Die Eröffnung der weltgrößten Filiale des Media Marktes in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch endete in einer blutigen Schnäppchen-Jagd. Zuvor drängelten sich Tausende im "Alexa" am Berliner Alexanderplatz vor den Rolltoren des Elektro-Fachgeschäfts und riefen lautstark: "Aufmachen! Aufmachen!". Als die Media-Markt-Leitung um 23.47 Uhr reagierte, begann das Chaos.
Viele Verletzte
Die Menschen stürmten den Laden, schubsten und pöbelten. Auch der Sicherheitsdienst verlor den Überblick. Rund 100 Polizisten wurden alarmiert, um die Menschenmassen unter Kontrolle zu bekommen. Doch das gelang nicht. Sogar die Glastür am Haupteingang wurde zertrümmert. Dabei verletzten sich mehrere und ein Notarzt musste gerufen werden. Um 1.20 Uhr zog der Media Markt eine erste Konsequenz und schloss die Tore.
8.000 qm Verkaufsfläche
Mit einer Verkaufsfläche von 8.000 Quadratmetern ist der Berliner Markt der bisher größte der Elektromarktkette. Zur Eröffnung sollte das Geschäft ursprünglich 24 Stunden geöffnet sein.
In Rahmen der allgemeinen Erheiterung über den Ansturm auf die sog. "Schnäppchen" geht in meinen Augen das eigentliche, sozialpolitische Problem unter, die Aggressivität der "Kundschaft".
In einer Gesellschaft, in der der zweite bereits als Verlierer da steht, in der immer mehr die Ellenbogen eingesetzt werden (müssen?), um selb...[mehr]st- oder fremdgesteckte Ziele zu erreichen und sei es nur der Staubsauger für 20 Euro im Sonderangebot, züchtet man mit solchen Stampeden eine Spezies heran, die man eigentlich nicht sehen will, bzw. die man in Appellen an die Vernunft zu bekämpfen versucht.
Wenn der Papst in seiner Osteransprache oder die Bundeskanzlerin in der Sylvesternacht zu mehr Toleranz, Freundlichkeit, Fairness und Verständigung aufrufen, ist es äußerst kontraproduktiv, Menschenmassen durch angebliche Sonderangebote und extreme Limitierungen dermaßen in einen Rausch zu versetzen, dass man in der Traube der Konsumwütigen dem Nebenmann nicht mal die Butter auf dem Brot gönnt . DAS sollte den Strategen in Ingolstadt vielleicht auch mal aufgetischt werden. Wenngleich diese (leider) wahrscheinlich niemals in einem Laden stehen werden bzw. gestanden haben, vor dessen Tür sich ein Orkan aus Konsumbesessenheit und Dont-touch-me-Aggression zusammenbraut und in dem den Mitarbeitern der Angstschweiß auf der Stirn steht.
Abhilfe bei gleichbleibendem Wirtschaftsfaktor? Eigentlich ganz einfach. In die Angebotsveräußerung einfach die vorhandene Stückzahl eintragen, entsprechende Lagerverfügbarkeit herstellen und vor allem an den gesunden Menschenverstand appellieren: "Leute, bleibt ruhig! Morgen gibts auch noch welche!"
Gute Wahl , bist den richtigen Weg gegangen Walker ;)