inside-handy.de ist auch bei den Print-Medien als Mobilfunk-Wissens-Community gefragt. In der aktuellen Ausgabe des PC Magazin (12/2003) finden interssierte Leser einen Artikel rund um das Thema "Handys als Spielekonsolen" zu dem die inside-handy-Experten Sven Schulze und Jan Freynick um ihre fachkundige Meinung gebeten wurden. Vor allem zum Ausgleich sinkender Umsätze in der Sprachtelefonie sollen aufgemotzte Mobiltelefone nämlich künftig stärker als Spielkonsole herhalten.
Auszüge aus dem Artikel im PC Magazin 12/2003:
Es gibt kaum noch ein aktuelles
Mobiltelefon, das nicht mit einigen Spielen zum Zeitvertreib ausgestattet ist. Je neuer das Handy, desto mehr Spiele - lautet die Devise der Hersteller. Online-Spiele, insbesondere für mehrere Teilnehmer, sind derzeit besonders angesagt. Dank immer besserer Displays, Prozessoren und preiswerteren Speichern werden die Spiele auf den Mini-Spielekonsolen auch ständig attraktiver.
Die Handyhersteller versuchen mit immer neueren Modellen, Kunden zu ködern, um so die beinahe gesättigte Nachfrage aufrecht zu erhalten. Noch vor zehn Jahren war die Sprachtelefonie das einzig beherrschende Thema im Mobilfunk. Mit der
SMS erhielten die ersten Datendienste Einzug in die Mobilfunkwelt. Weiterentwicklungen wie
Smart-Messaging von
Nokia oder der
Enhanced Messaging Service anderer Hersteller waren Alleinstellungsmerkmale mit kaufentscheidender Bedeutung.
Große Hoffnung setzen Hersteller und Betreiber jetzt in den mobilen Spielemarkt. Nach Einschätzung von
Jan Freynick, Geschäftsführer des Mobilfunk-Wissens-Portal inside-handy.de (
www.inside-handy.de), „liegt das größte Potenzial im Moment in der Zielgruppe der 12- bis 20-Jährigen, aber auch für die Hersteller ist das Mobile Gaming' im Zuge der weiteren Multimedialisierung' ein wichtiger Punkt. Die Vernetzung einzelner MultimediaKomponenten wird gerade durch die Spiele vorangebracht und nutzt dann später auch spezialisierteren Anwendungen."
Ganz ähnlich urteilen auch die Analysten der Unternehmensberatung Frost & Sullivan in ihrer Studie „World Mobile Gaming Markets": „Mit Blick auf die Einführung von
UMTS stellen Datendienste die größte Hoffnung der
Anbieter dar." Noch bringe das Erfolgsmodell SMS den Löwenanteil der Einnahmen aus den Datendiensten. Doch schon bald könnten die mobilen Spiele einen ernstzunehmenden Umsatzanteil erlangen. Die weltweiten Erlöse sollen laut Studie bis 2008 auf 12,8 Milliarden Dollar ansteigen. Und von den weltweit schätzungsweise 847 Millionen Mobiltelefonen und PDAs werden derzeit angeblich rund 15,4 Millionen zum Spielen genutzt, Tendenz steigend. Für einen Erfolg müssten die Mobilnetzbetreiber allerdings Payment-Systeme einführen, um Bedenken zu zerstreuen, die bei der Verwendung von Kreditkarten als Zahlungsmittel über Mobiltelefone derzeit noch vorherrschen. Der einfachste Weg wäre die Begleichung der Kosten direkt über die Telefonrechnung: sicher und unproblematisch. „Die meisten Netzbetreiber in Nordamerika und Europa werden hart an der Einführung der Micro-Billing-Systeme für Inhalte von Dritten arbeiten müssen", kommentiert Kshitij Moghe, Analyst bei Frost & Sullivan.
Am stärksten spiegelt sich der Wandel vom mobilen Telefon zur mobilen Spielekonsole bei
Nokia wider, dem größten Mobiltelefonhersteller der Welt. Spätestens mit der Übernahme der Online-Tochter Sega.com des Spieleherstellers Sega ist klar, dass Nokia den Freizeitcharakter der Handys extrem wichtig nimmt. Aber
Jan Freynick hat seine Zweifel, ob Nokia mit seiner Neuentwicklung richtig liegt und die Zeichen der Zeit erkannt hat: „Das
Display ist sehr klein und die Grafik gewöhnungsbedürftig. Wir sind sehr gespannt, ob solche Geräte eine Chance auf dem Markt haben. Echten Gamern dürfte der Spiel-Fun deutlich zu wenig sein, Kiddys dürfen keine Mobilfunkverträge machen und ohne Subventionierung ist das Gerät relativ teuer."
