen, die in der Preisklasse des Desire 12+ nicht alltäglich sind.

Zu dunkel und eigenschaftslos. Das Display ist einer der Schwachpunkte des HTC Desire 12+. Hier lässt der Hersteller viel Potenzial ungenutzt.

Einzelwertung: 3 von 5 Sternen

Ausstattung und Leistung

Ein Leistungsmonster wird mit dem HTC Desire 12+ nicht erwartet. Der Prozessor, ein Qualcomm Snapdragon 450, entstammt der unteren Mittelklasse. Hier arbeiten acht Kerne mit bis zu 1,8 GHz Taktfrequenz.

Einen ersten, auf harten Fakten basierenden Eindruck geben Benchmark-Tests. Diese bringen die Ausstattung und insbesondere den Prozessor an die Grenze der Leistungsfähigkeit. Im grafiklastigen Test von AnTuTu erreicht das HTC Desire 12+ einen Wert von 71.056 Punkten. Der prozessorlastige Test Geekbench 4 weist im Multi-Core-Test einen Wert von 3.826 Zählern auf.

HTC Desire 12+ im Test: Benchmark-Test

Damit befindet sich das HTC Desire 12+ im Marktumfeld eines Moto G6 oder Samsung Galaxy A6+ und eine Stufe unter dem Sony Xperia XA2 oder Nokia 6. Aber es geht auch deutlich schlechter. Keine Konkurrenz für das Desire 12+ sind einerseits der kleine Bruder Desire 12 oder das Samsung Galaxy A6. Das Gigaset GS185 liegt im AnTuTu-Benchmark-Test weit hinter dem Desire 12+ zurück, im Geekbench-Test sind die beiden Geräte jedoch gleich gut.

In der Praxis merkt der Nutzer den schwächelnden Prozessor hier und da. Die Grundfunktionen im Menü und wenig aufwendige Apps werden hiervon aber nur selten tangiert. Schwerwiegend wird es zum Beispiel bei den für höhere Belastung ausgelegten Benchmark-Apps oder 3D-Spielen.

Umfeld Modell Benchmark-Wert
Testgerät HTC Desire 12+ 71.056
 direkte Konkurrenten Motorola Moto G6 70.031
Huawei P smart 66.485
Samsung Galaxy A6+ 69.754
ehemalige Spitzenmodelle Apple iPhone 7 172.705
Huawei P10 164.163
Samsung Galaxy S8 174.550
OnePlus 6 268.802
aktuelle Referenz Samsung Galaxy S9+ 249.185
HTC U12+ 270.006

Speicher und SIM

Wie eingangs erwähnt, verfügt das HTC Desire 12+ über eine echte Dual-SIM-Funktion nebst Speichererweiterung. Das heißt, es können parallel zwei SIM-Karten betrieben werden, wobei beide Slots LTE-fähig sind, im Parallelbetrieb aber nur ein Slot für LTE aktiviert ist. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, den 32 GB fassenden Speicherplatz per Micro-SD-Karte um maximal 2 TB zu erweitern. Von den angesprochenen 32 GB stehen beim Start knapp 23 GB zur Verfügung.

Für laufende Prozesse und parallel geöffnete Apps stehen 3 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung. Dies ist den 32 GB an Speicherplatz und der gesamten technischen Ausstattung angemessen. Weniger hätte es allerdings nicht sein dürfen.

Sensoren und Konnektivität

Weitere Ausstattungsmerkmale sind maßgeblich für die Verbindungen des HTC-Smartphones mit der nahen und fernen Umgebung. Angefangen von LTE Cat.4, das in der Theorie Download-Geschwindigkeiten von 150 MBit/s über das Mobilfunknetz erlaubt, bis hin zum WLAN, das bei diesem Gerät leider ohne Dualband-Kompatibilität  – unterstützt wird nur das 2,4-GHz-Band – und den Standard ac auskommen muss.

