Woher ihre Produkte kommen, darüber machen sich viele Verbraucher keine Gedanken. Die niederländische Organisation SOMO, die es sich zum Ziel gemacht hat, die Auswirkungen der Globalisierung bei multinationalen Konzernen unter die Lupe zu nehmen, zeichnet in einem Vorabbericht einer Studie ein düsteres Bild: Handys werden gerade in Fernost unter oft erschreckenden Bedingungen erstellt. Ob fehlender Gesundheitsschutz oder aber Lohndumping - kaum ein Handyhersteller, der nicht in dem Bericht genannt wurde. Inzwischen hat Nokia Stellung bezogen.
Linsen-Herstellung führt zu Vergiftungen
Obwohl erst eine Vorschau, wurden doch schon einige untersuchte Unternehmen genannt. So wurden beim chinesischen Hersteller Hivac Startech Film Window, der Linsen für
Kamera-Handys von
Motorola herstellt, n-Hexane zur Reinigung der Linsen verwendet. Hexan weist Suchtpotential auf und ist gesundheitsschädlich, trotzdem erhalten die Arbeiter dort keinen Mundschutz, oder aber eine Einweisung in den Umgang mit gefährlichen Chemikalien. Erst nach einem halben Jahr und nach zahlreichen Krankheitsfällen sei das n-Hexane gegen Verdünner ausgetauscht worden, der allerdings genauso gesundheitsschädlich sei wie n-Hexane.
Blei beim Nokia-Zulieferer?
Ähnliche Zustände sollen bei Namiki Precision, einem Zuliefer-Betrieb von Nokia, herrschen. Dort werden dem Bericht zufolge ebenfalls giftige Chemikalien verwandt, ohne den Mitarbeitern einen Schutz zu geben. Immerhin werden die Arbeiter angewiesen, sich den Schutz selbst zu kaufen - ein Eingeständnis, dass die Substanzen zumindest nicht ungefährlich sind.
Das geschah jedoch anscheinend ohne das Wissen des finnischen Weltmarktführers: Nokia lagen alle notwendigen Unterlagen vor, die zur Erfüllung der eigenen, hohen Ansprüche an das Arbeitsumfeld gestellt werden.*
Blei schon lange verboten
Im Jahr 2005 sind laut SOMO bei Namiki Precision vielfache Bleivergiftungen aufgetaucht, wobei die Geschäftsführung den Mitarbeitern mitteilte, Blei sei nicht gefährlich. Blei ist als Werkstoff innerhalb der EU durch die Electronic Equipment Directive (WEEE) seit 2003 verboten.
Unbezahlte Überstunden für Handyteile sind der Regelfall
Der thailändische Zulieferer LTEC Ltd., ebenfalls für Nokia tätig, zeigt sich besonders engagiert bei Überstunden. Auch wenn offiziell nur acht Stunden Arbeitszeit auf dem Plan stehen, sind dort zwölf Stunden-Arbeitstage normal, und das sieben Tage pro Woche, Urlaub gibt es nur auf dem Papier.
Nokia hat dieses Unternehmen nach eigener Aussage schon vor Bekanntwerden des Reports um Stellungnahme gebeten, widerspricht die Darstellung doch den eigenen Firmenprinzipien.*
Lange Arbeit der Regelfall?
Extrem lange Arbeitszeiten sind in China dem Bericht zufolge eher der Standard als die Ausnahme. Auch bei Giant Wireless, einem Motorola-Zulieferer, sind 13 Stunden Arbeitszeit normal. Das widerspricht sogar den chinesischen Arbeitsgesetzen.
Gewerkschaften besonders unbeliebt
Gewerkschaften, in der IT-Industrie der SOMO zufolge grundsätzlich unbeliebt, gibt es praktisch nicht: In Indien, wo neben China ebenfalls ein großer Teil der Handyteile gefertigt werden, gibt es keine Gewerkschaften in den Firmen. Das Management einer LG-Fabrik in Indien soll der SOMO gegenüber bestätigt haben, man akzeptiere einfach keine Gewerkschaften, und werde sich auch nicht mit ihnen unterhalten. Indischen Nokia- und
Samsung-Arbeitern sei bereits bei ihrer Einstellung mitgeteilt worden, sie dürften sich nicht gewerkschaftlich organisieren.
Dem widerspricht Nokia vehement. Weltweit stehe es allen Mitarbeitern von Nokia frei, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Auch einen Arbeitsvertrag erhalten alle Nokia-Angestellten ab dem ersten Arbeitstag.*
Lohndumping im untersten Bereich
Die in Asien deutlich niedrigeren Löhne werden dem Bericht zufolge noch einmal unterboten: So verdienen Mitarbeiter des Ladegerätezulieferers Kangyou Electronics maximal 2,03 Euro pro Tag, Überstunden werden mit 28 Cent abgerechnet. Das Unternehmen produziert Ladegeräte, die zu Handys aller großen Marken kompatibel sind, jedoch nicht direkt für die Hersteller. Diese werden in Deutschland dann häufig als günstige No-Name-Ware in den Handel kommen. Die Löhne liegen noch unter den in China üblichen Stundenlöhnen.
Arbeiter ohne Verträge
Ebenfalls eine weit verbreitete Praxis scheint es zu sein, den Arbeitern keine Verträge auszuhändigen. Das wird vom Motorola-Zulieferer Hivac Startech aus China sowie für zahlreiche indische Betriebe berichtet. Der Vorteil für die Unternehmen: Keiner der Mitarbeiter kann sich auf seine Rechte berufen.
Kein Hersteller direkt angeklagt
Eine direkte Anklage der Handyhersteller bleibt jedoch in der Preview wie vermutlich auch im späteren Bericht aus. Dies ist darauf zurückzuführen, dass viele Hersteller ihre Produktion an zahlreiche Firmen outgesourct haben, und schlicht keinen Überblick mehr über die Herstellungsorte haben oder auch haben wollen. Gleichzeitig signalisiert er klaren Handlungsbedarf, steht doch vieles von dem hier berichteten in klarem Widerspruch zu den schön formulierten Firmenphilosophien, werden diese doch immer mehr zum Kaufkriterium für Kunden.
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Hinweis: Updates kursiv hinzugefügt
egal wie der Preis zustande kommt. Ich als Arbeitgeber würde gern noch einen Mitarbeiter einstellen aber das teuerste ist nunmal Personal.
Die Leute wollen alles billiger nur das auch ihr Arbeitsplatz mitunter wegfällt um das Produkt 0,10 cent günstiger zu machen....
Ich kaufe z.B. nie im Internet oder in der Großfläche ein um den Einzelhandel zu unterstützen.
Ich finde es scheinheilig sich über die Arbeitsbeding...[mehr]ungen in Asien zu beschweren aber selbst nicht mehr als einen Euro (mit Vertrag) für ein Handy ausgeben zu wollen.
Wichitg ist, dass wir alle ein Dach übr dem Kopf haben und auch nicht hungern müssen.
Wer wieviel im Monat verdient hängt auch von seinen Qualifikationen, Referenzen oder Jobart ab. Das Glück ist auch ein Faktor... Der eine verdient weniger - der andere mehr. Ich kann mich zum Glück wi...[mehr]rklich nicht beschweren.
Wenn wir uns allerdings jetzt so richtig intensiv Gedanken machen müssen über die Bezahlung in China, Asien ec. machen, dann hätte ich wahrscheinlich nur 10% von den Elektroniksachen bei mir in der Wohnung stehen, die dort produziert wurden.