Insgesamt sind die Möglichkeiten für das Spielen per Handy sehr vielfältig. Die einfachste Variante sind SMS-Spiele. Sie beschränken sich überwiegend auf den Austausch von Textnachrichten. Spektakulär ist das trotz hoher Kosten natürlich nicht. Bei einem SMS-
Quiz beruht die Spannung einzig darauf, ob die Antwort richtig ist. Erheblich mehr Interaktivität und damit auch mehr Spielspaß versprechen Strategie- und Adventure-Spiele. Dabei handelt es sich um das erfolgreichste Gebiet der SMSGames.
Siemens hatte sogar eine Möglichkeit gefunden, die SMS-Funktionalität auch für andere Spiele einzusetzen. Das Spiel der 45er-HandySerie Battlemail, einer Art Boxkampf, konnte per SMS Schlag- und Verteidigungskombinationen zwischen zwei Handys austauschen. Ein Riesenerfolg wurde das Spiel allerdings nicht.
Der große Erfolg ließ auch bei den
WAP-Spielen auf sich warten. Wegen der starken Begrenzung der zu Grunde liegenden Programmiersprache in der ersten Version und einer verbreiteten Inkompatibilität vieler Handys, von denen beinahe jedes einen eigenen spezifischen
Browser besaß, wurden die ersten Gehversuche interessierter Nutzer schnell enttäuscht; richtige WAP-Freude kam nur selten auf. „Die aktuelle WAP-Version lässt zwar erheblich mehr Möglichkeiten zu, aber insgesamt ähneln WAP-Games den Spielen der uralten Atari-Konsolen: Sie sind langsam, ohne ansprechende Grafik und von vergleichsweise geringem Unterhaltungswert", urteilt der Handy-Spiele-Experte
Sven Schulze,
Entwickler bei
inside-handy.de.
Java-Games nutzen die „Mobile Java"-Sprache (J2ME) der Firma Sun (
http://de,sun.com). Sie ermöglicht Entwicklern die Programmierung kleiner und sehr vielfältiger Applets. Innerhalb kürzester Zeit haben sich zahlreiche Anwendungen und eben auch Spiele für das Handy durchgesetzt.
Mophun (
www.mophun.com) ist eine SpielePlattform, die es dem Endanwender erlaubt, interaktive, grafikintensive Spiele vom Internet per WAP direkt auf das Mobiltelefon oder, was erheblich preiswerter ist, zunächst auf einen PC und dann per
Infrarot in das Handy zu laden. Grafiken werden in Vollfarbe dargestellt und die Bildqualität ist ähnlich hoch wie bei Spielekonsolen.
Kompatibilitätsprobleme gibt es bei WAP- und SMS-Games nicht. Den Entwicklern von JavaSpielen bereiten dagegen vor allem die unterschiedlichen Display-Größen der Handys Schwierigkeiten. In einigen Fällen gibt es auch Probleme, das Spiel überhaupt auf das Mobiltelefon zu bekommen.
Mophun wird derzeit nur bei
Sony Ericsson eingesetzt. Schwierigkeiten sind nicht bekannt und dürften erst zu erwarten sein, wenn sich weitere Hersteller für die Mophun-
Plattform entscheiden und mögliche Darstellungsprobleme lösen müssen.
Der Markt für das Spielen mit dem Handy wird aber trotz aller positiven Prognosen begrenzt bleiben, denn technisch bestehen Grenzen: kleine Tasten, verhältnismäßig schlechte und in den
Abmessungen begrenzte Displays, wenig Speicherplatz und langsame Prozessoren. Spielen auf dem Handy kann trotzdem großen Spaß machen. Ob es den Mobilnetzbetreibern aber gelingen wird, Spiele auf dem Handy zu einer Gelddruckmaschine zu machen, kann dem Gamer letztlich egal sein.
Denn eins ist sicher: Die Mobilfunkhersteller werden auch in Zukunft Geräte entwickeln, auf denen es sich immer besser spielen lässt.
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