Feature Vorhanden Funktion
HSPA Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+ Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTE Mobilfunkstandard, Down-max 150 Mbit/s, Up-max: 50 MBit/s
USB-OTG Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNA Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher (nicht ab Werk vorhanden)
NFC Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
Kabellose Display-Übertragung Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (z.B. Miracast/AirPlay/Google Cast)
MHL Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-Fernbedienung Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-Version 4.2
WLAN-Standards IEEE 802.11 /b/g/n/
Qi Ermöglicht das kabellose Laden des Smartphones

Bluetooth ist in der Version 4.2 verfügbar und somit auch nicht mehr aktuell. Gleiches gilt auch und vor allem für den Micro-USB-Port, der noch im trapezförmigen Typ-B gehalten ist und mit USB-2.0-Kompatibilität versehen ist. Immerhin: Den 3,5-Millimeter Klinkeneingang für Kopfhörer hat HTC – anders als beim Flaggschiff U12+ – beibehalten.

Auf der Rückseite des Smartphones prangt ein Fingerabdrucksensor. Dieser liegt technisch nicht auf Flaggschiff-Niveau, verrichtet in der Praxis allerdings passable Arbeit. Nur ganz selten muss die Zeigefingerposition für einen zweiten oder dritten Versuch korrigiert werden. Was der Sensor gar nicht mag, ist Nässe: Kurz nach dem Händewaschen funktioniert die Entsperrmethode also nicht.

Die moderne Alternative, Entsperren per Gesichtserkennung, gibt es nicht, obwohl die Frontkamera im Foto-Modus Gesichter erkennen kann. Dies sind aber zwei Paar Schuhe. Trotzdem könnte die Technik per Software-Update verfeinert und als neue, biometrische Aufweckmethode nachgeliefert werden.

Beim Telefonieren zeigt das Desire 12+ beide Seiten derselben Medaille: Am Ohr ist sowohl die Klangqualität als auch die Geräuschminimierung der Umgebung zufriedenstellend. Mit offenem Mikrofon und Außenlautsprecher wird sowohl die ein- als auch die ausgehende Gesprächsqualität deutlich gemindert.

Das HTC Desire 12+ ist für ein Smartphone der unteren Mittelklasse passabel ausgestattet. Die Dual-SIM-Funktion und die Speichererweiterung stellen klare Kaufargumente dar. Daneben gibt es aber nichts, das wirklich begeistert.

Einzelwertung: 3 von 5 Sternen

Kamera

2018 ist bei HTC das Jahr der neuen Dual-Kamera. Auch wenn die Taiwaner bereits früh – 2011 im HTC Evo 3D und 2014 nochmal im HTC One m8 – auf das Doppelauge setzten, spielte eine Doppelkamera seitdem keine Rolle mehr bei HTC-Smartphones, während viele KOnkurrenten die Vorzüge für ihre Modelle entdeckten.

Neben dem Flaggschiff U12+ kommt ein solches Kamera-Setup jetzt aber auch beim Desire 12+ in der Mittelklasse zum Einsatz. Zusammen mit der Frontkamera ergeben sich folgende Daten für die drei Kameras:

  • Erste Kamera: 13 Megapixel, f/2.2, Phase-Detection-Autofokus
  • Zweite Kamera: 2 Megapixel, Bokeh-Effekt
  • Frontkamera: 8 Megapixel, f/2.0, eigener LED-Blitz

Beide Kamera-Konstellationen, also vorne und hinten, können Videos in Full-HD-Auflösung aufnehmen. Die Hauptkamera ist zudem in der Lage, Fotos während der Videoaufnahme zu erstellen. Einen optischen Bildstabilisator, der in unruhigen Situationen zur Hilfe eilt, gibt es nicht. Qualitativ sind die Videos jedoch sowohl in Sachen Bild- als auch bei der Tonqualität maximal ausreichend.

In der folgenden Galerie wird die Kamera-Bewertung anhand von Testfotos erläutert:

HTC Desire 12+ im Test: Kamerabilder

Es zeigt sich, dass sich das HTC Desire 12+ beim Fotografieren gar nicht so schlecht anstellt. Bei dunklen Szenarien und nachts nimmt das Rauschen überhand, ab und an bleibt zudem die Scharfzeichnung auf der Strecke. Grundsätzlich macht das Desire 12+ aber brauchbare Schnappschüsse.

Die Kamera-App

Die App, die HTC zur Bedienung des Fotostudios beisteuert, ist raffiniert aufgebaut und lässt sich intuitiv bedienen. Fast alle Einstellungen erkennt der Nutzer auf den ersten Blick und er erreicht sie schnell.

Die Einstellungen öffnen sich nicht in einem eigenen Fenster, sondern werden direkt von der Seite kommend über dem Sucher-Bildschirm eingeblendet. Dazu ist das Menü kaum verschachtelt.

HTC Desire 12+ im Test: Kamera-App

Diese flache Oberfläche fällt zulasten eines richtigen Profi-Modus. Ob dieser in einem Handy dieser Güteklasse wirklich notwendig ist, sei allerdings dahingestellt. Dennoch lässt sich nur geringfügig an ISO-Wert und Belichtungskorrektur herumspielen.

Foto-Künstler sollten vom HTC Desire 12+ nicht zu viel erwarten, brauchbar ist die Dual-Kamera jedoch allemal. Dazu kommt eine gute Kamera-App, der ein wenig die Tiefe fehlt. Es ist Geschmackssache, ob das ein großes Manko darstellt.

Einzelwertung: 3,5 von 5 Sternen

Software und Multimedia

Aus der Box kommt das HTC Desire 12+ mit aufgespieltem Android 8.0 Oreo. Darüber legt HTC wie fast immer – Ausnahme ist das U11 Life – die eigene Benutzeroberfläche HTC Sense.

Diese zeichnet sich durch eine schön flache und optisch kühle Struktur aus. Eine Eigenschaft ist zudem der HTC-Blinkfeed, in dem der Nutzer Nachrichten und Highlight-Meldungen aus den verschiedenen Apps in einem bunten Mix erhält. Dieser Mix interagiert auch mit dem Always-On-, oder auch Inaktivitätsdisplay, bei dessen Aktivierung bereits ein Anheben des Handys reicht, um zum Beispiel eine E-Mail-Vorschau neben der aktuellen Uhrzeit auf dem sonst schwarzen Display zu sehen.

Bloatware, also ungewollte und werbliche Software, findet man auf dem HTC Desire 12+ kaum. Jetzt aber das große Aber: Vor der ersten Inbetriebnahme fragt das Handy, welche „nützlichen“ Apps denn vorab installiert werden sollen. Hier versteckt sich mehr Werbung als guter Wille. Allerdings besteht hier kein Installationszwang von einer Mindestzahl an Apps aus der vorgegebenen Auswahl, sodass dieser Schritt durch mühsames Wegklicken der markierten Apps übersprungen werden kann.

Einige App-Dopplungen müssen verschmerzt werden; der Grund liegt darin, dass sowohl Android als auch HTC Sense eigene Apps bieten, die offenbar für die reibungslose Funktion der Software maßgeblich sind. Dazu zählt beispielsweise der E-Mail-Client.

Auf den zweiten Blick werden kleinere Ungereimtheiten in der Software-Oberfläche entdeckt: Hinter der geheimnisvoll klingenden Schnelleinstellung „Heiße Orte“ verbirgt sich das Mobile-Hotspot-Management. Außerdem enthält die vorinstallierte Software-Tastatur des Anbieters TouchPal auch in deutscher QWERTZ-Grundeinstellung tatsächlich eine QWERTY-Tastatur.

HTC Desire 12+ im Test: Screenshots

Ebenfalls mit an Bord ist der smarte HTC-Assistent Sense Companion, der mit der Zeit immer klüger wird und Informationen aufgrund der Interessensbekundungen und des Nutzerverhaltens zusammenstellt.

Die Software-Ausstattung des Desire 12+ ist HTC-like, durchdacht und wirkt vollkommen. Das Handy ist weit davon entfernt, lieblos entwickelt worden zu sein, wie es bei Handys in den unteren Preisregionen nicht selten der Fall ist. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Fürsorge auch in HTCs Update-Politik widerspiegelt und das Desire 12+ ab und zu ein Sicherheits-Update erhält – ab Werk befindet es sich auf der Sicherheitsebene von März 2018 – und zumindest ein Update auf Android 9.0 P spendiert bekommt.

Sound, Klang und Multimedia

HTC war und ist ein Sound-Experte auf dem Smartphone-Markt. Nur leider ist die feine Technik und Technologie offenbar nur dem Flaggschiff-Segment vorbehalten. Angefangen von den wirklich lausig schlechten Kopfhörern im Lieferumfang, macht auch der Lautsprecher im Handy eher eine unglückliche Figur. Bässe fehlen in der Standardkonfiguration fast komplett, jede noch so gute Komposition wird durch den Lautsprecher verfälscht. Leichte Abhilfe schafft der Software-Equalizer, der zumindest beim Bass ordentlich nachhelfen kann. Aber wirklich nur ein bisschen.

HTC Desire 12+: Musik und Sound
Bildquelle: Michael Stupp / inside handy

Wer keine Musik vom Speicher hören will und wem Streamingdienste zu viele Daten beanspruchen, der kann auf dem HTC Desire 12+ auch via UKW-Radio in den Genuss von Songs und Audioinhalten gelangen.

Die Software des HTC-Smartphones ist durchdacht und aktuell. HTC ist hier auf richtiger Mission unterwegs. Abzüge gibt es vor allem für die Soundausstattung, die trotz eigentlich guter Software-Voraussetzungen untypische Schwächen zeigt.

Einzelwertung: 3,5 von 5 Sternen

Akku

Der Akku des HTC Desire 12+ fasst 2.965 mAh. Eine krumme Zahl und ein unterdurchschnittlicher Wert – insbesondere für die Größe von Handy und Display. Zur Verteidigung muss aber auch gesagt werden, dass die verbaute Technik grundsätzlich keine allzu hohe Energienachfrage mit sich bringt.

So ist es vermutlich der dürftigen Nennladung des Energiespeichers zuzuschreiben, dass der Akku keine überaus lange Kondition besitzt. Nach 8 Stunden intensiver Belastung ist der Ladebalken schon um mehr als die Hälfte geschrumpft.  47 Prozent stehen noch auf der Habenseite. Power-User werden mit dem Handy nur schwer über den Tag kommen.

Der Akkutest in der Chronik

Uhrzeit Aktivität Akku vorher Akku nachher
07:25 Beginn des Akkutests 100%
07:43 30 Minuten Videostream (YouTube) 99% 91%
08:21 AnTuTu-Benchmark-Test 90% 87%
08:52 30 Minuten Audiostream (Spotify) 85% 84%
09:39 30 Minuten Telefonieren 83% 80%
10:28 Asphalt 8: Airborne 79% 68%
11:22 Stetige Nutzung von Apps, Internet und Kamera 68% 58%
15:02 Upload der Screenshots, Fotos und Testdaten 51% 48%
15:25 Ende Intensiv-Phase 47%
+1, 07:30 Ende Standby-Phase (16 Stunden) 47% 41%
09:43 90 Minuten Aufladen 27% 92%

Was sich über den Tag beobachten lässt und auch durch die Standby-Phase bestätigt wird, ist die Tatsache, dass vor allem die Zeit mit angeschaltetem Display am Akku nagt. Videostream und Spiele-Session sorgen für deutliche Sprünge nach unten. Wenn das Display allerdings 16 Stunden abgeschaltet ist, obwohl sämtliche Funktionen und Verbindungen weiter aktiv sind, verliert der Akku vergleichsweise wenig an Ladung.

Beim Aufladen zeigt sich, dass das HTC-Smartphone auch hier keine Rekordgeschwindigkeit hinlegt. Für den Sprung von unter 30 auf über 90 Prozent brauchen sehr gute Smartphones eine halbe Stunde, mittelklassige eine Stunde. Beim HTC Desire 12+ dauert dieses Unterfangen anderthalb Stunden und damit länger – trotz des vergleichsweise kleinen Akkus.

Der Akku des HTC Desire 12+ ist klein. Dazu ist die Hard- und Software-Abstimmung nicht auf Energiesparen getrimmt. Das Ergebnis ist durchwachsen.

Einzelwertung: 3 von 5 Sternen

 Modell  Kapazität (mAh) Akkustand Verbrauch
Arbeitstag (8h) Nacht im Standby (16h) Intensivtest (8h) Standby (16 h)
HTC Desire 12+ 2.920 47 41 53 6
Alternativen
Motorola Moto G6 3.000 53 47 47 6
Huawei P Smart 3.000 65 54 35 11
Samsung Galaxy A6 3.000 69 54 31 15
Referenz
LG X power2 4.500 83 74 17 9

Fazit

Das HTC Desire 12+ ist ein unspektakuläres Smartphone der unteren Mittelklasse. Dazu ist es ein Handy der Kontraste. Mit Ausnahme der Kamera gilt: Was nicht gut ist, ist schlecht.

Zu nennen sei hier insbesondere das Display und die Qualität von allem, was mit Sound zu tun hat. Positiv hervorzuheben, ist die Verarbeitung und die Haptik des Smartphones, hier hebt sich das Desire 12+ von der Konkurrenz ab.

Ein Kaufargument ist sicherlich die Dual-SIM-Fähigkeit nebst großzügiger Speichererweiterung.

HTC Desire 12+ im Test: 4 von 5 Sternen

Gesamtwertung: 3 von 5 Sternen (~64 Prozent)

Tops des HTC Desire 12+

  • Sehr gute Verarbeitung
  • Echte Dual-SIM-Funktion
  • Ordentliche Mittelklasse-Kamera

Flops des HTC Desire 12+

  • Schlechtes Display
  • Kleiner Akku
  • Magerer Sound

Preis-Leistung

Das Preisschild, das dem HTC Desire 12+ umgehängt wird, ist knapp 250 Euro schwer. Kein Mondpreis für ein Smartphone und marktgerecht, zieht man zum Beispiel den ärgsten Konkurrenten, das Moto G6 zum Vergleich hinzu. Wirklich punkten könnte HTC hier aber nur mit einem Preis, der näher an die 200-Euro-Marke heranreicht oder diese mit obligatorischen 199 Euro sogar unterbietet.

Alternativen

Die Alternativen zum HTC Desire 12+ gibt es auf dem Markt zu Hauf. Ähnlich ausgestattet ist zum einen das Motorola Moto G6 – vor allem preislich ist das Motorola-Smartphone minimal attraktiver. Deutlich teurer, technisch ähnlich ausgestattet, aber mit einem deutlich besseren Display bestückt, ist das Samsung Galaxy A6+.

Weitere Alternativen zum HTC Desire 12+ finden sich in den Smartphone-Bestenlisten, die nach Preisen gestaffelt sind:

Bildquellen:

  • HTC Desire 12+ im Test: Michael Stupp / inside handy
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iPhone X liegt auf einer Zeitung

iOS 12.1 Beta 4: Neues Update für Entwickler geht online

Bei Apple stehen aktuell die Software-Mühlen nicht still: Nachdem die Beta-Version von iOS 12.1 bereits kurz im Anschluss an die Keynote im September für Entwickler veröffentlicht wurde, geht es aktuell mit der dritten Ausgabe weiter. Zwischendurch erhielten auch Endkunden ein neues Update: iOS 12.0.1.
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Michael liebt Technik und vor allem Smartphone-Tests. Seit 2012 ist er mit Unterbrechung bei inside handy und schreibt über die neueste Technik. Zu seinen Aufgaben gehören das Ausprobieren von neuen Handys sowie das Betreuen der Social-Media-Auftritte. Seine Freude an der Technik wird nur von seiner Liebe für den Fußball übertroffen – besonders für den Verein seines Herzens, den 1. FC Köln. Er spielt aktiv im Verein und digital an der PlayStation. Wenn er nicht mit Ballsport oder Schreiben beschäftigt ist, verreist er gerne und betätigt sich als Chefredakteur des Gin-Magazins.

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